The Good Wife 6x13

Das passiert in der The Good Wife-Folge Dark Money:
Colin Sweeney (Dylan Baker) steht erneut vor Gericht. Diesmal allerdings als Kläger. Er klagt gegen die Produzenten einer Fernsehserie, die den Mord an seiner Frau dargestellt haben. Fiktionalisiert, aber mit unverkennbarer Ähnlichkeit. Was Sweeney dabei am meisten stört: Er beziehungsweise sein fiktionales Alter Ego wird als der Mörder gezeigt, dabei ist er vor Gericht doch freigesprochen worden. Diane (Christine Baranski) und Cary (Matt Czuchry) vertreten ihn vor Gericht. Trotzdem ist Sweeney nicht zufrieden. Er will Alicia (Julianna Margulies) mit an Bord haben.
Alicia steckt jedoch mitten im Wahlkampf. Von Frank Prady (David Hyde Pierce) erfährt sie, dass ihr Wahlkampfteam unter falscher Flagge Robotertelefonanrufe geschaltet hat, die Pradys Einsatz für die Anliegen Homosexueller preisen. Die Anrufe richten sich jedoch ausschließlich an Haushalte in konservativen Gegenden. Johnny (Steven Pasquale) und Josh (David Krumholtz) bestreiten, etwas mit den Anrufen zu tun zu haben. Sie vermuten, dass der - von Lemond Bishop (Mike Colter) finanzierte - PAC dahintersteckt. Alicia drängt die beiden, dem PAC zu signalisieren, dass die Anrufe aufhören sollen.
Apropos Bishop: Dieser fordert von Kalinda (Archie Panjabi) den Gefallen ein, den sie ihm schuldet. Sie befürchtet bereits das Schlimmste. Tatsächlich engagiert er sie jedoch als Leibwächterin für seinen Sohn Dylan (Eric Ruffin), der in der Schule schikaniert wird.
Eine Frage der Moral
Dark Money ist eine ebenso interessante wie unterhaltsame Folge, die ganz im Zeichen eines einzigen Themas steht: moralische Korruption. Wie weit sind wir bereit, unsere moralischen Prinzipien zur Disposition zu stellen, wenn unsere eigenen Interessen berührt werden?
Alicia tut zunächst genau das Richtige. Als sie von den homophoben Anrufen erfährt, tut sie alles in ihrer Macht stehende, um diese zu beenden. Sie handelt damit gegen ihre eigenen Interessen. Die Anrufe schädigen schließlich ihren Gegner. Moralisch gesehen handelt Alicia jedoch richtig. Sie bleibt ihren Prinzipien treu, nicht auf Basis einer Schmierenkampagne gewinnen zu wollen. Da endet aber schon die moralische Klarheit der „heiligen Alicia“.
Eine Frage des Geldes
Kniffliger sieht die Lage schon aus, als es um das Thema Geld geht. Von ihrem Team erfährt sie, dass sie in den Wahlkampfspenden hinter Prady zurückgefallen ist. Und aus einer Beobachtung, die sie während ihres Treffens mit ihm gemacht hat, zieht sie den (wie sich herausstellt: verkehrten) Schluss, dass der ultrareiche Guy Redmayne (Ed Asner, Studio 60 on the Sunset Strip) Prady finanziell unterstützt. Sie selbst setzt nun alles daran, Redmaynes Unterstützung zu gewinnen. Und hier fangen die Kompromisse an.
Redmayne ist, kurz gesagt, ein sexistisches, homophobes Arschloch. Ed Asner - im wirklichen Leben seit Jahrzehnten ein linker Aktivist mit durch und durch progressiven Ansichten - suhlt sich mit großem Spaß in der Ich-hab-Geld-ich-kann-mir-alles-erlauben-Attitüde der Figur. Er begrapscht Alicia, wie es ihm gefällt. Und die Kandidatin hat sichtlich Mühe, darauf eine angemessene Reaktion zu finden. Sie versucht, sich ihm zu entziehen.
Zugleich will sie aber unbedingt sein Geld haben. Und lässt ihm deshalb sehr viel mehr durchgehen als wohl so ziemlich jedem anderen in einer vergleichbaren Situation. Am Ende nimmt sie sogar sein Geld, obwohl klar ist, dass er sie nur deshalb unterstützt, weil sie gegen „die Schwuchtel“ antritt. Redmayne ist nämlich alles andere als ein Unterstützer Pradys.

