The Following 1x14

The Following 1x14

Die vorletzte Episode der Jungfernstaffel von The Following wird von ausuferndem Wahnsinn, Entführungen und einem blutigen Ablenkungsmanöver dominiert. Obwohl es durchaus spannend wird, gibt es auch near to the end einiges zu bemängeln.

Kevin Bacon als Ryan Hardy neben dem FBI-Agenten Weston (Shawn Ashmore) in „The Following“. / (c) FOX
Kevin Bacon als Ryan Hardy neben dem FBI-Agenten Weston (Shawn Ashmore) in „The Following“. / (c) FOX

Crazy Carroll

Joe Carroll (James Purefoy) hat sein bedrohliches Potenzial fast verwirkt. Was ihm als tragische Gestalt noch bleibt, ist die Unberechenbarkeit, die naturgemäß mit fortgeschrittenem Wahnsinn einhergeht. Er brabbelt manisch vor sich hin, betäubt sich mit Tabletten und trinkt so viel, dass er ein wenig an seinen Antagonisten Ryan Hardy (Kevin Bacon) erinnert - an einem schlechten Tag.

Merkwürdigerweise ist Jacob (Nico Tortorella) der einzige Follower, der realisiert, dass Carroll einem vielleicht doch eher einen nichtssagenden Tod beschert, als dem Leben einen tieferen Sinn zu stiften. Die übrigen Killer, die sich zu diesem Zeitpunkt noch in dem gefährdeten Hauptquartier befinden, stimmen nach wie vor enthusiastisch in dessen ausgelaugtes „Tod ist...“-Mantra mit ein: „In death there is life“ und „love“ und überhaupt „everything“. Wahrscheinlich kann man „death“ auch mit flauschigen Hundewelpen und einer Timeshare-Immobilie auf Mallorca gleichsetzen.

It is time for Claire to die!

Dank intensivem Gegrübel und Hardys Sextape kommt Carroll zu dem Schluss, dass Claire (Natalie Zea) sterben muss, damit Hardy auferstehen kann, um dann ... zu sterben? Während sich die Angst um Claires Figur zu diesem Zeitpunkt - gelinde gesagt - in Grenzen hält, ist die übergeordnete Aufmerksamkeit, die Joe seinem Romanhelden Ryan entgegenbringt, nicht ungerechtfertigt. So ist es mal wieder Monsieur „dead men walking“ Hardy, der nach einem flüchtigen Blick auf einen Wust aus Landkarten routiniert die Stelle ausfindig macht, an dem sich das Haus von Carrolls Anhängern befindet.

Fortan befindet sich die gesamte Gegend im Ausnahmezustand. Als ein Fernsehreporter verkündet, dass das FBI „in full force“ zugegen ist, fördert dies die beklemmende Angst der Zuschauer weit effektiver als jede von Joes tödlichen Metaphern.

Die willkürlich anmutende Art und Weise, in der die Handlung nun voranschreitet, ist fast so verwirrend wie Carrolls Interpretation des Todes. Immerhin führen Carrolls Flucht und die Aktivierung seiner Follower dazu, dass zumindest Kevin Bacon mal wieder ein wenig glänzen darf: Seine Suche nach verborgenen Followern in der Menschenmasse vor dem Präsidium ist ebenso stimmig inszeniert wie die Art und Weise, in der der Ex-Agent die Zivilisten im Evakuierungszentrum mit seinen Blicken abtastet. Man kann förmlich durch Hardys Schädeldecke hindurch betrachten, wie er die Verdächtigen nach einander auf Anzeichen von Wahnsinn untersucht.

Joe (James Purefoy) im Todesgebet an der Seite seiner Anhängerin Aimee (Meredith Hagner). © FOX
Joe (James Purefoy) im Todesgebet an der Seite seiner Anhängerin Aimee (Meredith Hagner). © FOX

Dinner for Joe

Im Haus eines unbescholtenen Ehepaares scheinen die Macher von The Following zwei entscheidende Akzente setzen zu wollen. Joe beginnt plötzlich damit, Pasta zu kochen, weil er hungrig ist - und weil das zwangsverordnete Mahl zudem noch einmal seinen fortgeschrittenen Wahnsinn widerspiegelt. Außerdem bekommt Claire die Gelegenheit, sich ein wenig unentbehrlicher zu machen.

Tatsächlich gelingt es ihr innerhalb von wenigen Sekunden eindrucksvoll, sich von so manchem Fauxpas der Vergangenheit zu rehabilitieren: Claire lässt sich strategisch von ihren Handfesseln befreien und greift im richtigen Moment nach der Weinflasche, um sie ihrem verrückten Exmann über den Kopf zu schlagen. Auch ihre Eingebung, Joe noch ihre Gabel in seine offene Wunde zu rammen, ist hübsch improvisiert.

Jacob und Emma (Valorie Curry) haben einen alkoholisierten Irren - der noch dazu verletzt und durch seinen Blutverlust geschwächt ist - mit drei zu allem bereiten Geiseln alleine gelassen. Diesen Fehler können sie ein Stück weit wiedergutmachen, indem sie zumindest Claire wieder einfangen - was dank ihres selbstlosen Einsatzes für die Ko-Geiseln auch wirklich ein bisschen fies rüberkommt.

