The Americans 2x08

The Americans 2x08

Kann The Americans eigentlich noch besser werden? Die Episode New Car zeigt, dass es geht. Wer sind eigentlich die Guten, was ist Schuld, welche Mittel werden noch durch den Zweck geheiligt und hat Philip Paige verkauft um ein neues Auto zu bekommen?

Henry (Keidrich Sellati), Philip (Matthew Rhys) und ihr amerikanischer Traum in der Serie „The Americans“ / (c) FX
Henry (Keidrich Sellati), Philip (Matthew Rhys) und ihr amerikanischer Traum in der Serie „The Americans“ / (c) FX

Wo soll man nach einer Episode wie New Car anfangen? Die The Americans-Autoren haben sich einmal mehr selbst übertroffen, auch wenn das kaum noch möglich schien. Sie spielen mit unseren Überzeugungen, zwingen uns, uns dieselben Fragen zu stellen, denen sich die Figuren gegenüber sehen. Die Antworten zu finden, ist nicht leicht, und man lernt dabei einiges über die Charaktere und sogar über sich selbst. Mehr kann man von einer Fernsehserie nicht erwarten.

Ideologie

In der ersten Staffel der Serie The Americans haben die Autoren die Frage der Ideologie weitgehend ausgeklammert, die Feindschaft der beteiligten Lager wurde uns als Selbstverständlichkeit präsentiert. Worum es eigentlich geht, durfte sich jeder Zuschauer aus seinem persönlichen Geschichtswissen herauskramen und zusammenpuzzeln. Das war die richtige Entscheidung, immerhin war es schon schwierig genug, die komplizierte Situation der Figuren untereinander zu etablieren. Nun, in der zweiten Staffel steigen die Autoren tiefer in die Überzeugungen der Parteien ein. Zu Beginn haben wir Philip (Matthew Rhys) mehr oder weniger von außen dabei beobachtet, wie er immer wieder in Versuchung gerät, seinem amerikanischen Cover-Leben zu verfallen. Mittlerweile sind wir so in das Leben der Figuren verstrickt, dass wir uns selbst fragen müssen, was richtig ist, was würden wir machen?

Wie üblich ist es Henry (Keidrich Sellati), der seinen Finger in die Wunde legt, auch wenn das in der Episode New Car fast ein bisschen zu offensichtlich ist. Es ist der Kampf darum, ein guter Mensch zu sein und die Frage, was einen zu einem guten Menschen macht und was diese Überzeugung in Gefahr bringen kann.

Rache oder Zweckverfolgung?

Die zentrale Szene in der Episode New Car ist dabei der Mord an Lucia (Aimee Carrero) durch Larrick (Lee Tergesen). Elizabeth (Keri Russell) entscheidet sich dafür, den größeren Rahmen zu sehen: Larrick ist ein wichtiger Posten in der aktuellen Operation, seine Informationen sind für sie wichtiger als Lucias persönlicher Rachefeldzug. Sie steht also in dieser Küche und lässt diesen Mann, der bereits so viele Menschenleben nahm, eine Frau töten, die für dasselbe Ziel wie Elizabeth selbst kämpft.

Als Philip von dem Mord erfährt ist seine erste Reaktion Larrick umzubringen. Er sieht einen Mann, der eine Frau getötet hat und will ihn dafür leiden sehen. Die Szene zwischen Elizabeth und Philip im Schlafzimmer ist bestechend intensiv und vielleicht sogar noch wichtiger für die Story als der Mord an sich. Dass Elizabeth immer die ideologischere von den beiden war, wissen wir schon seit der ersten Staffel.

Philip erfährt, dass Elizabeth Larrick erlaubt hat, Lucia zu töten. Und innerhalb einer Sekunde verändert er sich. Er sieht, dass Elizabeth diese Entscheidung nicht leicht gefallen ist, er will ihr nicht das Gefühl geben, dass sie sich falsch entschieden hat und aus „Vergiss die Mission. Wir töten ihn!“, wird „Sie hätten Lucia nicht herschicken dürfen!“. Diese Szene, voller doppelter Böden, bringt die Unterschiede zwischen den beiden auf den Punkt: Elizabeth verfolgt den großen Plan, egal, was es kostet. Philip sieht den einzelnen Menschen. Er will Lucia rächen, doch als er erfährt, dass Elizabeth dabei war, konzentriert er sich auf sie und will sie schützen, ihr die Schuld nehmen, die sie fühlt.

