The Killing 3x08

Die Todesangst ĂŒberfĂ€llt in der Episode Try zwei Figuren, die sich vor langer Zeit hinter Masken verbarrikadiert haben und diese Mauern nun gezwungenermaĂen aufbrechen mĂŒssen. Linden (Mireille Enos) und Seward (Peter Sarsgaard) sind nicht die Typen, die betteln. Sie tun sich gar schwer damit, angebotene Hilfe anzunehmen, ganz zu schweigen davon, um sie zu bitten. Es ist eine Vergangenheit aus EnttĂ€uschungen, Ablehnung und RĂŒckschlĂ€gen, die sie so hat werden lassen. Linden hat eine schwierige Kindheit in Pflegefamilien hinter sich und ist unfĂ€hig, eine Bindung zu ihrem Sohn aufzubauen. Seward sieht sich zu Unrecht zur Todesstrafe verurteilt.
Todesangst
Linden ist in Gefahr. Wir haben am Ende der Episode Hope Kills gesehen, dass Pastor Mike (Ben Cotton) sie in seiner Gewalt hat. Und die Episode Try zeigt, was er vorhat: eine nĂ€chtliche Spazierfahrt, auf der er sich darĂŒber auslassen kann, dass die VerdĂ€chtigungen sein Leben zerstört haben. Die Stille der nĂ€chtlichen Stadt, die Fahrt an sich, das Psychospiel zwischen den beiden - das alles ist durchaus gelungen.
Linden tut sich schwer damit, emotionale Verbindungen zu anderen herzustellen. Dass sie nicht nur um ihr Leben bittet, sondern regelrecht bettelt, bricht eine Seite von ihr auf, die wir nur selten sehen.
Doch man muss auch bereit sein, einiges zu ĂŒbersehen. Denn Pastor Mikes Entwicklung ist den The Killing-Autoren etwas holprig geraten. Vieles war schon in der letzten Episode vorhersehbar: Er ist nicht der Serienkiller, hat weder Lyric (Julia Sarah Stone) noch dem angeblich entfĂŒhrten MĂ€dchen aus seiner Vorstrafe etwas getan. Er ist einfach wirklich der gute Engel der armen Kinder. Ob Linden und Holder (Joel Kinnaman) es glauben mögen oder nicht, seine Motive sind rein. Seine Vorstrafe hat er bekommen, weil er einem MĂ€dchen auf ihren Wunsch hin aus der Drogensucht helfen wollte. Angie (Laine MacNeil) wollte er vor dem System beschĂŒtzen.
Die falschen VerdÀchtigungen haben ihn an den Rand der Verzweiflung getrieben. Zum zweiten Mal drohte ihm der Verlust seiner Existenz. Soweit ergibt das Ganze auch noch Sinn, ist spannend und intensiv.
Doch so ganz geht die Rechnung nicht auf. Die Autoren gehen damit einen altbekannten Weg: Pastor Mike verhĂ€lt sich verdĂ€chtig, grenzwertig verdĂ€chtig, wenn man bedenkt, dass er unschuldig ist. Er sagt Linden, dass ihre kleinen Psychotricks, die sie bei der Polizei zum Schutz ihres Lebens gelernt hat, nicht funktionieren werden. Wieso sagt jemand so etwas, der ganz offensichtlich kein Killer ist und wohl auch nicht werden wird. Er bedroht sie und wird anschlieĂend gerade aufgrund dieses Verhaltens vom Verdacht freigesprochen. Er hat der Polizei nicht vertraut, hat gelogen ĂŒber sein nĂ€chtliches Treffen mit Angie, darĂŒber, dass er es war, der sie zum Tierarzt gebracht hatte, und sich damit selbst den VerdĂ€chtigungen ein StĂŒck weit ausgeliefert hat. Nun erzĂ€hlt er es und alle glauben ihm. Die ganze Aufregung hĂ€tte er sich also sparen können.
Und das wĂ€re vielleicht auch fĂŒr die Episode besser gewesen. Die Möglichkeit, dass Linden umgebracht werden könnte, war von Anfang an so gering, dass echte Spannung nicht aufkam. Dass Pastor Mike nicht der Killer ist, war schon vor der EntfĂŒhrung deutlich - zumindest uns vor der Mattscheibe. Es ging also viel weniger um die Frage, ob er Linden töten sollte, sondern vielmehr darum, ob er sich selbst richten wĂŒrde.
Die Szenen der EntfĂŒhrung waren keineswegs schwach, doch die Verzweiflung eines unschuldig VerdĂ€chtigten haben die Serienmacher in den ersten zwei Staffeln einfach stĂ€rker dargestellt. Man denke nur an Richmond oder Rosies Lehrer.
