The Good Wife 6x16

The Good Wife 6x16

Die Wahllokale haben jetzt geöffnet... Der Tag, auf den alle gewartet haben, ist gekommen: Die Wahl zum Bezirksstaatsanwalt von Cook County läuft. Alicia hat allerbeste Chancen, zu gewinnen. Da unterläuft Peter eine unbedachte (?) Äußerung, die alles noch zunichtemachen könnte.

Strahlendes Power-Paar für die Kameras: Peter (Chris Noth) und Alicia (Julianna Margulies). / (c) CBS
Strahlendes Power-Paar für die Kameras: Peter (Chris Noth) und Alicia (Julianna Margulies). / (c) CBS

Das passiert in der The Good Wife-Folge Red Meat:

Nach Monaten des Wahlkampfs ist endlich der Tag der Entscheidung gekommen. Die Wähler in Cook County sind zur Abstimmung aufgerufen, wen sie im Amt des Bezirksstaatsanwalts sehen wollen: Alicia Florrick (Julianna Margulies) oder Frank Prady (David Hyde Pierce). In den Umfragen führt Alicia mit fünf Prozentpunkten. Nachdem sie selbst am Morgen ihre Stimme abgegeben hat, bleibt für sie kaum etwas anderes zu tun, als zu warten. Finn (Matthew Goode) hat ein Geschenk für sie, das ihr bei der Überbrückung bis zur ersten Hochrechnung helfen soll: Das Ego-Shooter-Spiel „Halo“, mit dem Marissa (Sarah Steele) ihre Chefin vertraut macht.

Plötzlich sieht es jedoch so aus, als könnte Alicias sicher geglaubter Sieg doch noch in Gefahr geraten. In einem Interview tut Peter (Chris Noth) so, als habe Alicia den Sieg so gut wie in der Tasche. Für Alicias Wahlkampf-Team ist das ein Albtraum: Sie fürchten, dass Alicias Unterstützer nun von den Urnen fernbleiben werden. Warum wählen gehen, wenn der Sieg der eigenen Seite doch ohnehin sicher ist? Alicia kommt ein Verdacht: Will Peter etwa gar nicht, dass sie gewinnt?

Diane (Christine Baranski) begleitet unterdessen Kurt (Gary Cole) - wie am Ende von Open Source versprochen - auf einen winterlichen Jagdausflug, den er mit seinen ultrakonservativen Freunden unternimmt. Darunter befinden sich auch zahlreiche Milliardäre.

Diane will die Gelegenheit nutzen, um den Unternehmer Gil Berridge (James Snyder) als neuen Groß-Klienten zu gewinnen (um die Lücke zu schließen, die Chumhum hinterlassen hat). Von Cary (Matt Czuchry) und David Lee (Zach Grenier) erfährt sie, dass Berridges Ehefrau großen Einfluss auf ihn hat. Also pirscht sich Diane an Mrs. Berridge heran. Unglücklicherweise merkt sie nicht, dass sie gar nicht mit der Ehefrau, sondern mit einem Callgirl spricht, das Gil zu dem Ausflug mitgenommen hat...

Es geht doch!

Fangen wir mit Diane an. Mein größter Kritikpunkt an Open Source ist gewesen, dass mir der Konflikt zwischen ihr und ihrem Gatten zum Thema Waffen etwas ausgelutscht vorkam. So als wollten die Autoren Christine Baranski etwas zu tun geben, ohne selbst genau zu wissen, was sie mit ihr und ihrer Figur anfangen sollen. Red Meat zeigt dagegen auf geradezu bewundernswerte Weise, wie es besser geht. Auch hier stehen die ideologischen Differenzen im Mittelpunkt, die zwischen Diane und ihrem Mann beziehungsweise dessen Freunden bestehen.

Die Konflikte werden jedoch in ein frisches, unverbrauchtes Szenario eingebettet. Zugleich ist die Ausgangslage für Diane wesentlich komplexer: Einerseits fühlt sie sich - umgeben von lauter Republikanern - höchst unwohl, andererseits ist es die beste Gelegenheit, einen wohlhabenden Klienten an Land zu ziehen. Sie bewegt sich auf unbekanntem, ja sogar tendenziell feindlichem Terrain, was die Sache gleichermaßen lustig (Fish Out of Water) wie spannend macht. Und sie selbst in eine knifflige Situation manövriert: Einerseits ist sie überhaupt kein Freund der Jagd, andererseits will sie, die Feministin, aber auch nicht mit den Ehefrauen (und - wie sie zu spät merkt - Callgirls) für das Damenprogramm zurückgelassen werden.

Ambivalenzen

Es fällt ihr unendlich schwer, den Abzug zu drücken, um das Reh zu erlegen. Als sie das von ihr selbst getötete Tier auf den Teller bekommt, bringt sie zunächst kaum einen Bissen herunter. Gleichzeitig muss sie sich am Ende eingestehen, dass es ihr aber doch gefallen hat. DAS sind Ambivalenzen, mit denen man Christine Baranski adäquates Spielmaterial an die Hand gibt!

Ganz zu schweigen von ihrem Dialog mit Oliver Platt, mit dem The Good Wife wieder einmal ein Glanzlicht der intellektuellen Auseinandersetzung zu einem kontroversen Thema setzt. Diane und der konservative Milliardär R.D. (Platt) führen ein lebhaftes Streitgespräch zum Thema Abtreibung, an dessen Ende sie zwar nicht zu einer gemeinsamen Position finden. Diane aber mit ihrem engagierten Auftreten einen neuen Klienten gewinnt.

Gefechte

Kommen wir zu Alicia. Diane ist schließlich nicht die Einzige, die in Red Meat herumballern darf. Auch wenn Alicias Kugeln rein virtuell bleiben, so scheint uns die Folge sagen zu wollen, dass Schießen gut zum Stressabbau geeignet ist. Ob das nun stimmt oder nicht: Die Parallelführung zwischen Dianes Jagdausflug und Alicias Online-Abenteuer ist auf jeden Fall eine originelle Idee.

In der wirklichen Welt gerät Alicias Wahlsieg in Gefahr, weil sich Peter öffentlich allzu siegesgewiss zeigt. Es scheint so, als ob das seine Retourkutsche dafür ist, dass sich Alicia in Open Source von ihm politisch distanziert hat. Nachdem die beiden heftig aneinander geraten und es schließlich so aussieht, als ob Alicia tatsächlich verlieren könnte, obsiegt jedoch Peters politischer Instinkt; und er leistet auf den letzten Metern doch noch mal auf seine Weise Schützenhilfe, um seiner Gattin zum Wahlsieg zu verhelfen.

Hoffen auf die Niederlage

Nicht wenige Fans haben ja darauf gehofft, dass Alicia verliert, weil sie sie lieber weiterhin als Teil der Kanzlei sehen wollen. Diese Hoffnung wird in Red Meat enttäuscht. Alicia gewinnt. Ihre Gefühle diesbezüglich sind allerdings zwiegespalten. Öffentlich lacht und jubelt sie - Seite an Seite mit Peter. Zuvor konnten wir jedoch den Eindruck gewinnen, dass ein Teil von ihr gerne verloren hätte. Sie ist inzwischen selbst davon überzeugt, dass Prady der bessere Kandidat ist. Deshalb versucht sie, ihn auch umgehend als ihren Stellvertreter zu gewinnen, was er jedoch - integer wie gewohnt - unter Verweis auf ihre völlig unterschiedlichen Positionen ablehnt.

Alicia bekennt sogar, dass sie bereits vor Monaten eine Rede für den Fall ihrer Niederlage geschrieben hat. Innerlich hatte sie sich also darauf bereits eingestellt; nicht jedoch auf den Sieg. Wie sie sagt, wäre es nur um die vertane Zeit des Wahlkampfs schade gewesen.

Mutige Entscheidung

Nun ist sie zur Bezirksstaatanwältin gewählt. Und man darf sehr gespannt sein, was die Serie aus dieser neuen Situation machen wird. Wie man auch immer dazu steht, dass Alicia nun die Kanzlei aufgeben muss. Es ist - wieder einmal - ein sehr mutiger Schritt, den die Autoren hier gehen. Sie haben keine Angst davor, bislang sicher geglaubte Fundamente der Serie aufzugeben, wenn sie glauben, dass sie die Figur damit in eine neue, interessante Richtung führen können.

Wieder und wieder haben wir gesehen, wie Alicia ihre Mandanten vor Gericht verteidigt. Wir wissen, dass sie eine tolle Anwältin ist. Das hätten die Autoren auch noch bis zum Serienende so weiterspielen können. Stattdessen setzen sie Alicia auf die andere Seite des Gerichtssaals. Und der Gedanke - das kann man kaum leugnen - ist ja auch durchaus reizvoll: Wie wird es aussehen, wenn Alicia auf einmal als Staatsanwältin auf Colin Sweeney (Dylan Baker) trifft? Oder auf Louis Canning (Michael J. Fox)?