Dark Money wirft hier die Frage auf: Ist das noch moralisch? Ist es moralisch, dass Alicia das „dunkle Geld“ Redmaynes annimmt, obwohl hinter seiner Unterstützung eine alles andere als gute Intention steckt? Andererseits ließe sich natürlich einwenden: Warum soll Alicia das Geld nicht nehmen? Sie hat doch schließlich ehrbare Motive und Wahlkampfziele. Warum soll sie also nicht die eine Million des homophoben Fettsacks nehmen - und dieses Geld zum Erreichen ihrer ehrbaren Ziele einsetzen? Schlucken lässt einen die Szene aber trotzdem.
Erpressbar
Vielleicht deshalb, weil wir in dem anderen Handlungsstrang der Folge genau sehen, wie das Geld selbst die vermeintlich beste Person korrumpiert. Für die Anwälte von Florrick Agos kann kaum noch ein Zweifel daran bestehen, dass Colin Sweeney tatsächlich ein Mörder ist. Trotzdem setzen sie sich mit aller Macht dafür ein, ihm zu seinem „Recht“ zu verhelfen. Alicia macht ihm gegenüber zwar keinen Hehl daraus, welche wenig freundlichen Gefühle sie für ihn hegt. Gleichzeitig genügt ein Hinweis von ihm, dass er weiß, wer hinter ihrem PAC steht, um Alicia zur engagierten Mitarbeit zu bewegen.
Das Geld hat sie erpressbar gemacht.
Ein guter Mensch?
Kein Wunder, dass sie sich am Ende nicht als eine gute Person wahrnimmt. Und weinend in die Arme ihrer Tochter (Makenzie Vega) sinkt. Dass sie sich des moralischen Glatteises bewusst ist, auf dem sie sich bewegt, ist definitiv ein Hoffnungsschimmer für die Figur. Die Schlussszene ist darüber hinaus ein weiterer sehr gelungener Mutter-Tochter-Moment, von denen wir in dieser Staffel schon einige hatten. Im Grunde kommt es hier fast zu einer Art Rollenverkehrung, da es die Tochter ist, die hier ihre Mutter tröstend in die Arme schließt.
Grace hat damit wohl endgültig zu ihrer neuen Rolle und Funktion in der Serie gefunden: als der emotionale Rückhalt für Alicia.
Auf der Hut
Fast als Spiegelung zum Alicia-Handlungsstrang ist der Plot um Kalinda angelegt: Sie fürchtet die ganze Zeit über, von Bishop für irgendetwas Fürchterliches instrumentalisiert zu werden. Dabei agiert der Drogenboss hier in Wahrheit tatsächlich nur als ein besorgter Vater.
Luxusproblem
Wenn es etwas an der Folge zu kritisieren gibt, dann allenfalls, dass Sweeney und seine Gattin (Laura Benanti) fast schon etwas zu karikaturenhaft gezeichnet werden. Ich muss dabei vor allem an die Szene denken, in der er im Zeugenstand davon spricht, dass es die Rolle des Mannes ist, die Frau zu dominieren - und sie sich dabei vor Erregung die Lippen beleckt.
Ein bisschen stecken die Autoren, das will ich wohl zugeben, hier natürlich auch in einer Zwickmühle: Sweeney und Renata sind großartiges Comedymaterial, das man nicht nicht ausspielen kann. Auf der anderen Seite geht damit natürlich so ein Stück weit die Dringlichkeit des moralischen Konflikts verloren, in den Sweeney seine Anwälte stürzt. Dadurch, dass das Paar im Grunde für den comic relief der Folge zuständig ist, gerät der Aspekt, dass die beiden „Mörder“ sind, naturgemäß so ein bisschen aus dem Blick. Womit das Dilemma für die Anwälte nicht mehr die gleiche Gravitas besitzt (wie etwa im Falle von Lemond Bishop).
Wohlgemerkt: Das ist ein Luxusproblem auf sehr hohem Niveau!
Go on
Eine Anmerkung noch zum Thema Comedy: Die Folge beschert uns eine Minireunion der abgesetzten NBC-Comedyserie Go On. Neben Laura Benanti tritt nämlich auch Julie White (als gegnerische Anwältin) auf.
Fazit
Eine von der Thematik her sehr interessante und dank Colin Sweeney und seiner Partnerin auch wieder sehr amüsante Episode. Schauspielerisch glänzt neben Dylan Baker und Julianna Margulies auch David Hyde Pierce mit einigen sehr starken Szenen - allen voran seine denkwürdige Begegnung mit Ed Asner.
Verfasser: Christian Junklewitz am Dienstag, 3. März 2015(The Good Wife 6x13)
Schauspieler in der Episode The Good Wife 6x13
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