Star Trek: Picard 3x08

Star Trek: Picard 3x08

In der Folge „Surrender“ der US-Serie „Star Trek: Picard“ hat Vadic die Kontrolle über die Titan. Sie fordert Jack auf, zur Brücke zu kommen oder sie wird alle zehn Minuten ein Crewmitglied töten. Picard und den anderen läuft die Zeit davon.

Amanda Plummer in „Star Trek: Picard“
Amanda Plummer in „Star Trek: Picard“
© Paramount+

Surrender

Die aktuelle Episode löst den Cliffhanger von letzter Woche auf und beendet den zweiten Akt der dritten Staffel Star Trek: Picard. Der Fokus liegt dabei stärker denn je auf der alten Crew aus Star Trek: The Next Generation, ohne allerdings das Augenmerk zu lange von der gegenwärtigen Krisensituation zu nehmen, die Vadic (Amanda Plummer) zur bösewichtigen Höchstform auflaufen lässt und Jack (Ed Speleers) vor die Frage stellt, ob er nicht einfach aufgeben und sich selbst ausliefern soll. Außerdem gibt es erneut und passend zu Ostern jede Menge (offensichtliche wie weniger offensichtliche) easter eggs zu entdecken.

Mit Vadic in Kontrolle und auf dem captain's chair ist die Ausgangssituation nicht gerade rosig. Jean-Luc (Patrick Stewart), Beverly (Gates McFadden), Jack und Sidney (Ashlei Sharpe Chestnut) befinden sich zwar ebenso wenig auf der Brücke wie Geordi (LeVar Burton) und Alandra (Mica Burton), aber Vadics Schergen machen das Schiff unsicher, was für mehrere Crewmitglieder tödlich endet. Die Aufforderung, dass Jack zur Brücke kommen soll, lässt sich außerdem nicht mehr ignorieren, als Vadic ein Ultimatum stellt und damit droht, alle zehn Minuten ein Mitglied der Brückencrew zu töten.

Einen fehlgeschlagenen Versuch später, der Jacks neue Fähigkeiten involviert, macht Vadic ihre Drohung wahr. Die letzte Hoffnung, um die Systeme der Titan und anschließend die Brücke wieder unter Kontrolle zu kriegen, befindet sich jetzt im Maschinenraum. Aber dafür muss Data (Brent Spiner) sich Lore stellen und als dominante Persönlichkeit hervorgehen.

Zwischenzeitlich gibt es Ausflüge zu Riker (Jonathan Frakes) und Troi (Marina Sirtis), die sich in einer Zelle auf der Shrike befinden und über die letzten Jahre diskutieren, die vom Verlust des gemeinsamen Sohnes Thaddeus geprägt wurden. Eine längst überfällige Aussprache und Versöhnung später werden sie von Worf (Michael Dorn) befreit, der zusammen mit Raffi (Michelle Hurd) auf das Schiff gekommen ist. Die vier entdecken Picards toten Körper, dem ein Teil des Gehirns entfernt wurde und schnappen sich noch ein paar Daten zur späteren Analyse, ehe sie den Rückweg zur Titan antreten wollen.

Dort hat sich Jack auf die Brücke begeben und hält Vadic in Schach, um Data mehr Zeit zu verschaffen. Dieser gewinnt auf unerwartetem Weg die Auseinandersetzung mit Lore und kann anschließend im Handumdrehen die Eindringlinge ins All befördern. Die aktuelle Krise wird somit beendet und die alten Recken beraten gemeinsam kurz, was als nächstes zu tun ist. Schließlich droht noch immer ein Anschlag am Frontier Day und in Sachen Jack bleiben die großen Fragezeichen abermals bestehen.

You still don't know Jack

Wenn es etwas gibt, worüber wir uns beschweren können, dann ist es Jack Crushers großes Geheimnis. Mir ist dabei schon klar, dass hier der Schlüssel zu finden sein wird, mit dem unsere Crew vermutlich das nächste Abenteuer am Frontier Day bestehen wird (oder etwa nicht?). Aber die Hinhalte-Taktik, bei der uns nun schon mehrfach in Aussicht gestellt wurde, in der nächsten Folge eine Auflösung zu erhalten, nervt doch ein wenig. Letzte Woche meinte Vadic noch, dass sie Jack über sein Potenzial aufklären wird und als es diese Woche tatsächlich so weit sein könnte, nun ja, funkt Data dazwischen und befördert Vadic ins All. Deanna nimmt sich zwar Jack an, aber wir bleiben erneut vor der roten Tür stehen und werden auf nächste Woche vertröstet.

