The Killing 3x02

Wie wichtig ist die Wahrheit wenn sie wehtun wird? Mit der Episode That You Fear the Most kehrt die Serie The Killing zu ihren Wurzeln zurück. Es sind die alten Fragen, die wieder in der verregneten Luft von Seattle liegen.
Zurück in die Dunkelheit
Linden (Mireille Enos) beendet ihren kleinen Ausflug in ein unbeschwertes Leben und kehrt zurück zu ihrem teils apathischen, teils wütendem alten Ich. Sie sieht bereits, was Holder bisher nur vermutet: Eine Verbindung zwischen dem aktuellen Mord und dem altbekannten Fall der ermordeten Mutter, deren Sohn das immer selbe Bild gemalt hat. Die gewaltigen Zufälle in dieser Storyline - es ist natürlich Holder (Joel Kinnaman), der in diesem Fall ermittelt und das auch noch ausgerechnet zu dem Zeitpunkt an dem, der für den alten Mord verurteilte Seward (Peter Sarsgaard), seinen Hinrichtungstermin bekommt - muss man hinnehmen um den Zauber der Serie The Killing genießen zu können.
Während sich die zentrale Frage in der zweiten Staffel in die Richtung bewegt hat, ob Linden bei vollem Verstand ist, stellt die Episode That You Fear the Most einen anderen Aspekt in den Vordergrund: Welche Opfer ist die Wahrheit wert?
Linden hat der Suche nach Mördern ihr ganzes Leben gewidmet. Sie hat ihren Sohn so sehr vernachlässigt, dass er zu seinem Vater gezogen ist, wo er nun richtig aufblüht. Nun opfert sie ihr neues Glück, lässt ihren Freund zurück und kramt ihr Pokerface wieder raus.
Ein Besuch bei ihrem alten Partner James Skinner (Elias Koteas) lässt sie in dem Glauben zurück, dass dieses Verhalten Dinge zerstört. Und in gewisser Weise ist es auch so. Die Menschen, die wir in der Serie The Killing treffen, die es relativ gut getroffen haben in ihrem Leben, tendieren wie Holders neuer Partner Carl (Gregg Henry) dazu, dieses Glück zu schützen indem sie sich von dem Elend anderer abwenden. Sie gehen den einfachen Weg. Und dabei müssen sie nicht einmal so egoistisch daherkommen wie Holders Partner. Auch Regi (Annie Corley) ist immer wieder zur Stelle, um Linden daran zu erinnern, dass man auch auf sich selbst achten muss.
Für Linden ist die Sache klar: Sie kann nicht anders. Sie geht denselben Weg, den wir sie schon mehrmals haben beschreiten sehen, auf der Suche nach der Wahrheit lässt sie alles andere zurück. Sie beginnt, auf eigene Faust zu ermitteln und lügt alle an, von denen sie auch nur annimmt, dass sie ihr in den Weg kommen könnten.
Holder beginnt seine Antwort auf diese Fragen in dieser The Killing-Episode auszuarbeiten. Im vergangenen Jahr hat er sich hochgearbeitet und sieht sich in seinem Mantel einer glänzenden Karriere entgegengehen. Das einzige, was er tun müsste, ist auf seinen Partner zu hören. Und wie wir sehen, hat er sogar etwas zu beschützen. Der einsame Ex-Junkie aus der ersten Staffel, der nicht einmal seiner Schwester eine verbindliche Hilfe sein konnte, hat sich weiterentwickelt. Holder hat eine Beziehung, mit einer schlagfertigen Frau, die zu ihm zu passen scheint. Ob er dieses neue Glück auf das Spiel setzt, wenn es soweit ist, werden wir sehen.
Serientäter
Die große Offenbarung dieser Episode folgt am Ende. Linden stellt sich ihrer Vermutung und sucht den Ort des Bildes. Was sie findet scheint ein Massengrab zu sein, in dem vielleicht sogar Kallie (Cate Sproule) bereits ihre letzte Ruhe gefunden hat.