Korruption

Eine erste Konfliktlinie macht Red Meat ja bereits mit Lemond Bishop (Mike Colter) auf. Der möchte nämlich sicherstellen, dass sich Alicia auch nach ihrer Wahl noch daran erinnert, wer es gewesen ist, der einen Großteil ihres Wahlkampfs finanziert hat. Alicia gefällt das verständlicherweise gar nicht. Wie sie wohl reagieren wird, wenn sie erfährt, dass Bishop aus dem Drogengeschäft aussteigen will? Wird sie alle Hühneraugen zudrücken und ihre schützende Hand über ihn halten, jetzt, wo es ja vermeintlich nicht mehr so schlimm ist?

Es ist auf jeden Fall ein sehr geschickter Schachzug der Autoren: Dadurch, dass Bishop die Illegalität hinter sich lassen will, machen sie es Alicia sehr viel schwerer, dem Akt der Korruption zu widerstehen. „Was ist denn schon dabei?“ Vor meinem inneren Auge sehe ich gerade ein Bild vor mir, das sich als mögliches Staffel- oder gar Serienfinale anbieten würde: Alicia, die sich so wie seinerzeit Peter in der Pilotfolge wegen Korruptionsvorwürfen verantworten muss...

Der gute Papa

Jetzt ergibt auch der Plot mit Kalinda (Archie Panjabi) als Leibwächterin von Bishops Sohn gleich viel mehr Sinn. Auch wenn es nur mittelbar seine Schuld ist, dass sein Sohn der Schule verwiesen wird - Bishop erkennt, dass er seinem Kind dieses Leben nicht länger zumuten kann. Dadurch, dass wir ihn in der Vergangenheit wiederholt als besorgten Vater gesehen haben, ist sein Entschluss zum Ausstieg aus dem Drogengeschäft, so sehr der Zuschauer davon in dem Augenblick auch überrascht wird, letztlich absolut folgerichtig - und für die Figur stimmig.

Konfus

Etwas konfus gestaltet sich derweil Alicias Liebesleben. Nach ihrem Kuss mit John (Steven Pasquale) am Ende von Open Source) - und was auch immer danach noch passiert ist - herrscht erst mal Schweigen zwischen den beiden. Sie reden über die Wahl, aber nicht darüber, was zwischen ihnen passiert ist.

The Good Wife inszeniert hier ein Liebesdreieck, welches aber versucht, so auszusehen, als ob es gar kein Liebesdreieck wäre. Weil die daran beteiligten Herren gleich wieder auf Distanz gehen. John würde eigentlich gerne in Alicias Nähe bleiben. Dann sieht er sie jedoch zusammen mit Peter. Er weiß (genau wie die Zuschauer), dass aus politischer Räson heraus zwischen ihm und Alicia nicht mehr als eine heimliche Affäre stattfinden könnte. Und er beschließt, nun doch den Job in Kalifornien anzunehmen. Wieder einmal schließen sich in The Good Wife die Aufzugtüren...

Derweil tänzeln Alicia und Finn umeinander herum. Es ist unverkennbar, dass zwischen den beiden Gefühle am Köcheln sind. Eine Einladung zum Mittagessen blockt Finn jedoch ab und lässt seine Halo-Partnerin wissen, dass er seit kurzem mit jemandem zusammen ist.

Und dann ist da noch der Vierte in dem Liebesdreieck, Peter, dem Alicia immer noch nicht sein Verhältnis mit Ramona (Connie Nielsen) verziehen hat.

Bombe

Nicht unerwähnt bleiben dürfen zwei wunderbare Momente, die so viel Spaß machen, dass sie einen fast zu Szenenapplaus verleiten.

Der erste ist Dianes augenzwinkernde Gewaltfantasie: „If I were to set off a bomb in this room, we would have Democratic presidents for the next 30 years...“ Wie wahr!

Der zweite ist die Bekanntgabe des Gewinners in den TV-Nachrichten, die natürlich erst mal von einer Werbepause unterbrochen wird. „Oh no!“, ärgert sich Alicia. Bevor The Good Wife selbst zur Werbepause abblendet. Genial! Die Werbeunterbrechung selbst zu einem Teil des Gags zu machen, das ist schon höhere TV-Kunst!

Fazit

Red Meat ist ein köstliches Stück Fernsehen. Und eine deutliche Steigerung gegenüber Open Source. Der Plot mit Diane macht großen Spaß. Und Alicias Wahlsieg zeigt deutlich, dass die Autoren nicht davor zurückscheuen, die Serie in unbekannte Gewässer zu führen.

Verfasser: Christian Junklewitz am Dienstag, 24. März 2015
Episode
Staffel 6, Episode 16
(The Good Wife 6x16)
Deutscher Titel der Episode
Jagdszenen
Titel der Episode im Original
Red Meat
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Sonntag, 22. März 2015 (CBS)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Dienstag, 8. März 2016
Autor
Nichelle D. Tramble
Regisseur
Michael Zinberg

Schauspieler in der Episode The Good Wife 6x16

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