Nur noch zwei Tage
Als gutes Beispiel fĂŒr eine gelungene Umsetzung dieses Themas eignet sich natĂŒrlich auch Seward. Er hat nur noch zwei Tage zu leben, zumindest wenn es nach dem Justizsystem geht. Linden hingegen glaubt an seine Unschuld und versucht die Hinrichtung zu verhindern. Bis vor kurzem hat er sich hinter einer eiskalten Maske versteckt, die Lindens Maske nicht unĂ€hnlich ist. Sie können das Schlechte nicht besiegen, das UnglĂŒck nicht von ihrem Leben abwenden. Also geben sie auf, erwarten nichts mehr, liefern sich aus.
Doch interessanterweise ist es ausgerechnet Linden, die den Verurteilten zurĂŒck ins Leben holt und ihm so viel neue Hoffnung gibt, dass er wieder kĂ€mpfen kann. Unglaublich schockierend und traurig ist die Tatsache, dass der erste, an den er mit seiner neuen Einstellung gerĂ€t, sein Anwalt ist, der Sewards Bitten ignoriert und nur von ihm wissen will, was mit seinen Ăberresten geschehen soll. Er hat keine Hoffnung mehr fĂŒr seinen Klienten und ĂŒberlĂ€sst ihm sich selbst. Doch Seward ist endlich in der Lage, sich an Linden zu wenden. Zwei Tage vor der Hinrichtung beginnen die beiden endlich zusammenzuarbeiten.
Die ĂŒbrigen VerdĂ€chtigen
Nun, da Pastor Mike als VerdÀchtiger aus dem Feld ist, stellt sich die Frage: Wer ist es dann? Von Joe Mills (Ryan Robbins) haben wir schon seit einiger Zeit nichts Neues mehr gehört, wissen immer noch nicht, wieso er Kallies Handy hatte. Doch so einfach wird es nicht sein.
Aus den letzten Staffeln konnte man eines lernen: Wer sich auffĂ€llig verhĂ€lt, und wenn es auch nur ist, dass jemand sich zu unauffĂ€llig gibt, dann steht etwas an. In der Episode Try rĂŒcken die beiden WĂ€rter aus dem Todestrakt ein StĂŒck weiter in den Mittelpunkt. Becker (Hugh Dillon) zeigt sich ĂŒberraschend empathisch, als er Seward, den eine Panikattacke ĂŒberkommt, beruhigt. Auf der anderen Seite enthĂŒllt seine Frau seltsame nĂ€chtliche Unternehmungen ihres Mannes, was ihn nicht weniger verdĂ€chtig erscheinen lĂ€sst. Ist er der Serienkiller, der auch den Mord verĂŒbt hat, fĂŒr den Seward im Todestrakt gelandet ist?
Falsche Entscheidungen
Bullet (Bex Taylor-Klaus) hat Holder angelogen, und dafĂŒr hat sie ihre Abreibung bekommen. Nun ist sie in Gefahr, was sie bis zum Staffelfinale wohl nicht mehr loslassen wird. Kennt sie die wahre IdentitĂ€t des Killers? In jedem Fall trifft Holder eine folgenschwere Entscheidung als er ihren Anruf nicht beantwortet. Damit sieht Bullet sich von allen verlassen. Ihre beste Freundin Kallie ist mutmaĂlich Opfer des SerientĂ€ters geworden, ihre kurze AffĂ€re mit Lyric ist beendet, bevor sie angefangen hat, die junge Frau ist zurĂŒck in die Arme ihres Freundes gelaufen und nun hat auch Holder ihr seinen RĂŒcken zugewandt. Sollte Bullet verschwinden wird das wohl lange nicht auffallen.
Fazit
Die Episode Try hat ĂŒberaus starke Seiten zu bieten, lĂ€sst uns in menschliche AbgrĂŒnde blicken, zeigt, wie weit man einen Menschen treiben kann. Doch es gibt auch weniger ausgegorene Aspekte und das ist bei dem gewöhnlich hohen Niveau der Serie schon ein bisschen Ă€rgerlich.
Pastor Mike sagt Linden, dass diejenigen, die sich am besten verstecken, oft am meisten gefunden werden wollen. Und er hat Recht, zumindest in Bezug auf Linden und Seward: Sie bitten nicht, sie teilen sich anderen nicht mit, tun sich schwer damit, um UnterstĂŒtzung zu bitten. Doch sie sind es, die am meisten Zuneigung brauchen, fĂŒr die man kĂ€mpfen muss. Linden hat jemanden gefunden, der ihr beisteht: Die vertrauten Szenen zwischen ihr und Holder nach der Befreiung sind die vielleicht idyllischsten Minuten, die die Serie The Killing uns bisher geschenkt hat. Seward wartet noch auf seine Rettung, vielleicht ist es Linden. Der Countdown hat eingesetzt. Das ErzĂ€hltempo der Serie The Killing ist langsam. Das hat sich seit der ersten Staffel nicht verĂ€ndert. Doch der drohende Hinrichtungstermin Sewards bringt eine Getriebenheit in die Geschichte, die der Serie gut steht.
Verfasser: Serienjunkies.de am Montag, 15. Juli 2013(The Killing 3x08)
Schauspieler in der Episode The Killing 3x08
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