The Americans 2x02

The Americans 2x02

Was ist wirklich und was nicht? Diese alte The Americans-Frage steht in der Episode Cardinal besonders im Zentrum. Für Elizabeth und Philip wird zumindest eins deutlich: Wenn es an das Leben der Kinder geht, ist der Agentenspaß vorbei.

Das Agentenpaar Phillip (Matthew Rhys) und Elizabeth (Keri Russell) in der Serie „The Americans“ / (c) FX
Das Agentenpaar Phillip (Matthew Rhys) und Elizabeth (Keri Russell) in der Serie „The Americans“ / (c) FX

Henry will in der Episode Cardinal nicht mehr mit Schwester und Mutter am Tisch sitzen und „Spiel des Lebens“ spielen, weil ihn das echte Leben mehr interessiert. Und das findet er eher im Fernsehen als im Brettspiel. In dieser The Americans-Episode ist diese Idee tatsächlich eine Überlegung wert.

Wirklichkeit und Lüge

Phillip (Matthew Rhys) startet den Tag in der Episode Cardinal an Marthas Frühstückstisch, mit der er in einer recht idyllischen Ehe lebt. Unterdessen schlägt seine andere Ehefrau sich mit ihrem neuen Verfolgungswahn herum. In der ersten Staffel war ebenfalls schon vieles schwer zu durchschauen, doch an Marthas Seite hat Phillip sich nun ein zweites Leben auf Dauer aufgebaut. Und seit Martha (Alison Wright) nicht mehr das verzweifelte Anhängsel ist, wirkt sie sogar wie eine Figur, mit der man noch rechnen muss. Vielleicht steigt sie in der Hierarchie des FBI ebenso auf wie Nina (Annet Mahendru) auf der gegnerischen Seite.

Am Ende eines bedrohlichen Tages geht Phillip in sein anderes Zuhause, zurück zu Elizabeth und den Kindern, auch wenn er laut Plan eigentlich bei Martha sein sollte. Und es wäre auch sicher keine schlechte Idee, bei ihr zu sein, immerhin bastelt sie gerade an ihrer Karriere, was auch für Phillip und Elizabeth (Keri Russell) von großer Bedeutung ist. Doch er ist nur knapp einer Kugel entkommen und in Situationen wie diesen zeigt sich, was wirklich ist: Die Liebe zu Elizabeth und den Kindern.

Paranoia

Das Aufeinandertreffen von Wirklichkeit und Spiel ist auch auf einer anderen Ebene in die Story der Episode verstrickt. Nach dem Mord an dem befreundeten Pärchen ist besonders Elizabeth von Verfolgungswahn geplagt. Hinter jeder Veränderung wittert sie eine Falle, eine Bedrohung. Das getötete Pärchen war eng mit den Jennings befreundet, und auch wenn wir sie nur einen Episode lang kannten, reicht das aus. Die Parallelen zwischen den beiden Familien sind so groß, dass man die Bedrohung, die Elizabeth aus den Erlebnissen zieht, mitfühlen kann.

In der ersten Staffel war Elizabeth oft die Kaltblütigere, diejenige, die an den größeren Zweck glaubt und ihr Leben in den Dienst der Sache stellt, ohne mit der Wimper zu zucken. Sie hat sich für dieses Leben entschieden und sie ist gut darin. Doch der Mord an ihren Freunden und vielleicht auch ihre Verletzung aus dem ersten Staffelfinale haben eine Veränderung in ihr bewirkt. Sie hat plötzlich eines eingesehen: Die ganze Sache könnte nicht nur Phillip und sie das Leben kosten, es könnte auch ihre Kinder umbringen. Mit dieser Einsicht ist die Agentensache für die Jennings plötzlich ein Stück realer geworden. Die beiden setzen eben nicht nur ihr eigenes Leben aufs Spiel, es ist eine Wirklichkeit, die unbeteiligte Kinder treffen kann.

