Star Trek: Picard 3x09

Star Trek: Picard 3x09

In der Folge „Vox“ der US-Serie „Star Trek: Picard“ wird das Geheimnis um Jack Crusher gelüftet. Für Picard und den Rest der Crew ergeben sich dadurch Antworten auf brennende Fragen, wobei das Ausmaß der neuerlichen Bedrohung so gewaltig ist, dass nicht nur die Sternenflotte betroffen sein wird.

Patrick Stewart in „Star Trek: Picard“
Patrick Stewart in „Star Trek: Picard“
© Paramount+

Vox

Die Episode Part Nine "Vox" knüpft direkt an die letzte Folge an und zeigt uns, wie Deanna (Marina Sirtis) die geheimnisvolle rote Tür in Jacks (Ed Speleers) Kopf öffnet, um kurz darauf die „Sitzung“ zu beenden. Was sich dahinter verbirgt, soll uns aber nicht lange vorenthalten werden, wenn sie Jean-Luc (Patrick Stewart) und Beverly (Gates McFadden) darüber informiert, dass nichts anderes als die Borg in Jack schlummern. Die Stimme, die er vernimmt, gehört der Königin (Jane Edwina Seymour spielt hier, während Alice Krige die vertraute Stimme liefert), die bereits vor Jahrzehnten eine Saat in Picard platziert hat, die dieser an seinen Sohn weitergegeben hat, wo sie sich zu einem organischen Transmitter entwickelte, der unter anderem Jacks Fähigkeiten erklärt.

Vadic (Amanda Plummer) und ihr mysteriöser Auftraggeber (vielleicht die Königin in anderer Form?) haben davon Wind bekommen und diese „Waffe“ aus Picards Leiche extrahiert, um sie im Transportersystem der Sternenflotte zu deponieren, wo die Assimilierung bereits heimlich fortgeschritten ist und nur noch auf ein Aktivierungssignal wartet, welches am Frontier Day die Warnmeldung der Titan unterbricht, um alle jüngeren Personen (es gibt eine Altersgrenze von 25 Jahren) in Borg zu verwandeln. Die Krise ist damit perfekt und lässt für unsere Protagonisten vorerst nur die Flucht zu, welche dank Geordi (LeVar Burton) zum wohl größten nostalgischen Moment für Star Trek: The Next Generation-Fans führt.

Szenenfoto aus der Folge „Vox“ der US-Serie „Star Trek: Picard“
Szenenfoto aus der Folge „Vox“ der US-Serie „Star Trek: Picard“ - © Paramount+

Jack begibt sich derweil auf eine Reise, nachdem Jean-Luc ihm von Schuldgefühlen geplagt die schlechten Nachrichten überbracht hat. Er möchte sich nicht einsperren und „behandeln“ lassen, sondern sucht nach der Quelle der Stimme, um diese auszuschalten. Ein Plan, der (vorerst?) kein gutes Ende nimmt, nachdem Jack den riesigen Borgwürfel und die Königin gefunden hat.

Insgesamt hat sich die Wartezeit gelohnt, wenn die Drehbuchautoren Sean Tretta und Kiley Rossetter unter der Regie von Terry Matalas hier die Fäden zusammenlaufen lassen. Es wird jede Menge erklärt, wobei die Erklärungen sogar sehr weit zurückreichen. Aber es fühlt sich rund an und die aufkommende Bedrohung am feierlichen Frontier Day lässt die Spannung auf das Finale gewaltig steigen, während am Ende der Episode die Nostalgie dominiert.

