The Following 1x09

In der Episode Love Hurts leistet eine bislang unbekannte AnhĂ€ngerin von Joe Carroll (James Purefoy) ihren Beitrag zu dessen schaurigem Gesamtwerk. Trotz einiger sehenswerter Elemente kann auch diese Folge von The Following bedauerlicherweise nicht gĂ€nzlich ĂŒberzeugen.
Inquisition
Ryan Hardy (Kevin Bacon) und Debra Parker (Annie Parisse) mĂŒssen sich vor Vertretern der National Security Agency fĂŒr ihre Arbeit im Fall Carroll verantworten. In Form einer wahren Inquisition werden die beiden Ermittler so dazu gezwungen, die teils haarstrĂ€ubenden Fehlleistungen des FBI Revue passieren zu lassen. Die Bilanz von einem der NSA'ler hat wohl auch so mancher Zuschauer schon unglĂ€ubig gezogen: „There is an organized gathering of killers out there - and you have no idea where they are?“
Leider kann auch an dieser Stelle noch nicht ĂŒberzeugend vermittelt werden, warum sich ein Mensch gerade Carrolls Killer-Kult anschlieĂen sollte - selbst wenn man ihn oder sie in die Kriterien „empty, lost, maladjusted“ oder „full-blown psychopath“ einordnen könnte. SchlieĂlich beschrĂ€nkt sich die âReligiositĂ€tâ des Bundes bislang lediglich auf ein paar Zitate. Von Poe.
Indem Hardys AusfĂŒhrungen durch Geschehnisse aus dem Hauptquartier der Follower bebildert werden, soll wohl auch Joes ungemeine Kraft zu begeistern veranschaulicht werden. Leider gibt der Literat in diesem Moment so etwas wie „All that we see or seem is but a dream within a dream“ von sich. WĂ€hrend die literarischen Zitate zu Beginn der Serie noch einen besonderen Reiz innehatten, wirken sie nun zuweilen wie ein alberner Störfaktor. Zudem gelingt es James Purefoy in dieser Sequenz nicht, seinen Vortrag derartig mitreiĂend aussehen zu lassen, dass es das ehrfĂŒrchtige Staunen seiner demografisch gut durchmischten Follower erklĂ€ren könnte.
Fest steht: „He is speaking to the subjects with the promise of elevating their lives.“ Die besagte Bereicherung der individuellen LebensumstĂ€nde wird dabei wohl durch die gemeinsame - und Sinn stiftende - Arbeit am GroĂprojekt von Carrolls blutigem âRomanâ vollzogen. Das Element des Mordens wird Ă€hnlich vage gerechtfertigt: „Through death one experiences life.“

