The Killing 3x05

Die Episode bringt gute alte Partnerarbeit zwischen einer sich abschottenden Linden (Mireille Enos) und Holder (Joel Kinnaman) - endlich wieder im Kapuzenpullover-Look -, ohne jede Störung durch Reddick (Gregg Henry). Dafür mit jemand Neuem auf der Rückbank, der sogar Linden ein kleines Lächeln auf die Lippen zaubern kann.
Der Verdächtige
Das Bild von Joe Mills (Ryan Robbins, Falling Skies, Battlestar Galactica) wird klarer. Er ist der Sohn der Motelbesitzerin Mama Dips (Grace Zabriskie, Big Love), in deren Zimmer er die Videos mit den Mädchen gedreht hat. Außerdem ist er Danettes Lover. Dazu kommt, dass er zwischen seiner Entlassung und seinem Auftauchen bei seiner Freundin mehrere Stunden Zeit hatte, ein verstörtes Mädchen zu jagen, das einem Unbeteiligten vors Auto läuft und wieder verschwindet.
Die Tatsache, dass Joe Mills sich als einziger ernstzunehmender Tatverdächtiger in den Mittelpunkt spielt, ist eine Neuheit der dritten Staffel von The Killing. Wir sind fast in der Mitte der Staffel angekommen, und neben einem kleinen roten Hering in Bezug auf Goldie, haben wir bisher keine falschen Fährten vorgesetzt bekommen. Die Autoren scheinen die Fehler des ersten Falles auf jeden Fall vermeiden zu wollen. Und doch bleibt das dringende Gefühl, dass gerade diese frühen Verdächtigungen für Joes Unschuld sprechen. Mit den Erfahrungen aus den ersten Staffeln der Serie wird man das Gefühl nicht los, dass Pastor Mike (Ben Cotton, Hellcats, Stargate Atlantis) nicht der Gutmensch sein kann, als der er sich im Moment präsentiert.
In den Ermittlungen um den Mord an Rosie Larsen sind die Verdächtigungen einmal die Reihe durchgegangen, angefangen bei ihren Lehrern über ihre Eltern bis hin zu jedem Beteiligten der Kampagne. Nun gehen die Serienautoren einen anderen Weg und das hält dank der undurchsichtigen Lebensverhältnisse aller Beteiligten trotzdem die Spannung aufrecht.
In die kommende „Halbzeitepisode“ starten wir dennoch mit einem Cliffhanger, der einen großen Teil der Dynamik verändern könnte. Wird Joe sich vor Danette (Amy Seimetz) aus der Geschichte mit dem Handy herausreden können oder wird dieser Fehler ihn von den Verdächtigungen eventuell sogar reinwaschen? Danettes Entdeckung könnte einen Wendepunkt darstellen, und den sollten die Serienmacher uns auch gönnen. Zu oft haben wir in den vergangenen Staffeln mit nervenaufreibenden Cliffhangern auf die nächste Episode gewartet, die sich dann in den ersten Minuten in Wohlgefallen aufgelöst haben.
Muttergefühle
Jack wohnt nicht mehr bei Linden, doch ihre Mutterschaft schwebt wie ein bedrohlicher Zustand über der ganzen Story. Danettes Kälte Kallie gegenüber bringt Linden auf die Palme. Und sie ist es, die erkennt, dass Mama Dips nicht auf das Foto eines Lovers schaut, sondern ihn mit den Augen einer Mutter anlächelt. Auch wenn Jack nicht selbst da ist, lässt ihn Holder nicht in Vergessenheit geraten und spricht Linden in der Episode Scared and Running zum wiederholten Mal auf ihn an.
Auch die Tatsache, dass nun Sewards Sohn weiter in den Blickpunkt rückt, erweitert das Thema der Eltern-Kind-Beziehung, die eine so wichtige Rolle in dieser Staffel The Killing spielt. Es geht um Beziehungen, um Vertrauen und Schutz, um Kinder, die zu schnell erwachsen geworden sind. Wir bewegen uns an der Seite von Linden und Holder in einem Milieu, in dem die Kinder auf sich alleine gestellt sind. Und doch ist das Thema der Eltern allgegenwärtig. Man darf gespannt sein, was die Autoren aus dieser Konstellation noch herausholen werden. Fürs Erste ist es interessant, zu beobachten, aus welch unterschiedlichen Blickwinkeln die Eltern auf ihren Nachwuchs blicken. Mama Dips erliegt unter Lindens mitleidigen Blicken der mutmaßlichen Illusion, dass ihr Junge niemandem was zu leide tun könnte. Selbst wenn er nicht der Killer ist, die Videos werfen kein gutes Licht auf Joe Mills.
Danette sieht ihre Tochter als Störfaktor, überträgt die Schuld für ihr eigenes Leben auf Kallie (Cate Sproule). Doch langsam lässt sich erkennen, dass die Welt auch in The Killing nicht schwarz und weiß ist. Danette macht sich auf den Weg, ihre Tochter zu suchen. Sie ist keine grausame Mutter per se, sie ist ebenfalls zu jung, hat zu viel Pech im Leben gehabt und vielleicht zu viele schlechte Entscheidungen getroffen, um eine gute Mutter sein zu können. Sie versucht ihr eigenes Leben zu ordnen und schafft es nicht, für jemand anderen da zu sein.