Finally, we do know Jack

Lange hatte ich mich darüber beschwert, dass wir über Jacks Zustand nicht viel erfahren haben und gefühlt ständig mit der nahenden Auflösung geködert wurden, nur um am Ende auf die nächste Folge zu warten. Jetzt ist es so weit und was soll ich groß sagen, die Warterei hat sich gelohnt. Die erste Reaktion mag in Richtung „schon wieder Borg?“ gehen, zumal wir beziehungsweise Picard in der ersten Staffel nebenbei mit ihnen konfrontiert wurden und in der zweiten Staffel eine Splittergruppe mit Königin Anne Wersching und später Alison Pill das Abenteuer losgetreten hat. Aber die „echten Borg“ - wie Shaw (Todd Stashwick) sie zu Beginn der Staffel bezeichnet - sind immer noch da draußen und haben bereits im Zweiteiler „The Best of Both Worlds“ von Star Trek: The Next Generation (3x26 und 4x01) Vorbereitungen getroffen, deren Früchte nun geerntet werden sollen. Nebenbei gibt es sogar eine Erklärung für die Stimme der Borg-Königin, die Picard in „Star Trek: First Contact“ (1996) hören konnte.

Szenenfoto aus der Folge „Vox“ der US-Serie „Star Trek: Picard“
Szenenfoto aus der Folge „Vox“ der US-Serie „Star Trek: Picard“ - © Paramount+

Aber zurück zu Jack. Es sind natürlich schlechte Nachrichten, die Jean-Luc seinem Sohn überbringen muss. Wobei beide Elternteile nicht fassen können, was in Jack schlummert. Sowohl bei Beverly als auch bei Jean-Luc machen sich Schuldgefühle bemerkbar und uns wird klar, dass auch die dritte Staffel von tragischen Familienereignissen geprägt ist. In diesem Fall das Erbe von Locutus, welches Jack antreten muss. An dieser Stelle ein großes Lob an Patrick Stewart, Gates McFadden und natürlich Ed Speleers, die in diesen Szenen das Beste aus ihren Rollen herausholen.

Jacks Reaktion lässt sich derweil kritisch betrachten, denn es kann keine gute Idee sein, sich zur Quelle der Stimme zu begeben. Mit Blick auf die Alternative aber vielleicht die einzige Chance, die dieser Charakter für sich sieht. Hätte Picard vorhersehen können, dass Jack die Sicherheitsmänner übernimmt? Hätte die Möglichkeit bestanden, Jack am Aufbruch zu hindern? Beide Fragen würde ich mit „ja“ beantworten, aber rückblickend wäre das Ergebnis vermutlich ähnlich gewesen, wenn Jack sich in einer Zelle befunden hätte. Die Konfrontation mit der Königin (die offenbar eine Vorliebe für Latein hat) sehe ich als Bestätigung dafür, dass sie mit den Wechselbälgern zusammenarbeitet und es Vadics Plan gewesen sein muss, ihn dorthin zu bringen. Ob sich aber „resistance is futile“ (Gänsehaut bei dem Satz) bestätigen soll, bleibt dennoch abzuwarten. Jack könnte sich als Joker entpuppen, sofern es ihm irgendwie gelingt, mit Hilfe seiner charakterlichen Stärken den Spieß umzudrehen. Abwarten.

Frontier Day

Nachdem unsere alten Recken die meisten Puzzleteile zusammengeführt haben, begibt sich die Titan zum Sektor 001, wo sich die gesamte Flotte zu den Feierlichkeiten versammelt hat. Admiral Elizabeth Shelby (Elizabeth Dennehy) - die Figur kennen wir noch als Lt. Cmdr. Shelby aus besagtem Zweiteiler „Best of Both Worlds“ - darf die Enterprise-F (schönes Design) ins Feld führen, eine Ansprache halten und demonstrieren, wie die neueste technologische „Errungenschaft“ alle Schiffe zu einer Einheit werden lässt. Letzteres erinnert nicht nur uns an die Borg (und gleichzeitig an die ausgenutzte Schwachstelle der Vernetzung in Battlestar Galactica). „Happy Frontier Day, everyone!

Die Katastrophe lässt nicht lange auf sich warten. Picard versucht zwar, eine Warnung auszusprechen, der Shelby auch gewillt ist, zuzuhören. Aber die Borg funken im wahrsten Sinne des Wortes dazwischen und lassen die Assimilierung beginnen, vor der auch die Crew der Titan nicht gefeit ist. Pures Chaos ist die Folge, wenn die jüngeren Mitglieder der Sternenflotte zu Borg und damit zur tödlichen Gefahr werden. Falls ich mich recht entsinne, dürfte Elnor (Evan Evagora) übrigens an Bord der Excelsior gewesen sein, als diese explodiert. Und auch für Shelby schlägt offenbar das Schicksal zu. Eine Steigerung von Wolf 359, die womöglich die letzte Stunde für die Sternenflotte und die gesamte Föderation schlagen lässt. Und wir dachten, die Unterwanderung durch Wechselbälger wäre das größte Problem. Auweia.