Aus demselben Grund kann Philip auch Martha (Alison Wright) das gefälschte Tonband nicht vorspielen. Er erkennt, dass er es mit einem Menschen zu tun hat, der Gefühle hat und verletzt werden kann. Sein Status als Spion zwingt ihn, Menschen als Spielfiguren zu betrachten, bei denen man nur auf die richtigen Knöpfe drücken muss, um zu bekommen, was man möchte.

Welches Leben soll es sein?

Doch er wackelt in seiner Überzeugung, er erliegt der Werbung und dem schönen Leben in Amerika immer mehr, das zeigt nicht nur das neue Auto deutlich. Er sieht das Glück seines Sohnes angesichts des neuen Autos, er fühlt den amerikanischen Traum von Freiheit und Technik selbst. Und er geht so weit, Elizabeth zu fragen, ob sie es nicht auch manchmal fühlt. Für Philip steht der Einzelne über der Gruppe, für Elizabeth ist es andersherum. Das sieht man auch im Familienleben, Philip stellt nicht nur andere, sondern auch sein eigenes privates Glück hin und wieder über das Ziel. Elizabeth will die Menschheit befreien. Sie glaubt an das Kollektiv und dass niemand besser gestellt sein sollte als jemand anders. Die Geschichte der Jennings spielt in den Achtziger Jahren und wir wissen, wie es weitergehen wird, doch das ändert nichts daran, dass man sich zwischendurch auch selbst fragt: Was ist eigentlich richtig?

Philip verliert seinen amerikanischen Traum als er die Neuigkeiten von Kate (Wrenn Schmidt) erfährt. Die falschen Pläne haben mehr als hundert Menschenleben gekostet. Den Camero sieht Philip danach mit anderen Augen. Für einen Moment hat er sich der amerikanischen Technikbegeisterung hingegeben, der Freude darüber, schnell und modern zu sein. Doch die Technik hat nun 160 Menschenleben gekostet.

Doch auch Philip und Elizabeth bringen immer wieder unbeteiligte Menschen um für die Sache. Wie viele Menschenleben ist die Sache eigentlich wert? Und ab wann verliert man die moralische Übermacht? Philip steht an diesem Punkt, er lässt den Fahrer leben, nachdem er den Jennings die Informationen gegeben hat, die sie brauchen. Er ist nicht mehr bereit, Menschen zu opfern um andere Menschenleben zu retten. Doch dadurch wird er auch unvorsichtig. Es ist unwahrscheinlich, dass jemand den Mann im Wald entdeckt, aber falls es passiert, könnte es die ganze Operation und damit auch das Jenningsche Familienleben bedrohen. Aus Agentensicht ist Philip nicht gründlich genug angesichts des Risikos.

Doppeltes Spiel

Unterdessen bekommt Nina (Annet Mahendru) in der Episode New Car eine Atempause, endlich einmal ist ihr Leben nicht bedroht und sie darf sogar Lob einheimsen. Sie hat mit Oleg (Costa Ronin) den perfekten Partner im Spiel der Spione gefunden, zumindest für den Moment. Arkady (Lev Gorn) lässt sie deutlich wissen, dass dieses Spiel nicht ungefährlich ist. Trotzdem ist es schön zu sehen, dass die Frau, die von der Pilotepisode an verdammt schien, sich aus dem Loch herausgearbeitet hat. Mittlerweile ist es Stan (Noah Emmerich), dem man eine furchtbare Zukunft prophezeien möchte. Sein Familienleben liegt in Scherben ohne dass er es wirklich realisiert und seine Geliebte ist auf dem besten Weg, ihn zum Überläufer zu machen. Und das nicht einmal aus Gefühlen heraus, sondern aus Eigennutzen.

