The Good Wife 6x14

The Good Wife 6x14

Wer schon immer mal wissen wollte, was in Alicias Kopf so vor sich geht, für den ist Mind's Eye genau die richtige Episode. Und ja: Nicht nur Männer denken an Sex. Auch Alicia kann sich unkeuscher Gedanken nicht erwehren.

Der Sender hätte kein besseres Symbolfoto für diese Folge wählen können: Alicia in Denkerpose. / (c) CBS
Der Sender hätte kein besseres Symbolfoto für diese Folge wählen können: Alicia in Denkerpose. / (c) CBS

Das passiert in der The Good Wife-Folge Mind's Eye:

Alicia (Julianna Margulies) besteht darauf, dass sie keine Erkältung hat. Ihre Stimme ist trotzdem schwer angeschlagen. Dabei steht ihr - kurz vor der Wahl - noch ein wichtiges Interview bevor. Johnny (Steven Pasquale) verordnet ihr Ruhe: Sie soll sich zu Hause entspannen und vor allem vom Telefon wegbleiben. Doch das ist leichter gesagt als getan. Louis Canning (Michael J. Fox meldet sich bei Alicia: Er ist dabei, die Kanzlei wegen der - in seinen Augen unrechtmäßigen - Kündigung der Kanzleiräume auf zwölf Millionen Dollar Schadenersatz zu verklagen. Er erklärt gegenüber Alicia, dass er auch mit vier Millionen vorlieb nehmen würde. Alicia will jedoch nicht zahlen, ebensowenig wie Cary (Matt Czuchry) und Diane (Christine Baranski). Fieberhaft denkt Alicia darüber nach, warum Canning so überzeugt davon klingt, dass er den Rechtsstreit gewinnen wird.

Und noch ein weiteres Problem spukt Alicia im Kopf herum: Ein Blog schreibt, dass der Drogendealer Lemond Bishop (Mike Colter) auf einer abgehörten Aufnahme davon spricht, den/die nächste/n Bezirksstaatsanwalt/-anwältin „in der Tasche“ zu haben. Alicia muss damit rechnen, dass sie im Interview darauf angesprochen wird. Bishop hat ihr erzählt, dass er Geld für ihren PAC spendet. Kann sie, darf sie, muss sie im Interview lügen?

Das Nachdenken darüber würde ihr so viel leichter fallen, wenn nicht andere Gedanken ständig dazwischenfunkten. Gedanken an Zach (Graham Phillips). An Kalinda (Archie Panjabi) und Peter (Chris Noth). An Sex. Mit Will (Josh Charles). Und in ihrer Phantasie: mit Johnny. Und Finn (Matthew Goode).

Innenleben

Mind's Eye hält genau, was der Titel bereits nahelegt: Es ist eine Folge, die zu wesentlichen Teilen daraus besteht, dass wir Einblick in Alicias Gedanken erhalten. Wir sehen, wie sie sich mit Problemen auseinandersetzt. Wie sie sich unterschiedliche Szenarien für den Ausgang einer Handlung überlegt. Das hat tatsächlich, wie in der Folge selbst angedeutet wird, etwas von einem Schachspiel. Die Spielerin geht durch, welche Züge ihm offenstehen - und mit welchen Gegenzügen sie zu rechnen hat.

Wir sehen Alicias Befürchtungen, aber auch ihre Fantasien. Mind's Eye setzt damit einen Trend fort, der schon seit Dear God zu beobachten ist: Die Serie führt uns an das Innenleben ihrer Hauptfigur heran. So tief wie in Mind's Eye haben wir allerdings noch nie zuvor in Alicias Kopf gesteckt.

Amüsant

Das ist zum Teil sehr amüsant. Etwa wenn ihre Überlegungen zum Canning-Rechtsstreit und zur Lemond-Bishop-Problematik durcheinandergehen - und Bishop auf einmal in ihren Gedanken etwas sagt, was eigentlich zu Canning gehört. Oder auch die Engelchen-Teufelchen-Dynamik, die in vielen ihrer Gedanken steckt: Sie stellt sich vor, was dieser oder jener ihrer Freunde und Kollegen sagen würde. Und prompt ist einer - meist Eli (Alan Cumming) - mit einem Widerspruch zur Stelle.

Zach ist in Mind's Eye nach längerer Zeit wieder mal zu sehen. In der Vorstellung seiner Mutter ist der Georgetown-Student völlig heruntergekommen - und auf der Straße gelandet.

Alicias Fels

Die Einblicke in Alicias Gedanken geben auf vielfältige Weise Aufschluss über die Figur: Bereits in den vergangenen Folgen hatten wir gesehen, wie wichtig ihre Tochter Grace (Makenzie Vega) für sie geworden ist. Als moralische Stütze und Rückhalt. Als Alicia aus Versehen eine SMS empfängt, aus der hervorgeht, dass Grace hinsichtlich ihres Glaubens an Gott in einer Krise steckt, da löst das in ihr eine vermeintlich paradox erscheinende Reaktion aus. Alicia selbst ist Atheistin. Und man sollte meinen - das sagt in ihrer Phantasie auch Richard Dawkins -, dass sie froh darum sein sollte, dass Grace aufgehört hat, an „dieses Märchen“ zu glauben.

Aber Alicia braucht jemanden in ihrem Leben, der an Gott glaubt. Und das nicht nur, damit jemand an ihrer Stelle das Beten übernehmen kann. In ihrer Vorstellung sieht sie die vom Glauben abgefallene Grace als klebstoffschnüffelnde Schwangere. Richard Dawkins wendet daraufhin sofort ein: Nichts da, nichts da, auch Atheisten können ein ethisch einwandfreies Leben führen! Darum geht es jedoch in Alicias Bild von Grace gar nicht. Es ist keine Frage von Gut und Böse. Es ist eine Frage der Stabilität. Durch die Kraft ihres Glaubens hat Grace zu einer (inneren) Ruhe und Sicherheit gefunden, von der Alicia zehrt. Das haben wir in der Vergangenheit wieder und wieder gesehen.

