The Good Wife 6x19

The Good Wife 6x19

Ist bei der Wahl zum Bezirksstaatsanwalt alles mit rechten Dingen zugegangen? Alicia muss sich einem Verfahren vor der Wahlkommission stellen. Gleichzeitig erfÀhrt Diane von der Manipulation im Prozess gegen Cary und muss sich den Konsequenzen stellen.

Scheint zunÀchst ein strahlender Held auf Seiten Alicias zu sein: Spencer Randolph (Ron Rifkin). / (c) CBS
Scheint zunÀchst ein strahlender Held auf Seiten Alicias zu sein: Spencer Randolph (Ron Rifkin). / (c) CBS
© cheint zunĂ€chst ein strahlender Held auf Seiten Alicias zu sein: Spencer Randolph (Ron Rifkin). / (c) CBS

Das passiert in der The Good Wife-Folge Winning Ugly:

Alicia (Julianna Margulies) sieht sich öffentlichen Anschuldigungen ausgesetzt, dass sie die Wahl zu ihren Gunsten manipuliert habe. Und es ist nicht bloß die Presse, die hinter ihr her ist. Die Wahlkommission hat sich eingeschaltet, nachdem in einem der Wahlcomputer ein Chip gefunden worden ist, mit dem sich die ZĂ€hlung der Stimmen manipulieren lĂ€sst. Pradys Wahlkampfmanager Martin Parillo (Remy Auberjonois) beantragt vor der Wahlkommission eine NeuauszĂ€hlung der Stimmen. Die Demokratische Partei stellt Alicia den legendĂ€ren Anwalt Spencer Randolph (Ron Rifkin, Alias) zur Seite, der genau das verhindern soll.

Eli (Alan Cumming) versichert Alicia, dass ihr Team nicht hinter etwaigen Manipulationen steckt. Er kann jedoch nicht ausschließen, ob nicht einer von Alicias UnterstĂŒtzern (Lemond Bishop, Guy Redmayne) das Heft des Handelns in die eigene Hand genommen hat, um Alicias Sieg sicherzustellen. Im Laufe des Beweisaufnahmeverfahrens kommt noch eine andere Möglichkeit ans Licht: Peter (Chris Noth) hat als Gouverneur die Aufsicht ĂŒber die Wahlcomputer. Hat er etwa die Manipulation veranlasst?

Peter streitet das entschieden ab. Um genau diesen Verdacht von vornherein auszuschließen, hatte er die Aufsicht ĂŒber die Wahlcomputer an eine unabhĂ€ngige Instanz abgegeben. Dabei handelt es sich jedoch unglĂŒcklicherweise ausgerechnet um Ernie Nolan (Michael Gaston, The Leftovers), jenen Bauunternehmer, der noch vor Alicias Kandidatur versucht hatte, sich die Gunst der möglichen/zukĂŒnftigen Kandidatin mit einem Scheck fĂŒr Carys (Matt Czuchry) Kaution zu erkaufen (Trust Issues). Alicia hatte ihn damals recht rĂŒde abgewiesen, was sich jetzt natĂŒrlich rĂ€cht. Bei seiner Aussage vor der Wahlkommission erzĂ€hlt Nolan unverfroren LĂŒgen, um Alicia wie eine WahlbetrĂŒgerin aussehen zu lassen.

Diane (Christine Baranski) erfĂ€hrt inzwischen von Wiley (Tim Guinee), dass die Metadaten manipuliert worden sind, mit denen sie vor Gericht den Nachweis gefĂŒhrt hatte, dass Detective Prima (John Ventimiglia) eine fĂŒr Cary entlastende E-Mail vorsĂ€tzlich gelöscht hatte. Diane ahnt sofort, was geschehen ist. Sie konfrontiert Kalinda (Archie Panjabi), die auch umgehend zugibt, dass sie die Metadaten verĂ€ndert hat. Sie hatte ohnehin bereits reinen Tisch machen wollen. Zuvor wollte sie jedoch mit Finn (Matthew Goode) einen Weg finden, Diane herauszuhalten. Den gibt es leider nicht. Das Einzige, was Kalinda und Diane noch tun können, ist, ein GestĂ€ndnis abzulegen. Vor dem internen Untersuchungsausschuss der Polizei, der gegen Prima ermittelt, sagen die beiden zu seinen Gunsten aus.

