The Following 1x11

The Following 1x11

Die Serie The Following verursacht ungläubiges Staunen, das aber leider meist auf dramaturgischen Unsinn zurückzuführen ist. Zum Glück schwingt in dem Wahnsinn der psychopathischen Sorte auch ein Versprechen mit. Auf noch mehr Töten, Silly...

Joe Carroll (James Purefoy) mit den Followern Roderick (Warren Kole) und Vince (Christopher Denham) in „The Following“. / (c) FOX
Joe Carroll (James Purefoy) mit den Followern Roderick (Warren Kole) und Vince (Christopher Denham) in „The Following“. / (c) FOX

Die Episode Whips & Regret (1x11) kann The Following leider nicht in eine gute Serie verwandeln - zu groß sind die logischen Ungereimtheiten und zu hoch ist das Maß an genereller Absurdität. Auch wenn das Drama von Zeit zu Zeit positiv überrascht, überwiegen weiterhin die negativen Aspekte.

Telefonterror

Hardys (Kevin Bacon) Alkoholproblem ist zurück! Wo genau es sich innerhalb der letzten Episoden versteckt hat, ist ungewiss. Wohlwollend könnte man argumentieren, dass Ryan durch Claires (Natalie Zea) eigenwillige Selbstauslieferung den Rest seiner Selbstdisziplin gänzlich verloren hat. Aber eigentlich kann Joe (James Purefoy) den entscheidenden Kritikpunkt selbst hervorheben, indem er Hardys „drinking problem“ als das Klischee entlarvt, das es für die Charakterentwicklung eines Ex-FBI-Agenten bedeutet.

Während Carroll den Rückfälligen wieder einmal mit seinem Satellitentelefon belästigt, nährt auch ein Gefühl des „Sich-im-Kreis-Drehens“ den Unmut. Grenzenlos pathetische Dialogzeilen wie Carrolls „Do you believe that love conquers all?“ sind zudem einfach zu kitschig, um aus dem Mund eines Killers kommen zu dürfen. Selbst wenn es sich bei ihm um einen belesenen Mann handelt, der den Kitsch in einem bedrohlichen Unterton fabuliert. Als Debra Parker (Annie Parisse) Hardy im Anschluss für die Ermittlungen reanimiert, bekleckert auch sie sich in ihrer Ansprache nicht gerade mit Eloquenz - aber immerhin fällt der Agentin das auch selbst auf.

Molly

Hardys Exfreundin Molly (Jennifer Ferrin) ist ein wahrer Todesengel, der sich die Zeit damit vertreibt, in einer Sterbeabteilung über Leben und Tod zu entscheiden: „I have killed more people than you.“ Es ist dabei kaum erstaunlich, dass die willkürlich tötende Molly von Carrolls konfusem Gesamtwerk durchaus angetan ist.

Ebenso wie die Aussicht darauf, dass sich die Killerin jetzt wieder in der unmittelbaren Nähe des unbedarften Hardy befindet, gehören auch die Entwicklungen im Hause der Follower zu den erfreulicheren Elementen der Episode.

Ryan Hardy (Kevin Bacon) und Debra Parker (Annie Parisse) im Einsatz. © FOX
Ryan Hardy (Kevin Bacon) und Debra Parker (Annie Parisse) im Einsatz. © FOX

Die Spannungen, die sich bereits in der Episode Guilt (1x10) zwischen Roderick (Warren Kole) und Joe abgezeichnet hatten, münden nach dessen Vorwurf („You are selfish!“) in einen Streit mit dem Kultführer. Während Joe sich zunächst einmal auf die Zusammenführung seiner Familie konzentrieren möchte, will der Sheriff endlich zur Tat schreiten. Es ist zwar nicht klar, was genau uns noch bevorsteht - doch in der Tatsache, dass viele der Hausbewohner daran beteiligt sein werden, schwingt Hoffnung auf einen Knalleffekt mit.

Vorerst kann Joe sein Gewaltmonopol aber verteidigen und straft Roderick für sein Aufbegehren mit einem derartig finsteren Blick, dass Purefoy in dem Moment einen fast schon selbstironischen Eindruck macht. Während man sich auch bei Vince McKinleys (Christopher Denham) Ausspruch („What the hell, man? Were you beaten as a kid? I was just looking for a new friend. Damn.“) nicht sicher sein kann, ob wir es an dieser Stelle mit freiwilligem oder unfreiwilligem Humor zu tun haben, wirkt zumindest Rodericks anschließender spontaner Gewaltausbruch angebracht.

Sexkeller

Das FBI macht unterdessen bei der Stürmung des SM-Clubs „Whips & Regret“ grandiose strategische Fortschritte: „We have got men on every exit and on the neighboring rooftops!“ Auch Hardy hat aus der Verletzung seines Freundes Tyson Hernandez (David Zayas, Dexter) gelernt und sich eine kugelsichere Weste angezogen, bevor er und Debra Parker - erst einmal alleine - das sündige Gebäude erkunden.

In Haley Mercurys (Afton Williamson) Fetischbar gibt es ein paar Erschreckmomente, die auf originelle Weise gerechtfertigt werden („I am just the Bouncer“), bevor sich die Geschäftsfrau mit den Agenten auf einen Deal einigt. Angereichert durch eine Reihe von sexuellen Anspielungen der experimentierfreudigeren Sorte bietet Haley dem FBI ihren Gelegenheitslover (beziehungsweise „Flogger“) Vince an. Sie scheint mit der eigenwilligen Arbeitspraxis der Agenten in Hardys Dunstkreis noch nicht in Kontakt gekommen zu sein. Sonst hätte sie vielleicht doch eine 20-jährige Gefängnisstrafe der Kollaboration vorgezogen.

Schließlich ist die Unversehrtheit einer Zivilistin in der FBI-Welt von The Following weit weniger wert als die Möglichkeit, durch sie - eventuell - zu dem Hauptquartier der Killer gebracht zu werden. Da kann Haley - der man die düstere Domina trotz des Piercings nicht abnimmt - noch so oft das Codewort sagen.

Zwischen Roderick (Warren Kole) und Vince (Christopher Denham) kommt es zu merkwürdigen Streitereien. © FOX
Zwischen Roderick (Warren Kole) und Vince (Christopher Denham) kommt es zu merkwürdigen Streitereien. © FOX

Guter Irrsinn, schlechter Irrsinn

Im Haus der Follower vollzieht Claire (Natalie Zea) einen steten Wandel zwischen bockigem Teenager, verführerischer Ex und mütterlicher Furie. Ähnlich wankelmütig verhält sich ihr Gesprächspartner Joe, der sich trotz seines Problemchens („I suffer from a monomaniacal need to kill. It'll never go away, only intensify with time.“) bereits Chancen auf einen ersten Kuss mit der Ex ausrechnet. Er realisiert, dass Joey sein letzter Trumpf ist - und gibt ihn dann an Claire zurück.

Seit dem Tod von Paul hat auch Jacob (Nico Tortorella) die letzten Reste seines gesunden Menschenverstandes eingebüßt. Es wird erquicklich, zu beobachten, welche Blüten sein neuer skrupelloser Wahnsinn noch treiben wird - insbesondere in Bezug auf die nicht minder realitätsferne Emma (Valorie Curry).

Mehr Keller, mehr Alleingänge...

Durch Vinces Paranoia wird der Weg für einen neuerlichen Alleingang von Parker und Hardy geebnet, die sich nach dem Sexkeller auf den Spuren ihrer V-Frau in einem militärischen Stützpunkt wiederfinden. Gruselige Gänge und hektische Taschenlampenbeleuchtung können nicht scheitern und steuern verlässlich ein Gruselgefühl bei, bis dann zum „zuvieltesten“ Mal ein „Dieser Tod geht auf dich, Ryan Hardy“-Satz ertönt.

Die neuerliche Wiederholung wird glücklicherweise durch einen durchaus gelungenen WTF-Moment wettgemacht. In diesem stellt sich heraus, dass es sich bei den im Keller eingesperrten Menschen um Kultmitglieder handelt. Auch die Tatsache, dass sich zur Abwechslung auch weitere Agenten im unmittelbaren Einsatz befinden, kommt positiv zum Tragen.

Fazit

Zwar gibt es nach wie vor spannende und auch unterhaltsame Passagen in der Serie The Following. Leider wird es schwerer und schwerer, sie aus dem Wust der dramaturgischen Inkonsequenz und genereller Lächerlichkeit herauszufiltern.

Wer es schafft, sich auf die Lichtblicke - wie Rodericks gefährliche Rebellion - zu konzentrieren, kann auch den verbleibenden vier Episoden der ersten Staffel noch eine Chance geben. Der Rest der übrig gebliebenen Zuschauer kann sich ja derweil mit der humorvollen Suche nach dem hanebüchendsten Momentum die Zeit vertreiben.

Verfasser: Thordes Herbst am Mittwoch, 3. April 2013
Episode
Staffel 1, Episode 11
(The Following 1x11)
Deutscher Titel der Episode
Liebet eure Feinde, hasset eure Freunde
Titel der Episode im Original
Whips and Regret
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Montag, 1. April 2013 (FOX)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Donnerstag, 15. August 2013
Regisseur
Marcos Siega

Schauspieler in der Episode The Following 1x11

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