The Good Wife 6x15

The Good Wife 6x15

Wie soll sich Alicia öffentlich gegenüber ihrem Mann positionieren? Stellt sie sich hinter ihn und riskiert, für seine Fehler abgestraft zu werden? Oder soll sie sich von ihm distanzieren? Diese Frage beschäftigt nicht zuletzt ihren Wahlkampfmanager, den dabei nicht nur berufliche Erwägungen umtreiben.

Gary Cole als Kurt McVeigh in „The Good Wife“ / (c) CBS
Gary Cole als Kurt McVeigh in „The Good Wife“ / (c) CBS

Das passiert in der The Good Wife-Folge Open Source:

Frank Prady (David Hyde Pierce) treibt seinen Wahlkampfmanager (Remy Auberjonois) zur Verzweiflung: Der Kandidat will sich partout auf keinen Schmutzwahlkampf gegen Alicia (Julianna Margulies) einlassen. Ja, er verzichtet sogar darauf, sie der Lüge zu bezichtigen, nachdem sie im Interview behauptet hat, nichts von Lemond Bishops Wahlkampfspende für ihren PAC zu wissen. Immerhin kann Prady davon überzeugt werden, gegen Peter Florrick und dessen Amtsführung als ehemaliger Bezirksstaatsanwalt zu Felde zu ziehen.

Das bringt Alicia in die Bredouille: Soll sie sich vor ihren Ehemann stellen? Oder distanziert sie sich von ihm, damit seine Fehler nicht auf sie zurückfallen? John (Steven Pasquale) rät ihr zu Letzterem. Er selbst wird jedoch von Eli (Alan Cumming) unter Druck gesetzt, Alicia auf keinen Fall gegen Peter schießen zu lassen. Eli droht damit, Johns nächsten Job für einen unmittelbar anstehenden Wahlkampf in Kalifornien platzen zu lassen. Der Grund, warum John so schnell ein neues Engagement sucht, scheint allerdings ohnehin mehr mit seinen Gefühlen für Alicia als mit beruflichen Ambitionen zu tun zu haben.

Finn (Matthew Goode) ist unterdessen mit einem Klienten zu Florrick Agos gekommen. Gemeinsam mit Diane (Christine Baranski) klagt er vor Gericht gegen den Erfinder einer Plastik-Schusswaffe zum Selbstausdrucken im 3-D-Drucker. Bei einem Unfall mit der Waffe auf dem Schießstand ist ihr Klient schwer verletzt worden. Eine entscheidende Rolle im Prozess kommt der ballistischen Expertise von Dianes Ehemann Kurt McVeigh (Gary Cole) zu. Zwischen den beiden kriselt es jedoch schon bald. Grund dafür ist ihre grundsätzlich gegensätzliche Einstellung zum Thema Waffen.

Eine Story für Mrs. Baranski, bitte!

Man kann sich die Diskussion im Writers' Room von The Good Wife sehr gut vorstellen: „Verdammt, wir müssen eine Geschichte für Christine Baranski finden!“ - „Stimmt, wir hatten jetzt schon eine gefühlte Ewigkeit keine Episode mehr, in der sie im Mittelpunkt gestanden hat.“ - „Lasst uns doch Gary Cole zurückholen - und wir machen was mit Waffen. Das ist bei den beiden immer für einen Konflikt gut...

Diane und Kurt sind verheiratet. Geändert hat sich in ihrer Beziehung dadurch wenig. Sie sind immer noch heiß aufeinander. So sehr, dass sie bereits im Auto nicht die Finger voneinander lassen können. Das ist ja zunächst mal eine prima Sache: Nicht vielen Frauen jenseits der 60 wird im (US-) Fernsehen ein aktives Sexualleben zugestanden.

Dauerkonflikt

Nicht ganz so prima ist der Umstand, dass Diane und Kurt sich mit ihrem Konflikt zum Thema Waffen fortwährend im Kreis drehen. Das ist zwar einerseits sehr realistisch: es ist kaum davon auszugehen, dass einer den anderen je von seiner Sicht wird überzeugen können. Es ist andererseits aber dramaturgisch etwas unbefriedigend, wenn sich ein und derselbe Konflikt wiederholt, ohne dass ihm wirklich etwas Neues abgewonnen wird. Okay, wir wissen jetzt also, dass die Beziehung der beiden auch eine (unfreiwillige) Vorladung vor Gericht aushält. Das war's dann aber auch schon.

Das Thema mit den ausdruckbaren Waffen ist interessant und aktuell. Die Teaser-Sequenz ist mitreißend inszeniert - und mit „Crown of Age“ von The Ettes musikalisch bestens unterlegt. Und natürlich ist die Freude groß, dass Denis O'Hare neben American Horror Story endlich mal wieder Zeit gefunden hat, die Richterrobe überzuwerfen und als Judge Abernathy im Gerichtssaal für Aufregung und Verwirrung zu sorgen.

