The Americans 4x03

© eri Russell und Matthew Rhys in der Serie âThe Americansâ / (c) FX
Wie so oft setzt der Episodentitel das Thema fĂŒr die The Americans-Episode. Experimental Prototype City of Tomorrow, abgekĂŒrzt EPCOT, ist die Vision einer futuristischen Stadt, die Walt Disney in den 1960er Jahren in Florida brauen wollte. Nach seinen Tod wurde aus der Vision eines Mannes eine kapitalistische Spielwiese fĂŒr Kinder und Erwachsene, der VergnĂŒgungspark Walt Disney World. Als Sehnsuchtsort erfĂŒllt der Park fĂŒr die Jennings seinen Dienst, in erreichbare NĂ€he rĂŒckt er nicht.
Flucht und Sehnsucht
Die Episode ist bestimmt von der Frage, wo die einzelnen Figuren sein wollen, denn im Grunde will niemand da sein, wo er gerade ist. Phillip (Matthew Rhys) hat ja schon seit Mitte der ersten Episode Fluchttendenzen gezeigt, nun erfahren wir, dass auch Elizabeth (Keri Russell) von einem ruhigen Leben an der KĂŒste in Odessa trĂ€umt.
Wie wohl die meisten Menschen spielen die beiden nicht aus purer Zufriedenheit mit dem Gedanken, sich anderswo nieder zu lassen, sie stehen durch Paiges Verrat kurz davor, alles zu verlieren. Im Verlauf der drei Staffeln The Americans haben wir oft gesehen, wie die beiden einem potentiellen Auffliegen ins Auge gesehen haben, aber zum ersten Mal wird die Option, zurĂŒck nach Russland zu gehen, ernsthaft diskutiert. Kurzfristig planen sie einen Trip in den neu eröffneten VergnĂŒgungspark in Florida, der spĂ€ter als Walt Disney World zum Symbol des amerikanischen Traums werden soll, mittelfristig beschĂ€ftigen sie sich mit der Möglichkeit, sich ans Schwarze Meer zurĂŒckzuziehen. Der Widerspruch, der dieses Leben bestimmt, zerreiĂt nicht nur Paige (Holly Taylor).
Rollen wir die Episode und damit die Metapher von hinten auf: Am Ende gehen die Jennings weder auf die eine noch auf die andere Reise, sie stecken in QuarantĂ€ne fest. Der Feind ist unsichtbar und er sich nicht vom Gegner geschickt, er ist hausgemacht. Und er lĂ€sst sich auch mit den ĂŒblichen Kampftechniken nicht beikommen. Elizabeth und Philip wurden ĂŒber Gabriel mit dem Krankheitserreger konfrontiert, den sie selbst erst kĂŒrzlich ĂŒbergeben wollten. Es ist eine Katastrophe mit AnkĂŒndigung, denn schon in der letzten Episode wollte niemand den Erreger haben, alle fĂŒhlten sich unwohl mit dem FlĂ€schchen in der NĂ€he, verstĂ€ndlicherweise. Und doch war es nur schwer möglich, ihn loszuwerden. Alle haben gehofft, dass sie dem Spiel mit dem Teufel einfach entkommen können, aber so lĂ€uft es nicht.
Das spiegelt die Situation mit Pastor Tim (Kelly AuCoin) in der Episode Experimental Prototype City of Tomorrow an. Sie versuchen, aus der Sache zu entkommen, ohne es zum groĂen Zusammenbruch kommen zu lassen, doch letztendlich ist jeder Versuch eine Sackgasse und das Ende droht dĂŒster zu werden.
Alle TrĂ€ume von Flucht werden fĂŒr den Moment zerschlagen. Die QuarantĂ€ne zeigt, dass vorzeitiges Abhauen keine Option ist. So sind sie einfach nicht, Philip und Elizabeth treten nicht einmal den RĂŒckzug an als Gabriel (Frank Langella) ihnen auf dem Boden liegend zuruft: „Haut ab!“ Sie bleiben und finden einen anderen Weg als Flucht. In dieser Sache fahren sie damit ziemlich gut, sie gelangen an das Gegenmittel.