Neue Kapitel
In einer RĂŒckblende wird Carrolls Ăberzeugungskraft im Anschluss erneut hervorgehoben. Dieses mal wird es sehr viel greifbarer, warum der Professor einen derartig ĂŒbergeordneten Stellenwert im Leben seiner Follower einnimmt: Joe hat einer jungen Frau namens Amanda (Marin Ireland) nahegelegt, auf ihr Recht auf GlĂŒckseligkeit zu bestehen. Als sie daraufhin konsequenterweise ihren Mann und dessen Geliebte ermordet hat, bietet Carroll der FlĂŒchtigen nicht nur wohlwollendes VerstĂ€ndnis fĂŒr ihre Tat. Er stellt der verfolgten Frau („They can DNI and CSI that stuff“) auĂerdem eine sichere Heimat an der Seite von Roderick (Warren Kole) in Aussicht.
In ihrem persönlichen âKapitelâ möchte Amanda Joe eigentlich mit seiner Claire Matthews (Natalie Zea) wiedervereinigen. Da der Aufenthaltsort von Carrolls Exfrau jedoch durch das Zeugenschutzprogramm verborgen wird, muss sie sich mit dem Morden von Frauen zufrieden stellen, die den gleichen Namen tragen. Da Amanda der Follower-Kategorie âfull-blown psychopathâ angehört, muss diese Herangehensweise nicht weiter hinterfragt werden. Liebe soll wehtun und Hardy soll fĂŒr seine AffĂ€re mit Joes Ex eben besonders hart bestraft werden. WĂ€hrend das âHardy soll bĂŒĂenâ-Motiv mittlerweile an Reiz verloren hat, sind Amandas Morde durchaus mitreiĂend und spannend mit anzusehen.
Doppeltes Spiel
Das Kult-Mitglied Emma (Valorie Curry) hat seine intimen Freunde Jacob (Nico Tortorella) und Paul (Adan Canto) - die sich mittlerweile bei Jacobs vergebungsbereiter Mutter verstecken - gezielt geopfert. Einzig ihrem Mentoren Joe scheint sie bedingungslose Liebe entgegenzubringen. Doch Carroll weist ihre Avancen nun zurĂŒck - nachdem er seinem fleischlichen Begehren in der Episode Welcome Home (1x08) noch nachgegeben hatte.
Hardy
Hardy steht sein neuer störrischer Zynismus gut zu Gesicht. Auch die Tatsache, dass er Louise (Annika Boras) einfach erschieĂt, statt sich auf ein Psycho-Spiel mit der Killerin einzulassen, ist erquicklich.
Doch auch wenn es so wirken mag - Hardy ist nicht der einzige Mensch, der mit dem Fall Carroll betraut ist. Immer wieder versichern die FBI-Agenten ihrem Co-Ermittler, dass die richtige Claire absolut unauffindbar sei. Der leidgeprĂŒfte The Following-Kenner kann sich schon denken, wie erfolgreich die Verschleierungs-BemĂŒhungen langfristig bleiben werden.
FBI
„Get every avaliable agent there. Now!“ LĂ€uten diese magischen Worte etwa eine fundamentale Wendung bei The Following ein? Nein. Bei der ausgelassenen Party, auf der sich die verfĂŒgbaren Einheiten tummeln, handelt es sich um ein derartig verwirrendes KostĂŒmfest, dass einzig Hardy die Zielpersonen ausfindig machen kann. Daraufhin landet Ryan - etwas plausibler als sonst aber mit dem gleichen Resultat - wieder auf sich gestellt in einem verlassenen GebĂ€ude.
Nachdem der Ermittler von Amanda mit einer Nagelpistole angeschossen wird, will er einmal wieder sein Leben gegen das einer Geisel eintauschen.

WĂ€hrend Marin Irelands schauspielerische Interpretation ihrer Rolle der Amanda zu Beginn noch etwas holprig wirkt, hinterlĂ€sst die Darstellerin spĂ€ter als psychisch schwer in Mitleidenschaft gezogene Frau einen ĂŒberzeugenden Eindruck. Hardy rettet die Geisel und Amanda wird verhaftet.
Tod und ein Wiedersehen
Durch den Mord an seinem GefĂ€hrten Paul hat sich nun auch Jacob endlich als vollwertiger Follower bewiesen. Im Vergleich zu der Zeit, in der er nach Pauls Mord an einer jungen Frau noch in TrĂ€nen ausgebrochen war, wirkt er nun sehr viel hĂ€rter. Als Roderick Emma mit dem heimgekehrten Jacob konfrontiert, spiegelt sich in dessen Gesicht neben dem Jungfern-Mord auch Emmas Verrat wider. Die neuerliche ZusammenfĂŒhrung des Paares birgt verlockendes Potential fĂŒr eine Vertiefung der vertrackten Dreieckskonstellation zwischen Emma, Jacob und nun Joe in sich. Auch wĂ€chst die Vorfreude, die Figur des offensichtlich empathielosen Manipulatoren Roderick nĂ€her kennen zu lernen. In Kombination mit der Tatsache, dass die Follower mittlerweile eine ungefĂ€hre Vorstellung davon haben, wo und bei wem sich die ârichtigeâ Claire befindet, kann man die nĂ€chste Episode also durchaus hoffnungsvoll erwarten.
Fazit
Im Gegensatz zur vorangegangenen Folge kann sich The Following steigern. DafĂŒr sorgen vor allem die spannenden Passagen um die labile Amanda und die Konflikte und Intrigen innerhalb des Follower-Lagers. Auch Hardys fortschreitende AbgebrĂŒhtheit ist dem generellen Flair der Serie zutrĂ€glich.
Bedauerlicherweise ist es nach wie vor nicht leicht, die Begeisterung von Carrolls AnhĂ€ngern in Bezug auf ihr Oberhaupt nachzuvollziehen. Und dass es keine Episode in der Serie gibt, in der Hardy sein Alleingang erspart bleibt, geht ebenso auf die Nerven wie die an Sicherheit grenzende Wahrscheinlichkeit, dass das FBI ĂŒberlistet wird.
Verfasser: Thordes Herbst am Mittwoch, 20. MĂ€rz 2013(The Following 1x09)
Schauspieler in der Episode The Following 1x09
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei EpisodenfĂŒhrern?