The Following 1x03

The Following 1x03

Die Episode The Poet's Fire erläutert anhand zahlreicher Rückblenden die Situation der Gegenwart. Dadurch kommt es im Handlungsverlauf zu Längen. Obwohl einige Begebenheiten vorhersehbar sind, hat The Following seinen Reiz noch nicht verloren.

Rick Kester (Michael Drayer) in einem Kostüm von Edgar Allan Poe in „The Following“ / (c) FOX
Rick Kester (Michael Drayer) in einem Kostüm von Edgar Allan Poe in „The Following“ / (c) FOX

Es sind schaurige Szenen, die die neue Episode von The Following einleiten. Rick Kester (Michael Drayer) übergießt in seinem Edgar-Allan-Poe-Kostüm einen Mann mit einer Flüssigkeit und zündet ihn an. Keiner der umstehenden Passanten greift ein oder benutzt seine Jacke, um den Literaturkritiker Stan Fellows zu löschen, der am hellichten Tag in Flammen aufgeht.

Nach der verstörenden Auftaktsequenz büßt die Episode The Poet's Fire etwas an Fahrt ein, während Einblicke in die Arbeit der FBI-Agenten und in das Zusammenleben der Entführer von Joey Matthews (Kyle Catlett) geboten werden. Auf beiden Seiten erläutert eine Reihe von Rückblenden, wie sich die zwischenmenschlichen Beziehungen der Gegenwart manifestiert haben.

Parkers Input

Die FBI-Agentin Debra Parker (Annie Parisse) profitiert von dem Wissen, dass sie in ihrer Zeit als Sektenexpertin angereichert hat und kann so ein Stück weit mit Informationen herhalten, die die Formation einer Kult-artigen Gemeinschaft im Umfeld einer charismatischen Führerfigur erklären. Es wäre ein interessanter Zug, wenn auch in künftigen Episoden auf die Hintergründe von Serienmördern wie Charles Manson eingegangen werden würde. Dies verleiht The Following einen verstärkten Realitätsbezug und stiftet ein Gefühl von Authentizität.

Zitate wie „The generous critic fann'd the poet's fire, and taught the world with reason to admire“, das übrigens durch den Dichter Alexander Pope formuliert wurde, bevor Poe überhaupt geboren war, bringen zudem noch einen hübschen literarischen Touch mit sich.

Was wollen die Follower?

Debra Parker hat nicht umsonst Probleme damit, sich die Motivation zu erklären, aus der das Handeln der Anhänger von Joe Carroll (James Purefoy) resultiert. Geht es wirklich nur um einen Rachefeldzug gegen all jene, die den großen Mentoren in seinem Leben gekränkt haben? Dies würde zumindest erklären, warum Hardy in dem grotesken Spiel um Leben und Tod eine derartig hervorgehobene Rolle zukommt. Denn dieser hatte immerhin mit Carrolls einziger großer Liebe geschlafen.

Einen Hinweis darauf, dass die Follower Emma (Valorie Curry), Jacob Wells (Nico Tortorella) und Paul Torres (Adan Canto) etwas ganz Besonderes im Sinne von insanity of art im Schilde führen, gibt Jacob selbst. Er bezeichnet nämlich die Pressevertreter, die nun von einem Cult sprechen, als „completely clueless“.

Der Rächer Rick

Rick Kester hat sich für seinen Rache-„Chapter“ in dem übergeordneten Plan Carrolls diejenigen herausgesucht, die das literarische Genie von Joe nicht angemessen gewürdigt haben. Mit Fellows und dem Collegedirektor Barns sind nun auch zwei der schärfsten Kritiker von Carrolls Buch „The Gothic Sea“ aus dem Weg geräumt.

Am Beispiel von Kesters Figur wird angedeutet, wie ein Mensch überhaupt in den Einfluss eines Serienmörders geraten kann. Die Kombination aus einer mangelnden Perspektive auf dem Arbeitsmarkt und dem durch Carroll etablierten toxischen Umfeld aus weiteren Followern hat aus Kester ein williges Instrument werden lassen.

I have never killed anyone with a knife before“. Nachdem Rick Philip Barns mehrfach und noch etwas unkoordiniert sein Messer in den Bauch gerammt hat, schaut er ihm mit aufgerissenen Augen beim Sterben zu. Die tiefe Faszination, die Kester dabei empfindet, wird von dem Schauspieler Michael Drayer überzeugend dargestellt, ohne dass er dabei einen allzu geistesgestörten Eindruck hinterlassen müsste.

Blicke in die Vergangenheit

In Parkers Warnung „You know Carroll is out to torture you“ schwingt ein großes Maß an Verständnis für Hardys offenkundig angeschlagene Konstitution mit. Doch Ryan Hardy (Kevin Bacon) will sich weder von Parker noch von deren Kollegen Mike Weston (Shawn Ashmore) aufheitern lassen. Während er sich grimmig ein „It is working“ abringt, erhält er damit den Schutzwall aufrecht, den er um das, was von seinem alten Selbst übrig ist, errichtet hat.

In Rückblenden lernen wir den Agenten Hardy von früher kennen. Zwar hatte er bereits damals kein unproblematisches Verhältnis zum Alkohol, doch konnte er sich noch öffnen. Gleichzeitig wird offenbar, wie schlafwandlerisch Carroll bei seinem jeweiligen Gegenüber die spezifischen Schwächen auslotet und dabei gleichzeitig so erscheint, als ob er Mitgefühl und Sympathie empfindet.

Konflikte in der Follower-WG

You guys are losers!“ Der jugendsprachliche Ton, in dem sich Emma mit ihren Mitbewohnern Jacob und Paul austauscht, könnte auch auf dem Schulhof einer Highschool Verwendung finden. Nur dass bei Mutproben wie dem „Gay Chicken“ nicht der gegenseitige Spott als Druckmittel fungiert, sondern die verminderte Wertschätzung durch Joe Carroll.

Eine weitere Rückblende macht dem Rätselraten um die echten Gefühle von Paul ein Ende und offenbart, dass aus der zur Schau gestellten Zuneigung zwischen Paul und Jacob irgendwann echte Leidenschaft erwachsen ist.

Kein Wunder also, dass der gekränkte Paul vor Emma und seiner Pein Reißaus nimmt. Wie um sich selbst von seinen Gefühlen für einen Mann zu rehabilitieren, sucht sich Paul in der Manier eines heterosexuellen Serienkillers zielstrebig ein weibliches Opfer. Der charmante Mann mit dem herzerwärmenden Lächeln hat keine Probleme, die Verkäuferin Meghan (Li Jun Li) für sich zu begeistern.

Pauls Worte „Let me get the door for you“ bekommen eine ganz neue Bedeutung, während er den Kopf der jungen Frau gegen die Tür seines Wagens schleudert.

Es ist sehr skurril - und spricht auch für die sich stetig weiter entfaltende Charakterzeichnung der Figuren -, dass man dem vernachlässigten Paul gegenüber so etwas wie Mitleid empfindet, während seine Geisel neben ihm herzzerreißend vor sich hin schluchzt.

Überhaupt liegt der besondere Reiz von The Following in dem hohen Grad an Individualität, den die Follower an den Tag legen. Sie werden zwar durch Carroll vereint, sind aber - vielleicht mit der Ausnahme von Jordy - keine gleichgeschalteten Maschinen.

Zum Thema Jordy: Steve Monroe macht als einfältiger Spielball, der zwischen den manipulativen Kräften von Carroll und auch Parker hin und her geschleudert wird, eine durchweg gute Figur. Selbst als er sich auf die denkbar albern aussehendste Weise das Leben nimmt, kann man ihm seinen Schmerz darüber, dem hochverehrten Mentor geschadet zu haben, vollkommen abnehmen.

Das Rätselraten geht weiter

Das „Following-Syndrom“, in dem plötzlich jeder ein Killer zu sein scheint, schlägt wieder zu: Agentin Parker kann sich nach ihrem undurchsichtigen Verhalten in der Episode Chapter Two zwar ein Stück weit rehabilitieren, indem sie offen zugibt, Carroll das Buch mit den gesammelten Werken Poes übergeben zu haben. Als man jedoch Rick Kestons Exfrau Maggie (Virginia Kull) kennenlernt, landet sie trotz ihrer vermeintlichen Verletzlichkeit automatisch auf der Liste der potentiellen Follower. Es bleibt zu hoffen, dass die Macher von The Following die Serienmörder zukünftig wieder etwas undurchschaubarer in die Handlung einführen werden.

Trotz der Vorahnung in Bezug auf Maggies dunkle Seite, kann man noch mitfiebern, als Agent Troy Reilly (Billy Brown) an ihrer Seite Stellung bezieht. Die spannende Wirkung wird noch dadurch verstärkt, dass die Szenen im Hause Kester durch die Sequenzen abgelöst werden, in denen Parker sich mit dem inhaftierten Jordy auseinandersetzt. Indem Maggie Reilly schließlich die Kehle aufschlitzt, Hardy Rick erschießt, wobei Maggie jedoch fliehen kann, kommt es auch zu einer angemessen blutigen Auflösung des Handlungsbogens. Der Tod des Troy Reilly bringt dabei einen Wermutstropfen mit sich, weil man gerade begonnen hatte, ihn als stimmigen Teil des Casts ins Herz zu schließen.

Fazit

Wie schon die vorangegangene Episode Chapter Two (1x02) kann auch die Folge The Poet's Fire (1x03) nicht in ihrer Gänze überzeugen. Da die Sinne der Zuschauer für das Aufspüren von Followern nun bereits geschärft sind, stellt es keine große Überraschung mehr dar, dass auch Maggie zu den Anhängern von Joe Carroll gehört. Auch weist die neue Folge durch eine Überdosis an Rückblenden einige Längen auf, in denen die zermürbende Wirkung der Morde auf Ryan Hardys Psyche etwas zu langatmig hervorgehoben wird.

Aus Claires Sohn Joey (Kyle Catlett) soll nun ebenfalls ein Killer gemacht werden. In der Manipulation eines Kindes schwingt ein überwältigendes Maß an Perversion mit. Glücklicherweise legt Joey ein derartig gefestigtes moralisches Bewusstsein an den Tag, dass er sich nicht ohne Weiteres seiner Empathie berauben lassen wird.

Die Serie The Following bietet auch weiterhin genügend Anreize, um die Grundspannung aufrechtzuerhalten: Die Dreierkonstellation aus Emma, Paul und Jacob ist ebenso verlockend wie die Dynamik zwischen den verschiedenen Carroll-Jägern. Auch brennt man darauf, tiefere Einblicke in das Wesen von Joe Carroll zu erhaschen. Was hat er sich für seinen Erzfeind Hardy wohl als Nächstes ausgedacht?

Verfasser: Thordes Herbst am Dienstag, 5. Februar 2013
Episode
Staffel 1, Episode 3
(The Following 1x03)
Deutscher Titel der Episode
Es reflektieren die Scherben
Titel der Episode im Original
The Poet's Fire
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Montag, 4. Februar 2013 (FOX)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Donnerstag, 20. Juni 2013
Regisseur
Liz Friedlander

Schauspieler in der Episode The Following 1x03

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