The Americans 2x11

The Americans 2x11

Langsam zieht sich die Schlinge um den Hals der Jennings immer enger zusammen: Ihnen ist nicht nur ein kaltblütiger Killer dicht auf den Fersen, auch die Ermittlungen des FBI machen Fortschritte. Wie lange kann das noch gut gehen?

Kämpft für ihre Unabhängigkeit: Paige Jennings / (c) FX
Kämpft für ihre Unabhängigkeit: Paige Jennings / (c) FX

Mit diesem Killer ist nicht zu spaßen

In Stealth wird klar, dass wir uns langsam, aber sicher auf der Zielgeraden der zweiten Staffel der Serie befinden. So spitzt sich in dieser Episode die Lage vor allem in Bezug auf Larrick (Lee Tergesen) zu, dessen Ein-Mann-Feldzug gegen den KGB bisher recht erfolgreich verläuft. Der Militär-auf-Abwegen hat diese Woche ein weiteres Opfer zu verzeichnen, nämlich die Verbindungsagentin Kate (Wrenn Schmidt), die Anfang der Staffel als Ersatz für die ausgeschiedene Claudia (Margo Martindale ins Spiel gebracht wurde. Eine Figur, die der Zuschauer gar nicht wirklich kennenlernen konnte, wurde sie doch ebenso hastig wieder aus dem Spiel genommen, wie sie eingeführt wurde.

Fast ironisch, dass ausgerechnet in dieser Folge noch ein Rätsel um die Figur aufgebaut wird: Die Jennings erfahren, dass Kate ein Treffen mit Jared hatte, dem Sohn des ermordeten KGB-Agentenpaares Emmet und Leanne. Ein Treffen, zu dem Kate offenbar ganz ohne Verkleidung erschien. Worüber haben die beiden geredet? Ist Jared womöglich nicht so unschuldig, wie er vorgibt zu sein und hat das Center alternative Pläne mit dem Jungen, in die Philip und Elisabeth nicht eingeweiht sind? Und warum war Kates finale Botschaft auf Jared und dessen Rettung fokussiert?

Die Antworten auf diese Fragen werden Elisabeth und Philip wohl nicht mehr von Kate selbst erfahren können. Elisabeth scheint nach einem Besuch bei Jared erst mal beruhigt, doch hier steckt sicher noch so einiges im Busch... Klar ist: Langsam wird es eng und es ist wohl nur noch eine Frage der Zeit, bis der blutrünstige Larrick auch bei den Jennings vor der Tür steht.

Kaputte Ehen und unsichtbare Flugzeuge

Auch das Stealth-Programm wird in der Folge genügend beleuchtet. Es wird endlich direkt formuliert, was hier eigentlich das Ziel ist: Die Soviets wollen an die Pläne für das legendäre Stealth-Projekt ran. So ein Flugzeug, das nicht vom Radar lokalisiert werden kann, hätten diese natürlich auch gerne. Doch dazu bedarf es noch einiger Bausteine, unter anderem des Computerprogramms ECHO, für das ein gewisser FBI-Mann namens Stan Beeman die Sicherheitsfreigabe besitzt.

Jetzt ist also der Punkt gekommen, an dem Nina von ihren Vorgesetzten die metaphorische Pistole auf die Brust gedrückt bekommt: Keine heimlichen Liebeleien und Treffen mehr - sie soll Stan jetzt so weit bringen, dass sie durch ihn an ECHO herankommt. Und dafür ist jedes Mittel recht. Oleg macht Nina klar, wie viel für sie dabei auf dem Spiel steht: „Wenn du nicht glaubst, dass Agent Beeman bereit ist, für dich sein Land zu betrügen, solltest du besser rennen!“ Gerade durch ihre Affäre mit Oleg wird auch die Figur Nina mittlerweile immer undurchsichtiger: Wo ihre Loyalitäten nun tatsächlich liegen, lässt sich langsam nicht mehr vorhersagen und auch, was sie tatsächlich gegenüber Stan für Gefühle hegt (wenn überhaupt), lässt immer mehr Raum für Spekulationen.

Der privat schon arg gebeutelte Stan muss diese Woche erneut einen bitteren Ehemoment durchstehen, als seine Frau Sandra von ihrer „Auszeit“ zurückkehrt. In einer bitteren Szene wird klar, dass es zwischen diesen beiden eigentlich endgültig vorbei ist, sich aber noch keiner von beiden dazu durchringen kann, den finalen Schritt zu wagen. Es wird spannend sein, zu sehen, wie Stan reagiert, wenn Nina nun aggressiver versucht, sich in sein Privatleben zu drängen.

Doch ein wenig Entspannung ist Stan in dieser Folge auch gegönnt, als er Jennings-Sproß Henry erzählt, warum er denn FBI-Agent geworden ist. Eine Szene, in der doch wieder klar wird, dass Stan trotz aller Zweifel und Wirrungen tief in sich drin immer ein Vollblutcop war und geblieben ist. Auch wenn er sich selbst nicht als Helden bezeichnen würde. Ob Nina diese Hingabe tatsächlich beenden kann?

Philip versucht derweil, an einen weiteren Baustein im Stealth-Getriebe zu kommen, indem er einen abgestürzten Exmitarbeiter des RAM-Projektes aushorcht. Diese Szenen beinhalten übrigens einen starken Gastauftritt von Zeljko Ivanek.

Weiterhin großes Lob verdient The Americans für die Ausarbeitung der Paige-Storyline, bei der es der Serie immer wieder gelingt, den richtigen Ton zu treffen. Mit Schaudern denkt man da an andere Projekte, in denen die „Tochter-Storylines“ einfach nur ablenkende, dröge Desaster waren, die frustrierend nur vom wirklich aufregenden Geschehen ablenkten (Stichwort Homeland). In The Americans ist Paiges Verhältnis zu ihren Eltern, mitsamt der Konflikte, die sich durch ihre Affinität zu einer Jugendkirche ergeben, eine der interessantesten Geschichten. Wie sich Elisabeth und Philip an Paige abarbeiten, die eigentlich überhaupt nichts Großartiges von ihren Eltern verlangt, außer dass sie ihre Entscheidungen akzeptieren, ist klasse aufgebaut. Besonders an Elisabeth wird hier deutlich, wie sehr ihre sowjetische Erziehung sie heute noch prägt. Eine Seite, die sie ihrer Tochter selbstredend nicht enthüllen kann.

Elisabeth setzt einen autoritären Erziehungsstil durch, den sie in der Art sicher auch selbst durchstehen musste. Das wurde bei der nächtlichen Putzaktion deutlich, zu der sie Paige vor etlichen Folgen verdonnert hatte. Als Mutter erwartet Elisabeth, dass ihr Wort gilt - Punkt. Logisch, dass das ihre amerikanisch sozialisierte Tochter so nicht hinnehmen möchte. Paige, wie bereits früher in der Staffel etabliert worden war, merkt, dass ihre Eltern Geheimnisse vor ihr haben, auch wenn sie natürlich nicht die richtigen Schlüsse ziehen kann. Aber sie spürt, dass diese Menschen nicht ehrlich zu ihr sind und sehnt sich daher nach einem Umfeld, das aufrichtig und nobel erscheint - nur zu leicht nachvollziehbar, dass sie sich in der Kirchengemeinde geborgen fühlt. Ihr Statement gegenüber ihrer Eltern in der aktuellen Episode ist ganz wunderbar: „Ihr mögt kontrollieren können, was ich tue und wohin ich gehe - bis ich 18 bin. Aber wer ich bin und an was ich glaube, das gehört mir allein.

Und hier wird wieder einmal herausgearbeitet, worum es in dieser Serie eigentlich geht: nicht um den KGB, nicht um das FBI, nicht um RAM, ECHO oder Panama. Es geht darum, wie es ist, sein Umfeld und die, die einem am nächsten stehen, ständig belügen zu müssen. Bis zu welcher Grenze man das treiben kann. Und mit welchen Konsequenzen man zu rechnen hat, wenn man dieses Leben führt - und vor allem auch, was man im Leben der Leute anrichtet, mit denen man dieses grausame Spiel treibt. Auch Agentenspross Jared ist in dieser Episode dafür ein leuchtendes Beispiel. Letztlich bekommt Paige die Erlaubnis ihrer Mutter, an einer Demonstration teilzunehmen, aber es wird immer deutlicher, dass zwischen diesen Menschen, zwischen Mutter und Tochter, ein tiefer Graben voller Lügen klafft, der vemutlich nie überbrückt werden kann. Paige kann nicht sehen, was auf dem Grund dieses Grabens liegt, aber sie spürt, dass er da ist.

Fazit

Stealth spinnt vieles, was in den vergangenen Episoden angekündigt wurde, weiter und zieht langsam, aber sicher die Gürtelschnalle enger. Bis es zur Konfrontation zwischen Larrick und den Jennings kommt, dürfte nicht mehr viel Zeit vergehen und man hofft sehr, dass dieses Aufeinandertreffen nicht im Haus der Familie stattfindet und besonders nicht, wenn Paige und Henry anwesend sind. Zum anderen wird verdeutlicht, auf welch dünnem Eis sich Philip und Elisabeth mittlerweile befinden und wie zielsicher Stan ihnen nun auf den Fersen ist. Jeder falsche Schritt, jeder dumme Zufall könnte das Aus bedeuten.

Gerade das Mysterium um Jared bleibt spannend. Was weiß dieser Junge wirklich und welche Art von Kontakt hatte er zu Kate? Werden die Jennings den Jungen am Ende beseitigen müssen, um nicht selbst aufzufliegen? Das wäre ein harter Brocken - für die Figuren und für die Zuschauer. Aber vor harten Brocken ist diese Serie bisher noch nie zurückgeschreckt. Spätestens dann müsste man sich wirklich fragen, ob es nicht besser wäre, wenn diesen Leuten möglichst schnell das Handwerk gelegt wird. Eine weitere, durch und durch gute Folge! Nächste Woche müssen wir aber unbedingt wieder bei Clark und Martha reinschauen.

Verfasser: Philipp Süßmann am Freitag, 9. Mai 2014
Episode
Staffel 2, Episode 11
(The Americans 2x11)
Deutscher Titel der Episode
Tarnen und Täuschen
Titel der Episode im Original
Stealth
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Mittwoch, 7. Mai 2014 (FX)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Dienstag, 2. Juni 2015
Erstausstrahlung der Episode in der Schweiz
Montag, 4. Mai 2015
Autor
Joshua Brand
Regisseur
Gregory Hoblit

Schauspieler in der Episode The Americans 2x11

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