The Following 1x10

Der Mord an seinem Partner Paul (Adan Canto) bringt in Jacob (Nico Tortorella) den âDexterâ zum Vorschein, der fĂŒr eine Weile von seinem toten GefĂ€hrten wie von einer Art âDark and Dead Passengerâ heimgesucht wird. WĂ€hrend einem an anderer Stelle hanebĂŒchener Irrsinn den SpaĂ verdirbt, kann man sich so immerhin mit der erquicklichen Frage ablenken, ob die echte Emma (Valorie Curry) wohl so enden wird wie ihr Abbild in Jacobs Traumsequenz.
Das FBI wird mittlerweile durch die KrĂ€fte der CIA und der NSA unterstĂŒtzt. Abgesehen von einer Aversion gegen Anne Hathaway haben die Geheimdienste jedoch auch mit gebĂŒndelten KrĂ€ften nichts aus Amanda (Marin Ireland), der festgesetzten AnhĂ€ngerin von Joe Carroll (James Purefoy), herausbekommen. Im Angesicht ihrer erzwungenen UntĂ€tigkeit fĂŒhlen sich Ryan Hardy (Kevin Bacon) und Debra Parker (Annie Parisse) zu Galgenhumor berufen. Zu gerne wĂŒrde Hardy „denen in DC“ die Macht ĂŒber die Ermittlungen entreiĂen. Doch in der Episode Guilt ist Hardy ohnehin einmal wieder ohne VerstĂ€rkung durch die Regierung unterwegs...
Follower intern
WĂ€hrend Joe Carroll im Umgang mit Roderick (Warren Kole) grimmig die eigene AutoritĂ€t proklamiert, ĂŒbernimmt er bei Jacob die Rolle des fĂŒrsorglichen Mentors, der den Frieden innerhalb seiner erweiterten Familie wahren möchte. Dass es ihm dabei eher um ein stabiles Gleichgewicht seiner Arbeitsbienen geht als um das individuelle Wohlbefinden seiner Follower, ist dabei wohl in erster Linie fĂŒr den Zuschauer offenkundig.
Auch Emma erhĂ€lt die Gelegenheit, sich als eiskalte Manipulatorin hervorzutun - so wissen wir schlieĂlich, dass sie Paul und Jacob nicht wieder an ihrer Seite haben wollte, um sich ungestört der Eroberung von Carroll zu widmen. FĂŒr den Fall, dass die unbeantworteten Anrufe ihrer beiden TeilzeitgefĂ€hrten schon wieder in Vergessenheit geraten sind, lassen die Macher von The Following Emma zusĂ€tzlich noch eine Zeichnung ihres Liebsten anfertigen...
Doch die KrokodilstrÀnen verfehlen ihre Wirkung nicht und Jacob und Emma zelebrieren ihre Versöhnung im Bett. Doch Passenger-Paul hat verstÀndlicherweise keine Lust, sich das mit anzusehen. Das folgende ZwiegesprÀch zwischen dem Follower und seiner Schreckensvision ist leider nicht sonderlich originell geraten. Vergleiche mit anderen Serien drÀngen sich auf, bis man meint, es mit der ChimÀre aus einem UnterwÀschemodel und Mr. Morgan an einem seiner schlechteren Tage zu tun zu haben. Mit einer Prise Gollum.

Immerhin kann sich der Charakter des Jacob ein StĂŒck weit fĂŒr die lahme Sexsequenz rehabilitieren, indem er ein bislang ungekanntes Potential der Bedrohlichkeit freisetzt: „I killed my best friend because of you - I have a real taste for it now.“ Dank Jacobs neuer Unberechenbarkeit ist die Dynamik innerhalb der Follower um ein verlockendes Element reicher.
Ărgernis in Huntingdon County
Der FBI-Agent und Claire-BeschĂŒtzer Ferguson (Tom Degnan) hatte doch so einen guten ersten Eindruck gemacht... Immerhin konnte er versiert den Unterschied zwischen den beiden QuasimilitĂ€rs Vince McKinley (Christopher Denham) und Brock Whitford (Tom Pelphrey) und einem kinderreichen Familienverbund durchschauen. Doch als die - mit Automatikwaffen (!) ausgerĂŒsteten - MĂ€nner dann vor seiner HoteltĂŒr stehen, kommt er nicht auf die Idee, dass die Follower auch durch die TĂŒr hindurch schieĂen könnten?
Aber Hardy wird's schon richten. Dass Ryan zum 17. Mal als Sieger aus einer „Knarre-am-Kopf-einer-Geisel“-Situation hervorgeht, ist dabei fast so amĂŒsant wie das Verhalten seines Gegenspielers. Der guckt nicht nur herrlich dĂ€mlich, sondern muss sich und den Zuschauern auch sofort beweisen, dass er dem Tode dank seiner kugelsicheren Weste entronnen ist.
VorĂŒbergehende Sicherheit finden die flĂŒchtigen Claire und Ryan in dem Haus von dessen alten Freund und Kollegen Tyson Hernandez (David Zayas), der sich dort im Rahmen eines Zeugenschutzprogramms zur Ruhe gesetzt hat.
Wie ein Geist aus der Vergangenheit könnte âTyâ Ryans Charakter zu einem ausgeprĂ€gteren Tiefgang verhelfen. Stattdessen begnĂŒgt er sich damit, das Bild eines pflichtbewussten Agenten einzubetonieren, der die Menschen aus seinem Umfeld nur aus dem Grunde auf Distanz hĂ€lt, damit ihnen nicht sein „Death Curse“ den garaus macht. Das RĂ€tsel um Ryans Alkoholproblem hingegen bleibt vorerst ungelĂŒftet.
Claire...
DafĂŒr wird es romantisch: Statt mit „Es tut mir Leid, dass dein Leben meinetwegen die Hölle ist“ zu beginnen, leitet Claire das GesprĂ€ch seltsamerweise mit „Why didn't you call?“ ein. Trotzdem hagelt es anstelle von Schuldzuweisungen nun LiebesgestĂ€ndnisse. Doch sollte man im Angesicht eines Ăberfalls durch menschliche Kampfmaschinen wirklich lieber knutschen, als strategisch zu planen?
In dem folgenden Chaos wird Claire folgerichtig fast durch Ryan erschossen, jemand guckt verstohlen durch ein Fenster und Ty dĂŒrfte nachhaltig bereuen, nicht wie die Gegenspieler eine schusssichere Weste getragen zu haben.

