The Americans 2x03

Henry (Keidrich Sellati) hat in der Serie The Americans eigentlich bisher keine große Rolle gespielt, doch in der zweiten Staffel mausert er sich immer mehr zu der Figur, die das Thema der Episoden vorgibt. In der letzten Episode war es sein Hinweis darauf, dass er keine Lust auf Spiele habe und mehr am echten Leben interessiert sei. In The Walk In beschäftigt er sich mit einer Sternenscheibe, die ihm helfen soll, die Sternkonstellationen zu lesen. In einer Welt, in der alles ständig in Bewegung ist, bieten die Sterne Orientierung. Und genau diese Sicherheit suchen in dieser Episode eigentlich alle Figuren.
Familiengeheimnisse
Paige (Holly Taylor) rafft sich auf, ihren großen Coup zu landen. Se geht Tante Helen (Kathleen Chalfant, House of Cards) besuchen, die einzige Verwandte, von der sie weiß. Paiges Ausflug führt uns in vielerlei Hinsicht vor Augen, wie schwierig das Leben der Spione ist - und wie sehr man auch als Zuschauer bereits in das ständige Misstrauen gezogen wird. Dass zwei Teenager sich im Bus kennenlernen, ist nicht ungewöhnlich. Dass dabei einer den anderen anspricht, ebenfalls nicht. Dass sie das geteilte Unverständnis für die eigenen Eltern verbindet, ist mehr als normal. Und doch: In dieser Situation fühlt es sich seltsam an, als Kelli (Lizzy DeClement, NYC 22) den Kontakt zu Paige sucht. Ist hier eine besonders jung wirkende Agentin am Werk? Gibt es nicht nur gefälschte Beziehungen wie zwischen Nina (Annet Mahendru) und Stan (Noah Emmerich), sondern werden nun auch die Kinder zum Ziel der Geheimnislüftungstaktik?
Beim Besuch der Tante geht es direkt weiter. Kurz kann man sich fragen, ob das Bild von Elizabeth (Keri Russell) und ihrem Baby im Haus einer dementen Frau positioniert wurde, genau für diesen Fall, dass jemand wie Paige vorbeischaut. Doch das Netzwerk der Spione ist immer wieder tiefer, als man im ersten Moment vielleicht glaubt. Die Frau, die sich als Tante Helen ausgibt, ist ebenfalls eine Mitarbeiterin der Russen, die sich als demente Frau ausgibt.
Orientierung hat der Besuch Paige nicht gebracht, in erster Linie, weil das russische Netzwerk einfach zu engmaschig ist, um durchblicken zu können. Aus ihrer Sicht passt alles zusammen, auch wenn Philips Reaktion etwas überzogen scheint.
Der Brief
Unterdessen geht für Elizabeth und uns das Thema Kinder weiter. In Rückblicken erfahren wird, dass Elizabeth nicht der Typ war, eine Familie zu gründen. Das überrascht wohl niemanden. Die große Frage, die sich auch einige SERIENJUNKIES.DE®-Leser in den Kommentaren bereits gestellt haben, war eigentlich eher: Wieso haben die beiden eigentlich eine Familie, die sie potentiell auffliegen lassen kann und durch die sie angreifbarer werden? Nun wissen wir es. Im Gespräch mit ihrer Freundin und Mitspionin scheint durch, dass die Zentrale Kinder als Fassade erwartet. Die Entscheidung, eine Familie zu gründen, hat Elizabeth getroffen. Philip (Matthew Rhys) hat lediglich abgewartet. Nun wissen wir, dass sie diese Entscheidung in erster Linie aus Pflichtgefühl und im Sinne ihrer Mission getroffen hat.
Doch all das ist weit entfernt von der Elizabeth, die wir in der Seriengegenwart erleben. Sie hat Angst um ihre Kinder. In der Episode The Walk In muss sie sich mit dem Sohn ihrer Freunde auseinandersetzen. Sie hat einen Brief dabei, den Leanne ihr einst gegeben hat. Der Pflegemutter des Jungen sagt sie, das Wichtigste sei, dass er sich nun sicher fühlen kann. Ihm selbst sagt sie, dass eine Heilung umso schwieriger ist, wenn es keine Antworten gibt. Elizabeth entscheidet sich dazu, ihm diese Antworten auch nicht zu geben, sie verbrennt den Brief.