Interessant ist auch der kurze Blick nach Russland, als wir erfahren, dass Vasili (Peter Von Berg) nicht von den eigenen Leuten ermordet worden ist und wir für die Zukunft wohl noch etwas von dem Wissenschaftler Anton (Michael Aronov) erwarten dürfen. Es ist nur eine kurze Szene, aber sie verrät viel über das Leben der Spione. Anton ist von seiner Familie getrennt und gegen seinen Willen in sein Heimatland gebracht worden. Dort wird er nun mit Informationen versorgt, die er in Amerika nicht sehen durfte. Er lebt, aber nicht das Leben, das er sich ausgesucht hat. Seine Situation erinnert an Philip.

Im Grunde hat er nur drei Möglichkeiten: Er bringt sich um bzw. lässt sich umbringen indem er die Zusammenarbeit verweigert und überflüssig wird (in gewisser Weise war das Lucias Weg, sie hat ihre persönlichen Gefühle an die oberste Stelle gestellt und ist damit untragbar für die Ideologen geworden). Seine zweite Möglichkeit ist, zwar zu arbeiten, aber im Inneren auf der Seite der Amerikaner zu bleiben und alles für deren Zweck zu tun (Elizabeths Weg) oder er geht den wohl menschlichsten Weg und ergibt sich in sein Schicksal, indem er versucht den am wenigsten schmerzhaften Weg zu finden und baut sich ein neues Leben in Russland auf. An dieser Schnittstelle steht in gewisser Weise auch Philip. Er glaubt zwar an den größeren Plan, aber in seinem Alltag ist es einfacher, sich dem amerikanischen Traum hinzugeben, er und seine Familie würden damit einfacher leben.

Fazit

Mit der Episode New Car geben uns die The Americans-Autoren so viele faszinierende Szenen, dass man kaum alle aufzählen kann. Die Entwicklung der Figuren wird nie fallen gelassen, selbst die Geschichten von Randerscheinungen wie Martha und Sandra Beeman (Susan Misner) verlieren die Autoren nie aus den Augen. Unter anderem mit der Rückkehr von Vasili verdichten sie diese Welt, in der die Figuren sich bewegen, nichts geht verloren.

Wenn sie neue Charaktere einführen, machen sie das so behutsam, dass man fast nicht einmal merkt, wie diese sich in die Geschichte schleichen. Ein solcher Fall ist Oleg, der mittlerweile zu den spannendsten Figuren gehört. Er hat eine mächtige Familie, vieles scheint für ihn nur ein Spiel zu sein, unter anderem auch weil er Zugang zu Informationen hat, die ihm erlauben, seinem Vorgesetzten furchtlos die Stirn zu bieten. Entweder sehen wir hier den zukünftigen Strippenzieher auf Seiten der Russen auf seinem Weg an die Spitze oder wir sehen jemanden, der seine Karten überreizt und bald mit dem Gesicht nach unten auf dem Asphalt landet.

Die Episode New Car lehrt uns, dass Schicksal oft nur das Ergebnis aus Zufall und Timing ist. Larrick erwacht vor Lucia und das führt dazu, dass sie am Ende tot auf dem Boden landet und nicht er.

Henry versucht zu beweisen, dass er ein guter Mensch ist und die Verzweiflung darüber, dass seine Eltern das nicht sehen könnten, dreht ihm den Magen um. Er sagt, dass er sich fühle als wenn er sich übergeben müsse. Man kann sich wohl kaum vorzustellen, wie viele Umdrehungen die Mägen der anderen Figuren bereits hinter sich haben müssen.

Verfasser: Serienjunkies.de am Donnerstag, 17. April 2014
Episode
Staffel 2, Episode 8
(The Americans 2x08)
Deutscher Titel der Episode
Schuld und Sühne
Titel der Episode im Original
New Car
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Mittwoch, 16. April 2014 (FX)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Dienstag, 2. Juni 2015
Erstausstrahlung der Episode in der Schweiz
Montag, 13. April 2015
Autor
Peter Ackerman
Regisseur
John Dahl

Schauspieler in der Episode The Americans 2x08

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