The Americans 1x09

Der Beginn der Episode Safe House ist eine kleine Überraschung. Doch von den Schockern, die die Serie The Americans in dieser Episode liefert, löst die Tatsache, dass Elizabeth (Keri Russell) und Philip (Matthew Rhys) sich trennen noch die geringste Bestürzung aus.
Der Pausenschalter
In der letzten Episode hat Philip Elizabeth über seine Zeit mit Irina angelogen, wurde postwendend erwischt und hat damit augenscheinlich das ganze Kartenhaus, das die Ehe der Jennings war, zum Einsturz gebracht. Als wir sie kennengelernt haben, lebten sie seit mehr als zehn Jahren in einer vom KGB arrangierten Ehe und standen an der Schwelle, sich nun das erste Mal ineinander zu verlieben. Nach einigen Rückschlägen haben wir in den letzten Episoden immer wieder kleine Anflüge von seltener Idylle gesehen.
Und das soll nun alles vorbei sein, nach einer Lüge, die nicht gerade klein war. Doch Philip war auf einer Mission. Irina musste im Krankenhaus eine Vergewaltigung glaubhaft vortäuschen, dafür hat Philip sie geschlagen - war es da nicht zweckmäßig, dass die beiden auch Sex haben würden? Wie Elizabeth reagiert haben würde, wenn er ihr direkt von der Bettgeschichte mit Irina erzählt hätte, wissen wir nicht. Das Problem, das sie vorgibt ist die Tatsache, dass er sie angelogen hat. Und das ist zu einem Stück weit auch verständlich. In einer Welt der doppelten Böden müssen die beiden sich vertrauen können. Philip hat aus Liebe gelogen. Elizabeth' Entscheidung, dem KGB gegenüber Zweifel an Philips Loyalität zu äußern, schien ein weniger großes Problem zu sein.
Wie man es auch dreht und wendet, die Entscheidung, sich zu trennen fühlt sich angesichts der langen gemeinsamen Vergangenheit ein bisschen übereilt an. Vor allem da die gemeinsamen Aufträge darunter leiden werden. Dass sie die Party der Beemans gemeinsam besuchen mag gerade noch durchgehen, da die Trennung noch nicht öffentlich ist. Aber wie sollen sie als getrenntes Ehepaar nächtliche Ausflüge erklären? Die Trennung verschärft die emotionale Ausnahmesituation, in der die beiden Spione sich befinden. Und sie passt in diese Episode der Extreme, lässt die Handlung angenehm absurd erscheinen, wenn die beiden Entführer sich über das Wohlergehen ihrer Kinder austauschen, im selben Tonfall direkt zum Zustand ihres halbtoten Opfers übergehen.
Diese zusätzliche Portion Drama hätte die Serie The Americans gar nicht unbedingt benötigt, schließlich hat die Handlung um das FBI und die Bedrohung der Jennings aus den eigenen Reihen in der letzten Zeit immer mehr an Spannung zugelegt. Dennoch tut es auch gut, eine Atempause zu dem ewigen Hin und Her in der Beziehung von Elizabeth und Philip zu bekommen. Fürs Erste ist eine Lösung gefunden, die immerhin dazu führt, dass die beiden von dem sich immer wiederholenden Gespräch über Vertrauen und Liebe loskommen.
Eifersucht
Die Dramatik der Episode Safe House kommt zu einem nicht unwesentlichen Teil aus der Tatsache, dass niemand, nicht das FBI, nicht der KGB und auch nicht die Jennings, den Kampf und die Opfer gewollt hat. Auslöser der Ereignisse ist die Eifersucht von Stans Partner Chris Amador (Maximiliano Hernández). Und die muss er teuer bezahlen.
Dass die Verbindung zwischen Philip, Martha (Alison Wright) und Chris Amador sich zuspitzen würde, das konnte man kommen sehen. Doch das es mit Chris' Tod enden würde, das kommt überraschend. Und wird von der Serie geschickt ausgespielt. Wir haben ihn nicht sonderlich gut kennengelernt. Er war Stans Partner, kam ein bisschen wie ein Großmaul rüber, der gerne ein Frauenheld wäre. Und jetzt, in der Stunde seiner Verdammnis, lernen wir ihn endlich so gut kennen, dass Stans Leiden am Ende der Episode gut nachvollziehbar werden.
Er war tatsächlich der Frauenheld, den er so gerne gegeben hat. Aber er hatte auch eine andere Seite, denn wir wissen, wie er unter dem Verlust von Martha gelitten hat. Er war ein guter Partner für Stan (Noah Emmerich), mit seiner lockeren Art und seinen Verrücktheiten hat er die oft steife Art seines Partners ausgeglichen. Und er hat ihn wissen lassen, was ihm wichtiger ist als der Tod: Scham ist keine Option.
