The Killing 3x11

Die Episode From Up Here läutet das große The Killing-Finale ein. Und das macht sie überaus gut. Sie wirkt wie eine letzte Atempause zwischen dem Tod Sewards und der Offenbarung des Killers. Wir treffen die überlebenden Beteiligten des Falles um den Pied Piper wieder und sehen, wie sie mit ihrem Leben klarkommen, welche Spuren der Kontakt mit einem Serienmordfall in ihren Seelen hinterlassen hat. Die erste Stunde des Finales tritt leiser auf als manch andere Episode der Serie, doch sie zeigt eine altbekannte große Stärke: Die Charakterzeichnung.
Abschied
Danette (Amy Seimetz) ist die einzige Mutter eines Straßenkindes, die wir kennengelernt haben, und sie ist die letzte, die immer noch keine Gewissheit hat. Während Bullets für uns unbekannte Eltern ihre Tochter zu Grabe tragen, sucht Danette nach einem Weg aus der Ungewissheit. Sie braucht einen Abschied von Kallie (Cate Sproule). Und sucht ihn in der Kirche, bei Bullets Trauerfeier, an der Brücke, an der wir Kallie kennengelernt haben und die dem Mutter-Tochter-Duo so viel bedeutet hat. Und sie sucht den Abschluss in einer Unterhaltung mit der Freundin ihrer Tochter, Lyric (Julia Sarah Stone). Für diesen Abschluss hat sie lange kämpfen müssen, gegen die Hoffnung und die Verzweiflung, in der wir sie immer wieder abwechselnd erlebt haben.
Auch an Henderson (Aaron Douglas) und Becker (Hugh Dillon) ist der Fall nicht spurlos vorbeigegangen. Doch welchen Sinn hatte ihre Anwesenheit in der Staffel? Sie zeigen uns den Kreislauf des Lebens, wie es in der Serie The Killing passiert. Henderson ist neu im Job, hat ein kleines Baby zuhause, sein Leben startet gerade. Er bringt Mitgefühl und Empathie mit, startet als einer, dem das Leben sich noch nicht von seiner furchtbaren Seite gezeigt hat. Am Ende dieses Kreislaufes steht Becker, ein gebrochener Mann, der seinen Hass auf das Leben an denen auslässt, die ihm untergeben sind. Sein Sohn ist bereits ein Teenager. Und dieser hat auf den Liebhaber seiner Frau geschossen. Man kann sich gut vorstellen, dass Becker sein Leben im Gefängnis als mitfühlender Mensch begonnen hat und man kann sich gut vorstellen, was aus Henderson wird, wenn er weiter in dieser giftigen Umgebung bleibt.
Wir haben die beiden bei einer Hinrichtung begleitet. Und das war die vielleicht intensivste Episode der Serie The Killing. Man möchte sich kaum vorstellen, was aus einer Figur werden muss, die solche Hinrichtungen regelmäßig miterlebt.
Henderson steht noch am Anfang, Becker probt den Ausstieg. Ein Happy End bekommt keiner von beiden.
Den Ausstieg aus ihrem bisherigen Leben haben auch Twitch (Max Fowler) und Lyric in Angriff genommen. In der Episode From Up Here treffen wir sie kurz. Lyric arbeitet in einem Fast-Food-Restaurant, geht zu Bullets Trauerfeier und wird von Danette angesprochen. Doch am Ende - so scheint es - erleidet sie einen Rückfall in das Leben, das sie kennt. Anders Twitch, der sich der Versuchung ebenso ausgesetzt wird, doch sich dafür entscheidet, clean zu bleiben. Sie haben die Wohnung bekommen und sich dafür entschieden, zusammen zu bleiben. Hätten wir sie nach der Besichtigung der Wohnung nie wieder gesehen, könnte ihre Story glatt als Happy End durchgehen. Doch so einfach machen die The Killing-Autoren uns den Abschied nicht. Wir müssen also mitansehen, wie Lyric rückfällig wird, während Twitch sauber bleibt. Werden sie einander Rückhalt geben oder sich eher gegenseitig mit runterziehen? Es tut auf jeden Fall weh, dass es Lyric ist, die den Absprung - zumindest fürs Erste - nicht schafft.
Beziehungen
Den Abgesang des Beinahkusses haben wir schon in der Episode Six Minutes gesehen. Doch neben der Seward-Storyline konnte das fast untergehen. Holder (Joel Kinnaman) hat eine seltene Begabung, er macht aus der seltsamen Kusserinnerung in der schwierigen Situation als Linden (Mireille Enos) Seward (Peter Sarsgaard) aufgeben will, einen gemeinsamen Lacher, holt seine Partnerin mit seinen Neckereien auf den Boden zurück.
In der Episode From Up Here sehen wir, wie die beiden Detectives sich um ihre Beziehungen bemühen. Die am meisten rührende Szene fällt dabei Holder zu. Er nähert sich Caroline (Jewel Staite) in der Annahme, dass er das Glück zerstört hat. Er hat ihr seine Vergangenheit verschwiegen, wollte, dass sie die guten Seiten an ihm sieht.
Doch dann bekommen wir die erste Antwort auf die Frage der Stunde: Ist Einsamkeit der Preis, den manche Menschen für ihr Leben zahlen müssen? Ist die einzige Chance auf Zweisamkeit, wenn sich zwei zusammentun, die dieselbe Dunkelheit in sich tragen? Holder wendet sich in der Stunde seiner Einsamkeit an Linden. Doch nun stellt sich heraus: Carolines Normalität, ihre stabile Psyche und normale Vergangenheit sind kein Nachteil, sie sind der Grund, warum diese Beziehung funktionieren könnte. Sie reagiert entspannt auf Holders Zusammenbruch und erklärt ihm, dass Streiten normal ist, dass dieses eine Gespräch nicht ihre Beziehung gefährdet.
Anders liegt der Fall für Linden. Sie geht zurück zu jemandem, von dem sie annimmt, dass er ihr ähnlich ist, ihr ehemaliger Partner Skinner (Elias Koteas). Wohin das führen wird, werden wir noch sehen.
Der Verdacht
Der Fall des Pied Piper ist noch nicht vorbei. Das letzte überlebende Opfer, Angie, taucht in der Episode From Up Here als Leiche auf. Obwohl Joe Mills (Ryan Robbins), der offiziell Beschuldigte, in Gewahrsam ist. Linden und Holder finden neue Beweise, neue Motive. Und die führen von der Vermutung, dass es sich um einen Cop handeln muss, direkt zu Reddick (Gregg Henry) als neuem Verdächtigen.
Endlich werden die Hinweise angesprochen, die wir schon lange gesehen haben: Er hat Bullets Anrufe auf der Polizeiwache entgegen genommen, er hat die Ringe in Mills Versteck gefunden, er hat die Zeugin Angie verloren.
Doch nun, da diese Verdächtigungen im ersten Teil des Staffelfinales angesprochen werden, darf man Reddick trotz starker Verdachtsmomente mit ziemlicher Gewissheit aus dem Kreis der Verdächtigen ausschließen.
Fazit
Die Episode From Up Here serviert noch nicht den Mörder, aber leistet die Vorarbeit dafür, dass die letzte Episode der dritten Staffel sich vollkommen auf die Suche nach selbigen konzentrieren kann. In dieser The Killing-Episode treffen wir die an dem Fall Beteiligten und sehen, was sie aus ihrem Leben gemacht haben, bekommen einen Einblick darauf, was es aus einem machen kann, wenn man in einen Serienkillerfall hineingezogen wird.
Verfasser: Serienjunkies.de am Montag, 5. August 2013(The Killing 3x11)
Schauspieler in der Episode The Killing 3x11
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