Der wahre Horror der QuarantĂ€ne hat mit Paige und Henry (Keidrich Sellati) zu tun. Sie beiden werden schnell merken, dass sie auf sich gestellt sind. Nun ist Paige durchaus in einem Alter, in dem sie das meistern kann, doch das ĂŒberraschende Ausbleiben der Spion-Eltern wird das Misstrauen wohl nur vergröĂern. Noch dazu darf man auch Henry nicht aus den Augen verlieren. Es war sein Traum, in den Freizeitpark zu fahren, das wird nicht stattfinden. Und er kommt nun ebenfalls in das Alter, in dem man auch den eigenen Eltern nicht mehr alles glaubt.
Friedensarbeiter
Ein anderes Thema der Episode, das sich im Titel Experimental Prototype City of Tomorrow wiederfinden lĂ€sst ist die Frage, was die beiden Spione eigentlich machen. Pastor Tim und Paige gegenĂŒber versuchen sie ein Wunschbild zu erschaffen, an das sie vielleicht einst selbst geglaubt haben. Das meiste, was sie dem Kirchenmann sagen, ist nicht einmal gelogen, sie glauben daran, dass ihre Taten einem gröĂeren Gut dienen. Sie kĂ€mpfen fĂŒr eine bessere Welt. Doch sie mögen nicht zugeben, dass sie das mitunter auch durch Mord tun. Es ist der Zweck, der die Mittel heiligt. Es geht um eine bessere Zukunft.
Ăhnliche GedankengĂ€nge hat auch Walt Disney einst gehabt als er sich die Stadt der Zukunft ausgemalt hat. Und wir wissen, was daraus geworden ist. Statt friedliches Zusammenleben kann man in Disney World Orlando nun dem Alltag in eine glitzernde Scheinwelt entfliehen, die jedoch mit gesalzenen Preisen mehr als andere die KĂ€lte des Kapitalismus widerspiegelt.
Statt der Stadt der Zukunft ist der Ort zu einem Freizeitparkt geworden, zum Sehnsuchtsort fĂŒr die, die der öden RealitĂ€t entkommen wollen. In der Familie Jennings hat nur noch Henry die Möglichkeit dazu.
Auch fĂŒr Nina (Annet Mahendru) gibt es kein Entkommen mehr. Auch sie ist an einem Ort, an dem sich das System, in dem sie lebt, in besonderem MaĂe manifestiert: in der Episode Experimental Prototype City of Tomorrow landet sie wieder im Gulag. Und bekommt doch gleich zwei Szenen, die Ruhe und Zufriedenheit ausstrahlen und damit den Gegensatz zwischen ihrer Situation und ihrem Verhalten verdeutlichen.
Sie lÀchelt als sie erfÀhrt, dass sie dem Wissenschaftler nicht geschadet hat mit ihrer Aktion. Und sie findet sich in einem Traum wieder, der Ruhe ausstrahlt. Dort sind die MÀnner versammelt, die sie auf dem Weg begleitet haben, unter anderem Stan (Noah Emmerich).
Der Raum ist hell, voller Blumen, alles wirkt ruhig und leicht. Doch nicht nur die seltsam drapierte Masse an Blumen lĂ€sst mehr an eine Beerdigung oder ein Krankenzimmer als an eine fröhliche Umgebung denken. Auch die Musik und die Stille bedrĂŒcken ebenso wie sie leicht erscheinen.
Fazit
Die Episode Experimental Prototype City of Tomorrow kreist um Fragen der Flucht, örtlich, aber auch gedanklich. WĂ€hrend die Jennings so nah dran sind, sich nach Russland abzusetzen, wie noch nie, dĂŒrfen wir uns fragen, wo der Kampf fĂŒr eine bessere Welt in der Vergangenheit meistens geendet ist.
Trailer zur Episode âChloramphenicolâ (4x04):
Verfasser: am Donnerstag, 31. MĂ€rz 2016The Americans 4x03 Trailer
(The Americans 4x03)
Schauspieler in der Episode The Americans 4x03
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei EpisodenfĂŒhrern?