The Good Wife 6x19

Das passiert in der The Good Wife-Folge Winning Ugly:
Alicia (Julianna Margulies) sieht sich öffentlichen Anschuldigungen ausgesetzt, dass sie die Wahl zu ihren Gunsten manipuliert habe. Und es ist nicht bloß die Presse, die hinter ihr her ist. Die Wahlkommission hat sich eingeschaltet, nachdem in einem der Wahlcomputer ein Chip gefunden worden ist, mit dem sich die Zählung der Stimmen manipulieren lässt. Pradys Wahlkampfmanager Martin Parillo (Remy Auberjonois) beantragt vor der Wahlkommission eine Neuauszählung der Stimmen. Die Demokratische Partei stellt Alicia den legendären Anwalt Spencer Randolph (Ron Rifkin, Alias) zur Seite, der genau das verhindern soll.
Eli (Alan Cumming) versichert Alicia, dass ihr Team nicht hinter etwaigen Manipulationen steckt. Er kann jedoch nicht ausschließen, ob nicht einer von Alicias Unterstützern (Lemond Bishop, Guy Redmayne) das Heft des Handelns in die eigene Hand genommen hat, um Alicias Sieg sicherzustellen. Im Laufe des Beweisaufnahmeverfahrens kommt noch eine andere Möglichkeit ans Licht: Peter (Chris Noth) hat als Gouverneur die Aufsicht über die Wahlcomputer. Hat er etwa die Manipulation veranlasst?
Peter streitet das entschieden ab. Um genau diesen Verdacht von vornherein auszuschließen, hatte er die Aufsicht über die Wahlcomputer an eine unabhängige Instanz abgegeben. Dabei handelt es sich jedoch unglücklicherweise ausgerechnet um Ernie Nolan (Michael Gaston, The Leftovers), jenen Bauunternehmer, der noch vor Alicias Kandidatur versucht hatte, sich die Gunst der möglichen/zukünftigen Kandidatin mit einem Scheck für Carys (Matt Czuchry) Kaution zu erkaufen (Trust Issues). Alicia hatte ihn damals recht rüde abgewiesen, was sich jetzt natürlich rächt. Bei seiner Aussage vor der Wahlkommission erzählt Nolan unverfroren Lügen, um Alicia wie eine Wahlbetrügerin aussehen zu lassen.
Diane (Christine Baranski) erfährt inzwischen von Wiley (Tim Guinee), dass die Metadaten manipuliert worden sind, mit denen sie vor Gericht den Nachweis geführt hatte, dass Detective Prima (John Ventimiglia) eine für Cary entlastende E-Mail vorsätzlich gelöscht hatte. Diane ahnt sofort, was geschehen ist. Sie konfrontiert Kalinda (Archie Panjabi), die auch umgehend zugibt, dass sie die Metadaten verändert hat. Sie hatte ohnehin bereits reinen Tisch machen wollen. Zuvor wollte sie jedoch mit Finn (Matthew Goode) einen Weg finden, Diane herauszuhalten. Den gibt es leider nicht. Das Einzige, was Kalinda und Diane noch tun können, ist, ein Geständnis abzulegen. Vor dem internen Untersuchungsausschuss der Polizei, der gegen Prima ermittelt, sagen die beiden zu seinen Gunsten aus.
Die Staatsanwaltschaft, vertreten durch Geneva Pine (Renee Elise Goldsberry), erhebt umgehend Anklage gegen Diane. Sie bietet ihr jedoch auch einen Deal an. Die Anklage gegen Diane könnte fallen gelassen werden, wenn sie bereit wäre, gegen Lemond Bishop auszusagen...
Verdiente Strafe
Im Review zu Loser Edit hatte ich geschrieben, dass ich mich über das Ende gefreut habe. Ich fand, dass Alicia sehr wohl eine gewisse Strafe verdient hatte. Im Wahlkampf hat sie sich als St. Alicia inszeniert. Mit Peter spielt sie eine Charade, die der bewussten Täuschung der Öffentlichkeit dient. Und als die E-Mails bekannt werden, welche ihre Affäre mit Will ans Licht bringen, da tischt sie der Presse die dreiste Lüge von dem „Flirt“ auf. Sie rechtfertigt ihr Vorgehen damit, dass die Wahrheit niemanden etwas angeht.
Das stimmt so nicht. Ich würde vielleicht nicht so weit gehen wie die Kellnerin in Winning Ugly („Sie haben nicht zu entscheiden, ob es mich was angeht“). Ich würde aber schon sagen: In dem Augenblick, in dem Alicia und Peter den Entschluss gefasst haben, ihre Ehe als Fassade aufrecht zu erhalten - aus dem primären Grund, daraus politisch Kapital zu schlagen, ist daraus eine Frage von öffentlichem Interesse geworden.
Ähnlich wie in Deutschland bei einem CSU-Politiker, der viel von christlichen Werten und Familie erzählt, von dem man dann jedoch erfährt, dass er außerehelich ein Kind gezeugt hat. Das Private ist in diesem Fall sehr wohl politisch.
Auf Distanz
Wie gesagt: Auf diesem Hintergrund fand ich es durchaus gerechtfertigt, dass Alicia einen Dämpfer erhält. Die beste und passendste „Strafe“ ist dabei die emotionale Distanz, die zwischen ihr und Grace (Makenzie Vega) entsteht. Ihre Tochter ist für Alicia - besonders im Laufe der sechsten Staffel - zur wichtigsten Bezugsperson geworden, mit einer Tendenz zur Rollenverkehrung. Es ist Grace, die gegenüber Alicia eine geradezu mütterliche Fürsorge offenbart, wie etwa am Anfang von Winning Ugly, als sie ihr rät, ins Bett zu gehen. Und es ist Alicia, die der emotionalen Zuwendung durch ihre Tochter - etwa in Form einer Umarmung - bedarf.
