The Following 1x13

The Following 1x13

Die Serie The Following kann sich in der Episode Havenport zwar nicht neu erfinden - Alleingänge und Entführungen stehen weiterhin hoch im Kurs. Doch dieses Mal gibt es außerdem gelungene Überraschungen und eine unterhaltsame Machtverlagerung.

Kevin Bacon als Ryan Hardy neben dem FBI-Agenten Weston (Shawn Ashmore) in „The Following“. / (c) FOX
Kevin Bacon als Ryan Hardy neben dem FBI-Agenten Weston (Shawn Ashmore) in „The Following“. / (c) FOX

Nach den enttäuschenden Episoden aus der jüngeren Vergangenheit von The Following kann sich die Serie mit der Episode Havenport endlich wieder steigern. Zwar gibt es auch in der vorvorletzten Folge der ersten Staffel Momente, die wir bereits aus dem Format kennen, oder aber haarsträubende Sequenzen, die außerhalb dieses Formates keinerlei Daseinsberechtigung hätten. Doch dafür mischen sich einige unerwartete Wendungen in die Hardy-Show namens „The Following“.

Déjà vu

Es ist den Autoren Vincent Angell und David Wilcox - die für die Drehbücher dieser 13. Episode verantwortlich sind - hoch anzurechnen, die Handlung nicht in einem ermüdenden Katz-und-Maus-Versteckspiel zwischen Roderick (Warren Kole) und Mike Weston (Shawn Ashmore) stranden zu lassen. Gleichzeitig ist es aber schade, dass sich die FBI-Agenten und die Follower in der zweiten aufeinanderfolgenden Episode auf die Suche nach ein und derselben Person begeben. Die Hatz auf Roderick ist im Vergleich zu der Jagd auf Daniel Monroe aber gleich wegen mehrerer Gründe besser gelungen.

Zum einen ist einem Roderick nicht egal. Damit stellt er eine große Ausnahme unter den Followern dar, die auch in dieser Episode wieder tüchtig verheizt werden. Zum anderen gibt es zwar wieder einmal eine Entführung - sogar eine doppelte. Dabei sind die scheinbar tatsächlich unvermeidlichen Alleingänge Hardys (Kevin Bacon) aber etwas besser gerechtfertigt und dabei größtenteils so hell in Szene gesetzt, dass man erkennen kann, was in dem aktuell verlassenen Gebäude vor sich geht.

Entwicklungen

Kole kann als Roderick glaubhaft vermitteln, wie sich sein Glaube in Joe Carroll (James Purefoy) erst in entzauberte Enttäuschung verwandelt, um dann in verbissenen Trotz umzuschlagen. Joes unbewegtes Gesicht hingegen macht im Laufe der Episode eher einen stumpfsinnigen Eindruck, als dass es überlegen wirkt. Erst am Ende, als der Killer wieder mal von seiner Hardy-Flatrate Gebrauch macht, wird deutlich, dass er vom Raubtier endgültig zum Gejagten mutiert ist. Neben seiner resoluten Reaktion auf Claires (Natalie Zea) hysterischen Weinkrampf („I am having a really bad day.“) tut sich Purefoy insbesondere am Ende der Episode durch sein Spiel hervor. Der bebende Wahnsinn, der jetzt in Joes Stimme mitschwingt, lässt den in die Ecke gedrängten Killer noch bedrohlicher erscheinen. Aber im Grunde genommen spielt Carroll im Moment lediglich die zweite Geige...

Mike Weston (Shawn Ashmore) wird durch die eigenen Männer attackiert. © FOX
Mike Weston (Shawn Ashmore) wird durch die eigenen Männer attackiert. © FOX

Opfer war gestern

Ryan Hardy darf sich eindrucksvoll aus der Rolle des permanenten Opfers herauskämpfen. Zuvor muss er nach Rodericks Flucht aus dem Polizeirevier aber noch einen furchtbar kitschig geratenen Moment über sich ergehen lassen. In diesem erwidert er nämlich auf Westons rührseliges „He was right in front of me“ - das gar durch Klaviergeklimper in Szene gesetzt wird - ein väterliches „We will get him“...

Dann nutzt der Exagent eine Presseansprache dafür, die Solidarität innerhalb der Follower-Gemeinschaft auf eine harte Probe zu stellen, indem er einem redseligen Deserteur Straffreiheit in Aussicht stellt. Der appetitliche Twist besteht dabei darin, dass das FBI von Ryans unerhörtem Angebot keine Ahnung hat. Die Tatsache, dass es sich hierbei nicht um eine „offizielle“ Offerte handelt, verhilft der Wendung zu mehr Glaubhaftigkeit (ja, in The Following!).

The Ryan Hardy Juice

Start with Ryan Hardy!“ Nachdem Joe selbst noch einmal die übergeordnete Stellung des Exagenten innerhalb der FBI-Streitkräfte betont hat, darf sich Ryan in der Folge wieder und wieder selbst beweisen. Er fängt Roderick persönlich ein, bekommt für seine eigenmächtig organisierte Pressekonferenz nicht mehr als einen wohlwollenden Rüffel von Nick Donovan (Mike Colter) und muss lediglich mit den Fingern schnipsen, um das zu bekommen, was er möchte. Doch was bleibt den Kollegen vom FBI auch anderes übrig? Ryan ist fraglos ihr bester Mann.

Falsches Spiel

I give you the boy. And you give me my freedom.“ Obwohl Hardy seine Pläne in Bezug auf Roderick sehr wohl mit Debra Parker (Annie Parisse) abgesprochen hat, hätte man zu diesem Zeitpunkt auch das Gegenteil annehmen können. Wenn man zu jeder Zeit den Einäugigen unter den Blinden verkörpert, ist ein wenig Größenwahn nicht sonderlich unwahrscheinlich. Doch eigentlich ist Weston bereits im Kofferraum zur Stelle - aus dem er sich auf magische Weise befreien kann.

Es ist ein wenig schade, dass in Havenport mit Roderick einer der vielversprechendsten Strategen von uns geht. Als er mit Hardy alleine unterwegs ist, agieren die beiden so vorausschauend und professionell, dass man sie als Lehrer für Agentenschulungen anwerben möchte. Zur gleichen Zeit wird Joe immer mehr zur tragischen Gestalt, während er in einem verdunkelten Raum seine Notizen in ein Büchlein kritzelt.

Einsicht

Die Rezensentin musste bei Westons denkwürdiger Feststellung, als er und Hardy sich mal wieder feindlichen Schüssen ausgesetzt sehen, laut auflachen: „Can't be our guys - they're waiting for my call!

Wenn Roderick Weston erwischt hätte, würden Parker und Co wahrscheinlich noch heute in ihrem Dienstwagen sitzen. Glücklicherweise kann Weston aber den entscheidenden Anruf tätigen, woraufhin die Kollegen auch sofort zur Stelle sind - nachdem sie noch einen Snack zu sich genommen und ihr Kreuzworträtsel zu Ende gelöst haben.

Roderick (Warren Kole) muss in dieser Episode leider sterben. © FOX
Roderick (Warren Kole) muss in dieser Episode leider sterben. © FOX

And we have Ryan bloody Hardy to thank for that...“ Man sollte dem herzkranken Agenten einfach eine Schärpe mit „Most awesome Good Guy 2013“ umhängen, dann müsste man diese Tatsache nicht immer wieder mit allen verfügbaren Mitteln betonen.

Neben dem desillusionierten Roderick macht auch Nico Tortorellas Jacob eine gute Figur. Nach seinem tränenlastigen Hilferuf aus der vorangegangenen Episode The Curse überlässt er Joey nun dem notorischen „Good Guy“ Hardy. Der darauffolgende Moment zwischen ihm und der gleichermaßen verstörten Emma (Valorie Curry) strahlt eine hübsche Sensibilität aus. Letztendlich existiert auch in Emma ein „schluchzendes kleines Mädchen“, selbst wenn sie das Gegenteil beteuert. Neben Hardys Erstarkung gehören definitiv auch die wankelmütigen Bündnisse zwischen den einzelnen Followern zu den Highlights der Episode.

Ende mit Schrecken

I want to make a deal“, sagt Claire zu ihrem Exmann. Wenn zwei grenzenlos verblendete Menschen zusammenfinden, kann auch das Abwegigste Realität werden. Schmalzige „My love for you“-Musik unterlegt auf derartig penetrante Weise die neuerliche Annäherung der früheren Eheleute, dass einem ganz anders wird. Dafür ist in Form von Claires Racheakt - indem sie Joes Bauchdecke und die soapigen Anwandlungen der Serie gleichermaßen zerschlitzt - dann ein hübsches WTF-Momentchen gelungen.

Sadly it is time for Claire to die.“ Selbst in Kombination mit Joes dramatischer Geste des ins Feuer geworfenen Whiskeyglases kann einen Claires potentielle Hinrichtung nicht wirklich in Angst und Schrecken versetzen - dafür hat sich ihr Charakter bereits viel zu entbehrlich gemacht. Als wäre dies auch den Drehbuchautoren von The Following klar geworden, wird schnell noch Melissas (Susannah Hart Jones) unerwartete Attacke auf Nick Donovan nachgeliefert. Neben dem schockierenden Effekt beinhaltet diese Wendung zudem das Potential, Hardys Heldentum einen Dämpfer zu verpassen - schließlich hat er den Übergriff durch seine Pressekonferenz in gewisser Weise provoziert...

Fazit

Das The Following-Rezept kommt auch in Havenport nicht ohne dunkle Gebäude, Alleingänge, belanglose Tote und Telefonate zwischen Ryan und Joe aus.

Glücklicherweise gibt es aber gleichzeitig eine Reihe von gelungenen Überraschungen und nun eine vielversprechende Ausgangssituation. So wurde durch Roderick angedeutet, dass Joe insgeheim noch einen Plan verfolgen könnte, von dem er nicht einmal seinem Stellvertreter berichtet hatte. Zudem zeigt Melissas aggressiver Schlussakt, dass die Follower gar nicht daran denken, ihrem Mentoren die Gefolgschaft zu kündigen. Seit langer Zeit ist es jetzt wieder möglich, dem nahenden Staffelfinale von „The Following“ mit erwartungsvollen Gefühlen entgegenzublicken.

Verfasser: Thordes Herbst am Dienstag, 16. April 2013
Episode
Staffel 1, Episode 13
(The Following 1x13)
Deutscher Titel der Episode
Das Abweichen vom Wege
Titel der Episode im Original
Havenport
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Montag, 15. April 2013 (FOX)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Donnerstag, 29. August 2013
Regisseur
Nicole Kassell

Schauspieler in der Episode The Following 1x13

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