The Bridge (US) 1x03

The Bridge (US) 1x03

In der dritten Episode von The Bridge (US) werden einige Erzählstränge miteinander verknüpft. Dank des spektakulären Settings und der vielen vielversprechenden Charaktere funktionieren in der Folge Rio auch die ruhigeren Passagen.

Der Polizist Marco Ruiz (Demian Bichir) hat in „The Bridge“ auch eine dunkle Seite. / (c) FX
Der Polizist Marco Ruiz (Demian Bichir) hat in „The Bridge“ auch eine dunkle Seite. / (c) FX

Die Episode Rio offenbart, dass es tatsächlich der mordende Unbekannte gewesen war, der die illegale Einwanderin Maria (Karen Sours) in seinem Auto aufgelesen hatte. Der Killer möchte die junge Frau, die in der Episode Calaca (1x02) nur knapp dem vergifteten Wasser entkommen war, nur unter einer Bedingung am Leben lassen: Vier schwerreiche Amerikaner aus El Paso sollen ihm eine Million Dollar bezahlen. Da es sich bei einem der unfreiwilligen Spender um Karl, den verstorbenen Ehemann von Charlotte Millwright (Annabeth Gish) handelt, laufen einige der zuvor separaten Erzählstränge zusammen...

Verwirrte Cross

In der dritten Episode von „The Bridge“ wird die Charakterzeichnung der Protagonisten Sonya Cross (Diane Kruger) und Marco Ruiz (Demian Bichir) verschieden stark vorangetrieben. Cross tut sich nach wie vor schwer damit, die Feinheiten des zwischenmenschlichen Verhaltens zu begreifen. Das Ausmaß ihrer fanatischen Regelaffinität manifestiert sich besonders in der Tatsache, dass sie ihren mexikanischen Kollegen tatsächlich dafür angezeigt hatte, in der Pilotepisode den Krankenwagen mit dem Ehepaar Millwright passieren zu lassen - obwohl ihr Hank Wade (Ted Levine) doch so eindringlich davon abgeraten hatte. Gerade im direkten Vergleich zu dem feinfühligen Ruiz fällt es schwer, der unnachgiebigen und scheinbar nicht hinzulernenden Figur im unmittelbaren Anschluss an diesen „Verrat“ Sympathien abzugewinnen - trotz ihrer Krankheit. Von ihrem Kollegen Ruiz hingegen lernen wir in dieser Episode völlig neue Facetten kennen, die das Bild des ehrbaren und aufopferungsvollen Mannes trüben.

Ruiz vs. Linder

Wenn Ruiz ein Verbrechen wittert, zeigt er seine harte Seite: Als der undurchsichtige Steven Linder (Thomas M. Wright) in das Visier der Ermittler gerät und daraufhin von Ruiz sehr aggressiv befragt wird, fühlt man dem Sonderling gegenüber fast so etwas wie Mitleid. Obwohl man ja weiß, dass Linder zwischenzeitlich tatsächlich die Mexikanerin Eva Guerra in seinen Wohnwagen gesperrt hatte.

Eine intime und von Detailaufnahmen der Gesichter geprägte Kameraführung scheint die Zuschauer im Verhörraum regelrecht herauszufordern, aus der Mimik der Figuren die Wahrheit herauszulesen. Cross gibt an, dem ehemaligen Pflegekind Linder, der sich auf der Suche nach seiner Schwester befindet, Glauben zu schenken. Auch die Rezensentin traut dem nervösen Zeitgenossen trotz all seiner merkwürdigen Anwandlungen keinen Mord zu - dafür wirkt sein Statement („A person who helps people“) zu ehrlich gemeint.

Nicht immer hört Cross (Diane Kruger) auf ihren Mentoren Hank Wade (Ted Levine). © FX
Nicht immer hört Cross (Diane Kruger) auf ihren Mentoren Hank Wade (Ted Levine). © FX

Ruiz vs. Millwright

Die Witwe Charlotte Millwright hat es nicht leicht. Nicht nur wird sie mit unangenehmen Erkenntnissen über ihren Ehemann konfrontiert, sondern auch mit dessen zwielichtigen Geschäftspartnern. Die gedrungene Mexikanerin, die Charlotte auf ihrer Ranch aufsucht, strahlt trotz ihres recht harmlosen Äußeren eine beachtliche Bedrohlichkeit aus. In ihrer beiläufigen Verabschiedung von Rio, das Karls Lieblingspferd gewesen war, manifestiert sich sofort eine düstere Vorahnung, die sich am Ende auf grausige Weise bewahrheiten soll.

Auch in ihrem privaten Umfeld weht Charlotte deftiger Gegenwind ins Gesicht, wobei die Schauspielerin Annabeth Gish durchweg sehr gute Arbeit leistet. So kann man fast physisch spüren, wie gern die überforderte Witwe dem umgänglichen Ruiz ihr Tunnelgeheimnis anvertrauen würde, als sie ins Präsidium geladen wird. Am Ende obsiegt dann aber doch ihre Furcht vor den rechtlichen Konsequenzen - und vielleicht auch die Angst davor, durch einen Skandal wieder in ihre frühere Armut zurückkatapultiert zu werden.

