The Good Wife 3x12

The Good Wife 3x12

Eine Klage gegen Lockhart Gardner setzt die Kanzlei gehörig unter Druck - und lässt zahlreiche interne Konflikte zutage treten. Besonders dicke kommt es für Alicia: Ein möglicher Fehler von ihr könnte die Kanzlei Millionen kosten.

Alicia (Julianna Margulies, l.) und Diane (Christine Baranski, r.) in „The Good Wife“ / (c) CBS
Alicia (Julianna Margulies, l.) und Diane (Christine Baranski, r.) in „The Good Wife“ / (c) CBS

Ein Besuch im Museum kann eine sehr entspannende Angelegenheit sein. Man findet ästhetische Stimulation für die Sinne. Man kann unter Umständen sogar neue und interessante Leute kennenlernen. Letzteres ist für Diane (Christine Baranski) ein zwiespältiges Vergnügen. Sie macht zwar die Bekanntschaft des kernigen Jack (Bryan Brown), dieser ist jedoch ein Gerichtsdiener, der eine Vorladung für sie in der Tasche hat. Ebenso wie für Alicia (Julianna Margulies) und David Lee (Zach Grenier).

Lockhart Gardner wird nämlich vom Ex-Mann einer ehemaligen Klientin verklagt. David Lee und Alicia hatten die Frau bei ihrer Scheidung vertreten. Nun hat das Paar jedoch wieder zusammengefunden - und behauptet, dass die Anwälte sie überhaupt erst zur Scheidung getrieben hätten. Mit großem finanziellen Schaden. Denn durch die Aufteilung des Vermögens hätte eine Firma mit großem Verlust verkauft werden müssen, weshalb die beiden Lockhart Gardner jetzt auf 44 Millionen Dollar Schadensersatz verklagen - und dafür einen Topanwalt (F. Murray Abraham) aus Los Angeles engagiert haben...

Autorin Corinne Brinkerhoff hat ihre Karriere als Assistentin von David E. Kelley bei Boston Legal begonnen. Eines Tages hat sie ihrem Chef ein Drehbuch für eine Episode auf den Schreibtisch gelegt - mit der Bitte um seine Meinung. Diese hat er ihr auch gegeben. In Form eines Vertrags und ihres ersten verfilmten Skripts. In der Folgezeit hat Brinkerhoff noch mehrere Bücher für Boston Legal verfasst und ist dort bis in den Rang eines Executive Story Editors aufgestiegen. Nach dem Ende der Serie wechselte sie die Produktion, blieb dem Anwaltsgenre jedoch treu.

Seit 2009 ist sie Koproduzentin von The Good Wife - und war in dieser Zeit schon für viele gute Episoden verantwortlich. Unter anderem hat sie die Story zu Closing Arguments (2) mitkonzipiert. Mit Alienation of Affection legt sie jedoch ihre bislang vielleicht stärkste Episode vor - ein echtes Glanzlicht in der zuletzt etwas durchwachsenen dritten Staffel.

Die originelle Ausgangsidee (ein geschiedenes Paar, welches sich gegen die ehemaligen Anwälte wendet) führt zu einer höchst konfliktreichen Situation innerhalb der Kanzlei: Die Bedrohung, welche die 44-Millionen-Dollar-Klage für alle Partner darstellt, lässt bürointerne Eifersüchteleien, Aggressionen und Ressentiments offen ausbrechen. Einer versucht den anderen in die Pfanne zu hauen. Julius (Michael Boatman) gegen David. Und umgekehrt.

Und auch Eli (Alan Cumming) hat sich Dianes Ratschlag, sich etwas mehr in die Angelegenheiten der Kanzlei einzubringen, offenbar sehr zu Herzen genommen - und versucht nun seinerseits, David Lee auszubooten, um nicht für dessen Fehler mit in Haftung genommen zu werden. Überhaupt geht es Eli sehr gegen den Strich, dass Diane die Kanzlei mehr wie eine Familie zu betrachten scheint. Umso vergnüglicher ist es natürlich am Schluss, als sie David und ihn zusammenstaucht - wie eine Mutter ihre ungehorsamen Jungen.