Und das ist eine Ausgangssituation, die sie mit Linden teilt. Vielleicht ist es gerade diese Ähnlichkeit, die Linden aggressiv macht. Der kleine Unterschied: dass Linden zwar ebenfalls mit ihrer Rolle als Mutter strauchelt, aber hart damit kämpft, nicht gleichgültig zu werden. Sie hat die Veranlagung, Jack zu vernachlässigen, das haben wir gesehen. Linden hat ihren Sohn in gewisser Weise an ihren Ex verloren und leidet darunter. Danette hat ihre Tochter wahrscheinlich an einen Serienkiller verloren und reagiert kaum.
Auch Seward ist Vater. Doch er versucht, angesichts seiner Hinrichtung in zwei Wochen, seine Gefühle in jeglicher Hinsicht abzuschalten. Auch er kann nicht für seinen Sohn da sein. Auch er ist zu sehr mit seinem eigenen Leben beschäftigt. Doch in seinem Fall steht dieses Leben kurz vor der Auslöschung und nach allem, was wir von ihm gesehen haben, darf man annehmen, dass er seinen Sohn und sich schützen will. Ohne Kontakt können keine alten Wunden aufgerissen werden, scheint sein Motto zu sein.
Beziehungen
Was auch immer zwischen Linden und Holder ist, Caroline (Jewel Staite, Stargate Atlantis, Firefly) hat mehr verdient. Wir haben Holders neue Freundin als taffe und schlagfertige Frau kennengelernt. Holder ist ein guter Typ. Sie schien wie jemand, der das sehen kann und die Gelegenheiten, in denen er versagt als das zu erkennen, was sie sind: seine Unfähigkeit, sich einfach von seiner Arbeit abzuwenden und nach Feierabend ins warme Heim zu fahren, wie Reddick es kann. Doch als Staatsanwältin könnte sie das verstehen, schließlich kennt sie seine Arbeit und weiß, dass es um Leben oder Tod gehen kann.
Nun steht sie also vor ihm und hält ihm einen Cupcake hin, um sich anschließend enttäuscht zurückzuziehen. Wir sollen also sehen, dass Holder es wieder einmal hinbekommt, sein Privatleben zu sabotieren. Doch die Cupcake-Valentinstag-Sache ist dann doch etwas sehr lieblos und vorhersehbar. In den ersten beiden Staffeln war das mit seiner Schwester und seinem Neffen besser gelöst.
Die Dritte im Team
Mehr Mühe als mit Caroline geben sich die Autoren mit Bullet (Bex Taylor-Klaus), die langsam zum heimlichen Star der Staffel aufsteigt. Sie zeigt sich verletzlich und gleichzeitig schlagfertig und furchtlos, vor allem zeigt sie eine Energie in der Suche nach Kallie, die niemand in der Larsen-Familie vorweisen konnte. In der Episode Scared and Running wird sie zum dritten Mitglied des Teams. Sie bringt die wichtigen Hinweise ein und spielt sich selbst in Lindens Herz, die ein paarmal ganz untypisch lächelt.

Bullet trägt einen großen Teil dazu bei, dass die Ermittlungserfolge dieser Episode nicht komplett unter das gewöhnliche The Killing-Niveau fallen. In der Regel unterscheidet die Serie sich von anderen Krimiformaten gerade dadurch, dass wir die Probleme und nervenaufreibende Langsamkeit der Polizeiarbeit mitbekommen. Die verwaltungstechnischen Verwicklungen, die schmale Grenze, auf der Linden und Holder als Ermittler immer wieder wandeln. Doch in dieser Episode fallen die Hinweise geradezu vom Himmel. Bullet zeigt ihnen den Platz, der sie zu einem blutverschmierten Versteck führt. Doch statt selbst weiterzukommen, helfen wiederum Bullets Quellen, das verletzte Opfer zu finden. Dass sie eine mutmaßliche Überlebende ihres Serienkillers finden, hilft zwar dem Fall ganz erheblich auf die Sprünge. Aber die überraschende Art, wie die Ermittler an die Hinweise kommen, passt nicht ganz in die für gewöhnlich starke Story.
Fazit
Linden und Holder sind wieder so offiziell die Alten, dass Reddick nicht einmal auftaucht und Holder gar seinen alten Kapuzenpullover wieder aus dem Kofferraum kramt. Das macht Spaß. Die Schwächen in der Ermittlungsarbeit werden von Bullet wieder wettgemacht. Auf der Negativseite steht in der Episode Scared and Running die Story um Seward (Peter Sarsgaard), seine Mitgefangenen und die Wärter. Auch wenn es noch keine Verbindung zu dem Fall gibt, fühlt sich die Gefängnisgeschichte für gewöhnlich integrierter an als in dieser The Killing-Episode.
Verfasser: Serienjunkies.de am Montag, 24. Juni 2013(The Killing 3x05)
Schauspieler in der Episode The Killing 3x05
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