Der Stress und die Isolation resultieren bei Charlotte in einem Bedürfnis nach Geborgenheit, das sie ausgerechnet in einem neuerlichen Aufeinandertreffen mit Ruiz befriedigt. Obwohl die spontane Annäherung im ersten Moment wie ein Schock wirkt, ist sie doch recht plausibel eingeleitet. Während Millwright sich auf den einzigen Menschen stürzt, der ihr im Moment wohlgesonnen scheint, resultiert Marcos Bereitschaft zum Fremdgehen sicherlich aus der erhöhten Doppelbelastung. Diese resultiert aus einem problematischen Familienleben samt aufmüpfigem Sohn und der Frustration über die zurückhaltende Arbeitsweise der amerikanischen Polizisten - was den Betrug an seiner schwangeren Frau selbstverständlich keinesfalls entschuldigt.

Setting

Neben den vielschichtigen Charakteren besteht eine der größten Stärken von „The Bridge“ in dem Setting der Serie. Die Armut in Juarez wird dabei sehr authentisch in Szene gesetzt. Vielleicht ist es schon ein großer Zufall, dass Daniel Frye (Matthew Lillard) und seine Kollegin Adriana Mendez (Emily Rios, Breaking Bad) bei einem Streifgang durch die mexikanische Stadt ausgerechnet in einen kaltblütigen Mord hineinstolpern. Doch in Anbetracht der grassierenden Kriminalität auf dieser Seite der Grenze handelt es sich dabei wohl leider um einen verhältnismäßig alltagsnahen Zwischenfall, dem durch die temporeiche, einheimische Musik noch zusätzliche Intensität verliehen wird.

Marco Ruiz (Demian Bichir) ist auch ein Familienmann. © FX
Marco Ruiz (Demian Bichir) ist auch ein Familienmann. © FX

Nach dem schockierenden Zwischenfall dient Adrianas quirlige Großfamilie auf angenehme Weise als comic relief. In dem bescheidenen Quartier dürfen sich beide Journalisten im Schnelldurchgang vertieft profilieren: Während Mendez ihren beruflichen Ehrgeiz und ihre Schlagfertigkeit unter Beweis stellt („Can you guys stop throwing your pussies at my co-worker?“), outet sich Frye als Alkoholiker im fortgeschrittenen Stadium, der bei allem Zynismus nicht verbergen kann, dass er seine ambitionierte Kollegin insgeheim bewundert.

Ein Ende mit Schrecken

Nachdem Ruiz das Anwesen von Charlotte Millwright - deren Nachthemd verrät, dass nicht nur geknutscht wurde - verlässt, manifestiert sich eindrucksvoll, dass es die Witwe bei den Profiteuren des Tunnels nicht mit Amateuren zu tun hat. Das Pferd Rio - dessen Name auch den Episodentitel beisteuert - baumelt nämlich tot von der Stalldecke, wobei der halb abgetrennte Kopf des Tieres auf schaurige Weise an den Film „Der Pate“ denken lässt.

Doch damit ist das Schlimmste noch nicht überstanden: In der Wüste findet sich Maria wieder, die an Händen und Füßen an Metallstangen fixiert ist, wobei sie einem qualvollen Tod in der Wüstensonne entgegenblickt. Und dabei wird sie zu allem Überfluss noch durch eine Kamera gefilmt, deren Bilder live in das Internet übertragen werden.

Fazit

Glücklicherweise wird in „The Bridge“ darauf verzichtet, dem Zuschauer das Offensichtliche noch einmal verbal aufzubereiten. Gerade deswegen schreitet die Zeichnung der verschiedenen Charaktere auf verlockende Weise voran.

Neben einer Studie über den Alltag an der Grenzregion werden dem Freund des Kriminalfallgenres genügend lose Enden und ein ausgesprochen vielschichtiger Bösewicht geboten, um das gespannte Miträtseln zu ermöglichen. Spezialeffekte sind im Rahmen der atmosphärischen Inszenierung spärlich gesät und stechen dementsprechend stark hervor. So wird mithilfe einer im Zeitraffer vollzogenen Überblendung des Killers in der Wüste dessen phantomhaftes Wesen untermauert.

Logische Stolpersteine wie die vorzügliche Internetverbindung in der Wüste verblassen im Angesicht der mitreißenden Handlung. Schauspieler wie Matthew Lillard sorgen dafür, dass alle Erzählstränge gleichermaßen in ihren Bann ziehen. So kann es weitergehen!

Verfasser: Thordes Herbst am Mittwoch, 31. Juli 2013
Episode
Staffel 1, Episode 3
(The Bridge (US) 1x03)
Deutscher Titel der Episode
Kaltblütig
Titel der Episode im Original
Rio
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Mittwoch, 24. Juli 2013 (FX)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Donnerstag, 1. August 2013
Regisseur
Charlotte Sieling

Schauspieler in der Episode The Bridge (US) 1x03

Darsteller
Rolle
Demian Bichir
Ted Levine
Thomas M. Wright
Matthew Lillard
Emily Rios

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