The Following 1x10

The Following 1x10

In The Following kÀmpft Jacob mit den Konsequenzen seiner Tat und setzt im Hause der Follower interessante Entwicklungen in Gang. Trotzdem hinterlÀsst die Folge einen negativen Nachgeschmack - zu hoch ist das Aufkommen dÀmlicher AbsurditÀten.

Kevin Bacon als Ryan Hardy ist in „The Following“ kurzzeitig wieder mit seiner Claire (Natalie Zea) vereint. / (c) FOX
Kevin Bacon als Ryan Hardy ist in „The Following“ kurzzeitig wieder mit seiner Claire (Natalie Zea) vereint. / (c) FOX

Der Mord an seinem Partner Paul (Adan Canto) bringt in Jacob (Nico Tortorella) den „Dexter“ zum Vorschein, der fĂŒr eine Weile von seinem toten GefĂ€hrten wie von einer Art „Dark and Dead Passenger“ heimgesucht wird. WĂ€hrend einem an anderer Stelle hanebĂŒchener Irrsinn den Spaß verdirbt, kann man sich so immerhin mit der erquicklichen Frage ablenken, ob die echte Emma (Valorie Curry) wohl so enden wird wie ihr Abbild in Jacobs Traumsequenz.

Das FBI wird mittlerweile durch die KrĂ€fte der CIA und der NSA unterstĂŒtzt. Abgesehen von einer Aversion gegen Anne Hathaway haben die Geheimdienste jedoch auch mit gebĂŒndelten KrĂ€ften nichts aus Amanda (Marin Ireland), der festgesetzten AnhĂ€ngerin von Joe Carroll (James Purefoy), herausbekommen. Im Angesicht ihrer erzwungenen UntĂ€tigkeit fĂŒhlen sich Ryan Hardy (Kevin Bacon) und Debra Parker (Annie Parisse) zu Galgenhumor berufen. Zu gerne wĂŒrde Hardy „denen in DC“ die Macht ĂŒber die Ermittlungen entreißen. Doch in der Episode Guilt ist Hardy ohnehin einmal wieder ohne VerstĂ€rkung durch die Regierung unterwegs...

Follower intern

WĂ€hrend Joe Carroll im Umgang mit Roderick (Warren Kole) grimmig die eigene AutoritĂ€t proklamiert, ĂŒbernimmt er bei Jacob die Rolle des fĂŒrsorglichen Mentors, der den Frieden innerhalb seiner erweiterten Familie wahren möchte. Dass es ihm dabei eher um ein stabiles Gleichgewicht seiner Arbeitsbienen geht als um das individuelle Wohlbefinden seiner Follower, ist dabei wohl in erster Linie fĂŒr den Zuschauer offenkundig.

Auch Emma erhĂ€lt die Gelegenheit, sich als eiskalte Manipulatorin hervorzutun - so wissen wir schließlich, dass sie Paul und Jacob nicht wieder an ihrer Seite haben wollte, um sich ungestört der Eroberung von Carroll zu widmen. FĂŒr den Fall, dass die unbeantworteten Anrufe ihrer beiden TeilzeitgefĂ€hrten schon wieder in Vergessenheit geraten sind, lassen die Macher von The Following Emma zusĂ€tzlich noch eine Zeichnung ihres Liebsten anfertigen...

Doch die KrokodilstrÀnen verfehlen ihre Wirkung nicht und Jacob und Emma zelebrieren ihre Versöhnung im Bett. Doch Passenger-Paul hat verstÀndlicherweise keine Lust, sich das mit anzusehen. Das folgende ZwiegesprÀch zwischen dem Follower und seiner Schreckensvision ist leider nicht sonderlich originell geraten. Vergleiche mit anderen Serien drÀngen sich auf, bis man meint, es mit der ChimÀre aus einem UnterwÀschemodel und Mr. Morgan an einem seiner schlechteren Tage zu tun zu haben. Mit einer Prise Gollum.

Der Plastik-Poe im Video der Follower. © FOX
Der Plastik-Poe im Video der Follower. © FOX

Immerhin kann sich der Charakter des Jacob ein StĂŒck weit fĂŒr die lahme Sexsequenz rehabilitieren, indem er ein bislang ungekanntes Potential der Bedrohlichkeit freisetzt: „I killed my best friend because of you - I have a real taste for it now.“ Dank Jacobs neuer Unberechenbarkeit ist die Dynamik innerhalb der Follower um ein verlockendes Element reicher.

Ärgernis in Huntingdon County

Der FBI-Agent und Claire-BeschĂŒtzer Ferguson (Tom Degnan) hatte doch so einen guten ersten Eindruck gemacht... Immerhin konnte er versiert den Unterschied zwischen den beiden QuasimilitĂ€rs Vince McKinley (Christopher Denham) und Brock Whitford (Tom Pelphrey) und einem kinderreichen Familienverbund durchschauen. Doch als die - mit Automatikwaffen (!) ausgerĂŒsteten - MĂ€nner dann vor seiner HoteltĂŒr stehen, kommt er nicht auf die Idee, dass die Follower auch durch die TĂŒr hindurch schießen könnten?

Aber Hardy wird's schon richten. Dass Ryan zum 17. Mal als Sieger aus einer „Knarre-am-Kopf-einer-Geisel“-Situation hervorgeht, ist dabei fast so amĂŒsant wie das Verhalten seines Gegenspielers. Der guckt nicht nur herrlich dĂ€mlich, sondern muss sich und den Zuschauern auch sofort beweisen, dass er dem Tode dank seiner kugelsicheren Weste entronnen ist.