Die Staatsanwaltschaft, vertreten durch Geneva Pine (Renee Elise Goldsberry), erhebt umgehend Anklage gegen Diane. Sie bietet ihr jedoch auch einen Deal an. Die Anklage gegen Diane könnte fallen gelassen werden, wenn sie bereit wÀre, gegen Lemond Bishop auszusagen...

Verdiente Strafe

Im Review zu Loser Edit hatte ich geschrieben, dass ich mich ĂŒber das Ende gefreut habe. Ich fand, dass Alicia sehr wohl eine gewisse Strafe verdient hatte. Im Wahlkampf hat sie sich als St. Alicia inszeniert. Mit Peter spielt sie eine Charade, die der bewussten TĂ€uschung der Öffentlichkeit dient. Und als die E-Mails bekannt werden, welche ihre AffĂ€re mit Will ans Licht bringen, da tischt sie der Presse die dreiste LĂŒge von dem „Flirt“ auf. Sie rechtfertigt ihr Vorgehen damit, dass die Wahrheit niemanden etwas angeht.

Das stimmt so nicht. Ich wĂŒrde vielleicht nicht so weit gehen wie die Kellnerin in Winning Ugly („Sie haben nicht zu entscheiden, ob es mich was angeht“). Ich wĂŒrde aber schon sagen: In dem Augenblick, in dem Alicia und Peter den Entschluss gefasst haben, ihre Ehe als Fassade aufrecht zu erhalten - aus dem primĂ€ren Grund, daraus politisch Kapital zu schlagen, ist daraus eine Frage von öffentlichem Interesse geworden.

Ähnlich wie in Deutschland bei einem CSU-Politiker, der viel von christlichen Werten und Familie erzĂ€hlt, von dem man dann jedoch erfĂ€hrt, dass er außerehelich ein Kind gezeugt hat. Das Private ist in diesem Fall sehr wohl politisch.

Auf Distanz

Wie gesagt: Auf diesem Hintergrund fand ich es durchaus gerechtfertigt, dass Alicia einen DĂ€mpfer erhĂ€lt. Die beste und passendste „Strafe“ ist dabei die emotionale Distanz, die zwischen ihr und Grace (Makenzie Vega) entsteht. Ihre Tochter ist fĂŒr Alicia - besonders im Laufe der sechsten Staffel - zur wichtigsten Bezugsperson geworden, mit einer Tendenz zur Rollenverkehrung. Es ist Grace, die gegenĂŒber Alicia eine geradezu mĂŒtterliche FĂŒrsorge offenbart, wie etwa am Anfang von Winning Ugly, als sie ihr rĂ€t, ins Bett zu gehen. Und es ist Alicia, die der emotionalen Zuwendung durch ihre Tochter - etwa in Form einer Umarmung - bedarf.

Grace sagt nicht viel, aber es besteht wohl kaum ein Zweifel, dass sie die LĂŒge ihrer Mutter missbilligt. Alicia spĂŒrt die Distanz, die sich zwischen ihr und Grace auftut, was von der Inszenierung sehr schön durch die rĂ€umliche Distanz der Figuren akzentuiert wird. Alicia und Grace sitzen oder liegen so oft zusammen auf dem Sofa oder dem Bett, dass nur ein paar Schritte Entfernung bereits ausreichen, um sie als distanziert in Szene zu setzen.

Unverdiente Strafe

Das ist fĂŒr Alicia schon eine betrĂ€chtliche „Bestrafung“. Aber Winning Ugly hat noch sehr viel mehr fĂŒr sie parat. So viel, dass Alicia einem schon direkt wieder leidtun kann. Nicht zuletzt deshalb, weil ihr hier Dinge auf die FĂŒĂŸe fallen, an denen sie selbst keine Schuld trĂ€gt. Im Gegenteil: Sie hat sich untadelig verhalten, als sie Nolans Bestechungsversuch zurĂŒckgewiesen hat. Genau das wird ihr hier auf einmal zum VerhĂ€ngnis. Und als wĂ€re das nicht schon schlimm genug, fĂ€llt ihr auf einmal die eigene Partei in den RĂŒcken.

Wie sich herausstellt, hat es nĂ€mlich tatsĂ€chlich einen Wahlbetrug gegeben. Der betraf jedoch nicht das Rennen um den Posten des Staatsanwalts, sondern einen Sitz im Senat von Illinois, den die Demokraten unbedingt brauchen, um weiterhin eine Zweidrittel-Mehrheit zu haben (und damit vor den berĂŒhmt-berĂŒchtigten Filibustern sicher zu sein, mit denen die Opposition das Gesetzgebungsverfahren ad nauseam verzögern kann). Der Partei ist diese Mehrheit so wichtig, dass sie Alicia dafĂŒr ĂŒber die Klinge springen lĂ€sst.

Verrat

Der bereits einschlĂ€gig bekannte ParteifunktionĂ€r Frank Landau (Mike Pniewski) und der verrĂ€terische Anwalt Randolph empfehlen sich als neue Hassfiguren fĂŒr den Zuschauer. Sie wollen Alicia zur Aufgabe zwingen, damit es nicht zu einer NachzĂ€hlung der Stimmen kommt. Dabei gehen sie ruppig vor, bis hart am Rande der LegalitĂ€t (bei der „Beschlagnahmung“ von Alicias Handy, um sicher zu gehen, dass sie das GesprĂ€ch mit Landau nicht aufgezeichnet hat).

Besonders grausam ist jedoch der Verrat von Randolph: Er wird als eine Figur eingefĂŒhrt, der allseits Respekt und Bewunderung entgegenschlĂ€gt. Alicia kann es kaum fassen, dass er sich fĂŒr sie einsetzt. Marissa (Sarah Steele) ist vollkommen starstruck. Umso schmerzlicher wird es am Ende erfahren, als er Alicia das sprichwörtliche Messer in den RĂŒcken stĂ¶ĂŸt. Dass Alicia darĂŒber in TrĂ€nen ausbricht, ist mehr als verstĂ€ndlich.

Das hat sie nicht verdient.

Die große Frage lautet nun: Ist das der Ausweg, den die Autoren wĂ€hlen werden, um Alicia nun doch nicht in die Staatsanwaltschaft wechseln zu lassen? Oder wird Alicia um den Posten kĂ€mpfen?

Spiderman, Spiderman, Does Whatever A Spider Can...

Kaum weniger mitreißend gestaltet sich der zweite große Handlungsstrang der Folge: Die Kanzlei muss sich den Konsequenzen stellen, die sich aus Kalindas Tat ergeben. Diane und Cary finden sich vor einem Ă€ußerst genervten Richter (John Procaccino) wieder, der die wohl witzigste Dialogzeile der Folge zum Besten gibt: „Dieses Verfahren hat mehr Remakes als Spider Man!“ TatsĂ€chlich finden sich die AnwĂ€lte auf einmal genau dort wieder, wo wir schon am Anfang der Staffel standen: Die Staatsanwaltschaft versucht, sie zu einer Aussage gegen Lemond Bishop zu nötigen. Mit den bekannten, der Gesundheit potenziell abtrĂ€glichen Konsequenzen, die das haben kann.

Auch dieser Plot endet mit einem großen Fragezeichen: Wer wird sich opfern? Kalinda fĂŒhlt sich, nicht zu Unrecht, fĂŒr die Situation verantwortlich - und scheint fest entschlossen, sich vor Diane stellen zu wollen. Cary wiederum will nicht zulassen, dass Kalinda sich opfert, und bietet Geneva an, gegen Bishop auszusagen.

Wie das auch immer ausgeht: Es ist auf jeden Fall sehr schön zu sehen, wie sich die Beziehung zwischen Cary und Kalinda entwickelt hat. Aus einer nicht immer unkomplizierten Bettgeschichte ist eine aufopferungsvolle Liebe geworden, in der es nichts gibt, was die beiden nicht fĂŒreinander tun wĂŒrden.

Fazit

Spannend, emotional - Winning Ugly ist wieder mal Unterhaltung auf höchstem Niveau. Dabei wird den Figuren diesmal einiges abverlangt. Und Fragen aufgeworfen, die bereits ziemlich deutlich in Richtung Staffelfinale weisen.

Verfasser: Christian Junklewitz am Dienstag, 14. April 2015
Episode
Staffel 6, Episode 19
(The Good Wife 6x19)
Deutscher Titel der Episode
Schmutziger Sieg
Titel der Episode im Original
Winning Ugly
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Sonntag, 12. April 2015 (CBS)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Dienstag, 22. MĂ€rz 2016
Autor
Erica Shelton
Regisseur
Rosemary Rodriguez

Schauspieler in der Episode The Good Wife 6x19

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