The Bridge (US) 1x07

The Bridge (US) 1x07

Die Episode Destino setzt die Zuschauer einem Sturm der Ereignisse aus, der in einem grausigen Todesfall seinen Höhepunkt findet. Dank all der unorthodoxen Figuren, die die Welt von The Bridge bevölkern, kann man sich dem Sog der Serie nicht länger entziehen.

Sonya Cross (Diane Kruger) und Marco Ruiz (Demian Bichir) wissen noch nicht, / welches Schicksal in „The Bridge“ auf ihren Kollegen Manny Stokes (Larry Clarke) wartet. / (c) FX
Sonya Cross (Diane Kruger) und Marco Ruiz (Demian Bichir) wissen noch nicht, / welches Schicksal in „The Bridge“ auf ihren Kollegen Manny Stokes (Larry Clarke) wartet. / (c) FX

Die siebte Episode von „The Bridge“, die den Titel Destino trägt, kommt in gewisser Weise zwiegespalten daher. In der ersten Hälfte wird noch Raum für schräge und teils regelrecht amüsante Gestalten gelassen, die einen in ungläubiges Staunen versetzen. Gegen Ende zeigt dann aber die Grausamkeit, die die Grenzregion umschlungen hält, ihr schreckliches Gesicht. Während es zwischenzeitlich den Eindruck macht, als wären die Ermittler Sonya Cross (Diane Kruger) und Marco Ruiz (Demian Bichir) tatsächlich dem berüchtigten „Brückenmörder“ oder gar der „Bestie“ selbst auf der Spur, wird diese Annahme am Ende jedoch wieder entkräftet.

Ein mündlicher Vertragsschluss

Neben der wirklich unglaublich spannend geratenen Jagd auf den Jäger entfalten sich auch an vielen anderen Schauplätzen erquickliche Begebenheiten. Einerseits war die Rezensentin noch geistig damit beschäftigt, Charlotte Millwrights (Annabeth Gish) grobschlächtigem Bekannten Ray (Brian Van Holt) für sein rüpelhaftes Verhalten auf die Finger zu hauen. Andererseits wurde sie von der krassen emanzipatorischen Gegenoffensive der Graciela Rivera (Alma Martinez) regelrecht überrumpelt. Die gestandene Frau demonstriert ihre Macht in einem wohl eher männertypischen Verhalten und verlangt von Ray eine Geste der oralen Unterwerfung, bevor sie sich auf ein Abkommen zum Schmuggel von Waffen einlassen will. Riveras unberechenbares Wesen wird später noch einmal durch den loyalen Cesar (Alejandro Patino) hervorgehoben. Ebenso stiftet die Tatsache Spannung, dass Charlotte sich mit Ray den denkbar ungünstigsten Geschäftspartner auf ihre Ranch geholt hat. So hält er nicht nur die Waffengeschäfte vor ihr geheim, sondern ist auch kurz davor, sie über den Umweg des Tampa Tim (Don Swayze) ans Messer der Behörden zu liefern.

Jack Childress

Da „The Bridge“ noch eine ganze Hälfte seiner Jungfernstaffel vor sich hat, mutet es unwahrscheinlich an, dass es sich bei einem zum jetzigen Zeitpunkt ausfindig gemachten Verdächtigen tatsächlich um den großen Unbekannten handeln sollte. Dennoch deuten zunächst alle Zeichen darauf hin, dass Jack Childress (Chris Browning) der große Übeltäter ist. Der prall gefüllte Waffenschrank untermauert die Theorie, dass der Killer über einen militärischen Hintergrund verfügen könnte. Die Medikamente künden von mentalen Problemen, die man dem „Brückenmörder“ sicherlich zutrauen könnte. Auffällig ist in diesem Zusammenhang die verwinkelte Einstellung der Kamera, die das Geschehen kurz sogar über den Umweg eines Spiegels zeigt. Fast fühlt man sich dazu aufgerufen, „um die Ecke“ zu denken. Die Masse an Tabletten in der Badewanne, die Ruiz trocken mit den Worten „I think he is off his meds“ kommentiert, scheint nämlich kaum auf einen Täter zu deuten, der sich durch sein eiskaltes Kalkül auszeichnet. Auch Childress niedergeschriebene These, dass es sich bei den Mexikanern um Außerirdische handelt, macht stutzig. So drängt sich die Frage auf, ob die Augen, die einem nun hektisch aus einem Rückspiegel entgegenblicken, die gleichen sind, die Gina Meadows (Cole Bernstein) so kurz vor ihrem Tod hatte zeichnen lassen.

