The Killing 2x09

Die Trostlosigkeit, mit der uns The Killing in der letzten Episode alleine gelassen hat, schlägt unmittelbar wieder zu. Das Büro ist leer geräumt, die Akten sind außerhalb der Reichweite von Linden (Mireille Enos) und Holder (Joel Kinnaman).
Moment, Holder ist noch dabei. Stand das zur Debatte? Naja, kurz schon. Aber natürlich, er ist noch am Fall dran. Kein Wort mehr von seiner Familie, seinem Neffen. Es scheint sogar, dass Linden und Holder sich näherkommen als je zuvor.
Sie stehen wieder auf der selben Seite, handeln oft ähnlich, auch wenn die Unterschiede zwischen ihren Persönlichkeiten mehr an Deutlichkeit gewinnen. The Killing hat neben Linden und Holder noch weitere solcher Paare zu bieten, die, vor dasselbe Problem gestellt, unterschiedlich reagieren. Sayonara Hiawatha wirft in dieser Hinsicht die Frage auf: Welcher Weg ist eigentlich der Bessere?
The Mitch is back
Sie sind ein Ehepaar, sie haben eine Tochter verloren. Was genau in der entfernteren Vergangenheit von Mitch (Michelle Forbes) und Stan (Brent Sexton) geschehen ist, kann man nur erahnen, aber die letzten Jahre scheinen sie ein Leben als mustergültige Familie geführt zu haben. Zumindest aus Sicht der Eltern.
Doch dann haben Sie auf schreckliche Weise eine Tochter verloren und auf ein derartig überraschendes Ereignis muss man erst einmal eine Reaktion finden. Mitch hat sich ziemlich schnell fürs Weglaufen entschieden. Es ist ein egoistischer Weg, sie hat die beiden Kinder, die noch da sind, zurück gelassen.
Es erweckt den Eindruck, als wenn sie sich durch die Welt treiben lässt, immer dem nächsten Gedanken folgend, der ein bisschen Linderung verschafft. Erst versucht sie es über Sex mit fremden Männern, dann versucht sie, sich in einer Ausreißerin eine Art Ersatz-Tochter zu erschaffen. Nun besucht sie den Mann, den der Brief als Rosies Vater ausweist.
Sie muss keine Rücksicht nehmen, auf niemanden. Sie verschweigt David (Jonathan Cake), dass Rosie tot ist. Will sie ihn schützen oder will sie ihr Geheimnis nur nicht teilen? Auf jeden Fall ist sie es, die die Entscheidungen trifft. Die festlegt, was passiert.
Derweil an einem anderen Ort
Diesen Luxus kann Stan sich nicht leisten. Er ist in dem Leben geblieben, das sie gemeinsam hatten. Auf ihn stürmt all das ein, was sich an Problemen nach diesem Schicksalsschlag ergibt. Allein seine Söhne lassen nicht zu, dass er sich auf sich selbst konzentriert wie Mitch es tut.
Es ist traurig zu sehen, wie Stan seinem Sohn aus purer Verzweiflung sagt, er würde ihn hassen und lieber woanders sein. Es ist an Tommy (Evan Bird) gerichtet, doch es kommt auch bei seinem Jüngeren an, Denny (Seth Isaac Johnson). Der muss nun befürchten, dass auch Stan sie verlassen will.
Er hat das Leid, aber er ist auch der, der gemeinsam mit seinen Söhnen einschlafen kann, der in den guten Momenten wahrscheinlich auch Halt darin findet, dass er immer noch Teil einer Familie ist.
Die Kontaktaufnahme kommt überraschend. Es ist auch beruhigend zu sehen, dass Mitch ihre Familie nicht vergessen hat. Aber warum versucht Stan nicht, sie zurückzuholen? Er wirkt verständnisvoll, aber irgendwie auch ein bisschen zu unbeteiligt.