Ganz abgesehen davon ist es natürlich ohnehin sehr schön, mal wieder eine etwas stärker Diane-zentrierte Folge in der Serie zu haben, welche Christine Baranski Gelegenheit gibt, etwas mehr von der Spannbreite ihres beeindruckenden Könnens zu zeigen. So ist sie entschlossen im Schlagabtausch mit F. Murray Abraham, flirtend mit Bryan Brown (die kernigen Typen liegen Diane offenbar) und schließlich fürsorglich gegenüber Will (Josh Charles), dem sie ihre Unterstützung zusichert, ganz gleich in welche Schwierigkeiten er mit Wendy Scott Carr (Anika Noni Rose) gerät. Wenn es einen Moment in dieser Folge gibt, der so richtig zu Herzen geht, dann dieser.

Wegen der drohenden rechtlichen Probleme nimmt Will auch ein kleines Anwalts-Casting vor. Nachdem ihm Mr. Leichtfuß und Mr. Doom jedoch nicht zusagen, fragt er klugerweise Alicia um Rat, welche ihm wärmstens ihren Rechtsbeistand aus Executive Order 13224, Elsbeth Tascioni (Carrie Preston, True Blood), ans Herz legt. Diese erweckt immer ein wenig den Eindruck, als ob sie Mrs. Brinkerhoffs letzter Serie, Boston Legal, entsprungen sei. Was ihr jedoch keinesfalls zum Nachteil gereicht. Ganz im Gegenteil: Die Szene in ihrem Büro nimmt es in Sachen Situationskomik („Fantasia, someone's calling!“) mit jeder Sitcom auf. Und auch ihre Konfrontation mit Wendy hat es in sich. Alicia hat ganz Recht: Wenn es um Elsbeth geht, sollte man sich auf gar keinen Fall vom ersten Eindruck täuschen lassen.

Apropos Alicia: Sie gerät in die denkbar unangenehmste Situation, in der man sich nur in einer Firma vorfinden kann. Als diejenige, deren Fehler das Unternehmen möglicherweise 44 Millionen Dollar kostet. Dieser Plot ist gleich in zweierlei Hinsicht bemerkenswert: Zum einen ist der Fehler, um den es hier geht, von einer Alltäglichkeit und einer Anschaulichkeit, dass sich im Prinzip jeder Zuschauer vorstellen kann, prinzipiell einmal in eine ähnliche Lage geraten zu können. Zum anderen verzichtet Brinkerhoff dankenswerterweise darauf, Alicia noch im letzten Moment die rettende Erinnerung haben zu lassen, was mit dem Dokument passiert ist.

Stattdessen wird die - wiederum überaus alltägliche - Hilflosigkeit angesichts ihrer nagenden Ungewissheit konsequent ausgespielt. Alicia kann nicht mit Bestimmtheit sagen, ob ihr nicht doch ein verhängnisvoller (Anfänger-)Fehler unterlaufen ist. Sie muss sich einer Befragung durch Kalinda (Archie Panjabi) stellen und kann nichts dagegen unternehmen, als David Lee sehr wahrscheinlich eine Fälschung des Dokuments vorbringt. Und schließlich ist es ausgerechnet ihr alter Rivale Cary (Matt Czuchry), der sie - für sie unbegreiflich - aus der Bredouille rettet. Die Dinge ändern sich, da hat Cary vollkommen Recht. Er ist mit seinem neuen Job sehr zufrieden - und hegt keinen Groll mehr gegen Lockhart Gardner.

Fazit

Alienation of Affection ist eine dicht und mitreißend erzählte, emotional komplexe und durch und durch vergnügliche Folge, welche einige der besten Qualitäten von The Good Wife in sich vereint. Das ist Fernsehen von beispielhafter Güte!

Verfasser: Christian Junklewitz am Mittwoch, 11. Januar 2012
Episode
Staffel 3, Episode 12
(The Good Wife 3x12)
Deutscher Titel der Episode
Entfremdung
Titel der Episode im Original
Alienation Of Affection
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Sonntag, 8. Januar 2012 (CBS)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Dienstag, 5. März 2013
Autor
Corinne Brinkerhoff
Regisseur
Michael Zinberg

Schauspieler in der Episode The Good Wife 3x12

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