Auf wessen Seite

Die Frage, was wirklich ist und was nicht, muss man sich auch in Hinsicht auf Nina mittlerweile stellen. Es scheint, dass sie sich für die russische Seite entschieden hat, sie gibt wichtige Informationen an Arkady (Lev Gorn) weiter und informiert Stan (Noah Emmerich) nicht darüber, dass sie erwischt worden ist. Noch deutlicher macht das der Bericht, den sie am Ende der Episode Cardinal einreicht. In bürokratischer Sprache äußert sie sich zu Stans Gefühlen für sie und dem Sex mit ihm. Doch ist das wirklich schon alles? Immerhin muss man bedenken, dass sie keine wirkliche Wahl hatte, als mit den Russen zusammenzuarbeiten, wir mussten ja bereits um ihr Leben bangen.

Und immer wieder gibt sie Informationen an Stan weiter, die ihm wirklich helfen, ihn nicht auf eine falsche Spur locken und von denen wir nicht gesehen haben, dass Arkady Nina aufgefordert hat, Stan damit zu versorgen. Wir wissen nicht einmal, ob Arkady weiß, was Nina wirklich mit Stan teilt. Steht Nina noch auf einer der beiden Seiten oder ist sie zerrissen? Vielleicht hat sie echte Gefühle für Stan, weiß aber, dass sie, um zu Überleben, keine Wahl hat, als mit Arkady zusammenzuarbeiten.

Am Rande

Elizabeth und Phillip haben jeder ihr eigenes Abenteuer durchzustehen in der Episode Cardinal. Phillip gerät in die Hände von Fred (John Carroll Lynch, Close to Home), einem Kontakt seines toten Freundes. Mit der Waffe vor sich muss er sich aus der Klemme reden. Und das schafft er, weil er Fred lesen kann, er versteht, was in ihm vorgeht, auch wenn es etwas ist, was nicht ganz nach den Regeln ist. Fred wollte nicht das Geld, er war mit der Familie von Emmet alias Paul befreundet. Phillip versteht das und schafft es, sich lebend aus einer brenzligen Lage zu retten.

Unterdessen kommt Elizabeth einer jungen Agentin aus Nicaragua, Lucia (Aimee Carrero, Level Up) zu Hilfe, der sie ganz nebenbei wichtige Ratschläge für die Zukunft gibt. Es macht immer Spaß zu sehen, wie die Jennings mit anderen Agenten zusammenarbeiten. Und dass nun ein weiteres Land ins Rennen geworfen wird, eröffnet ganz neue Möglichkeiten. Beide zeigen in der Episode Cardinal, wie gut sie Menschen lesen und einschätzen können, manchmal kann das etwas über sie selbst aussagen, manchmal vielleicht auch nicht. Doch es ist schon interessant, dass die Autoren Phillip auf jemanden treffen lassen, der alles andere als ein kaltblütiger Killer ist, eher jemand, wie Phillip in der ersten Staffel war. Und Phillip versteht diesen Menschen so gut, dass er in kurzer Zeit sein Vertrauen gewinnt. Das ist bezeichnend, weil wir in der letzten Episode den kaltblütigen Killer Phillip gesehen haben, eine Seite, die neu war.

Auf der anderen Seite trifft Elizabeth auf eine junge Agentin, der sie durch eine schwierige Zeit hilft und der sie sich offenbar direkt verbunden fühlt. Sie gibt ihr Ratschläge für die Zukunft und bietet ihr an, sich weiterhin an sie zu wenden. Die junge Südamerikanerin als Elizabeths Freundin könnte vielversprechende Geschichten in der Zukunft ergeben.

Fazit

Die Episode Cardinal läutet das Nachspiel des Mordes an der Agentenfamilie aus dem Staffelauftakt ein. Und das ist von Paranoia, neuen Einsichten und noch mehr doppelten Böden bestimmt.

Verfasser: Serienjunkies.de am Freitag, 7. März 2014
Episode
Staffel 2, Episode 2
(The Americans 2x02)
Deutscher Titel der Episode
Alte Freunde
Titel der Episode im Original
Cardinal
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Mittwoch, 5. März 2014 (FX)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Dienstag, 19. Mai 2015
Erstausstrahlung der Episode in der Schweiz
Montag, 23. Februar 2015
Autoren
Joel Fields, Joseph Weisberg
Regisseur
Daniel Sackheim

Schauspieler in der Episode The Americans 2x02

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