Dass es sich nun also offenbar um einen Serientäter handelt, verändert die Serie The Killing mehr als man bisher sehen kann. Auch wenn die Masse der falschen Verdächtigungen in den Ermittlungen um den Rosie-Larsen-Fall übermäßig auftraten, so war es doch immer die Suche nach einem Motiv, die die Ermittlungen vorangebracht hat. Ein psychopathischer Serientäter, der junge Straßenmädchen abschlachtet, ergibt in Serien wie Criminal Minds Sinn, aber funktioniert das auch für Linden und Holder?
Wenn es nicht mehr um die menschlichen Abgründe geht, die Risse in der Fassade, die Fehltritte, die mehr oder weniger gewöhnliche Menschen machen und verdecken wollen, dann nimmt das der Serie The Killing einen großen Anteil des Reizes.
Im Gefängnis
Andere neue Aspekte fügen sich bereits in der zweiten Episode der Staffel besser in die Geschichte ein. Ein besonders hervorstechender ist der Austausch der politischen und wirtschaftlichen Verflechtungen um einen Bürgermeisterkandidaten mit einer Szenerie im Todestrakt. Die Storylines um die Politik haben sich in den ersten beiden Staffeln immer etwas isoliert angefühlt und konnten in Sachen Spannung nicht mit den anderen Geschichten mithalten. Demgegenüber steht nun Ray Seward, der verurteilte Mann des ersten Opfers. Und der zeigt sich zwar noch etwas verwirrend irre, aber dank Peter Sarsgaards eindrucksvoller Darstellung kann man ihm bereits mehr Interesse entgegenbringen als dem Bürgermeisterkandidaten Richmond in der ganzen ersten Staffel.
Die Machtkämpfe mit den Wärtern, die Frage, ob hier ein Mörder seine Spielchen treibt oder ein unschuldig zu Tode Verurteilter dem Wahnsinn entgegentreibt - die Storyline hat einiges zu bieten. Und fügt sich selbst in die große Frage ein, in wieweit man sich für die Wahrheit engagieren muss.
Wir sehen Seward ein Stück weit durch Lindens Augen, könnten dazu tendieren, an seine Unschuld zu glauben. Dass er die Frage nach dem Ring nicht beantworten kann, trägt dazu bei. Aber diese Szene zeigt auch, wie diejenigen mit der Suche nach Wahrheit umgehen, die auf der Verliererseite stehen. Während Holders Partner sich einfach abwenden kann, bleibt Seward als Selbstschutz nur noch die Hoffnung aufzugeben. Er ergibt sich in sein Schicksal um sich vor weiteren Enttäuschungen zu schützen und geht auf seine Art damit um. Im Besuchsraum sitzen sich mit ihm und Linden zwei Menschen gegenüber, die an der Wahrheit, um genau zu sein, der Abwesenheit selbiger, zugrunde gehen könnten.
Neben Seward spielt sich in der Episode That You Fear the Most eine weitere Figur ins Zentrum der Aufmerksamkeit, Bullet (Bex Taylor-Klaus). Das toughe Mädchen mit der verletzlichen Seele auf der Suche nach ihrer Freundin steht ebenfalls für eine Verbesserung, die die Serienautoren vorgenommen haben. Rosie Larsens Charakter ist über die ganzen zwei Staffeln etwas blass geblieben. Wir haben weder sie noch ihre Freundin jemals richtig kennengelernt. Sie war einfach ein Mädchen, das zwischen die Fronten der Erwachsenenwelt geraten ist. Mit Bullet, Kallie, Lyric (Julia Sarah Stone) und ihrem Freund Twitch (Max Fowler) haben wir bereits einen Zugang zu der Welt bekommen, in der sie leben.
Fazit
Die zweite Episode der Staffel, That You Fear the Most, bringt uns weiter in die Welt des neuen Falles und zurück zu einer vertrauten Linden. Aus einigen Schwächen der vergangenen Staffeln scheinen die Macher gelernt zu haben. Andere Neuerungen, wie die Einführung eines Serientäters, müssen sich erst noch bewähren.
Verfasser: Serienjunkies.de am Dienstag, 4. Juni 2013(The Killing 3x02)
Schauspieler in der Episode The Killing 3x02
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