Trotzdem kommt man nicht umhin festzustellen, dass es schön gewesen wäre, hätte man eine andere Geschichte für Diane gefunden. Der Konflikt mit Kurt zum Thema Waffen ist einfach schon etwas ausgelutscht.

Nieren und andere Spenden

Und es gibt noch einen Kritikpunkt an Open Source: Louis Canning (Michael J. Fox). Die Autoren haben ihn nicht sterben lassen. Stattdessen haben sie eine neue Niere für ihn aufgetrieben. Das ist erzählerisch nicht ganz so konsequent, wie man es sich vielleicht gewünscht hätte. Aber, okay, natürlich ist auch nicht unverständlich, dass man einen so vorzüglichen Gegenspieler (ungeachtet seiner Ankündigung, dass er sterben müsse) nicht so einfach gehen lassen will.

Während Alicia Skrupel hat, Cannings Hilflosigkeit auszunutzen, um ihn zu einer Einigung im Rechtsstreit mit ihrer Kanzlei zu bewegen, scheint dieser schon wieder voller Tücke. Im Verein mit David Lee (Zach Grenier) stellt er ihr eine Falle. Alicia soll als Cannings Rechtsvertreterin 18 Millionen Dollar an die Familie seiner Organspenderin überweisen; wohlwissend, dass die Familie plant, das Geld an eine Hilfsorganisation weiterzugeben, welche - möglicherweise - Verbindungen zur palästinensischen Hamas besitzt.

Konstruiert

Fraglos würde es Alicia politisch schweren Schaden zufügen, sollte sie mit der Hamas in Verbindung gebracht werden, ganz gleich wie konstruiert der Zusammenhang auch ist. Die Frage ist jedoch, was Canning und Lee - im Hinblick auf ihre Klage - mit dieser Falle eigentlich bezwecken. Als Druckmittel kommt sie reichlich spät; die Wahl ist in drei Tagen - und Alicia hat bislang nicht mehr gemacht als verantwortungsvoll Recherchen beim Außenministerium einzuholen.

Ein bisschen kommt einem dieser Handlungsstrang so vor, als ginge es hauptsächlich darum zu zeigen, dass man Louis Canning niemals - nicht einmal auf seinem vermeintlichen Sterbebett - über den Weg trauen darf.

Böser Junge - Guter Junge

Das Beste an diesem Plot ist Alicias Offenbarung gegenüber dem bewusstlose (?) Canning, dass sie ihn vermissen würde, obwohl sie ihn als einen schlechten Menschen ansieht. „I seem to have some bad boy issues...

Die zweite bemerkenswerte Szene der Episode bringt Alicia derweil mit einem ausgesprochen guten Jungen zusammen. Sie und Frank Prady pflegen hinter den Kulissen weiterhin einen erfreulich respektvollen Umgang miteinander. Und im Zuge dessen vertraut sich Prady ihr mit einem Geheimnis an: Entgegen aller Gerüchte ist er überhaupt nicht schwul. Der Grund, warum er nach seiner ersten Ehe nicht wieder geheiratet hat, ist der, dass er Jesuit ist (gemeint ist wohl eine der Laienorganisationen, die dem Jesuitenorden nahestehen). Als Katholik glaubt er, dass die Ehe unauflöslich ist - und eine Wiederheirat Ehebruch bedeuten würde.

Alicia sieht sich einem Menschen gegenüber, der aus einem tiefempfundenen Glauben heraus lebt. Und sie kommt zu dem Schluss: „You are better than I am.

In ihrer Selbstreflexion findet sich Alicia in Open Source damit quasi in der Mitte zwischen Canning und Prady wieder. Sie ist nicht völlig ohne Skrupel wie Canning. Aber auch keine Heilige wie Prady.

Der Kuss

Das sehen wir auch am Ende der Folge. Alicia lädt John, der sich nach einer Standpauke von Marissa (Sarah Steele) dazu entschieden hat, das Richtige zu tun, zu sich in die Wohnung ein. Erst will John nicht, schließlich landen die beiden dann aber doch küssend in den Armen des anderen. Wer hätte gedacht, dass Alicias Träume (Mind's Eye) so schnell Wirklichkeit werden?

Fazit

Open Source ist keine schlechte Folge, aber doch nicht ganz so stark wie die Episode davor (Mind's Eye). Der wiederholte Konflikt zur Waffenthematik zwischen Diane und Kurt nutzt sich langsam ab. Die stärksten Szenen der Folge sind die Momente der (Selbst-) Erkenntnis, die Alicia überkommen.

Verfasser: Christian Junklewitz am Dienstag, 17. März 2015
Episode
Staffel 6, Episode 15
(The Good Wife 6x15)
Titel der Episode im Original
Open Source
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Sonntag, 15. März 2015 (CBS)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Dienstag, 8. März 2016
Autor
Craig Turk
Regisseur
Rosemary Rodriguez

Schauspieler in der Episode The Good Wife 6x15

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