Red Death

So we are in methaphor-land with Joe“, sagt Debra Parker (Annie Parisse) sehr treffend, bevor der Terror im Evakuierungszentrum seinen Lauf nimmt. Das Chaos, das sich in der örtlichen Turnhalle entfaltet, ist spannend und verstörend zugleich. Leider kommt der fesselnde Eindruck nicht zuletzt dadurch zustande, dass das Licht gelöscht wird. Auch das grob fahrlässige Versäumnis der Gesetzeshüter, die Identitäten ihrer Schutzbefohlenen nicht zu überprüfen - obwohl doch allseits bekannt ist, dass es in der Gegend nur so von Followern wimmelt -, spielt eine tragende Rolle dabei, diese Situation überhaupt erst zu ermöglichen.

Bloody End

Während sich neun irrelevante Follower wie suizidale Fliegen dafür opfern, Joe durch ihr blutiges Ablenkungsmanöver die Flucht zu ermöglichen, agiert Jacob weiterhin als Stimme der Vernunft. Er hat endgültig keine Lust mehr, für Joe zu sterben, und würde viel lieber ein neues Leben mit Emma beginnen. Es ist beruhigend, dass selbst Jacob - als Follower der ersten Stunde - den tieferen Sinn von Joes Masterplan noch nicht vollends zu schätzen weiß.

Das romantische Gesäusel zwischen Jacob und seiner Emma findet sein Ende in einem sauberen Kehlschnitt. Jacobs Tod kann zu diesem Zeitpunkt zwar keinen Moment der Überraschung beisteuern - dafür ist Emmas Hingabe für Joe viel zu tief verwurzelt. Doch immerhin kann Jacobs wankelmütige Charakterentwicklung auf diese Weise zu einem plausiblen Abschluss gebracht werden: Ein junger Mann, der sich insgeheim nach einer tieferen zwischenmenschlichen Verbindung sehnte, stirbt enttäuscht, entkräftet - und ein wenig lebensmüde - in den Händen seiner Auserwählten.

Woher hätte das FBI auch wissen sollen; dass sich Follower unter die unschuldigen Menschen mischen würden? © FOX
Woher hätte das FBI auch wissen sollen; dass sich Follower unter die unschuldigen Menschen mischen würden? © FOX

Entführungswahn und der Appell an eine Urangst

Entführung von Claire Nummer X. Claire entkommt, um wenig später erneut aufgegriffen zu werden, während zur gleichen Zeit auch noch Parker entführt wird. Gerade als man sich fragt, wann wohl Joey (Kyle Catlett) wieder als Entführungsopfer herhalten muss, präsentiert uns The Following noch einen sehr düsteren Cliffhanger:

Die bemitleidenswerte Debra Parker wird von zwei Followern in einem Waldstück lebendig begraben. Dieser grausame Akt stellt zwar ein gern verwendetes filmisches Motiv dar, doch es verwirkt auch hier nicht seine verstörende Wirkung. Während sich die Agentin herzzerreißend ihre Seele aus dem Leib schreit, lässt uns die Serie bis zum großen Finale The Final Chapter in beklommener Dunkelheit zurück.

Fazit

Der Episode The End is Near gelingt das kleine Kunststück, den Zuschauer wieder ein Stück weit mit Claire zu versöhnen. Obwohl der Rezensentin auch das Schicksal von Frau Matthews nun nicht mehr vollkommen gleichgültig ist, blickt sie der Zukunft von Debra Parker mit weit größerer Sorge entgegen.

Indem mit Jacob die feinfühligste Follower-Figur aus dem Weg geräumt ist, kann sich das Finale der ersten Staffel von The Following theoretisch in seiner ganzen Herzlosigkeit entfalten. Es bleibt zu hoffen, dass es Joes Charakter - trotz seiner offenkundigen Labilität - gelingen kann, der durchwachsenen Jungfernstaffel zu einem Ende zu verhelfen, welches die Verlängerung der Serie für eine zweite Staffel rechtfertigt. Vielleicht wäre es im Angesicht von Carrolls wenig vielversprechender Konstitution nicht die schlimmste Katastrophe, wenn er Jacob und dem guten alten Roderick dabei in die schillernde Wunderwelt namens Death folgen würde.

Obwohl The Following - insbesondere in den beiden aktuellsten Folgen - durchaus positive Aspekte aufweist, besteht in der furiosen Überdosis aus Entführungen, Hardys unvergleichlicher Intuition und dem verlässlichen Versagen des FBI - das sich stets in undurchdringlicher Dunkelheit manifestiert - nach wie vor ein nicht zu verleugnendes, dramaturgisches Ärgernis.

Verfasser: Thordes Herbst am Dienstag, 23. April 2013
Episode
Staffel 1, Episode 14
(The Following 1x14)
Deutscher Titel der Episode
Jener krankhafte Geisteszustand
Titel der Episode im Original
The End is Near
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Montag, 22. April 2013 (FOX)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Donnerstag, 5. September 2013
Regisseur
Joshua Butler

Schauspieler in der Episode The Following 1x14

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