The Bridge (US) 1x04

The Bridge (US) 1x04

In der Episode Maria of the Desert werden neue, verlockende Charaktere in die Welt von The Bridge eingeführt. Leider sind in dem spannenden Kampf der Ermittler gegen den gefährlichen Unbekannten nicht alle Begebenheiten plausibel geraten.

Die Amerikanerin Sonya Cross (Diane Kruger) und / ihr mexikanischer Kollege Marco Ruiz (Demian Bichir) in der US-Adaption von „The Bridge“. / (c) FX
Die Amerikanerin Sonya Cross (Diane Kruger) und / ihr mexikanischer Kollege Marco Ruiz (Demian Bichir) in der US-Adaption von „The Bridge“. / (c) FX

Im Vergleich zu den vorangegangenen Episoden von „The Bridge“ weist Maria of the Desert zwar größere Längen auf. Auch mehren sich zu diesem Zeitpunkt die Sequenzen, die wenig plausibel erscheinen. Da in dieser vierten Folge jedoch ein besonders verlockender Charakter etabliert wird und man an seiner Seite tiefer in die mexikanische Unterwelt eintauchen kann, ist es jedoch möglich, darüber hinwegzusehen.

Linder rehabilitiert

Die Serie „The Bridge“ versteht sich gut darauf, mit der Erwartungshaltung der Zuschauer zu spielen. Eben verbucht der Sonderling Steven Linder (Thomas M. Wright) (zumindest in der Liga der Reptilienfreunde) noch Pluspunkte dafür, dass er sich auch gegenüber Klapperschlangen fürsorglich und geradezu liebevoll gibt. Gleich im nächsten Moment werden wieder Zweifel an seinem Gutmenschentum gesät, als sich ein menschliches Wesen unter der Decke auf dem Rücksitz seines Wagens bewegt. Nach all den gegensätzlichen Impulsen, die bereits in Bezug auf seinen nuschelnden Charakter gegeben wurden, verliert die Enthüllung, dass Eva Guerra (Stephanie Sigman) noch am Leben ist, ein wenig an Wucht.

Dabei erscheint Stevens merkwürdiges Treiben im Nachhinein jedoch durchaus nachvollziehbar: Er hat Evas Kleider allem Anschein nach aus dem Grund verbrannt, um ihre Spuren zu verwischen und sie somit besser vor dem angsteinflößenden „Menschenjäger“ Hector (Arturo del Puerto) - der in der Episode Calaca Linders couragierte Nachbarin Wanda Cunningham erwürgt hatte - zu schützen. Fürs Erste findet die Verfolgte nun Zuflucht auf der Farm des gottesfürchtigen Bob (Jon Gries). Obwohl es sich bei Linder nicht um den Killer handelt, gewinnt sein ungewöhnlich altruistisch veranlagter Charakter, der durch weibliche Nähe offensichtlich komplett überfordert ist, sogar noch an Reiz hinzu.

Tunnelkonkurrenz

In der vergangenen Episode wurde bereits auf gelungene Weise die mexikanische „Tunnelfrau“ und „Pferdemordinauftraggeberin“ in die Handlung integriert. Der Bösewicht, der in Maria of the Desert eingeführt wird, stellt sie - in Bezug auf die Autorität - jedoch eindrucksvoll in den Schatten. Der Drogenschmuggler Fausto Galvan (Ramon Franco) muss sich im Grunde nicht aufbrausend oder aggressiv verhalten, um alle Menschen in seinem Umfeld empfindlich einzuschüchtern. In den Augen der Rezensentin wäre es vielleicht besser gewesen, auf seine Chemikalienattacke gegen den Bodyguard der Tunnelfrau im Schönheitssalon zu verzichten. Alleine, dass Marco Riuz (Demian Bichir) sich ihm gegenüber kooperationsbereit gibt - was neben seiner Angst selbstverständlich auch aus dem Bedürfnis des Polizisten resultiert, eine Unschuldige zu retten - sagt mehr über Galvans Macht aus als jede physische Drohgebärde. Auf der anderen Seite ist die Beiläufigkeit, mit der er den Übergriff ausführt, ebenso genial wie der Tadel gegen seinen schwerfälligen Handlanger, sich vor seinen Ju-Jitsu-Lektionen gedrückt zu haben.