Mit der Episode Safe House hat er ein Andenken hinterlassen, für das man sich nicht schämen muss. Er hat seinen Partner nicht enttäuscht, er hat Nina (Annet Mahendru) nicht verraten und selbst seine Aussage über Arkady (Lev Gorn) entwickelt sich zu seinen Gunsten. Elizabeth und Philip erkennen nicht, dass der Plan des FBI schiefgelaufen ist, sie glauben daran, dass Amador sie auf eine falsche Fährte führen wollte. Er hinterlässt Verwirrung und Unsicherheit auf Seiten der Feinde, ganz wie er es sich wohl gewünscht hätte.
Und er ist historisch gesehen auf der richtigen Fährte, seine Seite wird gewinnen, wie er es voraussagt. Das können weder Amador noch Philip wissen, daher wirkt die tiefe Überzeugung des US-Agenten wirkt tatsächlich berührend.
Rückblick
Philip steht historisch nicht nur auf der Seite der Verlierer, er steht aus Sicht der US-Serienmacher auch auf der Seite des Gegners. Und trotzdem haben sie es geschafft, sowohl für Stan als auch für die Jennings durchgehend Sympathien zu wecken. Und auch in dieser Episode bleiben Philip und Elizabeth wieder nachvollziehbar für den Zuschauer.
Dass das Treffen zwischen Philip und Amador eskaliert, muss man in erster Linie dem US-Agenten anlasten. Er ist derjenige, der seine Macht als Agent nutzt, um den neuen Liebhaber seiner Ex einzuschüchtern. Er ist es, der den Faustkampf auf eine andere Ebene führt und das Messer zieht.
Philip und Elizabeth sind keine Sadisten, selbst im Angesicht der Bedrohung durch die Mordpläne des FBI fühlen sie immer noch mit ihrem Opfer mit. Auch wenn dieses Mitgefühl sich nur darin ausdrückt, dass sie ihn nicht länger als notwendig leiden lassen wollen.
Entwicklung zur dunklen Seite
Der größte Schockmoment ist das Ende der Episode. Stan und Philip haben wir als Figuren mit großen Ähnlichkeiten kennengelernt. Beide sind in der Regel besonnen und umgänglich, speziell in beruflicher Hinsicht. Stan umgibt die Aura eines großen Agenten, über seine Heldentaten der Vergangenheit haben wir immer wieder Andeutungen gehört. Diese Erwartungen hat er auch in der Serie stets erfüllt, auf eine zurückhaltende, aber fähige Art.
Doch das Ende der Episode zeigt, wozu Stan auch fähig ist. Er hat sich von seiner Familie entfernt, seine Gefühle für Nina sind frisch und noch sehr undurchsichtig. Am wichtigsten ist ihm seine Arbeit. Und er macht sie mit Bedacht. So will er nicht an einer unautorisierten Aktion gehen Arkady teilnehmen. Doch das Verschwinden seines Partners ist der Schlüssel zu einer anderen Seite Stans. Der Tod Amadors ist vielleicht der größte Angriff auf Stan, der möglich ist. Und diese Wandlung bringt die wohl grausamste Szene der Serie The Americans bisher. Stan, dieser ruhige und ausgeglichene Mann, erschießt einen Mann hinterrücks, während dieser einen Burger isst.
Jeder Aspekt dieser Aktion ist schockierend und passt nicht zu dem Stan, den wir kennengelernt haben. Sein Opfer ist im Spiel der Agenten unbedeutend, hat mit der eigentlichen Situation nichts zu tun. Stan hat nicht einmal die Sicherheit, dass der KGB überhaupt hinter dem Tod seines Partners steckt, sowohl Nina als auch Arkady haben ihre Ahnungslosigkeit nicht gespielt. Und das wohl am meisten schockierende ist, dass der Mord an Vlad (Vitaly Benko) keinen anderen Zweck als Rache hat. Maximal könnte man sagen, dass er ein außerdem ein Zeichen an den KGB sendet. Beides sind jedoch äußerst schwache Gründe um einen Menschen umzubringen, der sich nach allem, was wir wissen, nichts hat zuschulden kommen lassen.

Wenn Stan durch Amadors Tod auf Dauer seine Besonnenheit verloren hat, wird sich die Dynamik der Serie bedeutend ändern. Und das könnte interessant werden, besonders nachdem wir seine eindrucksvolle Rede über die Jagd gehört haben.
Fazit
Die Episode Safe House bringt die Trennung der Jennings, den überraschenden Tod Amadors und eine große Veränderung in Stan. Positiv sticht auch Paige (Holly Taylor) hervor, als sehr gute Beobachterin ihrer Umgebung und schlagfertige Kommentatorin der Ereignisse.
Nach einigen Episoden, die vor allem den Beziehungsaspekt in den Vordergrund gestellt haben und die Agentenstorys wie eine „Case of the Week“-Serie angegangen sind, führt diese The Americans-Episode wieder zurück zu den Stärken des Plots. Und wird damit zu einer der besten Episoden der Serie bisher.
Verfasser: Serienjunkies.de am Donnerstag, 4. April 2013(The Americans 1x09)
Schauspieler in der Episode The Americans 1x09
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