The Following 1x12

The Following 1x12

Die Handlung von The Following dreht sich zwischen Hardys Alleingängen und langatmigen Konversationen im Licht von Taschenlampen im Kreis. Immerhin präsentiert uns die eigenwillige Dramedy eine hübsche Wende - und die bange Hoffnung auf einen Showdown.

Emma (Valorie Curry) ist verdutzt in „The Following“. / (c) FOX
Emma (Valorie Curry) ist verdutzt in „The Following“. / (c) FOX

Joe Carroll (James Purefoy) schreibt tatsächlich ein Buch. Die Kapitel, von denen der Killer seit dem Beginn von The Following unablässig spricht, sind nicht metaphorisch zu verstehen.

Die wirklich lachhaft inszenierte Schreibblockade, mit der sich der geniale Literat herumplagt, könnte man durchaus als selbstironische Kritik der Drehbuchautoren auf der Metaebene interpretieren... Doch die Serie beschränkt sich weiterhin eher auf Humor der unfreiwilligen Art (wenn man einmal von dem grandiosen „And his spine will be cracked“-Schlagabtausch zwischen Hardy (Kevin Bacon) und dem Follower-Duo aus Jacob (Nico Tortorella) und Paul (Adan Canto) in der Episode The Fall absieht). Carroll sieht sich beim Verfassen seines Romans - der nach seinen Angaben fast vollendet ist - mit dem Problem konfrontiert, dass ihm noch die Antriebskraft seines Protagonisten fehlt. Genauso können die an der Serie arbeitenden Schreiberlinge nach wie vor nicht klarmachen, warum zum Teufel man sich als versierter Serienkiller ausgerechnet Carrolls Kult anschließen sollte.

Statt diese nicht unerhebliche Unklarheit endgültig aus der Welt zu schaffen, widmet sich die Episode The Curse der Frage: „What fuels Ryan?

Ein Ende mit Schrecken

Wie sich am Episodenende in einer durchaus gelungenen Überraschung herausstellt, wird der Exagent neben seinen positiven Gefühlen für Claire (Natalie Zea) und den nicht allzu wohlwollenden Gefühlen für Joe auch durch die eigene Schuld angetrieben. Gerade als man befürchtet, dass die neue Folge mit einem skurrilen Bondingmoment zwischen dem Ermittler und dem Killer zu Ende geht, wird die Hardy-Bombe platzen gelassen. Der selbstlose Menschenretter hatte in seiner Jugend auf ausgesprochen durchtriebene Weise einen Junkie ermordet.

Dieser Abgrund in Hardy macht ihn als Charakter zwar noch dreidimensionaler. Aber war es denn wirklich nötig, die ganze „ich musste meinem Vater beim Sterben zuschauen“-Sequenz samt all ihrer Rückblenden derartig in die Länge zu ziehen, nur um Ryans Killerseite ans Licht zu bringen?

Die Entwicklung, dass Roderick (Warren Kole) bereits jetzt mit den FBI-Beamten zusammenarbeiten wird, ist ebenfalls überraschend und treibt zudem die Haupthandlung voran. Doch genau wie andere der spärlichen erfreulichen Begebenheiten wird auch diese Wendung mit dem endlosen Versagen des FBI-Apperates und - schlichtweg - dummen Zufällen erkauft. So wird der lediglich erschöpfte Agent Mike Weston (Shawn Ashmore) kurzum in einem Krankenwagen versteckt, bevor der mörderische Sheriff auf der Bildfläche erscheint.

Das erfreuliche Follower-Pendant zu Weston ist Jacob. Auch er legt eine neue Hardcore-Seite an den Tag, die durch Nico Tortorella sehr mitreißend verkörpert wird. Das Töten geht ihm nun leicht von der Hand, doch der Anruf an seinen Vater offenbart auch eine gewisse Unzufriedenheit mit dieser Entwicklung. Das hat tatsächlich Sinn.

Aber genug der Lobeshymnen - kommen wir zu den wirklich schlechten Aspekten der Episode.

Mike %26bdquo;Rambo%26ldquo; Weston (Shawn Ashmore) und Ryan %26bdquo;Junkiekiller%26ldquo; Hardy (Kevin Bacon). © FOX
Mike %26bdquo;Rambo%26ldquo; Weston (Shawn Ashmore) und Ryan %26bdquo;Junkiekiller%26ldquo; Hardy (Kevin Bacon). © FOX

Wiederholungen

Mike Weston kommt als Rambo in die Handlung zurück und führt als solcher den obligatorischen Alleingang mit Parker und Hardy an. Nach den traumatischen Erlebnissen der Vergangenheit schreckt er nicht länger vor Hausfriedensbruch zurück und schlägt auch mal zu. Die neue Härte steht ihm gut zu Gesicht und man ist dem Agenten unendlich dankbar dafür, mithilfe eines Lichtschalters die hundertste „Taschenlampe-in-unbekannter-und-heruntergekommener-Kellergegend“-Sequenz ein wenig zu erhellen. Es ist ja trotzdem noch dunkel genug. Dann mehr Taschenlampen. Geiselnahmen. Hardy, der wieder einmal zeigt, dass er Follower erschießen kann. Parker, die verlässlich durch grobe Fahrlässigkeit glänzt, indem sie ihren Gefangenen alleine lässt, um zu telefonieren. Dunkelheit. Taschenlampen. „It is through death that we both live.“ Waffe wegwerfen. Entkommene Follower. Keine Verstärkung. KEINE Verstärkung. Nie.

Nicht plausibel

Debra Parker (Annie Parisse) versucht verbissen, uns die Philosophie der Carrollisten näherzubringen. Doch die Erklärung, dass Joe seine Follower mit der Hilfe von Erlösungsversprechen anwerben konnte, ist - gelinde gesagt - unplausibel: Wenn man sich die bisher bekannten Follower vor Augen führt - „There is a few hardcore psychos, some first-timers, some groupies...“ - scheinen sie doch eher Spaß am Töten im Jetzt zu haben, als sich dadurch Chancen auf ein besseres Jenseits zu erhoffen. Es mag ja sein, dass sich auch Killer - wie Roderick - einfach nach einem Ort sehnen, an dem sie sie selbst sein dürfen, aber warum genau im Umfeld von Joe? Weil er so gut mit Worten umgehen kann??????? Wegen seiner bahnbrechenden „story about death“?????????

Der Preis für das gestörteste Realitätsempfinden wird von zwei Frauen hart umkämpft. Entweder geht er am Ende an Emma. Sie geht nämlich davon aus, dass Claire ihr bei ihrem Wiedersehen erleichtert um den Hals fällt, nachdem sie doch nur ein wenig ununterbrochen gelogen, ihr Vertrauen missbraucht und ihren Sohn entführt hat.

Oder aber Joes Exfrau gewinnt die renommierte Auszeichnung selbst. Sie ist überzeugt, das Haus der Follower ungehindert verlassen zu können, nur weil sie etwas früher aufsteht als sonst. Vielleicht hätte sie es ja geschafft, wenn sie nicht noch Stunden in ihre Frisur und ihr Make-up investiert hätte, bevor sie ihren Sohn im Schlafanzug aus dem Haus geschleift hätte. Nicht weniger albern ist übrigens die darauffolgende Zusammenrottung schweigender Killer um sie herum. Immerhin konnten die beiden Nominierten die Zuschauerherzen durch ihren ordentlich physischen Schlagabtausch für einen Moment höherschlagen lassen.

Annie Parisse in der undankbaren Rolle der Musteragentin Debra Parker. © FOX
Annie Parisse in der undankbaren Rolle der Musteragentin Debra Parker. © FOX

Claire führt das Leben in ihrer Traumwelt mit einer eigenwilligen Patzigkeit. So verdreht sie gequält die Augen, als Joe ihr Zimmer betritt - als fürchte sie keinen psychopathischen Exmann, sondern ein lästiges Gespräch mit der redseligen Tante. Was will sie damit erreichen, den gestörten Mann strategisch zu provozieren? Dass Joe so genervt von ihr ist, dass sie gehen darf? Wo wir gerade bei schwierigen Fragen angekommen sind:

Warum...

  • ist die Kommunikation über Satellitentelefone nicht länger nötig?
  • versucht niemand auch nur ansatzweise zu helfen, wenn ein Mann blutend am Boden liegt?
  • kann man durch Panzerglas zwar nicht durchschießen, aber trotzdem jedes noch so zaghafte Flüstern auf der anderen Seite problemlos verstehen?
  • fällt niemandem die Ähnlichkeit zwischen Roderick und Westons Phantombild auf?
  • ist Parker der Boss von irgendjemandem?

Fazit

Es ist schlichtweg unmöglich, The Following bis in die nunmehr zwölfte Episode zu verfolgen, ohne sich über die diffuse Konzeptlosigkeit und die ausufernde Dummheit der Charaktere zu wundern. Es will den Autoren einfach nicht gelingen, eine an sich verheißungsvolle Serienidee mit nachvollziehbarem Inhalt anzureichern. Die Enttäuschung über dieses Unvermögen manifestiert sich - trotz der erwähnten gelungenen Aspekte - in der harschen Bewertung dieser Episode.

Obwohl man im Laufe von The Curse zeitweise das Gefühl hat, sich endlos im Kreis zu drehen, schreitet die Handlung doch voran. Die FBI-Agenten können trotz ihrer zweifelhaften Kompetenz nicht mehr weit von der Entdeckung von Carrolls Hauptquartier entfernt sein. Zu diesem Zeitpunkt blickt die Rezensentin den verbleibenden drei Episoden - und der unheilschwanger drohenden zweiten Staffel - der selbstverschuldeten Dramedy mit einer Mischung aus ungläubiger Skepsis und schadenfrohem Voyeurismus entgegen.

Wenn Hardy dann im Staffelfinale Carrolls Anwesen - in dem gerade der Strom ausgefallen ist - im Alleingang stürmt, kann er ja Joe erschießen und dessen Roman mit einem Happy End versehen. Zumindest bevor er wegen leichten Atemproblemen ausgerechnet auf der Krankenstation landet, wo Molly gerade ihre Schicht absolviert.

In der zweiten Staffel machen Mike und Jacob dann mit Maschinengewehren Jagd auf alles, was sich bewegt. Vieles ist möglich im Wunderland namens The Following. Außer Verstärkung.

Verfasser: Thordes Herbst am Mittwoch, 10. April 2013
Episode
Staffel 1, Episode 12
(The Following 1x12)
Deutscher Titel der Episode
Der Schmerz in unserem Dasein
Titel der Episode im Original
The Curse
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Montag, 8. April 2013 (FOX)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Donnerstag, 22. August 2013
Regisseur
David Von Ancken

Schauspieler in der Episode The Following 1x12

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