The Good Wife 6x17

Das passiert in der The Good Wife-Folge Undisclosed Recipients:
Nach ihrem Wahlsieg als Bezirksstaatsanwältin wird Alicia (Julianna Margulies) mit viel Applaus in der Kanzlei empfangen. Ihr Büro quillt geradezu über vor Blumen und Geschenkkörben. Doch der Wahlsieg bringt auch Probleme mit sich: Da ist zum einen die Frage, wie es jetzt mit der Kanzlei weitergeht. Als frisch gewählte Staatsanwältin muss sich Alicia so schnell wie möglich von ihrem Anteil an der Kanzlei trennen. Das finanzielle Angebot, das die anderen Partner ihr machen, liegt jedoch weit unter ihren Vorstellungen.
Zum anderen werden gleich am ersten Tag nach der Wahl die ersten Bittsteller bei Alicia vorstellig: Da ist Noch-Amtsinhaber Castro (Michael Cerveris), der sie an die ungeschriebene Regel erinnert, dass ein neuer Bezirksstaatsanwalt nicht gegen seine Vorgänger ermittelt. Als nächstes schneit der widerliche Guy Redmayne (Ed Asner) in ihr Büro - und meint für die eine Million Dollar, die er für Alicias Wahlkampf gespendet hat, sie nicht nur weiter angrapschen, sondern ihr auch Vorschriften machen zu dürfen, wen sie zu ihrem Stellvertreter ernennt. Und schließlich ist da auch noch der Drogendealer Lemond Bishop (Mike Colter), der seine Absicht bekräftigt, aus den illegalen Geschäften auszusteigen. Als Gegenleistung für seine Wahlkampfunterstützung möchte er jedoch, dass Alicia das laufenden Verfahren gegen ihn einstellt.
Alicia sagt zu all diesen Anliegen klipp und klar Nein. Weshalb sie sich umgehend Ärger mit Eli (Alan Cumming) einhandelt, der ihr erst mal Nachhilfe in Politiker-Sprech gibt.
Diane (Christine Baranski) und Cary (Matt Czuchry) vertreten unterdessen einen Filmproduzenten (Neil Hopkins, Matador), der den Betreiber (Michael Stahl-David, The Black Donnellys) einer Filesharing-Plattform verklagt. Der Fall eskaliert, als Hacker - offenbar als Vergeltung für die Klage gegen die beliebte Filesharing-Seite - sich aller E-Mails der Kanzlei bemächtigen und mit deren Veröffentlichung beginnen. Plötzlich kann jeder lesen, was die anderen über einen schreiben, was zu einem regelrechten Ausnahmezustand in der Kanzlei führt...
Komödie
Nun, was soll man über Undisclosed Recipients sagen? Also, ich halte mir da alle Optionen offen. Und werde in 48 Stunden zu einem Urteil kommen...
Aber mal Spaß beiseite. So schwer das in diesem Falle auch ist. The Good Wife ist eine Serie, die ganz unterschiedliche Tonalitäten in sich vereint. Sie kann große Charakterdramen und moralische Dilemmata erzählen. Sie kann so spannend sein wie ein Thriller. Oder so lustig wie eine Komödie.
Nach den langen Wochen des politischen Dramas, in dem der Wahlkampf mit all seinen Fallstricken im Mittelpunkt stand, ist nun endlich mal wieder Letzteres der Fall. Undisclosed Recipients ist ein ganz großer Spaß, mit dem The Good Wife für mehr Lacher sorgt als die meisten Sitcoms.
Ich gehe in eine andere Richtung
Dabei sind die Themen, welche die Episode erzählt, ja durchaus ernst. Da ist erstens die Frage, wie Politiker mit den Erwartungen umgehen, welche die Großspender nach der Wahl an sie stellen. Berauscht von ihrem Sieg und dem Gefühl der Macht tut Alicia zunächst genau das, was wir uns wünschen würden, dass Politiker es täten. Sie gibt sich stark und prinzipientreu - und sagt den „Money Men“ in freundlichen Worten, dass sie da hingehen können, wo der Pfeffer wächst. Das an sich ist schon ein großes Vergnügen!
Was macht mein Film / meine Mail im Netz?
Zweitens beschäftigt sich die Folge gleich in doppelter Hinsich mit prolematischen Aspekten des Internets: Filmpiraterie einerseits und E-Mail-Leaks als Druckmittel andererseits. Was das Thema Filmpiraterie angeht, so liefert The Good Wife eine gewohnt komplexe Auseinandersetzung, ohne simple Antworten. Die (möglichen) Verluste, welche der Filmindustrie entstehen, werden genau so erwähnt wie die Tatsache, dass es bisweilen die Industrie selbst ist, welche durch Leaks auf illegalen Seiten „Buzz“ für die eigenen Produkte zu erzeugen sucht. Michael Stahl-David wird sogar eine sehr bemerkenswerte Rede über Zäune in der digitalen Welt (und deren Vergeblichkeit) eingeräumt.
Das reale Vorbild für die Geschichte mit den E-Mail-Leaks stammt ebenfalls aus der Filmindustrie: Kurz vor Weihnachten hatten Hacker mit der Veröffentlichung interner E-Mails von Sony Pictures begonnen - und mit der Veröffentlichung weiteren Materials gedroht, falls der Film „The Interview“ in die Kinos kommt. Mit der Aktion hatten sie insoweit Erfolg, dass sich Sony tatsächlich gezwungen sah, den Kino-Massenstart abzusagen (der Film ist dann allerdings, unter anderem via Video-on-Demand, veröffentlicht worden).
Schadenfreude
Während die Sony-Bosse damals in die Bredouille gerieten wegen der Dinge, die sie in ihren E-Mails über Schauspieler, Regisseure oder auch den US-Präsidenten geschrieben hatten, konnte man sich nicht des Eindrucks erwehren, dass zumindest Teile der Öffentlichkeit darauf mit einer gewissen Schadenfreude reagierten. So ähnlich verhält es sich auch in The Good Wife.
David Lee (Zach Grenier) etwa bricht in schallendes Gelächter aus, als er liest, was Cary über Diane geschrieben hat. Sein Lachen erstirbt, als er aus den Mails erfährt, dass ihn offenbar einige Leute im Büro für schwul halten. Regel Nummer Eins von E-Mail-Leaks: Sie sind dann lustig, wenn sie andere Leute betreffen.
Wahrheit oder nicht?
Ihre Faszination liegt fraglos darin, dass wir darüber Aufschluss zu erhalten hoffen, was andere Leute wirklich denken. Ein Blick hinter die freundliche Fassade. Wie Alicia und Cary am Ende so zutreffend feststellen: Das kann so sein, es muss aber nicht so sein. Die E-Mails können auch völligen Schwachsinn enthalten, wie etwa Howards (Jerry Adler) Behauptung / Wunschtraum, dass Kalinda (Archie Panjabi) ihm sexuell zu Gefallen gewesen ist.
In erzählerischer Hinsicht sind die Leaks ein Vergnügen, weil sie die Figuren zwingen, sich gegenüber anderen mit Dingen auseinanderzusetzen, die ihnen peinlich sind. Das ist schon mal per se eine großartige Quelle für Humor. Etwa, wenn Alicia ihre Chefassistentin Marissa (Sarah Steele) bittet, ihre E-Mails auf etwaige Peinlichkeiten durchzugehen - und Marissa ihr schließlich die Ergebnisse präsentiert.
Lustgesäusel
BTW: Es lohnt sich, mal das Bild anzuhalten und die einzelnen E-Mails zu lesen! Etwa die, in der Alicia Will wissen ließ, dass sie seine Zunge gerne an einer Kette mit sich tragen würde, um seine „köstliche Linguistik“ jederzeit genießen zu können... Das Synonym kannte ich noch gar nicht!
Das mit John (Steven Pasquale) war dagegen, wenn man den E-Mails glauben schenken darf, nur ein One-Night-Stand. Womit Finn (Matthew Goode) wieder stark im Rennen wäre. Alica würde ihn gerne zu ihrem Stellvertreter berufen, was nicht nur Eli für eine schlechte Idee hält. Nein, liebe The Good Wife-Autoren, bitte bringt nicht Alicia und Finn zusammen! Dann schon lieber Lemond Bishop (wie Marissa für einen Moment anzunehmen scheint...)!
Fehlendes Ja x Zeit = Nein
Alan Cumming ist wie immer großartig! Nicht nur wegen der neuen Mathematik, die Eli uns und Alicia beibringt, sondern auch wegen seines famosen Mienenspiels. Etwa sein flehentlicher Blick, als er nach seiner ersten Schimpftirade aus Alicias Büro kommt, und seine Augen nur eines zu sagen scheinen: „Einmal mit Profis arbeiten!“ Oder auch sein irritierter Blick, als sich David und Julius (Willkommen zurück, Michael Boatman!) nach dem E-Mail-Leak draußen auf dem Gang anschreien.
Es ist wirklich an der Zeit, dass einer der großen Fernsehpreise das mit mehr als nur einer Nominierung zu würdigen weiß!
Continuity?
Ein klitzekleiner Kritikpunkt an Undisclosed Recipients betrifft den Punkt Continuity. Es scheint nämlich so, als hätten die Autoren da nicht so ganz mitgedacht. Wieso liegen auf dem Server der Kanzlei Florrick Agos eigentlich E-Mails von Lockhart Gardner? Die Affäre zwischen Alicia und Will etwa hat sich doch noch in der alten Kanzlei zugetragen.
Vielleicht gibt es dafür ja eine gute Erklärung, die mir mit meinem begrenzten technischen Sachverstand gerade nicht einfällt. Aber ein bisschen seltsam kommt es mir doch vor...
Fazit
Trotz oder vielleicht gerade wegen der durchaus ernsten Themen gelingt The Good Wife mit Undisclosed Recipients eine wunderbare Komödie, die dem Zuschauer 45 Minuten köstlichster Unterhaltung garantiert.

(The Good Wife 6x17)
Schauspieler in der Episode The Good Wife 6x17
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?