The Americans 3x01

The Americans 3x01

Die Show der besten Eighties-Perücken ist zurück! The Americans gelingt mit EST Men ein überaus gelungener Einstieg in die dritte Staffel. Ehepaar Jennings leistet einmal mehr die Drecksarbeit hinter den Kulissen der großen außenpolitischen Verwerfungen des Kalten Krieges.

Von einer Tondbandaufnahme erfährt Elizabeth (Keri Russell) schlechte Neuigkeiten. / (c) FX
Von einer Tondbandaufnahme erfährt Elizabeth (Keri Russell) schlechte Neuigkeiten. / (c) FX
© (c) FX

Im cold open zur neuen Staffel der FX-Spionageserie The Americans wird sogleich vorweggenommen, wovon die kommenden 13 Episoden wohl hauptsächlich handeln werden. Darin wirft die junge Mutter Elizabeth (Keri Russell) ihre Tochter Paige (Holly Taylor) ins tiefe Ende des Schwimmbads, um ihr auf diese Art - mit verächtlichem Blick auf die übrigen Eltern - das Schwimmen beizubringen. Die Szene mag ein bisschen dick aufgetragen sein - der Rest der Episode ist es nicht.

Just because she's here doesn't mean she's safe

Die Serie war seit ihrem Start gleichermaßen Familien- wie Spionagedrama. Die Idee der Autoren, das älteste Kind der Jennings nun zum Objekt der Begierde des KGB zu machen, ist ein genialer Schachzug, um diese beiden großen Topoi der Serie noch stärker miteinander zu verweben. Trotz Phillips (Matthew Rhys) eindringlicher Warnung an KGB-Offizier Arkady Ivanovich (Lev Gorn) am Ende der zweiten Staffel ist der center nicht von seinem Ziel abgerückt, Paige von den eigenen Eltern als asset ausbilden zu lassen.

Dies könnte nun zum großen Bruch zwischen den Eheleuten Elizabeth und Phillip führen, die trotz ihres eigentlich unvereinbaren Berufs nicht aufgeben, sich an einem normalen Eheleben zu versuchen - wie auch immer das aussehen mag. Bis zu den Ereignissen dieser Episode ist Phillip davon ausgegangen, er und Elizabeth seien sich darüber einig, dass Paige eben kein Leben im Schatten des übermächtigen Geheimdienstes führen solle. Doch beim Treffen mit ihrem neuen und alten handler Gabriel (Frank Langella, der in diese Rolle passt, als wäre er dafür geboren) offenbart sich, dass die beiden eben keinen gemeinsamen Standpunkt haben.

Aus früheren Episoden wissen wir, dass Elizabeth eine schwierigere Kindheit und Jugend hatte als ihr Ehemann. Wir wissen auch, dass sie von ihrer Mutter an den KGB übergeben wurde, um dort zur Agentin ausgebildet zu werden. All die vorsichtige Charakterarbeit, die von Joe Weisberg und Joel Fields im Vorfeld geleistet wurde, zahlt sich in Szenen wie diesen also aus. Als Zuschauer verstehen wir, warum diese beiden Figuren so entscheiden, wie sie entscheiden. Wir können Phillips Entrüstung genauso gut nachvollziehen wie Elizabeths Ansinnen, ihrer Tochter näherzukommen, um sie später leichter rekrutieren zu können.

Gabriel (Frank Langella) ist der neue und alte Kontaktmann der Jennings. © FX
Gabriel (Frank Langella) ist der neue und alte Kontaktmann der Jennings. © FX

Während die innerfamiliären Turbulenzen also noch am Anfang stehen, sind die weltpolitischen Konflikte des Kalten Krieges schon in vollem Gange. Wir befinden uns am Ende des Jahres 1982, und wie wir aus dem Fernsehen erfahren (bevor Paige genervt umschaltet), ist der sowjetische Staatschef Leonid Breschnew kürzlich verstorben. Die heißen Schlachten des Kalten Krieges werden indes in Afghanistan ausgefochten, wo die Amerikaner versuchen, die russische Invasion als „our Vietnam“ zu deklarieren, wie Gabriel anmerkt.

Ideologically she's open to the right ideas

An mehreren Fronten arbeiten Phillip und Elizabeth deswegen daran, auf kleinster Ebene ihren Beitrag zu leisten. Zu Beginn bearbeitet Elizabeth eine frustrierte CIA-Agentin, die ihr eine Liste mit nicht weiter spezifizierten Namen übergibt, bevor sie es sich anders überlegt und ihre Kollegen alarmiert. Auf der Flucht muss sich Elizabeth schließlich mit größtem Einsatz gegen Frank Gaad (Richard Thomas) und einen FBI-Kollegen wehren, um nicht in deren Gefangenschaft zu geraten. Dies ist die erste von mehreren Szenen, die stark an den dramaturgischen Aufbau des letzten Staffelauftakts erinnern.

Weil die übrige Dramaturgie aber von der damaligen Ausrichtung abweicht, ist das leicht zu verzeihen. Fields und Weisberg haben sich angesichts omnipräsenter Lorbeeren für die zweite Staffel wohl gedacht, dass es nicht schaden könne, einige bekannte Elemente erneut einzusetzen. Wie schon in Comrades bekommen wir auch hier eine explizite Sexszene (dieses Mal zwischen „Clark“ und Martha) und einen gewaltsamen Tod am Ende der Episode.

Sämtliche Bemühungen unseres Spionageehepaars fallen nämlich auf kaum fruchtbaren Boden, was ein weiteres Indiz dafür sein könnte, dass der KGB beim Thema Paige bald größeren Druck auf die beiden ausüben könnte. Nicht nur Elizabeths angeworbene Überläuferin macht einen Rückzieher, auch Phillip muss am Ende mitansehen, wie sein asset Annalise (Gillian Alexy) von einem pakistanischen Geheimdienstler (Rahul Khanna) erdrosselt wird. Immerhin schaltet er dabei so schnell, dass die Kontaktaufnahme zum ISI-Mann immer noch im Rahmen des Möglichen bleibt. Elizabeth kümmert sich indes um das Training eines neuen Rekruten, des Südafrikaners Hans (Peter Mark Kendall), über dessen Erfolgsaussichten bisher aber noch kein Urteil gefällt werden kann.

Neue Entwicklungen bedrohen die Harmonie zwischen Elizabeth (Keri Russell) und Phillip (Matthew Rhys). © FX
Neue Entwicklungen bedrohen die Harmonie zwischen Elizabeth (Keri Russell) und Phillip (Matthew Rhys). © FX

In der russischen Botschaft empört sich derweil Hitzkopf Oleg Burov (Costa Ronin) über die Verurteilung von Nina Sergeevna (Annet Mahendru) wegen Spionage und Vaterlandsverrats, was auch beim FBI nicht lange unbemerkt bleibt. Außerdem ist er nicht besonders vorsichtig bei der Formulierung seiner politischen Ansichten, weshalb ihn Arkady angesichts der Präsenz einer neuen Kollegin, Tatiana (Vera Cherny), zur Zurückhaltung ermahnt.

You're living in the realm of non-experience

Da Oleg mit dem Hilfsgesuch an seinen Vater auf Granit beißt, tritt er selbst in Aktion und beschließt, Stan Beeman (Noah Emmerich) zu beschatten - wohl in der Hoffnung, dadurch etwas mehr über Nina herauszufinden. Stan gibt sich indes alle Mühe, seine Ehe mit Sandra (Susan Misner) zu retten, was ihm aber angesichts völlig unterschiedlicher Weltsichten nicht so recht gelingen mag. Gemeinsam mit seinem Kumpel Phillip besucht er ihr zuliebe sogar ein EST-Seminar (woher die Episode auch ihren Namen hat).

In einer hervorragend inszenierten Szene erfahren wir überdies, dass Elizabeths Mutter im Sterben liegt. Ihre Profession wird sie in jedem Falle davon abhalten, zur Beerdigung nach Russland zu reisen, geschweige denn, sie noch ein letztes Mal zu sehen. Für die Dynamik zwischen ihr und Phillip rund um die gemeinsame Tochter ist das natürlich ein dramaturgisch exzellent platzierter externer Schock. Die Trauer über den Verlust der Mutter könnte Elizabeth gegenüber Paige noch strenger werden lassen.

Interessant ist auch, dass sich das Kreativteam in der Szene dazu entschieden hat, die Worte der Mutter nicht zu untertiteln, wie es sonst üblich ist. Man vertraut hier ganz auf die schauspielerischen Fähigkeiten Keri Russels - und sie brilliert dabei. Diese trotz einiger Repetitionen sehr gute Auftaktepisode lässt darauf hoffen, dass The Americans nahtlos an seine herausragende zweite Staffel anknüpfen kann. Wenn das eintritt, gehört diese Serie mühelos zum Besten, was das Dramafernsehen derzeit zu bieten hat.

Verfasser: Axel Schmitt am Donnerstag, 29. Januar 2015

The Americans 3x01 Trailer

Episode
Staffel 3, Episode 1
(The Americans 3x01)
Deutscher Titel der Episode
Ins kalte Wasser
Titel der Episode im Original
EST Men
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Mittwoch, 28. Januar 2015 (FX)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Dienstag, 26. April 2016
Autoren
Joel Fields, Joseph Weisberg
Regisseur
Daniel Sackheim

Schauspieler in der Episode The Americans 3x01

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