Grace sagt nicht viel, aber es besteht wohl kaum ein Zweifel, dass sie die Lüge ihrer Mutter missbilligt. Alicia spürt die Distanz, die sich zwischen ihr und Grace auftut, was von der Inszenierung sehr schön durch die räumliche Distanz der Figuren akzentuiert wird. Alicia und Grace sitzen oder liegen so oft zusammen auf dem Sofa oder dem Bett, dass nur ein paar Schritte Entfernung bereits ausreichen, um sie als distanziert in Szene zu setzen.
Unverdiente Strafe
Das ist für Alicia schon eine beträchtliche „Bestrafung“. Aber Winning Ugly hat noch sehr viel mehr für sie parat. So viel, dass Alicia einem schon direkt wieder leidtun kann. Nicht zuletzt deshalb, weil ihr hier Dinge auf die Füße fallen, an denen sie selbst keine Schuld trägt. Im Gegenteil: Sie hat sich untadelig verhalten, als sie Nolans Bestechungsversuch zurückgewiesen hat. Genau das wird ihr hier auf einmal zum Verhängnis. Und als wäre das nicht schon schlimm genug, fällt ihr auf einmal die eigene Partei in den Rücken.
Wie sich herausstellt, hat es nämlich tatsächlich einen Wahlbetrug gegeben. Der betraf jedoch nicht das Rennen um den Posten des Staatsanwalts, sondern einen Sitz im Senat von Illinois, den die Demokraten unbedingt brauchen, um weiterhin eine Zweidrittel-Mehrheit zu haben (und damit vor den berühmt-berüchtigten Filibustern sicher zu sein, mit denen die Opposition das Gesetzgebungsverfahren ad nauseam verzögern kann). Der Partei ist diese Mehrheit so wichtig, dass sie Alicia dafür über die Klinge springen lässt.
Verrat
Der bereits einschlägig bekannte Parteifunktionär Frank Landau (Mike Pniewski) und der verräterische Anwalt Randolph empfehlen sich als neue Hassfiguren für den Zuschauer. Sie wollen Alicia zur Aufgabe zwingen, damit es nicht zu einer Nachzählung der Stimmen kommt. Dabei gehen sie ruppig vor, bis hart am Rande der Legalität (bei der „Beschlagnahmung“ von Alicias Handy, um sicher zu gehen, dass sie das Gespräch mit Landau nicht aufgezeichnet hat).
Besonders grausam ist jedoch der Verrat von Randolph: Er wird als eine Figur eingeführt, der allseits Respekt und Bewunderung entgegenschlägt. Alicia kann es kaum fassen, dass er sich für sie einsetzt. Marissa (Sarah Steele) ist vollkommen starstruck. Umso schmerzlicher wird es am Ende erfahren, als er Alicia das sprichwörtliche Messer in den Rücken stößt. Dass Alicia darüber in Tränen ausbricht, ist mehr als verständlich.
Das hat sie nicht verdient.
Die große Frage lautet nun: Ist das der Ausweg, den die Autoren wählen werden, um Alicia nun doch nicht in die Staatsanwaltschaft wechseln zu lassen? Oder wird Alicia um den Posten kämpfen?
Spiderman, Spiderman, Does Whatever A Spider Can...
Kaum weniger mitreißend gestaltet sich der zweite große Handlungsstrang der Folge: Die Kanzlei muss sich den Konsequenzen stellen, die sich aus Kalindas Tat ergeben. Diane und Cary finden sich vor einem äußerst genervten Richter (John Procaccino) wieder, der die wohl witzigste Dialogzeile der Folge zum Besten gibt: „Dieses Verfahren hat mehr Remakes als Spider Man!“ Tatsächlich finden sich die Anwälte auf einmal genau dort wieder, wo wir schon am Anfang der Staffel standen: Die Staatsanwaltschaft versucht, sie zu einer Aussage gegen Lemond Bishop zu nötigen. Mit den bekannten, der Gesundheit potenziell abträglichen Konsequenzen, die das haben kann.
Auch dieser Plot endet mit einem großen Fragezeichen: Wer wird sich opfern? Kalinda fühlt sich, nicht zu Unrecht, für die Situation verantwortlich - und scheint fest entschlossen, sich vor Diane stellen zu wollen. Cary wiederum will nicht zulassen, dass Kalinda sich opfert, und bietet Geneva an, gegen Bishop auszusagen.
Wie das auch immer ausgeht: Es ist auf jeden Fall sehr schön zu sehen, wie sich die Beziehung zwischen Cary und Kalinda entwickelt hat. Aus einer nicht immer unkomplizierten Bettgeschichte ist eine aufopferungsvolle Liebe geworden, in der es nichts gibt, was die beiden nicht füreinander tun würden.
Fazit
Spannend, emotional - Winning Ugly ist wieder mal Unterhaltung auf höchstem Niveau. Dabei wird den Figuren diesmal einiges abverlangt. Und Fragen aufgeworfen, die bereits ziemlich deutlich in Richtung Staffelfinale weisen.
Verfasser: Christian Junklewitz am Dienstag, 14. April 2015(The Good Wife 6x19)
Schauspieler in der Episode The Good Wife 6x19
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