The Killing 3x09

The Killing 3x09

Die Episode Reckoning handelt davon, sich der Wahrheit zu stellen und dabei nicht zu zerbrechen. Die Serie The Killing setzt zum großen Showdown an, der Absprung ist eine grandiose Episode.

Linden (Mireille Enos) in der Serie „The Killing“. / (c) AMC
Linden (Mireille Enos) in der Serie „The Killing“. / (c) AMC

Die Episode Reckoning bringt eine alte Strategie der The Killing-Autoren wieder hervor. Das Geheimnis scheint gelüftet, der Fall gelöst, doch so ganz geht die Theorie nicht auf und man ahnt: Das dicke Ende kommt erst noch.

Der Verdächtige

Wieder einmal ist es die Zigarette. Der noch qualmende Stummel führt Linden (Mireille Enos) und Holder (Joel Kinnaman) zu Mills (Ryan Robbins), zu dessen Verhaftung, zum Fund der Ringe, zu der Annahme, den Killer gefasst zu haben, zu der Feststellung, dass er nicht der Mörder von Sewards Frau sein kann. Doch Linden und wir bleiben mit einer Wagenladung an Fragen und Theorien zurück: Sind es ganz einfach zwei verschiedene Täter? Ist Mills unschuldig? Ist er Teil eines Täterpaares, eines Teams, einer ganzen Verschwörung? Ist Seward (Peter Sarsgaard) überhaupt unschuldig?

Wenn Mills ein kaltblütiger Killer ist, dessen Opferliste eine ganze Wand bedeckt, wieso beraubt er Danette (Amy Seimetz) dann lediglich und hinterlässt der Polizei damit eine ganze Reihe an Hinweisen, die sie letztendlich zu ihm führen?

Mills wird durch seine Verhaftung zwei Episoden vor dem Finale und die Tatsache, dass er ja bereits als Kinderschänder überführt ist, schon fast entlastet in Bezug auf die Mordvorwürfe. Unterdessen wird die Verdächtigungswolke über jemand anderen immer dunkler: Reddick (Gregg Henry) präsentiert die Ringe, die der Killer seinen Opfern abgenommen hat. Was sagt uns, dass er es nicht ist, der sie überhaupt in die Lagereinheit mitgebracht hat? Er war es, der Bullets Nachrichten entgegengenommen hat und sie nicht gerettet hat. Vielleicht hat er ihre Nachrichten genutzt, sie zu finden und zu ermorden. Er versucht ein Geständnis aus Mills heraus zu prügeln.

Mit der Struktur der Serie wäre es zwar bestens vereinbar, wenn der Killer sich in einer angesehenen Position befindet, doch die massiven Hinweise sind ebenfalls einen Tick zu früh.

Keine Grenzen

Der Fall des Serienkillers greift ins Privatleben der Ermittler. Und das führt in der Episode Reckoning zu emotionalen Szenen, deren Intensität wir dem Cast, dem Drehbuch und der Regie gleichzeitig verdanken zu haben.

Dass Bullet (Bex Taylor-Klaus) verschwinden muss, das war klar. Schließlich kannte sie den Killer. Vor dem Finale konnte sie also nicht mehr auftauchen. Doch sie wird nicht zurückkehren, sie ist tot. Das erinnert an die Erbarmungslosigkeit der Serienautoren, die wir bereits aus den ersten Staffeln kennen. Auf ein Happy End wartet man bei The Killing vergebens.

Allerdings ist das Ende des Plots um Bullet auch ein Stück weit ärgerlich. Statt Holder den Namen des Mörders in ihrer Nachricht zu hinterlassen oder sich einfach dann doch an einen anderen Polizisten zu wenden, gibt Bullet sich geheimnisvoll. Dabei geht es um einen Serienkiller und nicht um illegale Hausbesetzungen oder Drogengeschäfte.

Doch die Konstellation führt zu Holders Zusammenbruch und der ist überaus sehenswert. Er schreit seine Freundin an, die aus einer anderen Welt stammt als er, die ihn nicht verstehen kann. Im Moment der Einsamkeit erträgt er ihre halbherzigen Beschwichtigungen nicht, von denen er weiß, dass sie nur dazu gesagt werden, damit Menschen wie er sich zurücklehnen können und der Wahrheit darüber, wie schlecht es anderen geht, nicht an sich heranlassen müssen.