Szenenfoto aus der Folge „Vox“ der US-Serie „Star Trek: Picard“
Szenenfoto aus der Folge „Vox“ der US-Serie „Star Trek: Picard“ - © Paramount+

Was hier passiert, dürfte jedenfalls das dunkelste Kapitel der Sternenflotte werden, womit die Spannung auf die Auflösung, die hoffentlich nächste Woche erfolgt, enorm gesteigert wird. Kleine Bitte an die Macher: bedient euch nicht einer Zeitreise, um alles ungeschehen zu machen. Schließlich wurde dieser Anschlag von langer Hand vorbereitet und verdient keine „einfache“ Lösung. Das Drama sollte schon sitzen und auch Konsequenzen haben, um den Abschluss der Staffel würdig zu gestalten.

Ansonsten möchte ich noch anmerken, dass mir die Ermittlungen unserer alten Crew trotz mancher, expositorischer Momente gefallen haben. Vielleicht wäre es möglich gewesen, hier den einen oder anderen Rückblick zur Veranschaulichung einzubauen oder auch, diverse Hinweise in den vorherigen Episoden unterzubringen. Aber das hätte vielleicht die Überraschung geschmälert, ganz zu schweigen davon, dass diese Art der Aufklärung zum „Wie“ und „Warum“ an sich sehr gut zu Star Trek: The Next Generation passt und die dritte Staffel von Star Trek: Picard damit als späte Fortsetzung für unsere alte Crew unterstreicht.

An Bord der Titan

Die „Borgifizierung“ macht auch vor der Besatzung der Titan nicht halt, wo Fähnrich Esmar (Jin Maley) und alle anderen, jüngeren Crewmitglieder betroffen sind. Geordis Töchter Sidney (Ashlei Sharpe Chestnut) und Alandra (Mica Burton) gehören ebenfalls dazu, womit das Familiendrama sich ausbreitet. Ob Will Riker (Jonathan Frakes) und Deanna Troi sich allerdings Sorgen um die gemeinsame Tochter Kestra (Lulu Wilson) machen, bleibt ungewiss. Ähnlich wie auf den anderen Schiffen eskaliert die Lage auf der Titan im Handumdrehen, so dass unsere älteren Figuren einen Ausweg finden müssen. Shaw soll sich abermals als hilfreich erweisen und zeigt einen Fluchtweg vom Schiff auf, den es zu erreichen gilt. Aber ohne Verluste soll es auch hier nicht zugehen.

LeVar Burton und Brent Spiner in „Star Trek: Picard“
LeVar Burton und Brent Spiner in „Star Trek: Picard“ - © Paramount+

Fraglos hat mich der Tod von Shaw gestört, denn diese Figur ist mir über den Staffelverlauf doch sehr ans Herz gewachsen, „ruppiger Charme“ hin oder her. Dennoch fällt es mir schwer, diesen (unverdienten) Abgang zu kritisieren, denn dadurch wird einmal die Nebenhandlung zwischen ihm und Seven of Nine (Jeri Ryan) zu einem guten Abschluss gebracht und andererseits verdeutlicht, dass auch unsere Protagonisten dem Sensenmann zum Opfer fallen können. Hätte hier eine der anderen Figuren dieser Gruppe ins Gras gebissen, wäre meine Enttäuschung sicher größer ausgefallen und/oder die letzten Szenen der Episode hätten nicht funktioniert. Einzig Raffi (Michelle Hurd) wäre vielleicht eine Alternative gewesen, aber selbst hier würde ich meinen, dass die Figur dann verschenkt worden wäre und ein solches Ende nicht verdient hat.