Wer von beiden den einfacheren Weg gegangen ist, ist schwer zu sagen. Natürlich, die Sympathien sind auf Stans Seite, er hat Verantwortung übernommen, er ist für seine Söhne da, er ist der, der das genommen hat, was übrig geblieben ist. Mitch hat die Entscheidung getroffen und es scheint eine sehr egoistische zu sein. Sie schwelgt häufig in Erinnerungen, sie ist wohl die Person, die wir in The Killing am häufigsten haben lachen sehen. Das erweckt nicht gerade Mitgefühl. Aber wohl niemand wird behaupten wollen, dass es ihr gut gehe. Sie leidet und lebt das auf andere Art aus.
Die schmutzigen Hinterzimmer der Politik
Richmond (Bill Campbell) hat schon häufiger gezeigt, dass er ein aufrichtiger Mann ist. Immer dann, wenn er auf die Probe gestellt wurde, hat er sich für die Moral entschieden und das hat stets zu Nachteilen im Wahlkampf geführt. Auch dieses Mal entscheidet er sich wieder für den moralischeren Weg indem er eine Zusammenarbeit mit Nicole Jackson (Claudia Ferri) ausschlägt.
Man konnte es kommen sehen. Der Besuch von Linden und Holder kam überraschend und er hat viel erlitten wegen diesen beiden. Man kann also durchaus nachvollziehen, dass er sich nicht freudig in eine Zusammenarbeit mit beiden stürzt. Aber Linden ist eine bessere Menschenkennerin als es oft den Anschein hat. Sie erinnert ihn im Weggehen an das tote Mädchen und deren Familie. Sie weiß, aus welchem Holz Richmond geschnitzt ist. Auch der Zuschauer erkennt an seinem Blick: Er wird sich für das Richtige entscheiden und bei der Aufklärung des Falles helfen, wenn er kann.
Er geht unbestreitbar den moralisch richtigen Weg. Womit er damit landet, ist noch offen. Es ist paradox, dass er mit jeder hehren Entscheidung weiter vom Amt des Bürgermeisters abrückt. Die Politik in The Killing ist eine trübe Sauce und man möchte nur hoffen, dass es ganz so schlimm vielleicht in der Realität doch nicht ist.
Richmond gegenüber stehen sowohl Jaime (Eric Ladin) und Gwen (Kristin Lehman) als auch Mayor Adams (Tom Butler). Jamie und Mayor Adams sehen beide keine Probleme darin, zunächst mit Chief Jackson zusammenzuarbeiten. Den Unterschied allerdings machen ihre Motivationen. Jaime will den Wahlkampf gewinnen, sicher auch für sich, aber halt auch für Richmond. Und er hat seinen moralischen Kompass noch nicht ganz verloren. Es scheint, dass er auch etwas verändern möchte. Anders als Richmond hat er sich allerdings der Realität gebeugt und weiß, dass man zunächst das Amt gewinnen muss, um etwas verändern zu können.
Mayor Adams hingegen wird als Prototyp des skrupellosen Politikers gezeichnet. Es geht ihm ausschließlich um den eigenen Machterhalt. Dafür kämpft er mit allen Mitteln. Auch für Linden und Holder steht er im Zentrum des Komplotts um den Mord.
Menschliche Grausamkeit
Gwen versucht Richmond den Sieg mit anderen Mitteln zu beschaffen. Sie versucht, Mayor Adams zu erpressen und erleidet dabei eine vielleicht nie wieder gutzumachende Verletzung.
Das Geheimnis um ihre Nacht mit Mayor Adams hat sie jahrzehntelang mit sich herum getragen. Ein Gespräch mit ihrem Vater in Washington hat gezeigt: Glücklich ist sie mit dieser Vergangenheit nicht. Man kann also davon ausgehen, dass sie unter den Geschehnissen von damals gelitten hat. Aber sie ist schlau genug, um zu wissen, dass es falsch ist, was Mayor Adams mit ihr gemacht hat und sie geht davon aus, dass auch ihr Vater es schlimm fände.
