The Killing 3x04

The Killing 3x04

Während Linden Gegenwind von Holders neuem Partner bekommt, erhält Twitch eine schlechte Neuigkeit. Kaum eine The Killing-Episode kann als optimistisch beschrieben werden, doch Head Shots dürfte zu den verstörendsten gehören.

Eine der wenigen leichteren Szenen: Holder (Joel Kinnaman) bietet Bullet (Bex Taylor-Klaus) Essen an in der Serie „The Killing“. / (c) AMC
Eine der wenigen leichteren Szenen: Holder (Joel Kinnaman) bietet Bullet (Bex Taylor-Klaus) Essen an in der Serie „The Killing“. / (c) AMC

In der Regel folgt The Killing einer einfachen, aber extrem traurigen Einsicht: Das wirklich Böse sind nur die Summe der alltäglichen Grausamkeiten, die Menschen einander antun. In Lindens und Holders Seattle ist niemand glücklich. Und alle trampeln aus Verzweiflung und einer durchschnittlichen Portion Sadismus noch zusätzlich aufeinander herum, geben die Verletzungen an diejenigen weiter, die sie in ihre Finger bekommen können.

Manchmal tun sie das, weil sie sich selbst ein bisschen Glück davon erhoffen, wie damals Tante Terry (Jamie Anne Allman), die für ihr eigenes Liebesglück einen gesichtslosen Teenager im See entsorgte, der sich später als ihre Nichte herausstellte. Oder nun Danette (Amy Seimetz), die ihre Tochter Kallie (Cate Sproule) aussperrt und dem Verderben ausliefert, um ihren Liebhaber nicht zu verärgern. In der Episode Head Shots wimmelt es von diesen schlechten Entscheidungen und traurigen Szenen. Die Welt ist eine endlose Kette von Grausamkeiten und Linden (Mireille Enos) ist wieder mitten drin.

Auf der untersten Stufe der Macht

Am deutlichsten zeigt sich dieser Kreislauf im Todestrakt. Wärter Becker (Hugh Dillon, Flashpoint) stellt sich auch Zuhause als verbitterter und kalter Mann heraus, der an seinem Job und vermutlich einigen Rückschlägen zerbrochen ist. Damit treibt er seine Familie soweit, dass seine Frau (Sonya Salomaa) sich über den Besuch eines Arbeitskollegen so sehr freut, dass man beim Zuschauen richtig traurig werden kann. In diesem Haus gibt es keine Zuneigung oder Liebenswürdigkeiten mehr. Und den Verlust all dieser positiven Dinge gibt Becker direkt weiter an diejenigen, über die er Macht ausüben kann, die Gefangenen.

Er beobachtet, wie Seward (Peter Sarsgaard) und Alton (Little JJ, Men of a Certain Age) sich annähern. Doch in der The Killing-Welt ist Zuneigung Schwäche und Becker nutzt diese Schwäche, um Macht über Seward zu gewinnen und den Willen des Gefangenen zu brechen. Der zeigt sich unterdessen ohnehin schon am Rande der Verzweiflung. Er entfernt die Erinnerungen an sein altes Leben und alles, was zurückbleibt sind Narben als Zeichen des Untergangs. Sewards Körper zeigt das Verhängnis, das über allen Figuren in der Serie schwebt: Die Grausamkeit wird von Generation zu Generation weitergegeben.

Und selbst derjenige, der diesen Kreislauf der Gewalt durchbricht, wird von den anderen Unglücklichen wieder runtergezogen. So macht es Becker und so könnte es in noch größerem Rahmen das Thema von Sewards Leben sein. Zwar ist nichts sicher in dieser Serie, doch nach allem was wir sehen, scheint es nahezuliegen, dass Seward seine Frau nicht umgebracht hat. Vielleicht hat er es gar geschafft, eine mehr oder weniger glückliche Familie zu gründen. Und doch endet er im Todestrakt. So ist das Leben in Seattle von The Killing.

Zurück in die Verzweiflung

Eine weitere, schon sehr perfide Spirale der Grausamkeit tut sich vor Twitch (Max Fowler) auf. Sein Bewährungshelfer (Shaun Smyth, Fringe), derjenige, der ihm helfen sollte, auf den richtigen Weg zurückzufinden, zerstört seine Chance auf einen Neuanfang. Er vergewaltigt den jungen Obdachlosen und treibt ihn zurück in die Sucht und die Hoffnungslosigkeit. Diese Szene hat zwei Aspekte, die besonders wehtun: Der Bewährungshelfer scheint keinen Grund zu haben, Twitch das anzutun. Wir kennen seine Vorgeschichte nicht, der Sadismus erscheint grundlos. Außerdem zeigt die Vergewaltigung im Auto zum zweiten Mal eine furchtbare Seite des Lebens der jungen Obdachlosen: Sie haben jede Kontrolle über ihr Leben verloren, bis in die intimsten Winkel sind sie kontrollierbar. Sie können sich ihre Sexpartner nicht aussuchen. Sie haben nicht einmal die Kontrolle darüber, welches Geschlecht ihr Gegenüber hat und was er mit ihnen macht.

Machtspiele

Dagegen kommen Linden und Holder (Joel Kinnaman) schon besser weg. Sie treten ihren Widersachern innerhalb der Polizei auf Augenhöhe gegenüber. Und Linden landet einen Punktesieg gegen Holders neuen Partner Reddick (Gregg Henry). Es führt halt kein Weg am Dreamteam Linden und Holder vorbei.

Die Episode „Head Shots“ verrät außerdem, dass Holders Freundin für die Staatsanwaltschaft arbeitet und Linden sich damit beschäftigt. Es ist nur eine kurze Frage, aber Linden hat sich bisher nie für das Privatleben ihres Partners interessiert, eher im Gegenteil.

Fazit

Die The Killing-Autoren treiben in dieser Woche die eigentliche Stärke der Serie etwas zu weit, die Episode Head Shots ist so dunkel und grausam, dass es schon fast wieder ein bisschen zu vorhersehbar ist. Eine Überraschung wäre es eher, wenn jemand in helfender Position wirklich keine miesen Hintergedanken hat.

Der Fall droht zu zerfallen nachdem ein Mädchen von den Videobändern lebend gefunden wird. Und diesen Zerfall merkt man der Episode auch an.

Verfasser: Serienjunkies.de am Montag, 17. Juni 2013
Episode
Staffel 3, Episode 4
(The Killing 3x04)
Deutscher Titel der Episode
Nahaufnahmen
Titel der Episode im Original
Head Shots
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Sonntag, 16. Juni 2013 (AMC)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Dienstag, 16. September 2014
Erstausstrahlung der Episode in Österreich
Dienstag, 16. September 2014
Autoren
Dawn Prestwich, Nicole Yorkin
Regisseur
Michael Rymer

Schauspieler in der Episode The Killing 3x04

Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?