The Americans 3x08

The Americans 3x08

Eine neue Woche, eine neue fantastische Episode von The Americans. In Divestment bekommen manche Figuren zweite Chancen, während andere sehenden Auges ins Verderben laufen. Es gibt etwas, das sie alle eint: In ihrer Welt können sie sich nichts und niemandem sicher sein.

Philip (Matthew Rhys, l.) und Elizabeth (Keri Russell) können sich gegen Reuben (Dwayne A. Thomas) durchsetzen. / (c) FX
Philip (Matthew Rhys, l.) und Elizabeth (Keri Russell) können sich gegen Reuben (Dwayne A. Thomas) durchsetzen. / (c) FX
© (c) FX

Es gibt derzeit keine amerikanische Fernsehserie, die so ist wie The Americans. Das Erzähltempo, die visuelle Umsetzung, die darstellerischen Leistungen - alles ist einzigartig. Für manche mag der ruhige, unaufgeregte Plotfortschritt langweilig sein, für mich wird genau so gutes, kluges Fernsehen gemacht. Es muss nicht immer ein explosives Actionstück dem nächsten folgen, es muss keine komplexe Geschichte aufgespannt werden. Es reicht manchmal einfach, begabte Schauspieler in interessante Rollen schlüpfen zu lassen.

We'll just put a bullet in your head

Das verbindende Element von Divestment sind die Verhörszenen. Selbst diejenigen Charaktere, die nicht verhört werden, befinden sich doch in einer verhörartigen Situation. Martha (Alison Wright) bemerkt erst während ihrer neuerlichen Unterredung mit Walter Taffet (Jefferson Mays) langsam, dass sich hinter der Fassade ihres Ehemanns Clark etwas anderes verbergen könnte als das, was er vorgibt zu sein. Wenn es diesen Clark Westerfeld als Agenten der internen Revision wirklich geben sollte, wieso wird sie dann überhaupt von Walter Taffet verhört?

Bevor dieser Handlungsstrang am Ende der Episode zu seinem emotionalen Höhepunkt kommt, ist er durchsetzt von feinem, subtilem und bisweilen slapstickartigem Humor. Dies ist ein Kennzeichen der besten Dramaserien aller Zeiten - sie alle finden Zeit, inmitten höchst dramatischer Vorgänge Platz zu schaffen für genuin witzige Passagen. So antwortet Martha auf eine Frage ihres Vernehmers im bierernsten deadpan: „Agent Gaad likes to run a tight ship as far as office supplies are concerned.“ („Agent Gaad ist sehr streng, was die Verteilung von Büromaterialien angeht.“)

Ebenso bierernst fragt sie Taffet daraufhin: „Were you charged with maintaining Agent Gaad's pens?“ („Waren Sie damit beauftragt, die Kugelschreiber von Agent Gaad instandzuhalten?“) Die Frage liegt natürlich nahe, schließlich wurde in einem Kugelschreiber die Wanze gefunden. Angesichts der wahrhaft grausigen Ereignisse in dieser Episode konnte ich mir in diesen Momenten das hämische Grinsen aber nicht verkneifen. Laut aufgelacht habe ich hingegen am Ende, als sich der wegen seines Fauxpas besorgte Gaad (Richard Thomas) am längsten running gag dieser Staffel zu schaffen macht - dem ständig ausfallenden Postroboter.

Philip (Matthew Rhys) muss schließlich all seine schauspielerischen Künste aufwenden, um Martha wieder zu beruhigen. Sie will zuvor wissen, wer er eigentlich ist. Sie bricht dabei in Tränen aus, ist ehrlich verzweifelt über ihre Unsicherheit gegenüber dem Mann, den sie eigentlich liebt. Philip schafft es zwar, sie zu besänftigen - ob dieses Gefühl aber von Dauer ist, darf angesichts ihres Gesichtsausdrucks nach dem Versöhnungssex doch sehr stark bezweifelt werden.

Who are you?

Ganz ehrlich: Ich habe für einen kurzen Augenblick damit gerechnet, dass Philip sie nun umbringt, wäre sie für seine Beruhigungsversuche nicht empfänglich gewesen. Die entsprechende Einstellung wurde von Regisseur Dan Attias auch bewusst ambivalent inszeniert. Martha steht da tränenüberströmt vor ihrem Bett, das in diesem Moment nicht wie ein sicherer Zufluchtsort aussieht, sondern eher wie die letzte Ruhestätte. Fast ebenso brutal wie ein Mord ist indes die Einsicht, in welch einem Lügenkonstrukt sich diese arme Frau befindet - und das nur, weil sie es einst für eine gute Idee gehalten hatte, für das FBI zu arbeiten. Fesselnder, faszinierender Stoff!

