The Following 1x08

In der Episode Welcome Home (1x08) offenbaren sich neue Facetten des Killers Joe Carroll (James Purefoy), der mittlerweile im Kreise seiner Anhänger in einem herrschaftlichen Anwesen weilt. Außerdem lernt das FBI in dieser Folge von The Following auch unter neuer Leitung kein Stück dazu. Bei der Rettung eines entführten Kollegen ist Ryan Hardy (Kevin Bacon) deswegen wieder auf sich gestellt.
Tödliche Schale, weicher Kern?
Der Serienkiller Dr. Joe Carroll ist gemeinhin so verschlagen wie abgebrüht. In der Interaktion mit seinem leiblichen Sohn Joey (Kyle Catlett) legt sich hingegen eine gewisse Versteiftheit über die aalglatte Eloquenz, die der ehemalige Literaturprofessor sonst an sich hat. Es scheint ihm wirklich wichtig zu sein, das Vertrauen seines Kindes zu gewinnen. In Joes verzerrter Sicht auf die Welt fehlt ihm jetzt nur noch seine Frau Claire (Natalie Zea), um sein familiäres Glück zu vervollkommnen. Doch wo ist sie versteckt?
Erst einmal wird aber seine Zweitfamilie um ein sagenumwobenes Mitglied aufgestockt. Als Roderick (Warren Kole) mit Sirene und Blaulicht auf die Spielfläche rauscht, müsste man die vorangegangenen Episoden von The Following schon verschlafen haben, um in dem Polizisten keinen der Anhänger von Joe zu erwarten. Immerhin bringt der aufgeweckte Neue eine Portion Schwung in die Handlung.
Follower intern
Durch den örtlichen Sheriff Roderick erfahren wir weitere Gründe dafür, sich zu den Anhängern Carrolls zu gesellen. So steht dieser Follower in Joes Schuld, weil er selbst zwei der Morde verübt hatte, für die Carroll ins Gefängnis geschickt wurde. Darüber hinaus trifft auch hier das Phänomen zu, dass Carroll verlorenen Seelen um sich scharrt, deren Existenzen er zu einem tieferen - wenngleich moralisch fragwürdigen - Sinn verhilft: „Everything I am, I am because of you.“
In der Killerhierarchie nimmt Roderick scheinbar die Position des Vizechefs sein. Während Carrolls Haft hatte er nicht nur die anderen Mitglieder des Kultes - wie Claires (Natalie Zea) persönlichen Stalker Charlie (Tom Lipinski) - koordiniert, sondern auch eigenständig weitere Killer rekrutiert. Im Umgang mit Charlie zeigt sich Joe von einer nachgiebigen, fast väterlichen Seite.
Neue Führung für das FBI
Unterdessen zieht das FBI die Konsequenzen aus der investigativen „Nightmare“ der Vergangenheit und der Tatsache, dass die Ermittler alleine Carroll bereits zwei Mal haben entkommen lassen. So wird der selbsternannte Kontrollfreak Nick Donovan (Mike Colter) mit der Leitung der Ermittlungen betraut. Weil er zuallererst Ryan Hardy auf seinen Platz - als bloßer Berater - verweist, stürzt er den Exagenten in eine kleine Krise, die bei ihm ungewohnt zynische Blüten treibt: „Nobody likes me.“ Mit dieser neuen Lebenseinstellung ist Hardys größter Fan Mike Weston (Shawn Ashmore) erst einmal überfordert.

Obwohl der neuerliche humoristische Einschlag von The Following an dieser Stelle noch etwas erzwungen wirkt, lässt sich die generelle Tendenz doch belobigen. Bei einer derartigen Häufung von Fauxpas, wie man sie in den vergangenen Wochen auf Seiten des FBI beobachten konnte, bleibt Hardy ohnehin nichts anderes übrig. Er wird quasi gezwungen, seine Rolle in dem Irrsinn mit Humor zu nehmen. Im Angesicht von Hardys Zurechtweisung wird Debra Parker (Annie Parisse) zur verbissenen Advokatin für Ryan und dessen Herangehensweisen.
Für Carroll sterben
„You don't find us. We find you. And we are everywhere. We are your sons and daughters...“ Als David (Arian Moayed) wie das Paradebeispiel für eine gelungene Gehirnwäsche diese verbraucht erscheinenden Phrasen fabuliert, erscheint wieder Ryans neuer Zynismus auf dem Plan: „He is paraphrasing Ted Bundy.“ Ähnlich wie Hardy fühlt sich auch der Zuschauer durch Davids Worte nicht sonderlich beeindruckt. Doch die Tat, die der Mann daraufhin folgen lässt, ist dafür ungleich verstörender. David beißt sich eine versteckte Kapsel Gift aus der eigenen Hand, was für ihn zu einem sehr schnellen und dennoch mitreißenden Tod führt.
Begierde
Im Hause Carroll offenbart sich, dass zwischen dem Anführer und Emma (Valorie Curry) eine nicht sonderlich platonisch erscheinende Spannung herrscht. Joe lässt den durch Alkohol und körperliche Nähe intensivierten Moment zunächst aber nicht intimer werden, weil er seine Frau Claire liebt.
In Form von Rückblenden präsentiert uns The Following Einblicke in Carrolls Spezialseminar „Morden für Anfänger“, in dem er Roderick im Jahr 2003 das Töten nähergebracht hatte. Die Sequenz ist gelungen schauderaft und auch die widerwillige Faszination aufseiten Rodericks ist glaubhaft dargestellt.
Weston weg - Hardy findet
Weston gerät trotz einer paranoiden Vorsicht in die Gewalt von Roderick, Charlie, Louise (Annika Boras) und weiteren Kultmitgliedern.
Agent Donovan schreckt zwar nicht davor zurück, Hardys fragwürdige Foltermethoden anzuprangern. Anderen ermittlerischen Missständen - wie dem ausgeprägten Geiz in Bezug auf Verstärkungstrupps - bleibt er jedoch treu, weswegen Parker und Hardy ihrem entführten Kollegen alleine zu Hilfe eilen dürfen.
Recht erfrischend ist die Tatsache, dass sich die sadistisch veranlagten Follower bei ihrer Befragung von Weston über den Aufenthaltsort von Claire eine Art Kampfspiel ausgedacht haben. Die dramatischen Entwicklungen werden alleine durch das Ärgernis überschattet, dass Ryan Hardy zum gefühlten 27. Mal auf sich gestellt ein Gebäude durchforstet, während Parker die Gegend erkundet und alle anderen verfügbaren Agenten damit beschäftigt sind, auf den nächsten Toten zu warten.

Aber Hardy kann den angestochenen Weston auch im Alleingang vor dem tödlichen Kehlenschnitt bewahren, der zu diesem Zweck dramaturgisch etwas ungeschickt hinausgezögert wird. Spätestens, als Parker dem Fluchtwagen der Follower - einsam „FBI! Stop! FBI“ vor sich hin schreiend - hinterherläuft, kann man sich der unfreiwilligen Komik dieser Sequenz kaum länger entziehen.
Doch das FBI versagt nicht alleine. Auch auf Seiten der Follower können dank Westons Schweigen und Hardys beherztem Eingreifen („We lost five men.“) keine neuen Erfolge verbucht werden. Der Aufenthaltsort von Claire Matthews bleibt vorerst geheim.
Für Carroll sterben II
Im Gegensatz zum FBI bleibt das Versagen bei den Followern nicht ohne Konsequzen: Charlie, der doch nicht zuletzt aufgrund seiner technischen Begabung einen Mehrwert für die Gruppe bedeutet, opfert sein Leben einzig aus dem Grund, um seinem Mentoren einen kurzen Adrenalinkick zu bescheren. Anhand dieser Sequenz wird uns erneut nahegebracht, wie hörig die Mitglieder Carroll sind. Auch die generelle Gefühlskälte wird hübsch veranschaulicht, indem Louise beiläufig die Plastikplane auf dem Teppich ausbreitet, bevor Charlie erstochen wird. Anstatt dem Todgeweihten einen öffentlichkeitswirksamen Freitod zuzugestehen, fällt er einem fast romantisch erscheinenden Fremdharakiri zum Opfer. Soll dies etwa ein Beispiel für die durch Carroll propagierte Schönheit des Todes darstellen?
Zügellos fallen daraufhin Emma und Joe sowie Louise und Roderick übereinander her. Selbst der vorbildhafteste Mördermentor ist also auch nur ein instinktgetriebener Mensch. Gleichzeitig offenbart sich bei Roderick eine gewisse Unzufriedenheit darüber, nun Carroll bei sich zu haben. Egal, ob er nur um Charlie trauert oder seine bisher übergeordnete Stellung vermisst - neues Konfliktpotential liegt in der Luft.
Fazit
Die Episode Welcome Home kann nur zwischenzeitlich, wie beim Suizid von David, von dem düsteren Charme profitieren, der The Following generell umgibt. Die Bewohner der Follower-WG hingegen wirken in ihrer starren Bewunderung schon fast wie Karikaturen ihrer selbst.
Lichtblicke wie die sich zaghaft andeutende Rebellion durch Roderick oder Charlies verbissener Kampf gegen Weston werden bedauerlicherweise dadurch überschattet, dass die Handlung im Hause der Killer teilweise recht willkürlich anmutet. Und wann - ja, wann - werden die FBI-Agenten endlich aus den Fehlern der Vergangenheit lernen? Ist es nicht möglich, auch ohne Hardys Alleingänge Spannung zu erzeugen? Nach der ersten Hälfte der ersten Staffel fühlt sich die Killerserie leider recht blutleer an.
Verfasser: Thordes Herbst am Freitag, 15. März 2013(The Following 1x08)
Schauspieler in der Episode The Following 1x08
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?