The Good Wife 6x18

The Good Wife 6x18

Das Unheil schien bereits abgewendet, da werden die gehackten E-Mails von Alicia doch noch veröffentlicht. Während sie gerade an ihrem öffentlichen Image als neue Bezirksstaatsanwältin feilt. Und noch eine unliebsame Wahrheit droht, ans Licht zu kommen: Kalindas gefälschter Beweis im Prozess gegen Cary.

Noch ist Alicia ganz entspannt. / (c) CBS
Noch ist Alicia ganz entspannt. / (c) CBS

Das passiert in der The Good Wife-Folge Loser Edit:

Nach Alicias (Julianna Margulies) Wahlsieg arbeitet die Fernsehjournalistin Petra Moritz (Lily Rabe, American Horror Story) an einer Geschichte über die zukünftige Bezirksstaatsanwältin von Cook County. Geplant ist ein harmloses Politikerportrait, für das Alicia ganz entspannt ein Interview gibt. Eli (Alan Cumming) und Josh (David Krumholtz) werden jedoch nervös, als bekannt wird, dass Alicias gehackte E-Mails möglicherweise doch noch geleakt werden könnten. Und tatsächlich: Petra bekommt die E-Mails zugespielt. Und mit dem Segen ihres Chefredakteurs (Ruben Santiago-Hudson, Castle) plant sie nun, der Geschichte einen ganz anderen Spin zu geben.

Das entgeht natürlich auch Eli und Josh nicht. Sie versuchen, die Veröffentlichung der E-Mails zu verhindern. Als das nicht klappt, wollen sie Petra den Wind aus den Segeln nehmen, indem sie ihrem Beitrag mit einem Exklusiv-Scoop bei der Konkurrenz zuvorkommen. Dazu müssen sie Alicia aber so weit bekommen, dass sie über ihre Affäre mit Will (Josh Charles) lügt - und die E-Mails nur als Resultat eines versponnenen Flirts präsentiert. Alicia ist dazu erst mal nicht bereit. Schließlich kreuzt jedoch sogar Peter (Chris Noth) bei ihr auf, um sie zu überreden.

Auch Kalinda (Archie Panjabi) wird von den Geistern der Vergangenheit eingeholt. Andrew Wiley (Tim Guinee, Revolution) taucht in der Kanzlei auf. Er ist von der Abteilung für Interne Ermittlungen zur Untersuchung des Falles von Detective Prima beauftragt worden. Wiley versucht herauszufinden, wie die Kanzlei an die für Prima belastenden - und Cary (Matt Czuchry) entlastenden - Metadaten gekommen ist. Kalinda, welche die Daten gefälscht hat, gerät darüber in höchste Unruhe. Sie lässt sich von Finn (Matthew Goode) anwaltlich beraten. Dieser erklärt ihr, dass nicht nur sie, sondern auch Diane (Christine Baranski) am Haken ist. Diane könnte, obwohl sie von der Fälschung nichts wusste, ihre Zulassung verlieren oder sogar im Gefängnis landen.

Der Milliardär R.D. (Oliver Platt, The Big C) hat Diane inzwischen in einen konservativen Think Tank eingeladen. Diskutiert wird über das Thema Religionsfreiheit und Schwulenehe. Diane präsentiert den liberalen Standpunkt. Was sie nicht ahnt: R.D. nutzt die Debatte dazu, seine Strategie zu verfeiern, wie sich die aussichtsreichsten Fälle finden und vertreten lassen, bei denen Geschäftsinhaber homosexuellen Kunden aus religiösen Gründen ihre Dienste verweigern.

Think Tank

Schon nach seinem zweiten Auftritt lässt sich zweifelsfrei sagen, dass die Hereinnahme von Oliver Platt als wiederkehrendem Gaststar eine weitere großartige Entscheidung der The Good Wife-Macher gewesen ist. Was sich in Red Meat bereits angedeutet hat, setzt sich in Loser Edit konsequent fort: Er und Christine Baranski harmonieren ganz wunderbar miteinander, während ihre Figuren ein intellektuelles Sparring auf höchstem Niveau austragen; diesmal im edlen Ambiente eines vornehmen Debatierclubs.

Mit dem Thema könnte The Good Wife - wieder einmal - kaum aktueller sein, wie die Diskussionen um den Religious Freedom Restoration Act beweisen, welcher in der vorvergangenen Woche im US-Bundesstaat Indiana verabschiedet worden ist. Er hat landesweit für Kritik und Proteste gesorgt, weil er ermöglicht hätte, dass genau jenes Fallbeispiel, welches in Loser Edit am Anfang diskutiert wird: das schwule Paar, welches eine Hochzeitstorte bestellen will, aber vom Bäcker aus religiösen Gründen abgewiesen wird, legal geworden wäre.

Als Konsequenz aus den Diskussionen hat Indiana noch Ende vergangener Woche einen Zusatzartikel - gewissermaßen eine Korrektur - verabschiedet, welcher klarstellt, dass auf Grundlage des Gesetzes keine Dienstleistungen etwa auf Basis der sexuellen Orientierung der Kunden verweigert werden können.

Zivilisierter Diskurs

The Good Wife gelingt es, eine, wenn man sich allein schon die Unterschiede, die in der Rechtslage verschiedener US-Bundsstaaten existieren, hochkomplexe Materie, in eine anschauliche (das Als-ob-Gerichtsverfahren, die Beispiel-Visualisierungen) und intellektuell höchst anregende Form zu bringen. Ohne den jeweiligen Gegner zu dämonisieren, wird hier auf ansprechendem Niveau die Abwägung zweier Rechtsgüter diskutiert.

