The Good Wife 3x11

Eine Polizistin (Susan Kelechi Watson) wird beschuldigt, ihren Ehemann wegen der Lebensversicherung ermordet zu haben. Sie bestreitet die Tat - und wird vor Gericht von Diane (Christine Baranski), Alicia (Julianna Margulies) und Justin (Romany Malco) vertreten. Der Prozess läuft gut für die Verteidigung. Trotzdem wird die Angeklagte von der Jury schuldig gesprochen. Ihre Anwälte verstehen die Welt nicht mehr - und suchen verzweifelt nach Anhaltspunkten für Verfahrensfehler, damit der Prozess für ungültig erklärt werden kann.
Privat verarbeitet Alicia derweil ihre Trennung von Will (Josh Charles). Dabei merkt sie, dass ihr vor allem Freunde im Leben fehlen. Mit den alten Freundinnen aus ihrer Zeit als Hausfrau hat sie nicht mehr viel gemein. Da entdeckt sie zu ihrer großen Überraschung, dass sie zwei Freundinnen hat, von denen sie nicht einmal so recht gewusst hat...
What Went Wrong? Diese Frage konnte man sich ein wenig in den letzten Wochen im Hinblick auf The Good Wife stellen: Was ist da bloß schief gelaufen? Selten zuvor hatte die Serie eine über gleich mehrere Folgen andauernde Durststrecke mit bestenfalls durchschnittlichen Geschichten gehabt.
Das ist zum Glück mit What Went Wrong vorbei. Denn mit der letzten Folge vor der Weihnachtspause präsentiert sich die Serie wieder in Top-Form. Das beginnt schon beim Fall-der-Woche, der dort erst richtig losgeht, wo Anwaltsserien normalerweise eigentlich aufhören: nämlich beim Urteilsspruch. The Good Wife stellt hier wieder mal ihre große Stärke unter Beweis, die Jurisprudenz aus ganz unterschiedlichen Blickwinkeln in Angriff zu nehmen - und mit den üblichen Schemata der Prozessstruktur in TV-Serien zu brechen.
Geschickt kombinieren die Autoren darüber hinaus den aktuellen Fall mit der laufenden Ermittlung von Wendy Scott-Carr (Anika Noni Rose) gegen die Kanzlei. Wendy versucht den der Verteidigung freundlich gesonnenen Richter (ein exzellent aufgelegter Kurt Fuller, Better With You) mit angedeuteten Korruptionsvorwürfen unter Druck zu setzen.
Tatsächlich, so stellt sich jedoch am Ende heraus, ist sie in Wahrheit gar nicht hinter Will, sondern hinter Peter (Chris Noth) her. Offenbar hat sie ihrem alten Rivalen noch längst nicht verziehen, dass er sie aus dem Rennen gekegelt hat - und plant die von ihm selbst in Auftrag gegebenen Ermittlungen gegen ihn zu wenden. Das ist eine derart köstliche Intrige, dass sie nicht nur Will, sondern auch dem Zuschauer diebischen Spaß bereitet!
Wenn Wendy doch nur wüsste, dass sie so weit gar nicht in die Vergangenheit zurückgehen muss, um Peter bei einem alles andere als sauberen Vorgang zu erwischen: So nutzt der Bezirksstaatsanwalt - mit dem ausdrücklichen Segen seiner Gattin - sein Amt, um für Zach (Graham Phillips) und Grace (Makenzie Vega) Plätze an einer Privatschule zu verschaffen. Man könnte auch von Erpressung sprechen.
Hinsichtlich Grace scheint der Schulwechsel zu einem ganzen Paket von Disziplinierungsmaßnahmen zu gehören, mit denen Peter und Alicia die Selbstständigkeit ihrer Tochter zu ersticken versuchen. Mein Gott, sie hat sich taufen lassen - und war für sage und schreibe eine Stunde nicht auf ihrem Handy zu erreichen! Es scheint fast so, als wollten die Eltern sie für ihre eigene, völlig unangemessene Panik bestrafen.
Aber was will man im Augenblick schon gerade von Alicia erwarten? Sie versucht, nicht nur im Leben ihrer Tochter, sondern auch in ihrem eigenen jegliche Irritation zu unterdrücken. Owen (Dallas Roberts) sagt ihr das gleiche, was hier bereits letzte Woche stand „36296“: Nur weil Alicia Mutter ist, muss sie ihre Sexualität nicht verleugnen.
Aber genau dazu scheint sie nach dem Ende ihrer Affäre mit Will (die für sie offenbar mehr mit thrill seeking als mit Liebe zu tun hatte) entschlossen. Als Diane ihr auf dem Weg zur Partnerschaft in der Kanzlei ihre Mentor- und Freundschaft anbietet, da zögert Alicia nicht, den „Ablenkungen“ zu entsagen. Man darf wohl annehmen, dass sich dies nicht auf Dauer wird durchhalten lassen.
Ihren vielleicht besten Moment hat Alicia in dieser Folge, als sie Kalinda (Archie Panjabi) aus dem Gefängnis raushaut. Gerade erst hat sie erfahren, dass es ihre ehemalige Freundin war, die Grace in der vergangenen Woche gefunden und nach Hause gebracht hat, da ist sie so voller ungläubigem Staunens, dass auch Cary (Matt Czuchry) sie nicht daran hindern kann, mit Kalinda zu sprechen. Das Gespräch, das die beiden Frauen schließlich im Auto führen, fällt definitiv in die Kategorie awkward.
Eigentlich sieht das emotionale Verhältnis zwischen den beiden derzeit so aus, dass Alicia wütend und enttäuscht ist, weil Kalinda mit Peter geschlafen - und es ihr später über ein Jahr lang verschwiegen hat. Kalinda wiederum versucht, Alicia aus Rücksichtnahme so weit wie möglich aus dem Weg zu gehen. Und plötzlich befinden sich beide in einer Situation, in der sie sich gegenseitig zu Dank verpflichtet sind: Insbesondere Alicia, weil Kalinda ihr geholfen hat, obwohl sie das eigentlich gar nicht hätte tun müssen. Beste Freundinnen sind sie zwar deshalb sicherlich noch nicht wieder. Aber wenigstens reden sie wieder miteinander.
Fazit
Eine spannende Folge, welche gleichermaßen durch einen originellen Fall-der-Woche als auch durch interessante Charaktermomente zu überzeugen vermag - und mit der die Kings mal wieder unter Beweis stellen, warum die Nominierung für die Writers Guild Awards (als einzige Networkserie in der Dramakategorie) mehr als verdient ist „36353“.
Verfasser: Christian Junklewitz am Mittwoch, 14. Dezember 2011(The Good Wife 3x11)
Schauspieler in der Episode The Good Wife 3x11
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