The Following 1x05

Nach eher enttäuschenden Episoden von The Following kann die Serie mit The Siege endlich zeigen, welches Potential für spannende Unterhaltung in ihr steckt. Bedauerlicherweise muss man auf dem Weg bis zum vielversprechenden Cliffhanger auch haarsträubenden Irrsinn der unangenehmen Art über sich ergehen lassen.
Ménage-à-trois - Killerstyle
Alles könnte so schön sein im Hause der Serienkiller: Emma (Valorie Curry) hat in ihrem komfortablen Landhaus gleich zwei Modelkörper zur Auswahl, an die sie sich schmiegen kann. Die Dreiecksdynamik der Follower gehört momentan sicherlich zu den interessantesten Aspekten von The Following. Während zuvor noch der aufbrausende und eifersüchtige Paul Torres (Adan Canto) die Harmonie innerhalb der Gruppe gefährdet hatte, ist es nun Jacob (Nico Tortorella). Er hat noch immer nicht gemordet und erscheint lange nicht so abgebrüht wie die anderen beiden. Leider wird es in dieser Folge versäumt, die Charakterzeichnung voranzutreiben. Während Emma mittlerweile bereits eine gewisse Dreidimensionalität aufweist, hebt die unkomplizierte Verlagerung der „Position des fünften Rades“ von Paul auf Jacob hervor, wie austauschbar die beiden im Grunde genommen noch sind.
Hardy, redeputized
Ryan Hardy (Kevin Bacon) macht in seinen Ermittlungen größere Fortschritte, als sein Antagonist Joe Carroll (James Purefoy) erwartet hatte. Über die Anwältin Olivia Warren (Renee Goldsberry), mit der er schon früher zusammengearbeitet hatte, lässt er einen Text von Edgar Allan „It is Poe“ Poe verlesen. Es ist zwar nicht plausibel, dass es den Fernsehsendern in einem derartig prekären Fall gestattet wäre, ihre Botschaft auszustrahlen, aber immerhin werden auf diese Weise die Follower Hank (Josh Segarra) und Roderick (Tom Lipinski) aktiviert.
Während sich die Spannungskurve langsam steigert, sorgt Debra Parkers (Annie Parisse) charmante Kurzfassung von Hardys Amtseid, den sie mit ihrem routinierten „you are deputized“ zu einem krönenden Abschluss bringt, für eine kurze humorige Auflockerung.
Verhängnisvolles Timing und ein Hauch von CSI
Zur gleichen Zeit, als es dem erfrischend aufgeweckten Knaben Joey (Kyle Catlett) gelingt, sich nach dem Anruf bei seiner Mutter sogar aus dem Haus zu stehlen, macht sich Claire (Natalie Zea) auf den Weg, um ihren Sohn zu retten. Das Lob für den herausragendsten Darsteller dieser Episode hat sich Joey reiflich verdient. Die Mischung aus kindlicher Naivität und störrischem Misstrauen ist kindgerecht und lässt seinen Charakter zum Leben erwachen.