Vielleicht, weil der „Death Curse“ im Falle von Ty versagt hat, darf Claire selbst fĂŒr eine Eskalation der Lage sorgen, indem sie sich zum zweiten Mal aus „freien StĂŒcken“ in die Obhut von durchgedrehten Killern begibt. Auch in Anbetracht ihrer fraglos ĂŒberreizten mĂŒtterlichen Instinkte ist es doch recht „egoistisch“ von ihr, mit der eigenen Auslieferung noch so lange zu warten, bis Ryans engster Vertrauter blutĂŒberströmt am Boden liegt und unzĂ€hlige FBI-Dummies gĂ€nzlich tot sind.
BeschÀftigungstherapie, FBI-style
Parker und ihre Kollegen mĂŒssen in Hardys Abwesenheit nicht untĂ€tig bleiben. ZunĂ€chst glĂ€nzen sie gar durch gewagte Tatenfreude: FĂŒr den Fall, dass sich Hardy mitsamt Claire nur aus dem Grund unauffindbar gemacht hat, um in „seinem eigenen“ Haus wieder aufzutauchen, werden dort einige Agenten positioniert. AuĂerdem vertreiben sich Deidre Mitchell (Chinasa Ogbuagu), Nick Donovan (Mike Colter) und die mit unmenschlicher Kombinationsgabe ausgestattete Debra (nicht Morgan) die Zeit mit dem Rekrutierungsvideo der Follower. Ihre Entdeckungen bleiben zwar zunĂ€chst folgenlos, fĂŒhren aber immerhin dazu, durch das Schlagwort âSteganographyâ auf gĂ€nzlich hanebĂŒchene Weise die Cleverness der Follower hervorzuheben.
Dunkelheit und ein Lichtblick
In der Einstellung, in der sich Joe per Satellitentelefon mit Ryan in Verbindung setzt, um seinen Triumph auszukosten, wird weder an Klischees ĂŒber einen gröĂenwahnsinnigen Literaten gegeizt noch an bereits gefĂŒhrten Dialogen: „Ich habe keine Lust mehr“ trifft so nicht zum allerersten Mal auf „erst musst du aber deine Geschichte erzĂ€hlen.“
Dass die Serie durchaus noch unterhalten kann, offenbart sich, als im groĂen Finale nicht Claire ihrem Joe in die Arme fĂ€llt, sondern Ryans Ex „Claire 2“ aka Molly (Jennifer Ferrin).
Fazit
Freuen kann man sich bei Guilt neben Mollys wirklich ĂŒberraschendem Outing als Follower vor allem ĂŒber die Momente, in denen es - wie bei der systematischen Durchsuchung des Hotels durch die MilitĂ€rs - wirklich spannend wird.
Der groĂe Rest dieser Folge ist entweder schlichtweg dĂ€mlich oder er erinnert zu stark an andere fiktive Formate. Insbesondere der Vergleich zur Serie Dexter, der sich nicht alleine wegen der Teilnahme von David âBatistaâ Zayas aufdrĂ€ngt, lĂ€sst The Following leider in keinem sonderlich schmeichelhaften Licht erscheinen.
Verfasser: Thordes Herbst am Dienstag, 26. MĂ€rz 2013(The Following 1x10)
Schauspieler in der Episode The Following 1x10
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei EpisodenfĂŒhrern?