The Americans 2x09

Schon länger hat man das Gefühl, Elizabeth (Keri Russell) könnte sich am Rande des Zusammenbruchs bewegen. Die Episode Martial Eagle zeigt, dass auch Philip (Matthew Rhys) nicht vor den unglaublichen Strapazen des Agentenlebens gefeit ist.
Drei Tote
Philip war immer der mitfühlendere, ruhigere, ausgeglichene der beiden Jennings. Doch in der letzten Zeit hat er einige Rückschläge hinnehmen müssen, allen voran die Offenbarung, dass sie gefälschte Pläne gestohlen haben, die mehr als hundert russische Leben gekostet haben. Lange schon fragt Philip sich, ob die Operationen die Menschenleben wert sind, die sie fordern. Dabei ging es in der Regel um die Menschen, die einfach zur falschen Zeit am falschen Ort waren. Die Episode Martial Eagle kostet vergleichsweise viele Menschenleben, doch die ersten beiden sind die aussagekräftigsten.
Philip und Elizabeth tricksen sich auf die Basis und gehen ihrer Wege. Elizabeth erschießt einen Soldaten, der ihr in den Weg kommt, ohne dass es eine Reaktion bei ihr hervorruft, sie geht vor wie in einem Computerspiel, in dem Gegner nur Figuren sind. Philip wird von einem jungen Soldaten überrascht und versucht ihn erstmal unter Kontrolle zu halten, auch wenn eigentlich klar ist, dass er ihn kaum mit dem Leben davon kommen lassen kann. Doch als sein Gegner nicht aufgibt, tötet er ihn, im letzten Moment, fast schon zu spät, denn andere sich bereits darauf aufmerksam geworden, was noch mehr Tote fordert. Philip will ganz offensichtlich nicht mehr gedankenlos töten. Er sucht einen Weg aus dieser Todesspirale.
Doch ein drittes Opfer zeigt, dass er der Spirale nicht entkommen kann. In der letzten Episode hat er Elizabeth überzeugt, den Fahrer im Wald leben zu lassen. Die Episode Martial Egale zeigt, dass er dem Mann damit keinen Gefallen getan hat. Sein langsamer Tod im Wald muss grausamer und schmerzhafter gewesen sein als die Schüsse und Schnitte, denen die Soldaten erlegen sind. Philips Gnade hat den Mann zu einem furchtbaren Leid verurteilt und ihm im Endeffekt nicht geholfen. Es gibt kein Entkommen aus der Agentenwelt, Mitgefühl ist fehl am Platze.
Der wütende Mann
Diese Erkenntnis treibt Philip an den Rand des Zusammenbruchs und zeigt uns eine bisher unbekannte Seite von ihm. Der Ausbruch Paige (Holly Taylor) gegenüber ist besonders schockierend, weil Philip in der Regel ein so ruhiger Zeitgenosse ist. Doch man darf auch nicht vergessen, dass er quasi dressiert wurde, dass er auf Vernunft und Überlegung getrimmt worden ist und nur selten eine spontane Reaktion zeigt. Die jüngsten Ereignisse scheinen diese Kontrolle aufzubrechen, und was darunter zum Vorschein kommt, ist jede Menge Wut.
Er hat die Kontrolle verloren, wie es wohl jedem Vater eines Teenagers geschieht. Er kann nicht beeinflussen, in welche Richtung seine Kinder sich orientieren. Im Moment muss es für Philip so aussehen, als ob die ganze Anstrengung sich einfach nicht mehr lohnt. Er arbeitet hart an dem Diebstahl der Pläne, nur um dann festzustellen, dass sie viele Menschenleben kosten. Er versucht sein amerikanisches Leben mit seinen Kindern gut zu gestalten, aber seine Tochter entgleitet ihm in die schlimmstmögliche Richtung - die Religion. In der zweiten Staffel ist die Anzahl der Toten gestiegen, was bedeutet, dass Philip immer mehr Schuld auf sich lädt.
Am Ende der Episode Martial Eagle führt ihn das in die Kirche, und eine sehr intensive Szene lang weiß man nicht, ob man Angst um den Pfarrer haben soll. Philip hat ein Mördergesicht aufgesetzt, wie wir es noch nie an ihm gesehen haben. Doch gleichzeitig scheint er nach Vergebung zu suchen. Während der Episode treten immer wieder Menschen an ihn heran, die ihm helfen wollen, wie der Mann auf der Bank, der fragt, ob alles okay sei. Doch Philip hat dicht gemacht, er, der für gewöhnlich immer Zeit für einen netten, lockeren Plausch hat, hat den Anschluss verloren und ist nun alleine.
Die einzige Art, wie er Anschluss findet, ist wenn er Martha (Alison Wright) mit runterzieht. Er spielt ihr das Tonband vor, als ob er sich wünscht, dass sich jemand anders ebenso miserabel fühlt wie er. Er macht sie unglücklich und dann lässt er sie alleine.
Wie die Schlussszene zu deuten ist, werden wohl erst die nächsten Episoden zeigen. Gibt das Vertrauen des Pfarrers Philip sein Urvertrauen zurück? Oder haben die Ereignisse ihn unwiederbringlich verändert?
Schleichender Zusammenbruch
Unterdessen muss Stan (Noah Emmerich) auf der anderen Seite der Straße erkennen, dass seine Familie längst zerbrochen ist. Lange hat er neben Sandra (Susan Misner) her gelebt und dabei nicht bemerkt, dass sie sich verändert. Seine stumme Abwesenheit hat ihr Zeit gegeben, sich zu überlegen, wie damit umzugehen ist. Sie ist kalt geworden, aus Streit ist Stille geworden und schließlich hat sie die Entscheidung getroffen, es ihm nicht einfach zu machen.
In der The Americans-Welt darf es als normal gelten, dass auch wir uns sofort fragen, welche Art Mann Sandra da kennengelernt hat. Ist er ein russischer Spion, wurde er auf sie angesetzt? Dass das zum Alltag gehört, wissen wir nicht erst seit Martha. Auch Elizabeth verbringt einen guten Teil der Episode Martial Eagle damit, das Vertrauen einer trockenen Alkoholikerin mit wichtigem Job zu gewinnen, die vermutlich glaubt, eine neue Freundin gefunden zu haben.
Interessant an Stans Story in der Episode Martial Eagle sind auch die Gespräche mit den Wissenschaftlern, in denen er ihnen vor Augen führt, was alles passieren kann und wie die Gegner an einen rankommen. All das passiert Stan in genau dem Moment, in dem er dort sitzt und die anderen warnt. Seine Affäre mit Nina (Annet Mahendru) hat ihn verwundbar gemacht, und Oleg ist bereits dabei, das auszunutzen. Stan hat sich sein Geheimnis selbst geschaffen und die emotionale Abhängigkeit gleich mitgenommen. Er steckt tiefer in der Tinte als jeder seiner Gesprächspartner, aber kann es nicht sehen. Genauso wie er nicht gesehen hat, was mit Sandra vor sich geht. Der nächste Zusammenbruch könnte also sehr gut auf sein Konto gehen.
Fazit
Die Episode Martial Eagle entführt uns wieder einmal in eine gefährliche Welt, die niemanden ungerührt lässt. Die The Americans-Autoren manipulieren uns nicht in Sympathien für bestimmte Figuren, sie zeigen uns alle Seiten und lassen uns dann mit unseren Gedanken und Entscheidungen alleine. Richtig bedrückend ist immer wieder die Genialität, mit der Philip und Elizabeth ihre Psychospiele durchziehen. Auch wenn vieles an der Beziehung zwischen Philip und Martha seltsam ist, die Unterhaltungen fühlen sich oft vertraut an, doch wir wissen, dass sie von Philip orchestriert werden. Auch Elizabeth manipuliert Menschen meisterhaft und schleicht sich in ihr Vertrauen. Manchmal fühlen diese Psychospiele sich echter an als die Realität und ziehen nicht selten die Frage nach sich, was eigentlich wirklich wahr ist.
Verfasser: Serienjunkies.de am Samstag, 26. April 2014(The Americans 2x09)
Schauspieler in der Episode The Americans 2x09
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