Obwohl der Polizist Scott Turner (John Lafayette) bereits ahnt, dass Claire sich von ihren mütterlichen Instinkten und einer großzügigen Prise besorgniserregendem Leichtsinn in eine Falle locken lässt, kann sie ihm durch den 08/15-Badezimmer-Fluchttrick entkommen. Somit sorgt sie im Alleingang dafür, dass der Gegenseite nicht plötzlich die Trümpfe ausgehen.
Dank der fantastischen technischen Möglichkeiten, die sich das FBI aus dem Genre der Science-Fiction entliehen hat, gelingt es Mike Weston (Shawn Ashmore), Paul als den Entführer von Meghan (Li Jun Li) zu identifizieren. Obwohl dies die Gegend, in denen sich die Kidnapper aufhalten könnten, ungemein einschränkt, begnügt sich das FBI zunächst damit, lediglich vier Beamte in den Einsatz zu schicken. Obamas Sparmaßnahmen scheinen besonders die fiktive Verbrechensbekämpfung hart zu treffen.
Verhängnisvolle Hilfsbereitschaft
Als ein nettes Pärchen aus der Nachbarschaft der Follower auf Joey stößt, unterschreibt es dadurch sein Todesurteil. Besonders die grenzenlose Gefühlskälte, die Emma an den Tag legt, sorgt für Gänsehaut. Während sie gegenüber Joey nach wie vor ihre Unschuldsmiene beibehält, fordert sie Paul derartig beiläufig dazu auf, ihr beim Töten zu assistieren, dass es einen richtiggehend gruselt. Neben Paul kommt ihr dabei zweifelsohne auch die Dummheit der zu mordenden Personen zugute: Obwohl sie durch die Nachrichten darüber informiert sind, mit wem sie es zu tun haben, verschließen die beiden nicht einmal ihre Haustür.
Verwirrende Neuzugänge
In Bezug auf den Polizisten, der Hardy bei der Suche nach dem Haus der drei Entführer zur Seite steht, tritt wieder das Follower-Syndrom in Kraft: Ist er bei dem Anblick der Leichen des Ehepaares schockiert - oder schwingt da nicht auch eine gewisse ehrfürchtige Bewunderung in seiner Reaktion mit? Es ist ohnehin nicht leicht, die verschiedenen männlichen Neuzugänge dieser Episode auseinanderzuhalten, geschweige denn sie den Seiten „gut“ und „böse“ zuzuordnen. Etwas mehr Diversität im Cast würde The Following sicherlich nicht schaden. Zum Glück werden zwei der Neuen gleich wieder aus der Handlung entfernt.
In der Scheune, die zu dem Landhaus der Follower gehört, wird es endlich richtig spannend: Hank, der auf dreiste, aber authentische Weise Ryans Kollegen überwältigt, Hardys Eingreifen und der doppelte Tod von Follower und eifrigem Polizisten - es darf mitgefiebert werden! Nach gründlicher Überlegung macht sich Hardy auch in der Episode The Siege - wie so oft - alleine auf in den Kampf.
Der lange Arm Carrolls
Joes zahlreiche Verbündete entfalten ihr bedrohliches Potential, als man endlich den Grund dafür erfährt, warum Olivia sich überhaupt zu der neuerlichen Zusammenarbeit mit Carroll bereit erklärt. Der Killer hat nicht etwa eines ihrer Familienmitglieder als Geisel nehmen lassen, sondern sie selbst mithilfe von Hank und der furchterregendsten Gartenschere der Welt derartig in Angst versetzt, dass ihr Kampfgeist nun gebrochen ist. Es ist zwar merkwürdig, dass sich eine versierte Juristin nicht irgendwie anders zu helfen weiß - doch wer kann sich schon in Olivias Situation hineinversetzen? Vielleicht weiß sie ja von weiteren Followern, die als „Schläfer“ in den Reihen der Gesetzeshüter positioniert sind?

Cliffhanger
Der Liebesgeschichte zwischen Ryan und Claire, bei der man trotz allen Zauderns aus der Folge Mad Love nicht erst seit Hardys „We will talk“ von einem glücklichen Ende ausgehen kann, wird glücklicherweise zugunsten der spannenden Elemente eine Pause gegönnt.
So findet sich Hardy am Ende nicht in einer romantischen Rückblende wieder, sondern sieht sich mit einer auf sich gerichteten Pistole konfrontiert. Obwohl sein Tod zu diesem Zeitpunkt keine ernstzunehmende Option ist, wird uns in der kommenden Episode hoffentlich die nervenzehrende Belagerung samt erquicklichem Psychoterror präsentiert werden, die der Titel The Siege eigentlich bereits für diese Folge angekündigt hatte...
Fazit
Bilder, wie das ermordete Pärchen, das vor den laufenden Fernseher drapiert wurde, oder die eine oder andere Luftaufnahme tragen eindeutig zum atmosphärischen Charme dieser Episode bei. Leider gibt es auch eine Reihe von - gelinde gesagt - fragwürdigen Elementen, wie Meghans unverhältnismäßig effektivem Knebelklebeband oder Westons Ausflug ins Land des technischen Nonsens, die sich negativ auf das Sehvergnügen auswirken.
Insgesamt kann sich The Following, nicht zuletzt durch den Zuwachs auf Seiten der Follower durch Roderick, steigern. Wenn man bereit ist, über die unnatürliche Dummheit einiger Charaktere und so manchen logischen Stolperstein hinwegzusehen, kann man sich - ähnlich wie die bemitleidenswerte Meghan - sicherlich noch für eine ganze Weile tatenlos zurücklehnen, um zu sehen, was noch kommt.
Verfasser: Thordes Herbst am Dienstag, 19. Februar 2013(The Following 1x05)
Schauspieler in der Episode The Following 1x05
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