In der nicht zuletzt durch FOX News und Co. stark polarisierten Atmosphäre der US-Politik entfaltet The Good Wife hier eine Art Wunschtraum, wie ein zivilisierter Diskurs zwischen Links und Rechts, zwischen Liberalen und Konservativen in den USA ausschauen könnte. Ein Aufeinanderzugehen, das nicht zuletzt darin besteht, dass man sich gerade mit den stärksten Argumenten der Gegenseite auseinandersetzen will, wie es R.D. in dieser Folge demonstriert.

Scoop

Das zweite große Thema der Episode ist die Wahrheit - und was Kalinda und Alicia unternehmen, um sie am Herauskommen zu hindern. Alicia wird von ihren Beratern und schließlich auch von Peter ein Stückchen weiter den Weg zur „richtigen“ Politikerin hinabgeführt, wo es selbstverständlich dazugehört, dass man lügt beziehungsweise die Wahrheit nach allen Regeln der Kunst verdreht. So wird aus ihrer Affäre mit Will ein Flirt.

Ich weiß nicht, wie es den Lesern ergangen ist: Ich habe mich dabei ertappt, wie meine Sympathien im Laufe der Episode mehr und mehr der Reporterin zuneigten. Entsprechend groß war die Freude darüber, dass sie, nachdem sie sich von Eli aufs Glatteis hat führen lassen und von Peter gedemütigt worden ist, am Ende eine neue Trumpfkarte ausspielt: Ist es bei der Wahl von Alicia etwa nicht mit rechten Dingen zugegangen?

„Negative Music“

Natürlich ist es denkbar, dass es diese Geschichte nur eine Retourkutsche ist. Genau so möglich ist jedoch, dass beispielweise Lemond Bishop hinter etwaigen Manipulationen steckt. In Undisclosed Recipients hatte er ja immerhin schon eingestanden, Leute mit Geld herumgeschickt zu haben, um Wähler zu „mobilisieren“. So oder so ist die Story ein großes Problem für das Florrick-Camp. Und der Handlungsfaden ein gutes Beispiel dafür, wie Presse und Politik miteinander interagieren.

Sehr schön ist dabei auch der Blick in den Schneideraum der Fernsehstation, wo aus ein und demselben Bildmaterial in unterschiedlicher Bearbeitung eine positive und eine negative Geschichte gestrickt werden kann.

Willkommen zurück!

Lily Rabe ist dabei übrigens genau wie Tim Guinee eine Rückkehrerin: Beide sind längere Zeit nicht mehr in der Serie zu sehen gewesen. Lily Rabe war zuletzt 2013 in Going for the Gold mit dabei. Tim Guinee 2012 in The Dream Team. Entsprechend gewachsen sind auch seine TV-Kinder, die er - das muss diesmal als Comic Relief reichen - nach wie vor bei der Arbeit stets dabei hat. Seiner Konzentration scheint es trotz der ständigen Störungen nicht zu schaden.

Am Ende sagt er Kalinda auf den Kopf zu, dass sie die Metadaten manipuliert hat - und dass sie besser gestehen sollte. Kalinda steckt nun wirklich in der Bredouille. Und mit dem Näherrücken des Staffelfinales dürfen wir uns fragen, ob es wohl am Ende gar nicht Lemond Bishop, sondern die Straftat, die sie für Cary verübt hat, der Grund für ihr Ausscheiden aus der Serie sein wird.

Wie ein 18-Jähriger

Julianna Margulies hat in der Folge etwas weniger als sonst zu tun. Ihre größte Szene hat sie mit Chris Noth. Alicia und Peter trinken darin Wein - und wundern sich selbst darüber, wie gelassen sie mit ihrer Situation umgehen. Die Stimmung zwischen den beiden ist so gelöst, dass Peter sogar seinen Schlafzimmer-Blick aufsetzt. Das geht Alicia dann aber doch zu weit.

Wenn es einen - kleinen - Kritikpunkt an Loser Edit gibt, dann den, wie gut sich die Florricks auf einmal wieder verstehen. Als hätten sie, wie Alicia sagt, tatsächlich vergessen, dass sie sich eigentlich hassen. Das wirkt ein bisschen inkonsequent.

Fazit

Eine Folge mehr für den Intellekt als fürs Gefühl. Aber das ist keineswegs verkehrt. Im Gegenteil: The Good Wife beweist mit Loser Edit wieder einmal, dass es kaum eine andere Serie gibt, die sich mit politischen Themen wie Mechanismen in vergleichbarer Komplexität auseinandersetzt. Darüber hinaus weckt die Folge den Verdacht, dass die Autoren irgendwo eine Glaskugel haben müssen - so treffsicher, wie sie tagesaktuelle Themen vorausahnen!

Verfasser: Christian Junklewitz am Dienstag, 7. April 2015
Episode
Staffel 6, Episode 18
(The Good Wife 6x18)
Deutscher Titel der Episode
Glaubensfreiheit
Titel der Episode im Original
Loser Edit
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Sonntag, 5. April 2015 (CBS)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Dienstag, 15. März 2016
Autor
Luke Schelhaas
Regisseur
Brooke Kennedy

Schauspieler in der Episode The Good Wife 6x18

Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?