The Americans 3x05

The Americans 3x05

Nach einer sehr kurzen Eingewöhnungsphase hat sich die dritte Staffel von The Americans auf höchstem Niveau eingependelt. Salang Pass behandelt einen bisher vernachlässigten Aspekt im Leben des Spionenehepaars Jennings. Die Episode fesselt von Anfang bis Ende.

Eine Szene, die kaum auszuhalten ist: Kimberly (Julia Garner) und Philip (Matthew Rhys) in ihrer Küche. / (c) FX
Eine Szene, die kaum auszuhalten ist: Kimberly (Julia Garner) und Philip (Matthew Rhys) in ihrer Küche. / (c) FX
© (c) FX

Wen die letzte Episode von The Americans schon unruhig auf dem Sessel hin- und herrutschen ließ, der dürfte während oder nach Salang Pass endgültig empört aus dem Zimmer gestürmt sein. Wir bekommen hier so viele Szenen, die wegen ihrer düsteren Implikationen kaum auszuhalten sind, dass es spätestens jetzt kein Wunder mehr sein dürfte, warum diese Serie so wenige Zuschauer anzieht. Sie ist einfach unheimlich schwer auszuhalten - und wird obendrein in größtenteils bedächtigem Tempo vorangetrieben.

It's the operation that's crucial

Diejenigen, die ihr aber die Treue gehalten haben, werden mit allerfeinster Kost aus den Speisekammern des Qualitätsfernsehens belohnt. Drehbuchautor Stephen Schiff versteht es in dieser Episode, ohne viel Aufhebens maximale Spannung zu generieren. Der eine Plot wird zügig weitergesponnen, dem anderen wird mehr Raum zur Entfaltung gelassen. Gemeinsam haben sie nicht nur die Protagonisten, die sich am Ende ihrer langen Tage in Casa Jennings versammeln, sondern auch ähnliche Topoi, die durch sie auf verschiedene Weise behandelt werden.

Das emotionale (und am schwierigsten auszuhaltende) Kernstück der Episode ist die Rekrutierung von Kimberly (Julia Garner) durch Philip (Matthew Rhys). Sie ist die Tochter des Leiters der CIA Afghan Group, deren Infiltration auf der „To-Do-List“ des Center höchste Priorität genießt. Pikant ist dabei, dass - wie sich in dieser Episode herausstellt - Kimberly gerade einmal 15 Jahre alt ist, sich also im gleichen Alter befindet wie Philips Tochter Paige (Holly Taylor).

In Dimebag hatte Elizabeth (Keri Russell) nicht einmal mit der Wimper gezuckt, als sie von dieser Tatsache erfuhr, sondern lediglich kühl festgestellt, dass die CIA ein hard target sei, für das es sich lohne, solche Opfer auf sich zu nehmen. Der gute Soldat Philip, der bald aufpassen muss, dass er sich zwischen all den Frauen in seinem Leben nicht aufreibt, führt die Mission also aus. Zuvor darf er sich von seinem Kontaktmann Gabriel (Frank Langella) aber noch einmal versichern lassen, wie komisch das alles eigentlich ist: „It's one of the ironies of this work that so many lives depend upon one man's relationship with an adolescent girl.“ („Es ist eine der ironischen Seiten dieser Arbeit, dass so viele Leben von der Beziehung eines Mannes mit einer Jugendlichen abhängen.“)

Die zentrale Szene findet dann im Haus von Kimberlys Eltern statt und ist so herzzereißend wie gruselig. Sie lädt Philip aka Jim dorthin ein, weil es der einzige Ort ist, an dem sie nicht als das enttarnt werden können, was sie sind - ein Pärchen, das niemals zusammen sein dürfte. Jedenfalls bringt Jim das versprochene Gras mit, die beiden rauchen und reden, wobei sich schnell herausstellt, dass Kimberly keinen älteren Freund braucht, sondern einen Vater, der für sie da ist. Oder wenigstens eine Stiefmutter, die sich für sie interessiert.

This is about peace and war

Weil sie beides nicht hat, spielt sie nun mit diesem viel älteren Typen in ihrer Küche food fight. In wenigen Momenten blitzt in Philips Augen dabei auf, wie unwohl ihm bei der ganzen Sache ist, schließlich hat er vor wenigen Stunden noch seiner eigenen gleichaltrigen Tochter dabei geholfen, das passende Kleid für ihre bevorstehende Taufe auszusuchen. Nun liegt ihm aber ein Mädchen im Arm, das mehr von ihm will, als nur von ihm behütet zu werden.

Das wird nie offensichtlicher als in der Szene, in der er die eigenschlafene Kimberly ins Bett bringt. Als Zuschauer glauben wir da schon, das Schlimmste einigermaßen unbeschadet überstanden zu haben. Aber nein - Kimberly muss natürlich noch einmal aufwachen und ihre Lippen auf die von Jim pressen. Für uns Zuschauer glücklicherweise, für Jim natürlich zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt, kommen ihre Eltern nach Hause. Der russische Spion flieht durch die Hintertür.

Elizabeth ist derweil mit eigenen Rekrutierungsaufgaben beschäftigt. Im Gegensatz zu ihrem Ehemann schreitet sie aber mit Tausendmeilenstiefeln voran. Zunächst überredet sie - getarnt als General-Dynamics-Mitarbeiterin Michelle - ihre Freundin von den Anonymen Alkoholikern, Lisa (Karen Pittman), dazu, vor deren rückfälligem Ehemann in das Haus ihrer angeblich im Pflegeheim weilenden Mutter zu flüchten.

Ist das einmal gelungen, geht Elizabeth zum nächsten Schritt über: Lisa soll sich nun für einen Stellenwechsel in ihrem Rüstungsunternehmen Northrop bewerben, damit sie morgens nicht mehr so weit pendeln muss (beziehungsweise natürlich, damit Elizabeth näher an die Unterlagen des von diesem Unternehmen entwickelten Tarnkappenbombers kommt). Elizabeth hilft in diesem Prozess nach, indem sie einfach einen Mitarbeiter des Unternehmens ermordet, so dass dessen Stelle frei wird. Es ist der erste Mord in dieser Staffel, den Elizabeth so nebenbei erledigt.

Conscience can be dangerous

Der letzte Schritt ist dann wieder einfacher. Michelle taucht bei ihren nächsten Besuchen wiederholt in teuren Klamotten und mit ausgefallenen Accessoires auf - bei ihrem letzten Besuch beißt Lisa schließlich an. Ihre neue Ausstattung habe sie von einem „Lobbyisten“, der sie für Informationen aus ihrem Unternehmen bezahle. So einfach ist das! Die Falle schnappt zu. Zu Hause ergibt sich indes eine viel kompliziertere Lage als draußen bei der Arbeit. Zwischen Elizabeth und Philip tobt immer noch der kalte Krieg um ihre Tochter, wobei beide den jeweils anderen stets bezichtigen, wenn sie etwas alleine mit Paige* unternommen haben.

*Ein Nebeneffekt dieser starken Konzentration auf Paige ist, dass Sohnemann Henry (Keidrich Sellati) derzeit nur noch als comic-relief-Charakter eingesetzt wird - comic relief im Übrigen, der dringend nötig ist.

So weit, so wenig überraschend. Doch dann kommt diese letzte Szene, die den emotionalen Schleudergang noch einmal voll aufdreht. Der von seiner anstrengenden Mission ausgelaugte Philip kommt da nach Hause, Elizabeth hat auf ihn gewartet. Sie will zunächst wissen, wie es gelaufen ist, doch eigentlich will sie mit ihm über ihre Ehe sprechen, die einst eine Farce war, nun aber zu etwas Echtem geworden ist.

Philip kann aber nur an seinen abscheulichen Auftrag denken und daran, wie sie im Agententraining darauf vorbereitet wurden. In peinigenden Rückblenden sehen wir, welche Tortur der junge Philip durchstehen musste, um Sex mit jedweder Zielperson haben zu können, ohne mit der Wimper zu zucken. „Do you have to make it real with me?“, fragt ihn Elizabeth daraufhin („Musst du mit mir auch manchmal so tun, als ob?“) Philip antwortet ehrlich: „Sometimes.“ („Manchmal, ja.“)

Er hängt noch an, dass er es in diesem Moment aber nicht müsse. Sie küssen sich, der Abspann setzt ein - und wir Zuschauer sitzen da und können nicht glauben, was wir da soeben gesehen haben. Mitreißender, bewegender und emotional niederschmetternder geht es kaum. The Americans verlangt uns alles ab.

Verfasser: Axel Schmitt am Donnerstag, 26. Februar 2015
Episode
Staffel 3, Episode 5
(The Americans 3x05)
Deutscher Titel der Episode
Ein Weg aus dem Gulag
Titel der Episode im Original
Salang Pass
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Mittwoch, 25. Februar 2015 (FX)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Dienstag, 10. Mai 2016
Autor
Stephen Schiff
Regisseur
Kevin Dowling

Schauspieler in der Episode The Americans 3x05

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