The Following 1x04

The Following 1x04

Leider kann The Following mit der Episode Mad Love keine Begeisterungsstürme heraufbeschwören. Zwischen logischen Ungereimtheiten und übertriebener Charakterzeichnung können einige Lichtblicke den verlockenden Vibe des Dramas am Leben erhalten.

Emma kann in „The Following“ nicht fassen, dass Jacob sie belogen hat. / (c) FOX
Emma kann in „The Following“ nicht fassen, dass Jacob sie belogen hat. / (c) FOX

In der Episode Mad Love (1x04) der Serie The Following dürstet ein Follower im Alleingang nach Rache. Während dieser Handlungsstrang nicht den erhofften Nervenkitzel mit sich bringt, kommt es immerhin auf der Seite der übrigen Anhänger von Joe Carroll (James Purefoy) zu mitreißenden Entwicklungen.

The Life of Ryan

Eine Reihe von Rückblenden offenbart, dass der ehemalige Agent Ryan Hardy (Kevin Bacon) auch in der schweren Zeit nach der Festnahme von Carroll und seinem Auschluss aus dem FBI eine Bezugsperson in seinem Leben hatte. Seine Schwester Jenny (Susan Misner) musste damals mit ansehen, wie sich ihr Bruder kompromisslos dem Verfall durch Alkohol preisgab. Bacon leistet als volltrunkener Suffkopf zwar ganze schauspielerische Arbeit. Trotzdem macht das Drehbuch der neuen Episode von The Following es einem nicht immer leicht, mit dem Charakter des Ryan und all seinen tragischen Lebensumständen warm zu werden.

Mike Weston (Shawn Ashmore) lässt nichts unversucht, um seinem Idol näherzukommen. Während sich Ryan im Geiste die letzten Begegnungen mit seiner Schwester vergegenwärtigt, demonstriert Mike ihm noch einmal vehement seine Loyalität, indem er einen Anruf seiner Vorgesetzten Parker (Annie Parisse) abweist.

Im Gegensatz zum Weston der Gegenwart war es im Jahr 2005 Claire Matthews (Natalie Zea) gelungen, Zugang zu Hardys von Schmerz und Verlusten geprägter Vergangenheit erhalten. Nicht nur hatten Jenny und er beide Elternteile durch tragische Begebenheiten verloren, auch ihr großer Bruder war durch die Anschläge vom 11. September aus dem Leben gerissen worden. Anstatt einem Hardys verschlossenes Wesen und seinen verbitterten Kampf gegen menschliche Nähe näherzubringen, führt die Miteinbeziehung des amerikanischen Staatstraumas zu einer Art von emotionalem Overkill, der der Glaubhaftigkeit des Charakters eher schadet als nützt.

Maggies Alleingang

Hardy versucht, von Dr. Joe Carroll neue Informationen über Rick Kestons Exfrau Maggie (Virginia Kull) in Erfahrung zu bringen. Dabei appelliert er an den hohen Anspruch des Killers, mithilfe seiner Anhänger etwas Außergewöhnliches zu kreieren. Zwar lässt sich Carroll nicht durch den Ermittler aus der Reserve locken, aber immerhin offenbart sich, dass Maggie schon vor ihrer Bekanntschaft mit Joe sechs Menschen erstochen hatte. Umso bedrohlicher ist die Tatsache, dass die Psychopathin nun Jenny in ihre Gewalt gebracht hat: „How do you want me to kill your sister, Ryan?

Jennys einst behagliches Restaurant ist in der Gegenwart geschlossen und dient als unheimliche Kulisse für den Showdown zwischen Ryan und Maggie. Gerade als die Spannung ihren Höhepunkt erreicht hat und Ryan bewusstlos am Boden liegt, wechselt die Perspektive wieder in das Haus, in dem Joey Matthews (Kyle Catlett) gefangen gehalten wird. Von dem steten Wechsel der Schauplätze können beide Erzählstränge profitieren. Doch während das Follower-Trio bis zum Schluss spannende Unterhaltung bietet, enttäuscht Maggies Rachefeldzug gleich mehrfach.

Als Maggie einen Satz mit den Worten „One of my foster dads...“ einleitet, erwartet man bereits eine Erklärung für die abartige Verfassung ihrer Psyche. Doch statt verstörende Details aus ihrer Kindheit zu berichten, zückt Maggie eine Reihe von Magneten, mit denen sie Ryans Herzschrittmacher durcheinanderbringen möchte. Diese Tötungsmethode ist zwar durchaus unorthodox, kann jedoch nicht den gleichen Nervenkitzel wie ein beliebiger scharfkantiger Gegenstand hervorrufen. Außerdem taucht - besser sehr spät als nie - dann ohnehin Mike Weston auf der Bildfläche auf. Er erschießt die Serienmörderin auf wenig spektakuläre Weise und befreit Ryan von seinem magnetischen Fluch.

Team Jacob

Jacob (Nico Tortorella) hat im Gegensatz zu den anderen Followern noch nie gemordet. Während sein Mentor Carroll dafür vor Jahren noch väterliches Verständnis aufbringen konnte, ist Emma (Valorie Curry) durch den Makel ihres Freundes tief verletzt. Um sich in den Augen seiner eiskalten Geliebten zu rehabilitieren, soll Jacob deswegen Pauls (Adan Canto) menschliches Mitbringsel Meghan (Li Jun Li) erstechen.

Meghan hatte bereits die Gelegenheit, das komplexe Gruppengefüge zu analysieren. Sie sieht in Jacob ihre letzte Chance, zu überleben. Ihr verzweifeltes Flehen ist dabei ebenso glaubhaft in Szene gesetzt wie der Kampf, der im Inneren von Jacob tobt.

Am Ende kann der Fllower seinen ersten Mord doch nicht übers Herz bringen und schneidet Meghans Fesseln durch. Doch statt zu laufen, so weit sie ihre erschöpften Beine tragen, versteckt sich die junge Frau lieber in einem der Nebengebäude. Obwohl man sie insgeheim bereits für tot gehalten hatte, hat sie noch einmal Glück, als sie von Emma und Paul wieder festgesetzt wird: „Relax, it's only a flesh wound.

Emma liebt Jacob und auch Paul liebt Jacob. Doch nach der verbindenden Gefangennahme von Meghan werden auf einmal auch Emma und Paul intim. Ob zwischen den beiden tatsächlich echte Gefühle der Verbundenheit heraufbeschworen wurden oder ob Emma mit Paul insgeheim ihr eigenes manipulatives Spiel spielt, bleibt abzuwarten. Es sind besonders die tiefen Abgründe, die sich hinter der Unschuldsvisage der Killerin verbergen, aus der die Follower-Konstellation einen großen Teil ihres Reizes zieht.

Wie bereits in der Episode The Poet's Fire (1x03) ist der Konakt der Follower zu ihrem Mentor Carroll unterbunden. Ohne die Aufsicht des Killervaters kommt es auf Seiten des Trios zu Differenzen und Alleingängen. Dabei sind wir erstaunlicherweise gewillt, Jacob dafür zu bemitleiden, dass er sich plötzlich als das schwarze - weil nicht mordende - Schaf der Gruppe entpuppt. Obwohl er ja immerhin die gesamte Mission auf eklatanteste Weise gefährdet hat, wird er nicht verstoßen oder gar beseitigt: „We are not giving up on you.

Eine derart großzügige Nachsicht gegenüber dem schwächsten Glied offenbart ein hohes Maß an gruppeninterner Empathie. Die Interaktion der Follower ist so verlockend wie... verrückt? Aber wir reden hier ja immerhin von Serienmördern. Serienmördern mit einer Vorliebe für bekleidete Duschgänge.

Ein Ende mit Kitsch

Der Endspurt der Episode geht mit Sätzen wie „I know you are afraid to let anyone get close to you“ oder „We can't get through life alone“ einher. Selbstredend fiebert man in Bezug auf Hardys Liebesglück mit und will, dass er - verdammt noch mal - zum Frühstück bleibt. Auf der anderen Seite entladen sich die pathetischen Aussprüche, der generelle „Hardy hat es viel zu schwer“-Vibe und auch die grässlich schnulzige und übertrieben laute musikalische Unterlegung der letzten Szenen in einer Trotzreaktion: Dann geh' halt einsam nach Hause, Hardy. Gerade „weil“ du sie liebst. Blöder „constant reminder of the worst time in her life.

Fazit

Die Episode Mad Love kann über weite Strecken hinweg nicht überzeugen. Ist es nicht merkwürdig, dass weder die FBI-Agenten noch Hardy selbst geahnt hatten, dass in einem perversen Katz-und-Maus Spiel, das explizit auf Ryan zugeschnitten ist, deren einzige lebende Verwandte irgendwann eine Rolle spielen könnte? Auch wenn der geschwisterliche Kontakt nicht allzu ausgeprägt war, ist „pain“ doch in der Tat „pain“, wie es Maggie so schön formuliert hatte. Und warum zum Teufel hält Hardy die Entführung seiner Schwester vor Parker geheim, um dann im gleichen Atemzug doch Westons Beisein zu tolerieren? Leidet er an einer chronischen Angst vor Verstärkung?

Dennoch hat die Serie The Following noch lange nicht ausgedient. In den Augen der Rezensentin besteht neben der Dreierkonstellation der Follower zudem ein großer Reiz in Carrolls Masterplan. Um einen großen Knalleffekt (bitte nicht Westons Outing als Carroll-Fan) heraufzubeschwören, sollte sich die Serie von ihrem eintönig werdenden „Mörder der Woche“-Schema verabschieden, um sich neben Emma, Paul und Jacob noch weiteren Psychopathen über längere Zeit hinweg zu widmen.

Es besteht eine reelle Chance, dass die Agenten trotz ihrer zweifelhaften Kompetenz bald auf Joeys Versteck stoßen könnten. Vielleicht gibt es dann sogar für Meghan noch einen Hauch von Hoffnung - falls sie nicht vorher als Jungfernmordmaterial für Jacob herhalten muss, versteht sich.

Verfasser: Thordes Herbst am Dienstag, 12. Februar 2013
Episode
Staffel 1, Episode 4
(The Following 1x04)
Deutscher Titel der Episode
Niemals von echter Gesundheit
Titel der Episode im Original
Mad Love
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Montag, 11. Februar 2013 (FOX)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Donnerstag, 27. Juni 2013
Regisseur
Henry Bronchtein

Schauspieler in der Episode The Following 1x04

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