The Following 1x06

The Following 1x06

Die Killerserie The Following tut sich in der neuen Episode durch ein hohes Maß an Spannung, durch psychologische Kniffe und sogar einen Hauch von Humor hervor. Außerdem gewinnt die Figur der Debra Parker dank Einblicken in ihre Vergangenheit an Substanz.

Der technikversierte Agent Mike Weston (Shawn Ashmore) ist in die Ermittlungen am PC vertieft. / (c) FOX
Der technikversierte Agent Mike Weston (Shawn Ashmore) ist in die Ermittlungen am PC vertieft. / (c) FOX

Der Cliffhanger der vorangegangenen Episode The Fall hatte Ryan Hardy (Kevin Bacon) in der Gewalt der Follower Emma (Valorie Curry), Jacob (Nico Tortorella), und Paul (Adan Canto) zurückgelassen.

Obwohl die Situation also durchaus ernst ist, kommt es zu einer Sequenz, die in puncto Humor den bisherigen Höhepunkt von The Following darstellt.

Galgenhumor

Es manifestiert sich ein erquicklicher verbaler Schlagabtausch zwischen dem lebensmüden Hardy und den Juniorkillern. Besonders Jacob lässt sich von dem bedrohlichen Verhalten des Ryan „Spine-Cracker“ Hardy das Fürchten lehren: „He is FBI. He knows this stuff.

Hierbei wird wieder der besondere Reiz des Killertrios deutlich. So mögen die drei zwar tiefe Abgründe verbergen - und Emma und Paul haben ja in der Tat schon gemordet -, aber in dieser Ausnahmesituation zeigt sich deren mangelnde Abgebrühtheit. Besonders Emma kann jedoch mithilfe eines Elektroschockers ihre eigene Unsicherheit wegtasern und sich als wahre Anführerin des Dreiergespanns profilieren. Zwar ist es nicht nachvollziehbar, warum die drei zulassen, dass Hardy ungeknebelt wieder und wieder die mörderische Atmosphäre vergiften darf. Dem Unterhaltungswert ist das allerdings selbstverständlich zuträglich.

Claire auf Abwegen

Claire (Natalie Zea) hatte sich freiwillig und höchst unvernünftigerweise in die Gewalt ihres persönlichen Stalkers Charlie (Tom Lipinski) gebracht. Diesem Gefolgsmann von Joe Carroll (James Purefoy) sieht man die Traumata seiner militärischen Vergangenheit deutlich an. Charlie wartet in seinem düsteren Versteck auf Weisung von Roderick, der einen übergeordneten Status innerhalb der Gemeinschaft der Follower einnimmt.

Claire Matthews in der Gewalt des Followers Charlie. © FOX
Claire Matthews in der Gewalt des Followers Charlie. © FOX

Die Interaktion der beiden verdeutlicht ein weiteres Motiv, das die Follower in die Fänge des Killerkultes treibt. Wahrscheinlich aufgrund der Kriegswirren - vielleicht in Kombination mit einer psychischen Prädisposition - war Charlie nicht länger zu emotionalen Handlungen fähig. Von Carroll verspricht sich der Ex-Soldat Hilfe dabei, überhaupt wieder etwas zu spüren. Bei seiner jahrelangen Observation von Claire hat er sie dann auch kennen und sogar lieben gelernt, was seine Gefangene intuitiv erahnt. Bevor die Spezialkräfte Charlies Versteck stürmen, gibt es interessante Einblicke in das Innenleben eines Mannes, der zwischen aufkeimender Zuneigung für eine Frau und dem ausgeprägten Pflichtgefühl gegenüber seinem Mentor zerrissen wird.

Wieder einmal erstaunen die Cops in The Following durch eigenwillige Herangehensweisen. Sobald ein Verbrecher nämlich clever genug ist, eine Rauchbombe zu zünden und dann noch ein paar Schritte zu laufen, gilt er offiziell als „gone“ und muss nicht länger verfolgt werden.

Kräftemessen

Auch auf Seiten der FBI-Agenten kann man sich als Laienpsychologe versuchen. Debra Parkers (Annie Parisse) Versuch, an den Menschen im Monster namens Emma zu appellieren („What I like about your art is that all of the faces resemble your mother“), kommt zwar noch etwas platt daher.

Nachdem wir die FBI-Agentin jedoch anhand von Rückblenden aus ihrer Jugend in einer Sekte etwas näher kennenlernen, werden die Psychospielchen komplexer. Die junge Debra war dazu verdammt, im Namen einer religiösen Auslegung mit dem viel älteren, spirituellen Führer zu schlafen. Von Seiten ihrer verblendeten Mutter konnte sie keinerlei Hilfe erwarten. Dennoch hatte sie schon damals - und gegen alle Widrigkeiten - Stärke bewiesen.

Diese Kraft zahlt sich nun aus, als sie sich mit Emma messen muss. Die Mörderin wollte das FBI durch eine rührselige Geschichte in die Irre führen - doch Parker durchschaut ihren Plan und geht auf geschmeidige Weise in die Gegenoffensive. Hat sich Emma nach der geringschätzigen Behandlung durch ihre Mutter mit Carroll nicht gleich dem nächsten missbräuchlichen Geist ausgeliefert? 1:0 für Parker.

Ryan Hardy und Mike Weston vor dem Haus der drei Follower © FOX
Ryan Hardy und Mike Weston vor dem Haus der drei Follower © FOX

Erwischt!

Dann geht alles sehr schnell. Emma lässt ihre Kumpanen als Opferlämmer im Haus zurück, um mit Joey (Kyle Catlett) zu fliehen. Als sich ihr Mike Weston (Shawn Ashmore) und die Polizistin Marsden (Lisa Joyce) in den Weg stellen, wähnt man Claires Sohn schon fast in Sicherheit. Das hat man nun davon, wenn man seinen Follower-Spürsinn vernachlässigt: Die so zart wirkende Frau offenbart sich als Mitglied im Team Roderick.

Es deutet sich unheilschwanger an, wie hoch die Zahl der potentiellen Follower tatsächlich sein kann, als zwei weitere von ihnen - getarnt als Spezialkräfte - das belagerte Haus stürmen. Als man bereits dachte, dass die individuellen Killer im großen Plan des Joe Carroll als austauschbar und wertlos betrachtet werden, wird Jacob und Paul somit doch noch die Flucht ermöglicht.

In einem neuerlichen Alleingang gelingt es Hardy zwar, die korrumpierte Polizeibeamtin auszuschalten - Emma kann mit Joey jedoch entkommen. Kevin Bacon schafft es in den folgenden Momenten besonders eindrucksvoll, uns Einblicke in das von Auflösung bedrohte Innenleben seines Charakters zu verschaffen.

Emotionen überall

Am Ende der Episode präsentiert The Following seinen Zuschauern noch eine großzügige Portion emotionalen Tiefgangs. Emma trennt sich schweren Herzens von ihren beiden Kumpanen, der verletzte Paul findet in Jacob eine verlässliche Stütze und Claire kann sich endlich aufgewühlt in die Arme von Ryan flüchten. Die besondere Faszination besteht hierbei darin, dass man auch die drei Follower so weit ins Herz geschlossen hat, dass man ihnen Empathie entgegenbringt.

Fazit

Die Episode The Fall kann mit jeder Menge Spannung, mit psychologischer Kriegsführung und überraschenden Wendungen sowie gar einem Anflug von Witz auftrumpfen. Nach den eher durchwachsenen Episoden der Vergangenheit rehabilitiert sich die Killerserie, obwohl sich an der Ausgangssituation des entführten Kindes eigentlich nichts verändert hat.

Besonders Annie Parisse kann sich in dieser Folge hervortun und ihren Charakter mit Leben erfüllen. Und wenn man Carrolls Worten Glauben schenken mag, wird es in nächster Zeit in der Welt von The Following nicht ruhiger werden - das nächste Kapitel hat gerade erst begonnen...

Verfasser: Thordes Herbst am Dienstag, 26. Februar 2013
Episode
Staffel 1, Episode 6
(The Following 1x06)
Deutscher Titel der Episode
Erkenntnisse in ungeheuren Abgründen
Titel der Episode im Original
The Fall
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Montag, 25. Februar 2013 (FOX)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Donnerstag, 11. Juli 2013
Regisseur
Marcos Siega

Schauspieler in der Episode The Following 1x06

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