Die Herzlosigkeit, mit der Mayor Adams ihr sagt, dass ihr Vater ihm quasi erlaubt oder zumindest im Nachhinein akzeptiert habe, was er mit Gwen gemacht hat, ist kaum zu überbieten. Das ist die Art von Ereignis, die den kompletten Verlust des eigenen moralischen Kompass' zu Folge haben kann. Vielleicht wird es Gwen zerstören, auf jeden Fall wird es sie verändern. Interessant bleibt auf jeden Fall, was sie tun wird.
Mayor Adams wird damit endgültig zu einem Menschen gestempelt, dem der Zuschauer alles zutraut. Vielleicht ist er wirklich der gewissenlose Strippenzieher hinter der ganzen Verschwörung. Vielleicht wollen die Autoren aber auch nur, dass der Zuschauer genau das glaubt, um ihn noch mehr überraschen zu können.
Aber: Welcher Weg ist der Richtige? Sicher, es wäre eine traurige Welt, in der Richmond aufgrund seiner moralischen Integrität eine politische Wahl verliert. Jamies pragmatischer Weg kann sicher Sympathien gewinnen. Mayor Adams ist und bleibt fürs Erste der Inbegriff des Bösen. Allerdings so wie es aussieht, auch der Gewinner.
Gemeinsam Richtung Wahnsinn?
Lindens Vergangenheit wird endlich einmal deutlicher angesprochen und auch Holder ist jetzt im Bilde. Es beeindruckt ihn jedoch gar nicht und Lindens plötzliche Aufmerksamkeit kurz darauf, bindet ihn nur noch enger an sie. Innerhalb weniger Minuten entschuldigt und bedankt sie sich bei ihm. Das ist für Linden quasi Liebenswürdigkeitsrekord.
Dennoch bleibt unklar, wieso sie seine Gastfreundschaft nicht annehmen kann. Manchmal grenzt ihr Verhalten an Masochismus. Holder wirkt in diesen Momenten wie der Vernünftigere, der einfach eine schwere Zeit hinter sich hat.
Doch gemeinsam gehen beide für den Fall scheinbar Richtung Wahnsinn. Holder bricht bei seinem ehemaligen Mentor Gil (Brian Markinson) ein und erwartet ihn Pasta essend. Linden macht sich auf, die ominöse zehnte Etage auf eigene Faust zu erkunden und obwohl Holder sie zurückhalten will, bringt er sich in Lebensgefahr, um sie zu schützen.
Wird die Sache für Linden wieder in der Psychiatrie enden und wird sie Holder mit sich ziehen? Natürlich sind die beiden unerschrockenen Krieger gegen das marode System und mit ihrem Kampf für die Aufdeckung des Mordfalls auf der moralisch richtigen Seite.
Ob ihr Weg in der Nervenklinik oder mit einer Medaille endet, das entscheidet alleine der Erfolg bei der Mördersuche. Lindens Vorgesetzter ist korrupt, aber er geht nicht über Leichen, das wissen wir seit Holders Verschwinden. Er wird sie blockieren und behindern, aber wenn sie trotz allem den Mörder finden, ist das wohl eine Nummer zu groß für ihn, um es zu verschleiern.
Fazit
Langsam lichtet sich das Dickicht. Mayor Adams tritt als zentrale Figur immer weiter hervor. Das Treffen im zehnten Stock ergibt auch Sinn. Chief Jackson, Mayor Adams, Michael Ames (Barclay Hope). Wer auch immer da war, es geht in hohe Kreise. Vielleicht geht es um Geld, Geschäfte, die am Staat vorbeigeschleust werden sollten.
Es ist auch mal schön, nach einer The Killing-Episode nicht komplett verwirrt zurückzubleiben sondern das Gefühl zu haben, dass alles, naja, ein Teil von Allem zumindest langsam Sinn ergibt.
Aber zu viel schenken die Autoren dem Zuschauer auch wieder nicht. Nun bleibt wieder das Warten. Linden hat Holder aus den Klauen der Casino-Chefin zurückgeholt. Wird Holder genauso erfolgreich sein?
Verfasser: Serienjunkies.de am Dienstag, 22. Mai 2012(The Killing 2x09)
Schauspieler in der Episode The Killing 2x09
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