Handelt es sich bei Jack Childress (Chris Browning) tatsächlich um die %26bdquo;Bestie%26ldquo;? © FX
Handelt es sich bei Jack Childress (Chris Browning) tatsächlich um die %26bdquo;Bestie%26ldquo;? © FX

Von Kopfschüssen und Zahnspangen

Aus allzu tiefgehenden Überlegungen wird man auf drastische Weise herausgerissen, als es zu dem größten Schockmoment dieser Folge kommt. Gerade will der dickliche Cop, dem beim Entfernen seiner Zahnspange ein Licht aufgegangen ist, vom Zahnarztstuhl Ruiz von seiner Eingebung berichten. Doch dann wird dem Kojotenkiller und Provinzcop Manny Stokes (Larry Clarke) aus dem heiteren Himmel El Pasos in den Kopf geschossen. Sein zerstörtes Gesicht wird dabei schonungslos gezeigt. Auch das darauffolgende Katz-und-Maus-Spiel im Trailer Park sorgt für eine großzügige Ausschüttung der Adrenalinreserven. „There is a war happening here at the border. And no one seems to know about it. I want the truth to come out“, raunt Childress noch ins Telefon, bevor er von Sonya, Marco, Hank Wade (Ted Levine) und Tim Cooper (Johnny Dowers) zur Strecke gebracht wird.

Team Print

Ein Vögelchen bringt auch das Journalistenteam aus Daniel Frye (Matthew Lillard) und Adriana Mendez (Emily Rios) auf die Spur von Childress. Trotz gravierender Entzugserscheinungen kann Fryes Gehirn noch ein Warnsignal absondern: Was verbindet Childress mit den bis ins kleinste Detail geplanten Verbrechen oder den Menschen, mit denen er sich so gerne in Verbindung setzt? Wie bereits in der vorangegangenen Episode ID (1x06) ist der Drogensüchtige für kurzzeitige humoristische Auflockerungen zuständig. Doch der Anfall, den er am Ende der Episode erleidet, ist in jedem Fall ernst zu nehmen und lässt Fryes Skepsis zunächst einmal verstummen.

Ist Childress der Gesuchte?

Neben Frye äußert auch Sonya berechtigte Zweifel daran, ob Childress der „Brückenmörder“ sein kann. Dies geht nicht nur aus ihrer ausbleibenden Euphorie über die geglückte Verhaftung hervor. Das stärkste Indiz dafür, dass es sich bei Childress nur um eine Schachfigur handelt, die der wahre Hintermann in verhängnisvolle Bahnen lenkt, liefert der Geisteskranke selbst: „My job wasn't done“, antwortet er auf Sonyas Frage, warum er sich nicht aus dem Staub gemacht habe. Die Tatsache, dass er noch „den Mexikaner“ töten sollte, lässt auf einen zugrundeliegenden Auftrag schließen. Bei einem Menschen, der allem Anschein nach unter Wahnvorstellungen leidet, könnte dieser zwar aus seinem eigenen Kopf stammen. Doch im Lichte des Ausmaßes der mörderischen Aktion, die eine diffuse Wahrheit ans Licht bringen soll, darf dies zu Recht bezweifelt werden.

Ein ruhiger Ausklang

Nach der ganzen Hektik und den verstörenden Bildern gelingt es dem Regisseur Chris Fisher mithilfe ein paar idyllischer Landschaftsaufnahmen im Zeitraffer, einen Teil der Anspannung wieder verfliegen zu lassen.