Abseits davon kann sich die Handlung um Jack aber sehenlassen. Er macht auch kein Geheimnis aus seiner neuen Fähigkeit, die Sidney umgehend bestätigt, womit Beverly und Jean-Luc ihrem Sohn glauben. Jack kann dadurch selbst sehen, wie es um den Rest der Mannschaft bestellt ist und wäre bereit, sich auszuliefern. Picard rät davon ab, denn wenn Vadic erst einmal hat, was sie will, wird sie bestimmt die Titan zerstören und alle an Bord töten - eine Vermutung, die ich durchaus teile.

Stattdessen wird ein Versuch gestartet, der die Kontrolle über die Systeme zurückbringen soll. Ich bin mir zwar nicht sicher, was ich davon halten soll, dass hochrangige Offiziere über einen Code verfügen, mit dem sie jedes Schiff unter ihre Kontrolle bringen können (diversen bösen Admirälen hätte das in der Vergangenheit in die Hände spielen können), aber in Anbetracht der aktuellen Lage lässt sich kaum darüber meckern. Schade nur, dass Jack es nicht ganz schafft und Vadic erkennt, wer da gerade in Lt. Muras (Jospeh Lee) Körper versucht, den Code einzugeben.

Ed Speleers und Ashlei Sharpe Chestnut in „Star Trek: Picard“
Ed Speleers und Ashlei Sharpe Chestnut in „Star Trek: Picard“ - © Paramount+

Dieser fehlgeschlagene Versuch hat natürlich - auch aufgrund der abgelaufenen Zeit - direkt Konsequenzen und soll Lt. T'Veen (Stephanie Czajkowski) das Leben kosten, nachdem Vadic erst Mura und anschließend Fähnrich Esmar (Jin Maley) ins Visier nimmt. Während Vadic genüsslich überlegt, wen sie über den Jordan schickt, mag uns vielleicht klar sein, dass es weder Seven of Nine (Jeri Ryan) noch Shaw (Todd Stashwick) treffen wird, aber die anderen Gesichter auf der Brücke sind für uns keine Fremden mehr, weil sie seit der ersten Episode dieser Staffel immer wieder kurz im Bild waren und aktiv am Geschehen teilnahmen. Daher schmerzt es schon, wenn jetzt T'Veen weggephasert wird und Vadic ihre Rolle als Bösewicht damit erneut unterstreicht.

Nun bleiben Picard und Co. wieder zehn Minuten, um eine Lösung zu finden und diese hätten sie schon eher in Angriff nehmen müssen. Schließlich hat Lore bereits demonstriert, dass er die Systeme der Titan übernehmen kann (dadurch gelang es Vadic schließlich, die Kontrolle zu übernehmen). Da liegt es auf der Hand, dass Data ebenfalls dazu in der Lage ist. Dafür muss er „nur“ zur dominanten Persönlichkeit werden, was ein großes Risiko birgt, zu dem wir gleich noch kommen.

In der Zwischenzeit begibt sich Jack zur Brücke und versucht, Zeit zu schinden. Was er da in der Hand hält, erinnert an ein anderes Franchise, aber der Punkt ist, dass Vadic ihm abkauft, sich selbst in die Luft zu sprengen, falls sie die Brückencrew nicht umgehend von der Brücke führen lässt. Der Plan soll letztlich aufgehen, wobei das Mittel, mit dem Vadic und ihre Schergen vom Schiff „gegangen werden“, für meinen Geschmack ein bisschen zu extrem war. Andererseits, nun ja, vermutlich die sicherste Lösung.

Vadic

An dieser Stelle möchte ich erneut Amanda Plummer loben. Grandios gespielt, aber das ist eben nicht alles. Vadic erhielt eine Hintergrundgeschichte, die uns nachvollziehen lässt, weshalb sie einen so großen Hass auf die Sternenflotte hat und es förmlich genießt, ihren Drohungen Taten folgen zu lassen. So einen Bösewicht muss man erst einmal hinkriegen und da wird nicht jede/r in der Lage sein, die Rolle so gut auszufüllen, wie Plummer es vermochte.