Daniel Frye (Matthew Lillard) und der später kopflose Agent Ralph Gedman (David Meunier). © FX
Daniel Frye (Matthew Lillard) und der später kopflose Agent Ralph Gedman (David Meunier). © FX

Officer Friendly and Officer Frosty

Nach Marcos sexueller Entgleisung mit Charlotte Millwright (Annabeth Gish) in der Episode Rio (1x03) ist es nun die Kameraführung, die hervorhebt, dass der sonst so ehrbare Ruiz eine ausgeprägte Schwäche für das andere Geschlecht hat. Die Kameraperspektive imitiert so Ruiz' Blicke, die am Bein der Gespielin des Journalisten Daniel Frye (Matthew Lillard) entlangwandern.

Während Ruiz' lüsternde Begierde zwar nicht gerade subtil, aber stimmig zum Vorschein gebracht wird, wirkt Fryes spärlich bekleidete Gefährtin zu überzeichnet, um einen überzeugenden Charakter abzugeben.

Auch die schwer zugängliche Sonya Cross (Diane Kruger) wird den Zuschauern wieder ein Stückchen nähergebracht. So ist sie schwer durch den (allem Anschein nach) gewaltsamen Tod ihrer Schwester Lisa getroffen worden und quält sich zudem mit der Frage, ob sie einen gewissen „him“ - Lisas Mörder? - besuchen sollte. Die Sequenz, in der Hank Wade (Ted Levine) seinem Schützling seelischen Beistand leistet, gehört zu den stärkeren in dieser Episode. Zum einen sehen wir eine weichere Seite der Polizistin. Zum anderen gelingt es Ted Levine vorzüglich, seinem knurrig-fürsorglichen Charakter Leben einzuhauchen.

Makel

Leider erwecken nicht alle Begebenheiten aus der neuen Episode einen realistischen Eindruck: Ob es für die Internetpräsenz einer Zeitung überhaupt erlaubt wäre, das Dahinsiechen einer Unschuldigen live zu übertragen? Es ist zudem merkwürdig, dass das tote Pferd Rio derartig oberflächlich verscharrt wird, dass es sicher durch die Aasfresser wieder zutage gebracht werden würde. Doch immerhin können anhand des Hufes auch die unaufmerksameren Zuschauer sofort erkennen, was der loyale Cesar (Alejandro Patino) da mit Erdreich überhäuft. Weitaus störender ist in dem Zusammenhang der innerseriellen Plausibilität jedoch, dass es Marco Ruiz partout nicht auffällt, sein Portemonnaie verloren zu haben. Sollte er nicht auf seinen Ausweis angewiesen sein, um die Grenze zu überqueren? Überhaupt hätte die Affäre zwischen dem Polizisten und der Witwe Millwright auch geschickter für die Öffentlichkeit angedeutet werden können als durch eine Charlotte, die im Gespräch mit der aufmerksamen Kitty (Diana Maria Riva) einen reichlich tollpatschigen Eindruck macht.

Jäger und Gejagte

Die FBI'ler, die im Umfeld des Agenten Ralph Gedman (David Meunier, Justified) in die Handlung eingeführt werden, glänzen zunächst einmal durch ihren Mangel an kriminalistischem Gespür. Während sowohl für Cross als auch für Frye feststeht, dass es dem unbekannten Killer weder ums Geld noch um das Vergnügen am Meucheln geht, fischen die Agenten lange im Trüben. Auch braucht es erst Sonya - der ihre zwischenmenschliche Unbeholfenheit mit einer hartnäckigen Beobachtungsgabe vergütet wird - um den Aufenthaltsort von Maria (Karen Sours) ausfindig zu machen. Dank der erstaunlich begrenzten Anzahl von Ölbohrkränen in Texas gelingt es ihr und Wade, das Leben der in der Sonne fixierten Frau zu retten.