Bevor er sich Marthas Einwänden stellen kann, bearbeiten Philip und Elizabeth (Keri Russell) ihre beiden südafrikanischen Geiseln - und auch im Verlaufe dieses Handlungsbogens bekommen wir wieder Szenen, die kaum auszuhalten sind - so langsam werden diese zum Markenzeichen der Serie. Eugene Venter (Neil Sandilands) zeigt sich uneinsichtig und erhält deswegen eine Strafe, die ich selbst meinem erbittertsten Todfeind nicht an den Hals wünschen würde. Er wird von seinem eigenen Todfeind, Reuben Ncgobo (Dwayne A. Thomas), einfach bei lebendigem Leibe verbrannt - und wir Zuschauer bekommen das ganze Drama mit, inklusive des gesamten brutalen Todeskampfs.

Auch der von Venter instrumentalisierte Studentenaktivist Todd (Will Pullen) darf bei dem grausamen Spektakel zusehen, woraufhin er endgültig bereit ist, alles über den geplanten Anschlag auf dem Universitätsgelände zu verraten. Er habe den Auftrag bekommen, die Bombe zu platzieren, um die an diversen Campi organisierte Anti-Apartheids-Bewegung zu diskreditieren, habe dies aber nie getan. Philip kann seine Geschichte verifizieren, weshalb Elizabeth ihn laufen lassen will. Reuben hingegen fordert, ihm ein ähnliches, wenn auch weniger brutales, Schicksal zukommen zu lassen wie Venter. Elizabeth kann sich schließlich durchsetzen, was ihrer Operation zu einem späteren Zeitpunkt aber noch zum Verhängnis werden könnte, denn Todd hat gesehen, dass seine Geiselnehmer mit Hans (Peter Mark Kendall) zusammenarbeiten.

Ihre Entscheidung, Todd nicht umzubringen, stammt indes von ihrer Sorge um ihre eigene Tochter. Paige (Holly Taylor) konfrontiert ihre Mutter später mit ihren Erkenntnissen aus der Recherche über den Freund ihrer Eltern, Gregory (Derek Luke). Elizabeth sieht das als gute Gelegenheit, Paige weiter vorsichtig und möglichst subtil zu indoktrinieren, trifft aber zunächst auf ein sehr korrektes Rechtsverständnis ihres Zöglings: „But you can't just go rob banks and things.“ („Aber man kann auch nicht einfach Banken ausrauben oder andere Sachen machen.“) Elizabeths knappe Antwort darauf: „No, of course not.“ Natürlich nicht, Elizabeth. Natürlich nicht.

I will never forgive you

Am Ende beweist die Topspionin aber, dass ihr Herz nicht nur patriotisches Blut pumpt. Sie bittet nämlich ihren Kontaktmann Gabriel (Frank Langella) um einen Gefallen. Er solle doch sein Möglichstes tun, um Philips Sohn Mischa aus dem Afghanistan-Krieg heimzuholen. Zuvor hat sie Philip erneut dabei beobachtet, wie er sich besorgt die Neuigkeiten aus ebenjenem Krieg anhört. Wir können also beruhigt sein: Elizabeth ist immer noch ein Mensch mit echten Gefühlen, nicht nur ein eiskalter Kampfroboter.

Mit echten und unechten Gefühlen muss sich denn auch Nina (Annet Mahendru) auseinandersetzen. Nach dem Verrat an ihrer Zellengenossin bekommt sie die nächste Chance, ihre Schuld gegenüber dem russischen Empire zu begleichen. Sie soll nun dem von Philip in der zweiten Staffel aus den USA extrahierten Wissenschaftler Anton Baklanov (Michael Aronov) auf den Zahn fühlen, um herauszufinden, ob er die wissenschaftlichen Fortschritte seiner neuen alten Overlords sabotiert. Dabei trifft sie auf einen alten Bekannten, von dem sie wohl nicht gedacht hätte, dass sie ihn jemals wiedersehen würde: Vasili Nikolaevich (Peter Von Berg).

Es ist schön, dass The Americans wieder ein bisschen in der Zuschauergunst zulegen konnte „66405“ - so bleibt trotz magerer Einschaltquoten die Hoffnung erhalten, dass wir mindestens noch eine weitere Staffel dieser exzellenten Serie zu sehen bekommen. Ein Format wie The Wire musste schließlich auch nach jeder Staffel um eine Verlängerung kämpfen. Ich will nun die „Americans“ noch nicht auf eine Stufe mit diesem all-time favourite stellen. Besonders viel fehlt aber nicht mehr.

Verfasser: Axel Schmitt am Donnerstag, 19. März 2015
Episode
Staffel 3, Episode 8
(The Americans 3x08)
Deutscher Titel der Episode
Der Preis der Freiheit
Titel der Episode im Original
Divestment
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Mittwoch, 18. März 2015 (FX)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Dienstag, 17. Mai 2016
Autor
Joshua Brand
Regisseur
Daniel Attias

Schauspieler in der Episode The Americans 3x08

Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?