Dass Seven of Nine und Raffi an Bord der Titan zurückbleiben, wirkt im Nachhinein ein wenig forciert. Aber gut, die beiden haben mit Blick auf die zweite Staffel sicher noch ein wenig Redebedarf miteinander und dürften sich schlagkräftig zur Wehr setzen. Insofern steckt in diesem Teamup umgeben von Borg sicher noch eine gute Portion Potenzial für das Finale nächste Woche. Abwarten.

An Bord der Enterprise-D

Ja, richtig gelesen und herzlich Willkommen zur großen Nostalgiefeier. Denn die Flucht von der Titan führt unsere alte Crew zurück zum Flottenmuseum, wo Geordi über lange Zeit fleißig gewerkelt und die Enterprise-D wieder zusammengesetzt hat. Die Untertassensektion wurde von Veridian III geborgen (die Oberste Direktive hat hier gegriffen) - wir erinnern uns kurz an die Szene aus Star Trek: Generations (1994) - und für den Rumpf musste ein anderes Schiff der Galaxy-Klasse herhalten. Die Enterprise ist einsatzbereit und alt genug, um nicht im Netzwerk der anderen Sternenflottenschiffe eingebunden zu sein. Worf (Michael Dorn) wäre die Enterprise-E zwar lieber gewesen, aber die restliche Crew ist durch und durch begeistert davon, zurück auf dem Schiff zu sein, mit dem die gemeinsame Reise in Encounter at Farpoint einmal begonnen hat. Apropos Worf. Wer sich fragt, weshalb die anderen ihn komisch anschauen, als es um die Zerstörung der Enterprise-E geht, die offenbar zu dem Zeitpunkt unter seinem Kommando stand, darf sich gerne ein wenig mit der etwas weniger kanonischen Geschichte um die Enterprise-E beschäftigen.

Es fühlt sich auf jeden Fall wohlig richtig an, dass die alte Mannschaft jetzt auf dem Schiff unterwegs ist, mit dem sie die meisten Abenteuer erlebt hat und selbst Data (Brent Spiner) seinen alten Stammplatz befühlt. Der posthume Auftritt von Majel Barrett als Stimme des Computers ist ein weiteres Sahnehäubchen, welches es zu entdecken gilt. An Picards Stelle hätte ich womöglich weniger auf den Teppich hingewiesen, sondern eher auf die guten Lichtverhältnisse der Brücke, aber das Design ist natürlich so oder so gelungen. Jetzt darf das Finale kommen. In diesem Sinne: „Engage!

Patrick Stewart in „Star Trek: Picard“
Patrick Stewart in „Star Trek: Picard“ - © Paramount+

Fazit

Meine Skepsis mit Blick auf die große Offenbarung um Jack Crushers innere Stimme konnte ich schnell ablegen und in die Begeisterung über eine gelungene Vorbereitung des Finales eintauchen. Kritikpunkte mag es geben, aber die fallen kaum ins Gewicht. Die Staffel-Fäden werden hervorragend zusammengesponnen, es mangelt weder an Drama noch an Charaktermomenten oder Action und selbst für ein wenig Humor ist Platz, während die letzten Szenen sicher Freudentränen bei einigen Zuschauern verursachen werden. Von mir gibt es diese Woche fünf von fünf Sternen. Und von Euch?

Verfasser: Christian Schäfer am Samstag, 15. April 2023
Episode
Staffel 3, Episode 9
(Star Trek: Picard 3x09)
Deutscher Titel der Episode
Vox
Titel der Episode im Original
Part Nine "Võx"
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Donnerstag, 13. April 2023 (Paramount+)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Freitag, 14. April 2023
Erstausstrahlung der Episode in der Mediathek
Freitag, 14. April 2023
Erstausstrahlung der Episode in Österreich
Freitag, 14. April 2023
Erstausstrahlung der Episode in der Schweiz
Freitag, 14. April 2023
Autoren
Sean Tretta, Kiley Rossetter, Akiva Goldsman
Regisseur
Terry Matalas

Schauspieler in der Episode Star Trek: Picard 3x09

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