Die Agenten Cross (Diane Kruger) und Ruiz (Demian Bichir) bedrängen die Journalistin Adriana Mendez (Emily Rios). © FX
Die Agenten Cross (Diane Kruger) und Ruiz (Demian Bichir) bedrängen die Journalistin Adriana Mendez (Emily Rios). © FX

Der unverhoffte Geldsegen von Galvans Firma El Rey Storage stärkt zwar Marcos Verhandlungsposition gegenüber den Agenten. Ob ein autoritär formuliertes „I brought the money, the girl is Mexican - I am going!“ jedoch tatsächlich ausreicht, um eine Weisung des FBI zu überstimmen, darf allerdings bezweifelt werden. Viel wichtiger sind jedoch die Erkenntnisse, die der Einsatz der verschiedenen Gesetzeshüter zutage bringt: Zum einen lernen wir über den Killer, der selbst den kräftigen Ruiz mühelos ausschalten kann, dass er wahrscheinlich eine militärische oder polizeiliche Ausbildung genossen hat. Obwohl er bereits das Leben von diversen Menschen auf dem Gewissen hat, ist er durchaus zur Gnade fähig, wobei sich Familien als ein wunder Punkt andeuten. Es geht ihm darum, das grassierende Ungleichgewicht zwischen Mexiko und den USA hervorzuheben und die egozentrische Prioritätensetzung des reicheren Nachbarlandes anzuprangern, was ihm auch gelingt: Schließlich sind die Amerikaner offensichtlich nicht gewillt, eine Million in das Überleben der Mexikanerin zu investieren...

Kopf ab

Die letzten Minuten von Maria of the Desert sind nicht nur ausgesprochen spannend - sie werfen auch neue Geheimnisse auf. Nach der Rettung von Maria brechen dank des vorausschauend agierenden Killers gleich mehrere Brandherde gleichzeitig aus. Aufseiten Ruiz' ereignet sich ein klassischer „Erschreckmoment in der Dunkelheit“, während anderswo der Agent Gedman - erst metaphorisch und dann sprichwörtlich - seinen Kopf verliert. Doch es handelt sich bei Gedman keinesfalls um ein zufälliges Opfer des Killers. Wer ist das Mädchen, mit dem er auf dem Handyvideo herumalbert? Es wird sich bei ihr doch wohl nicht etwa um eine gewisse Cristina Fuentes (aka „die untere Frauenhälfte“) handeln?

Fazit

Dem uneingeschränkten Sehvergnügen stehen bei „The Bridge“ in dieser Woche ein paar logische Fragwürdigkeiten und ein allzu allwissender und allmächtiger Gegner im Wege. Das bislang unbekannte, technisch versierte Kampfsportgenie ist über jeden Schritt seiner Gegner so ausgezeichnet informiert, dass er insbesondere die FBIler reichlich beschränkt aussehen lässt. Es würde nicht schaden, wenn der mörderische Idealist bald eine Schwäche zeigen würde, um der Geschichte zu einer authentischeren Wirkung zu verhelfen.

Trotz der angeführten Makel begeistern in Maria of the Desert die haarsträubenden Passagen ebenso wie die Mehrheit der Charakterzeichnungen, wobei besonders die Einführung des Drogenbarons Galvan die mitreißende Wirkung der Serie sehr positiv beeinflusst. Auch nach der nunmehr vierten Episode zieht einen das explosive mexikanisch-amerikanische Setting in seinen Bann...

Verfasser: Thordes Herbst am Donnerstag, 1. August 2013
Episode
Staffel 1, Episode 4
(The Bridge (US) 1x04)
Deutscher Titel der Episode
Gegen die Zeit
Titel der Episode im Original
Maria of the Desert
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Mittwoch, 31. Juli 2013 (FX)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Donnerstag, 8. August 2013
Regisseur
Bill Johnson

Schauspieler in der Episode The Bridge (US) 1x04

Darsteller
Rolle
Demian Bichir
Thomas M. Wright
Ted Levine
Matthew Lillard
Emily Rios

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