Die Ideale der Sternenflotte werden diese Woche erneut angesprochen und hochgehalten. Ein Beispiel wäre der Austausch zwischen Seven of Nine und Shaw, der fragt, weshalb sie in der letzten Folge nicht den Turbolift gesprengt hat. Shaw war bereit, sich zu opfern, aber Seven gibt ihm zu verstehen, dass sie nicht gewillt ist, ein Leben für andere zu tauschen. Der eine oder andere mag sich jetzt vielleicht fragen, wie das zu ihrer späteren Entscheidung passt, auf der Brücke zu bleiben und die Konsequenzen zu tragen. Der Unterschied ist eben, dass sie selbst diese Entscheidung trifft und kein Dritter beziehungsweise Kamerad dafür einen Knopf drücken muss. Ein weiteres Beispiel ist Lt. Mura, der ebenfalls bereit ist, sich zu opfern. Natürlich möchte er seine Familie wiedersehen und dieses Abenteuer überstehen. Aber wenn sein Opfer bedeutet, dass die anderen mehr Zeit für eine Lösung haben, nimmt er das in Kauf. „Because I'm Starfleet.

Szenenfoto aus der Folge „Surrender“ der Serie „Star Trek: Picard“
Szenenfoto aus der Folge „Surrender“ der Serie „Star Trek: Picard“ - © Paramount+

Ideale beziehungsweise Argumente, die Vadic fremd sind. Gerade die Äußerung von Mura hätte hier sein Schicksal bestimmen können, aber Vadic trifft dennoch eine andere Wahl. Vielleicht eine Demonstration dafür, wie unberechenbar sie ist? Sie gibt sich jedenfalls alle Mühe, ihrer Rolle als Bösewicht gerecht zu werden und das lässt regelmäßig die Spannung steigen.

Zuletzt noch eine kurze Bemerkung zum Ende von Vadic. Die tödliche „Evakuierung“ war offenbar geplant, weshalb Jack ein Schutzschild mitgebracht hat. Aber was hätte dagegen gesprochen, Vadic und ihr Gefolge beispielsweise in eine Zelle zu beamen? Beverly hat letzte Woche entdeckt, wie sich die Wechselbälger orten lassen. Da müsste es doch einfach für Data sein, die Eindringlinge dingfest zu machen, oder? Das hätte unserer Crew auch die Möglichkeit gegeben, Vadic zu befragen. Ich bezweifle zwar, dass sie kooperiert hätte, aber mit Blick auf die hochgehaltenen Ideale hätte ich eine solche Lösung bevorzugt.

Data vs. Lore

Die Lösung für die aktuelle Krise lag bereits zu Beginn dieser Folge auf der Hand und hört auf den Namen „Data“. Natürlich gibt es da noch ein Problem, denn Lore wird sich nicht einfach unterkriegen lassen. Aber mit Blick darauf, dass Lore die Krise ausgelöst hat, indem er die Kraftfelder außer Betrieb nahm, hätten unsere Helden durchaus eher auf diesen Lösungsansatz kommen können und nicht erst, nachdem Sidney erklärt, wie lange sie oder Geordi brauchen würden, um die Verschlüsselung von Vadic zu knacken.

Apropos Geordi. Als Picard, Jack, Sidney und Beverly bei ihm auftauchen, gibt es einen Test und offenbar ist Geordi genau wie Worf kein großer Fan von Chateau Picard. Diese Szene möchte ich zwar nicht missen, aber sollte es dank Beverlys Entdeckung nicht einfacher für Geordi sein, die Feststellung zu machen, dass es sich bei den vieren nicht um Wechselbälger handelt? Es sei denn, Beverly hat diese Information noch nicht mit Geordi geteilt, was durchaus möglich ist.

Szenenfoto aus der Folge „Surrender“ der Serie „Star Trek: Picard“
Szenenfoto aus der Folge „Surrender“ der Serie „Star Trek: Picard“ - © Paramount+

Das Hauptevent der Woche ist gleichzeitig auch mein persönliches Highlight. Brent Spiner ist einfach eine Wucht, wenn Lore und Data aufeinandertreffen. Und wir können uns durchaus Sorgen machen, ob Data diese Auseinandersetzung gewinnen wird, denn er zeigt keinerlei Anzeichen dafür, dass er um die Dominanz kämpfen will. Vielmehr gibt er ein Osterei nach dem anderen (sehr schön, was hier alles berücksichtigt wird) auf beziehungsweise ab, was im Endeffekt zu seinem Plan gehört.