Auch die anschließende Szene im Polizeipräsidium mit Hank Wade und Tim Cooper, der sich in dieser Folge zu einem vollwertigen Charakter mausern konnte, ist sehr ruhig gehalten. Dabei ist es den schauspielerischen Leistungen von Ted Levine und Johnny Dowers zu verdanken, dass die Sequenz eine wahre Übermacht an Emotionen transportieren kann: Die authentisch porträtierte, abgeklärte Lebensweisheit Wades trifft auf das störrische Verlangen nach Vergeltung aufseiten von Cooper.

Man kann in %26bdquo;The Bridge%26ldquo; allerlei ungewöhnlichen Gestalten begegnen. © FX
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Auch Diane Krüger kann durch einen starken Abgang aus der Episode begeistern. So scheint sich in der angsterfüllten Geste, mit der die Polizistin den eigenen Hals umklammert, die atemlose Beklommenheit darüber zu manifestieren, dass die wahre „Bestie“ noch auf freiem Fuß ist...

Linder lebt!

Marcos Sohn Gus (Carlos Pratts) taucht in der siebten Episode nicht auf. Das ist aber nicht weiter schlimm, weil dafür endlich sowohl der sträflich vermisste Linder (Thomas M. Wright) als auch der großartige Fausto Galvan (Ramon Franco) wieder auf der Bildfläche erscheinen. Dadurch, dass ihre Handlungsstränge neuerlich miteinander kollidieren, sorgen sie für eine Verdichtung der Handlung. Gleichzeitig hat man an ihrer Seite wieder die Gelegenheit, das Grenzgebiet zu erkunden: Der blutäugige Linder („I am not a messenger. I am a conduit.“) soll erneut ein Mädchen über die Grenze schaffen. Doch bei der hübschen Sara Vega handelt es sich ausgerechnet um die derzeitige Gespielin von Galvan selbst. Und wozu der fähig ist, wurde uns in Erinnerung gerufen, als er seinen Schneider (dem überempfindlichen Tuco aus Breaking Bad nicht unähnlich) für eine Nichtigkeit bestraft - sicherlich schweren, schweren Herzens...

Fazit

The Bridge“ legt in der Episode Destino auf äußerst gelungene Weise eine hinterhältige Strategie an den Tag. Sie wiegt die Zuschauer durch das Portrait von kuriosen Begebenheiten und Gestalten wie dem nackten Junkiemusikanten kurzfristig in Sicherheit, um sie dann umso effektiver durch grausigen Schrecken und den Ernst des Lebens schockieren zu können.

Der Sprachfluss mancher Charaktere ist - gerade, wenn diese auch noch nuscheln - teils nur mit großer Konzentration zu verstehen. Doch um der Handlung weiterhin folgen zu können, nimmt man diesen Umstand gerne in Kauf. Außerdem tragen Südstaatenslang und mexikanischer Akzent einen wichtigen Teil zu der authentischen Wirkung des Formates bei.

Zudem erfreut „The Bridge“ durch großartige Schauspieler und eine durchdachte szenische Umsetzung, die sowohl beim Blick in den Rachen von Mr. Stokes als auch bei der Betrachtung der malerischen Landschaft genau den richtigen Ton trifft. Nebenhandlungen wie das Aufeinandertreffen von Alma Riuz (Catalina Sandino Moreno) und ihrem Kollegen Kenneth Hastings (Eric Lange) in dem trostlosen Hotelzimmer bauen das komplexe Serienuniversum auf glaubhafte und berührende Weise weiter aus. Da wir mit Childress wohl noch nicht die omnipräsente Bestie kennengelernt haben, steht einer fortgeführten Jagd der Ermittler nichts im Wege. Destino hält die Zuschauer fest im Griff, um sie noch tiefer in diese verlockende Materie hineinzuzerren. So darf es gerne weitergehen!

Verfasser: Thordes Herbst am Donnerstag, 22. August 2013
Episode
Staffel 1, Episode 7
(The Bridge (US) 1x07)
Deutscher Titel der Episode
Schicksal
Titel der Episode im Original
Destino
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Mittwoch, 21. August 2013 (FX)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Donnerstag, 29. August 2013
Regisseur
Chris Fisher

Schauspieler in der Episode The Bridge (US) 1x07

Darsteller
Rolle
Demian Bichir
Thomas M. Wright
Ted Levine
Matthew Lillard
Emily Rios

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