VorĂŒbergehende Sicherheit finden die flĂŒchtigen Claire und Ryan in dem Haus von dessen alten Freund und Kollegen Tyson Hernandez (David Zayas), der sich dort im Rahmen eines Zeugenschutzprogramms zur Ruhe gesetzt hat.

Wie ein Geist aus der Vergangenheit könnte „Ty“ Ryans Charakter zu einem ausgeprĂ€gteren Tiefgang verhelfen. Stattdessen begnĂŒgt er sich damit, das Bild eines pflichtbewussten Agenten einzubetonieren, der die Menschen aus seinem Umfeld nur aus dem Grunde auf Distanz hĂ€lt, damit ihnen nicht sein „Death Curse“ den garaus macht. Das RĂ€tsel um Ryans Alkoholproblem hingegen bleibt vorerst ungelĂŒftet.

Claire...

DafĂŒr wird es romantisch: Statt mit „Es tut mir Leid, dass dein Leben meinetwegen die Hölle ist“ zu beginnen, leitet Claire das GesprĂ€ch seltsamerweise mit „Why didn't you call?“ ein. Trotzdem hagelt es anstelle von Schuldzuweisungen nun LiebesgestĂ€ndnisse. Doch sollte man im Angesicht eines Überfalls durch menschliche Kampfmaschinen wirklich lieber knutschen, als strategisch zu planen?

In dem folgenden Chaos wird Claire folgerichtig fast durch Ryan erschossen, jemand guckt verstohlen durch ein Fenster und Ty dĂŒrfte nachhaltig bereuen, nicht wie die Gegenspieler eine schusssichere Weste getragen zu haben.

Jacob (Nico Tortorella) kann den Verrat durch Emma nicht verkraften. © FOX
Jacob (Nico Tortorella) kann den Verrat durch Emma nicht verkraften. © FOX

Vielleicht, weil der „Death Curse“ im Falle von Ty versagt hat, darf Claire selbst fĂŒr eine Eskalation der Lage sorgen, indem sie sich zum zweiten Mal aus „freien StĂŒcken“ in die Obhut von durchgedrehten Killern begibt. Auch in Anbetracht ihrer fraglos ĂŒberreizten mĂŒtterlichen Instinkte ist es doch recht „egoistisch“ von ihr, mit der eigenen Auslieferung noch so lange zu warten, bis Ryans engster Vertrauter blutĂŒberströmt am Boden liegt und unzĂ€hlige FBI-Dummies gĂ€nzlich tot sind.

BeschÀftigungstherapie, FBI-style

Parker und ihre Kollegen mĂŒssen in Hardys Abwesenheit nicht untĂ€tig bleiben. ZunĂ€chst glĂ€nzen sie gar durch gewagte Tatenfreude: FĂŒr den Fall, dass sich Hardy mitsamt Claire nur aus dem Grund unauffindbar gemacht hat, um in „seinem eigenen“ Haus wieder aufzutauchen, werden dort einige Agenten positioniert. Außerdem vertreiben sich Deidre Mitchell (Chinasa Ogbuagu), Nick Donovan (Mike Colter) und die mit unmenschlicher Kombinationsgabe ausgestattete Debra (nicht Morgan) die Zeit mit dem Rekrutierungsvideo der Follower. Ihre Entdeckungen bleiben zwar zunĂ€chst folgenlos, fĂŒhren aber immerhin dazu, durch das Schlagwort „Steganography“ auf gĂ€nzlich hanebĂŒchene Weise die Cleverness der Follower hervorzuheben.

Dunkelheit und ein Lichtblick

In der Einstellung, in der sich Joe per Satellitentelefon mit Ryan in Verbindung setzt, um seinen Triumph auszukosten, wird weder an Klischees ĂŒber einen grĂ¶ĂŸenwahnsinnigen Literaten gegeizt noch an bereits gefĂŒhrten Dialogen: „Ich habe keine Lust mehr“ trifft so nicht zum allerersten Mal auf „erst musst du aber deine Geschichte erzĂ€hlen.

Dass die Serie durchaus noch unterhalten kann, offenbart sich, als im großen Finale nicht Claire ihrem Joe in die Arme fĂ€llt, sondern Ryans Ex „Claire 2“ aka Molly (Jennifer Ferrin).

Fazit

Freuen kann man sich bei Guilt neben Mollys wirklich ĂŒberraschendem Outing als Follower vor allem ĂŒber die Momente, in denen es - wie bei der systematischen Durchsuchung des Hotels durch die MilitĂ€rs - wirklich spannend wird.

Der große Rest dieser Folge ist entweder schlichtweg dĂ€mlich oder er erinnert zu stark an andere fiktive Formate. Insbesondere der Vergleich zur Serie Dexter, der sich nicht alleine wegen der Teilnahme von David „Batista“ Zayas aufdrĂ€ngt, lĂ€sst The Following leider in keinem sonderlich schmeichelhaften Licht erscheinen.

Verfasser: Thordes Herbst am Dienstag, 26. MĂ€rz 2013
Episode
Staffel 1, Episode 10
(The Following 1x10)
Deutscher Titel der Episode
Aus Betrug, Angst, Vorteil, Phantasie und Poesie
Titel der Episode im Original
Guilt
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Montag, 25. MĂ€rz 2013 (FOX)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Donnerstag, 8. August 2013
Regisseur
Joshua Butler

Schauspieler in der Episode The Following 1x10

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