The Killing 2x10

Es war trotz des Episodentitels wie immer eine knappe Dreiviertelstunde und die nutzt The Killing ja gewöhnlich schon gut aus. Aber mit 72 Hours legen die Autoren noch einen oben drauf und packen in die doch recht kurze Zeit so viel, dass man am Ende gar nicht mehr weiß, ob man sich eigentlich noch an alles erinnern kann.
Linden - gefangen oder gerettet?
Die Episode beginnt mit Lindens Einlieferung in eine geschlossene Anstalt. Obwohl es nicht überraschend kommt, gewinnen die Szenen mit der eingesperrten Linden (Mireille Enos) eine extreme Bedrohlichkeit. Einerseits leidet man mit ihr weil sie doch zum Fall muss. Man arbeitet ja selbst seit mehr als zwanzig Episoden mit daran. Das soll doch jetzt bitte nicht daran scheitern!
Andererseits hat sich schon in den letzten Episoden die Frage eingeschlichen, ob Linden vielleicht wirklich die Kontrolle über ihr Leben verliert. Und die Szene, in der sie erst zögerlich, dann geradezu gierig das Klinikessen verschlingt, lässt einen vermuten, wie viel sie ihrem Körper zugemutet hat seit dem Mord an Rosie Larsen.
Holder im Netz der Verschwörung
Besonders die Szenen mit Holder (Joel Kinnaman) lassen den Zuschauer hin und wieder zweifeln: Ist die Verschwörung da oder wurde Holder nur von Linden mitgerissen auf dem Weg in eine Psychose? The Killing wird zur intelligent gemachten Verschwörungstheorie für Leute, die sich eigentlich nicht sonderlich für Verschwörungen interessieren. Plötzlich zweifelt man an sich, fragt sich, was eigentlich noch wahr ist. Wem kann man glauben? Wer hat welche Motivation?
Holder steht nach wie vor zu Linden, glaubt ihr und versucht, sie aus der Klinik zu holen. Doch er hat auch den Glauben an das System noch nicht ganz verloren, denn mit seinen neuesten Ermittlungen wendet er sich an Lt. Carlson (Mark Moses), auch wenn dieser ihm und Linden schon so manchen Stock zwischen die Beine geworfen hat. Und sein Vertrauen scheint belohnt zu werden, denn sein Vorgesetzter lässt sich auf seine Geschichte ein, fragt nach.
Die große Revue der Rückkehrer
Plötzlich ist er wieder da - Bennet Ahmed (Brandon Jay McLaren), der fälschlicherweise von Linden und Holder Beschuldigte, der von Stan (Brent Sexton) und Belko (Brendan Sexton III) beinah umgebracht wurde. Und er wird nicht groß eingeführt. Der Zuschauer sieht nur das, was auch Stan vom Leben des Lehrers sehen kann.
Gleiches geschieht mit Lindens Ex-Verlobtem Rick (Callum Keith Rennie). Er taucht auf, hilft Holder, übergibt ihm die Verantwortung für Linden und verschwindet wortlos wieder.
Das ist einerseits irgendwie unbefriedigend, aber es ist auch so realistisch. Und das ist eine Stärke der Serie. Etwas oder jemand taucht plötzlich wieder auf, ohne dass der Zuschauer behutsam herangeführt wird und alles erklärt bekommt. The Killing gestattet demjenigen vor der Mattscheibe seine eigenen Gedanken dazu, was Bennet Ahmed in der Zwischenzeit wohl durchgemacht hat, wie Ricks Leben weitergegangen ist und was ihn bewegt hat, doch noch einmal herzukommen und Holder zu helfen.
Auch jemand anders kehrt in 72 Hours zurück in den Schoß der Familie. Es ist allerdings nicht Mitch (Michelle Forbes), sondern Terry (Jamie Anne Allman). Es sind nur noch wenige Episoden und langsam fragt man sich, ob Mitch überhaupt noch zurückkehren wird.
Frischer Wind im Hause Larsen
Terry bringt eine neue Atmosphäre ins Haus der Larsens. Sie bringt zum ersten Mal die Möglichkeit auf, dass der Mörder vielleicht niemals gefasst wird. Sie holt Stan aus seiner Apathie, seiner Fixiertheit auf Rache. Und es scheint zu funktionieren.
Er durchlebt verschiedene Ereignisse, die durchaus nach Abschluss riechen. Er spricht seiner toten Tochter auf die Mailbox, sagt ihr das, was er verpasst hat, ihr zu Lebzeiten zu sagen. Er sucht Bennet auf und auch wenn dieser ihm nicht verzeiht, er tut das, was er kann: Er macht das Leben seines Opfers ein winzig kleines bisschen leichter und vielleicht auch sicherer indem er dessen Außenlampe repariert. Eine andere Lampe hingegen löscht er, die in Rosies Zimmer. Das Licht geht über auf eine Familie, die gerade erst ein Kind empfangen hat, es steht für die Zukunft. Das Licht der Erinnerung, des Festhaltens an vergangenen Dingen löscht Stan.
Doch die Larsens werden damit nicht der Dunkelheit preisgegeben. Er tut das, was Serieneltern immer tun, wenn sie zeigen wollen, dass sie ihre Kinder lieben und sich eine schöne Zukunft hervorzaubern wollen: Er besorgt seinen Söhnen einen Hund.
Stan geht einen großen Schritt Richtung Zukunft. Doch im Hintergrund scheint Mitch durch. Können Stan, die Söhne und Terry neu anfangen, wenn Mitch wie ein Damoklesschwert über ihnen hängt, jederzeit überraschend auftauchen und alle zurück in die Situation ziehen kann, in der sie ist?
Der ewige Wahlkampf
In der letzten Woche ist Darren (Bill Campbell) sich treu geblieben während Gwen (Kristin Lehman) und Jaime (Eric Ladin) ihn zu Hinterzimmerabmachungen treiben wollten.
Gwen schlägt sich in 72 Hours nun offenbar auf Darrens Seite. Sie will mit Ehrlichkeit gewinnen und ist auch zu Darren ehrlich, als er sie auf das Treffen mit Bürgermeister Adams (Tom Butler) anspricht.
Dann jedoch lügt sie ihn an, was das Video betrifft. Mit welcher Motivation stellt sie ihre Arbeit vor Darren als Zufall dar?
Der Nebel lichtet sich
Vor Holders Augen laufen die Fäden der Ermittlungen zusammen. Casino-Leiterin Nicole Jackson (Claudia Ferri), Bauunternehmer Michael Ames (Barclay Hope) und eine ominöse Person aus der Politik, möglicherweise Bürgermeister Adams stecken unter einer Decke. Die beiden letzteren scheinen ihr eigenes Projekt zu sabotieren. Die Frage nach dem „Warum“ lässt 72 Hours zwar offen, aber für The Killing ist es dennoch ein erstaunliches Maß an Offenbarung.
Aber was bedeuten die immer gehäufter auftretenden Anspielungen auf Lindens alten Fall? Sie glaubt nicht, dass Adrians Mutter von dem Mann getötet worden ist, den die Polizei verhaftet hat. Wird hier ein Fall für eine mögliche dritte Staffel aufgebaut oder haben die beiden Mordfälle gar einen Zusammenhang?
Fazit
72 Hours ist wieder einmal eine sehr gute, dunkle Episode von The Killing. Es ist eine leise Episode mit Fortschritten in der Falluntersuchung, aber vor allem ist es eine immer fesselndere Charakterstudie.
Es ist nicht mehr lange bis zum Ende der Staffel und zur - diesmal nun hoffentlich wirklich stattfindenden - Offenbarung des Mörders von Rosie Larsen. Aber nach einer Episode wie dieser kann man beinah dankbar sein, dass die Suche sich doch länger hinzieht als angekündigt, denn für diese Dreiviertelstunde hat sich das Warten gelohnt.
Trailer zur Episode 2x11 Bulldog Verfasser: Serienjunkies.de am Dienstag, 29. Mai 2012(The Killing 2x10)
Schauspieler in der Episode The Killing 2x10
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