Deshalb beschwört Alicia ihre Tochter geradezu, ihren Glauben nicht aufzugeben, beziehungsweise es nicht um Alicias Willen zu tun.

Dass Grace überhaupt in einer Glaubenskrise steckt, kommt sehr unvermittelt, was sicherlich ein (kleiner) Kritikpunkt an der Folge ist. Um Alicias innere Konflikte - um den Glauben, das Gute und den Wert der Wahrheit - in ihrer ganzen Komplexität zu enfalten, wird Grace so zurechtgebogen, wie die Autoren sie gerade brauchen.

Sex, Sex, Sex

Kommen wir zum wahrscheinlich faszinierendsten Aspekt von Alicias Gedanken: zu dem, woran sie überhaupt nicht denken will. Die Gedanken und Bilder, die in ihr unwillkürlich in den Kopf schießen. Wie der Gedanke an Will, als sie in einer Internet-Videowerbung zufällig eine Stimme hört, die der von Will ähnlich ist. Oder die Bilder von Peter und Kalinda (was erklärt, warum sie und Kalinda zwar inzwischen wieder ganz gut miteinander arbeiten können, aber keine Freundinnen mehr sind: Alicias kriegt den Gedanken, dass Kalinda mit Peter geschlafen hat, immer noch nicht aus ihrem Kopf).

Auf dem Paley-Festival hat Julianna Margulies davon gesprochen, dass Alicia unbedingt mal wieder flachgelegt werden müsste. Dieser Eindruck stellt sich einem auch in Mind's Eye. Obwohl Alicia so viele andere Dinge im Kopf hat, muss sie immer wieder an Sex denken. Dabei verblasst zunehmend die Erinnerung an Will. Er ist kaum mehr als ein dunkler, schemenhafter Umriss. Stattdessen nehmen Finn und Johnny einen sehr prominenten Platz in Alicias Fantasien ein. Nach dem Ende der Folge zu schließen, dürfte dabei Johnny (der, wie wir ja bereits wissen, sehr viel für Alicia übrig hat) im Augenblick die Nase vorn und die besten Chancen haben, dass Alicia die Fantasien mit ihm wird in die Tat umsetzen wollen.

Falscher Will, falscher Dawkins

Apropos Will: Josh Charles ist in der Folge zu hören, aber nicht zu sehen. Für die Szenen mit ihm wurde ganz offenkundig ein anderer Darsteller verwendet, was mich ehrlich gesagt etwas gestört hat. Die Erinnerung mag einem ja Streiche spielen. Trotzdem wäre es schön gewesen, wenn Will zumindest in den Umrissen ganz klar als Will zu erkennen gewesen wäre.

Auch bei Richard Dawkins haben die Macher auf einen Ersatz (Michael Siberry) gesetzt. Dabei hatte Dawkins selbst schon mal einen Gastauftritt in einer Fernsehserie (Doctor Who: The Stolen Earth (1)). Denkbar ist natürlich, dass er entweder nicht bereit war oder die Produzenten es von vornherein für aussichtslos angesehen haben, ihn für eine Folge anzufragen, in der die Religion letztlich gar nicht so schlecht wegkommt.

Korruption

Bemerkenswert: Alicias Gegenkandidat Frank Prady (David Hyde Pierce) ist mittlerweile Teil ihres Gewissens. Er (beziehungsweise seine gedankliche Repräsentation) versucht sie zur Wahrheit anzuhalten. Doch Alicia scheint - beflügelt von Johnnys Rationalisierungen - auf einem unaufhaltsamen Weg in die Korruption. Sie nimmt Geld von einem Drogendealer und plant, die Öffentlichkeit darüber zu belügen - in dem fatalen Glauben, dass sie dann, wenn sie erst mal die Position innehat, ja ach so viel Gutes tun wird.

Canning

Ebenfalls interessant: zu sehen, wie Alicias Gedanken mit der Realität kollidieren. Gerade noch hat sie sich ausgemalt, wie sie Canning zur Schnecke macht, weil dieser ständig auf die Mitleidsmasche setzt und dazu seine Krankheiten übertreibt. Im nächsten Moment steht sie bei ihm und seiner Frau (Susan Misner) im Krankenhaus, nachdem die Ärzte prognostiziert haben, dass Canning die Nacht wohl nicht überleben wird.

Es wäre sehr schade, Canning gehen zu sehen. Andererseits wäre es erzählerisch konsequent.

Fazit

Mind's Eye ist keine im engeren Sinne fesselnde Folge. Es gibt kaum äußere Spannung. Was die Folge interessant macht, sind die Einblicke in Alicias Gedanken. Und die Spannung resultiert aus den inneren Konflikten, die sie mit sich austrägt.

War das der letzte Auftritt von Louis Canning (Michael J. Fox)? © CBS
War das der letzte Auftritt von Louis Canning (Michael J. Fox)? © CBS
Verfasser: Christian Junklewitz am Dienstag, 10. März 2015
Episode
Staffel 6, Episode 14
(The Good Wife 6x14)
Deutscher Titel der Episode
Kopfkino
Titel der Episode im Original
Mind's Eye
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Sonntag, 8. März 2015 (CBS)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Dienstag, 1. März 2016
Autoren
Robert King, Michelle King
Regisseur
Robert King

Schauspieler in der Episode The Good Wife 6x14

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