Tut sie es aus Angst, es könnte ihre Deckung gefährden? Was hätte der Junge schließlich mit den Informationen tun sollen? Weiß die Zentrale von diesem Brief? Doch die The Americans-Autoren lassen diese Fragen zurück und wenden sich einer anderen Lesart zu: Elizabeth scheint Jared (Owen Campbell, Boardwalk Empire) seine Ruhe geben zu wollen. Er hat seine Eltern verloren, doch er hatte unter diesen furchtbaren Umständen immerhin ein bisschen Glück: Seine Zukunft ist abgesichert, er ist bei einer Familie untergekommen, die ihn schon lange kennt und liebt, die sich aufrichtig kümmert, und bald wird er aufs College gehen. Elizabeth sagt ihm zwar nicht die Wahrheit, aber sie lässt ihm seine Erinnerungen an ein heiles Familienleben, an seine ehrlichen Eltern, die einem schrecklichen Mord zum Opfer fielen. Sie reißt ihn nicht aus seiner Welt heraus, und gibt ihm so die Möglichkeit, neu anzufangen.
Kinderfotos
Das schwierige Verhältnis der Spione zu Kindern wird auch im Auftrag der Episode deutlich. Als die Jennings sich auf die Suche nach Informationen über eine Maschine machen, trifft Elizabeth auf den Mitarbeiter Derek (Dave T. Koenig), der offenbar keine besondere Relevanz für das Unternehmen hat, ein kleiner Fisch also. Es ist nicht lange her, dass Philip einen Küchengehilfen erschossen hat, weil der ihn ohne Perücke gesehen hat. Die Möglichkeit, dass Elizabeth den Mann umbringt, ist also nicht besonders abwegig. Es ist eine interessante Szene, in der vieles unausgesprochen bleibt. Der Mann merkt, dass etwas Wichtiges und Gefährliches vor sich geht. Doch ob er weiß, wen genau er da vor sich hat, wissen wir nicht. Er erkennt aber, dass sein Leben in Gefahr ist und versucht, über seine Kinderbilder Mitgefühl zu wecken.
Elizabeth lässt ihn leben, obwohl wir sie oft als eiskalte Vollstreckerin erlebt haben. Man muss annehmen, dass es etwas mit ihrer Situation und den Kinderbildern zu tun hat. Sie reagiert darauf, dass der Mann in derselben Situation ist, in der sie sich selbst wähnt: die eigenen Kinder unter Umständen als Waisen zurücklassen zu müssen. Elizabeth zeigt Mitgefühl.
Doch dieses Verständnis für die Lage nutzt sie auch, um sich abzusichern. Sie nimmt eines der Kinderfotos an sich und platziert damit eine enorme Drohung. Dieser Mann wird seinen Sohn wohl in nächster Zeit nicht unbeaufsichtigt nach draußen lassen. Das Leben der Spione ist schwierig, die Episode The Walk In zeigt das besonders eindringlich.
Liebesbeweise
Stan hat in der Episode The Walk In zumindest beruflich Erfolg - durch Ninas Tipp. Das treibt ihn noch weiter in die Arme der Russin. In letzter Zeit haben wir nur wenige Hinweise darauf bekommen, wie er sich seine Zukunft vorstellt, immerhin hat er noch eine Ehefrau. Nina scheint unterdessen unentschieden zu sein. Dass sie Stan den Tipp in der letzten Woche gegeben hat, ist für die Russen nur vorteilhaft gewesen. Vermutlich war das sogar Berechnung, immerhin stellt der Mann sich als echter Verschwörungstheoretiker in einer ernsthaft doppelbödigen Welt heraus. Nina handelt also in Arkadys Sinn. Doch sie lächelt, als sie schreibt, dass Stan ihr ein Liebesgeständnis gemacht hat. Lächelt sie für den Erfolg oder das Gefühl?
Fazit
Wir bekommen wieder einmal eine The Americans-Episode, in der einfach alles passt. The Walk In wirft viele Storys auf und schafft es, alle zu einem vorläufigen Abschluss zu bringen sowie ein großes Thema auf die Geschichten zu legen, ohne dass es sich konstruiert anfühlt. Das gelingt nicht zuletzt dank Henry.
Verfasser: Serienjunkies.de am Donnerstag, 13. März 2014(The Americans 2x03)
Schauspieler in der Episode The Americans 2x03
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?