Der Zusammenbruch hat auch Auswirkungen auf die Beziehung zwischen Linden und ihm. Holder rettet sie vor Mills, sie versucht ihn vor der Schuld, vor der Entdeckung zu schützen. So kennen wir sie. Neu ist der Beinahkuss. Und der ist wohl eine Sache, die man erst im Rückblick richtig einschätzen können wird. Es gibt Chemie zwischen den beiden, aber welcher Art sie ist, ist schwer zu sagen. Es könnte einfach sein, dass die beiden sich zu ähnlich sind, zu viel gemeinsam machen. Seine Freundin kann Holder nicht helfen, sie versteht ihn nicht. Linden hat eine ähnliche Dunkelheit in ihrem Wesen wie er, die beiden verstehen sich. Vielleicht war der Kuss Holders verzweifelter Versuch, sich aus einer unerträglichen Einsamkeit zu retten, vielleicht war es etwas anderes.

Dass er sich in der Stunde der Not an sie wendet, war schön zu sehen. Dass es nicht weitergeht und zwischen den beiden im Moment nichts passiert, ist aber auch beruhigend.

Die Verbindung

Der Fall des „Pied Piper“ scheint gelöst und mit Mills ist ganz sicher kein Unschuldslamm festgenommen worden. Doch ist er auch der Killer? Wie kann es sein, dass Adrian (Rowan Longworth) Mills als denjenigen erkennt, der in der Mordnacht bei seiner Mutter war, wenn Mills doch laut Danette ganz woanders gewesen sein sollte?

In jedem Fall verstecken sich hier noch mehr Geheimnisse und im Moment ist ein Täterduo wohl eine große Theorie. Zumindest wenn man wie Linden weiter an eine Verbindung der beiden Fälle glauben will. Wenn man weiter von Sewards Unschuld überzeugt ist.

Der erlebt in der Episode einen ganz eigenen Zusammenbruch. Er erkennt, wer der wahre Feind im Todestrakt ist: Nicht Wärter Becker (Hugh Dillon), sondern der sadistische Mitgefangene, der sich seit dem ersten Tag in Sewards Gedanken schleicht, Hoffnung und Trost in ihm nährt und nun sein wahres Gesicht zeigt. Er selbst benutzt den Ausdruck, dass er im Todestrakt mit Worten tötet. Das gibt Hoffnung hinsichtlich einer großen Frage: Wird Seward hingerichtet werden? Im Grunde spricht nichts dagegen, dass Linden die Wahrheit über den Killer erst herausfindet nachdem Seward getötet wurde. The Killing ist schließlich alles andere als Wohlfühlfernsehen. Doch der Mitgefangene hat ihn laut eigener Aussage mit Worten getötet, er hat Seward aufgebrochen und völlig zerstört zurückgelassen. Vielleicht reicht das bereits aus, vielleicht ist das Verletzung genug.

Die Undurchsichtigen

Zwei Paarungen bleiben nach wie vor im Dunkeln, zumindest auf den Fall bezogen. Twitch (Max Fowler) und Lyric (Julia Sarah Stone) sind auf Erfolgskurs, finden eine Wohnung, finden endlich richtig zueinander. Doch haben sie noch mehr mit dem Fall zu tun oder sind sie lediglich dazu da, uns das Leben der Straßenkinder vor Augen zu führen?

Es braucht einen Sohn, der den Liebhaber der Frau erschießt, damit er aus seiner Schutzstarre erwacht. Er hat sich in diesem unglücklichen Leben eingerichtet und ist einer Welt, die ihm kalt und unfair gegenübersteht, genauso kalt und unfair entgegengetreten. Doch die Tat seines Sohnes lässt ihn verwirrt zurück, vielleicht gar verändert.

Es scheint nichts Gutes auf uns zuzukommen in dieser Hinsicht. Falls Becker und Henderson (Aaron Douglas) nicht in den Fall involviert sind, könnten sie eine große Rolle bei der möglichen Hinrichtung spielen. Wenn es knapp wird, könnten sie es sein, die den Ausschlag geben, ob Seward überlebt oder hingerichtet wird. Sie sind keine gesichtslosen Befehlsausführer mehr für uns, wir kennen sie, wissen, was sich in ihnen angestaut hat.

Fazit

Die Episode Reckoning ist schwer zu ertragen - aber aus den richtigen Gründen. Seward kämpft schreiend um sein Leben während sein letzter Vertrauter sich als Sadist herausstellt. Holder muss die tote Bullet finden und stürzt in ein Loch. Diese The Killing-Episode ist voll mit emotionalen Momenten, lauten und leisen. Und könnte damit sogar Anspruch auf die stärkste Episode der Staffel, vielleicht der Serie erheben.

Verfasser: Serienjunkies.de am Mittwoch, 24. Juli 2013
Episode
Staffel 3, Episode 9
(The Killing 3x09)
Deutscher Titel der Episode
Rechenschaft
Titel der Episode im Original
Reckoning
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Sonntag, 21. Juli 2013 (AMC)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Dienstag, 16. September 2014
Erstausstrahlung der Episode in Österreich
Dienstag, 16. September 2014
Autor
Dan Nowak
Regisseur
Jonathan Demme

Schauspieler in der Episode The Killing 3x09

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