Mit Blick auf die Erklärung von Soong, der eine Vermischung dieser beiden Persönlichkeiten - Gut und Böse - anstrebte, vielleicht vorhersehbar. Aber wenn die roten Punkte sich ausbreiten und die blauen schwinden, sind wir doch besorgt, dass es um Data geschehen sein könnte und am Ende erleichtert, wenn das nicht der Fall ist.

Wobei der neue Data tatsächlich seinem Wunsch nach Menschlichkeit ein gewaltiges Stück nähergekommen ist oder diesen nun sogar erreicht hat. Diese Entwicklung wird direkt im Anschluss deutlich, wobei das Gespräch mit Geordi noch einmal hervorzuheben ist. „Tell me, how do you feel?“ - „I feel... I feel!

An Bord der Shrike

Will Riker und Deanna Troi finden wir an Bord der Shrike vor, wo das Paar genug Zeit hat, miteinander zu reden. Wir sind darüber im Bilde, dass die Beziehung in den letzten Jahren und nach dem Tod von Thaddeus einen beschwerlichen Verlauf genommen hat, auch wenn davon in Nepenthe (1x07) nichts zu spüren war. Ein kleines Manko, über das wir hinwegsehen müssen, während wir erfahren, weshalb Riker die Leere verspürte, die ihn schließlich Hals über Kopf ins neue Abenteuer mit Picard springen ließ. Denn Deanna, die die Trauer von allen Familienmitgliedern spürte, wollte ihrem „Imzadi“ helfen und hat dabei übersehen, dass man nicht direkt zum Ende der Verarbeitung eines solchen Verlustes springen kann.

Marina Sirtis und Jonathan Frakes in „Star Trek: Picard“
Marina Sirtis und Jonathan Frakes in „Star Trek: Picard“ - © Paramount+

Die Performance von Jonathan Frakes und Marina Sirtis kann sich dabei sehenlassen. Denn wir haben keine Zweifel daran, hier ein altes Ehepaar vor uns zu haben, welches viel durchgemacht hat und nach der Aussprache bereit ist, einen neuen, gemeinsamen Weg einzuschlagen. Die beiden kennen sich in- und auswendig, was mitunter auch mit amüsanten Dialogen garniert wird. Dass sie Nepenthe verlassen und wieder in eine Großstadt ziehen wollen, okay, klingt mit Blick auf besagte Episode wieder weniger stimmig. Aber wie gesagt, darüber lässt sich leicht hinwegsehen und der geplante Neuanfang wird dadurch sogar unterstrichen.

Vorerst müssen die beiden aber entkommen, was durch Worf eingeleitet wird. Dessen Wiedersehen mit Deanna wird ebenfalls durch einen amüsanten Austausch garniert, den Riker (typisch für ihn im Umgang mit Worf und köstlich für uns) als Folter bezeichnet. Derartige Szenen lockern die sonst düstere Episode jedenfalls auf, was willkommen ist. Eine kleine Sache möchte ich allerdings monieren, denn während Geordi (vielleicht unnötigerweise) Picard einem Test unterzieht, verzichtet Worf bei Raffi darauf. Ich glaube zwar nicht, dass sie sich später als Wechselbalg entpuppen wird, aber diese Möglichkeit wäre gegeben.

Abzuwarten bleibt außerdem noch, was sich aus den Daten entnehmen lässt, die die vier mitgenommen haben. Hinter dem Irumodischen Syndrom scheint jedenfalls mehr zu stecken als einst angenommen und die Dunkelheit, die Deanna bei Jack wittert, bereitet Sorgen. Dafür ist die Versammlung der alten Crew gegen Ende im Bereitschaftsraum genau die Szene, auf die man als Fan lange gewartet hat. Endlich sind wieder alle zusammen und können sich gemeinsam auf die nächsten Schritte konzentrieren. Wunderbar.

Szenenfoto aus der Folge „Surrender“ der Serie „Star Trek: Picard“
Szenenfoto aus der Folge „Surrender“ der Serie „Star Trek: Picard“ - © Paramount+

Fazit

Trotz einiger Kritikpunkte, die sich teils schwer wegdichten lassen, ein äußerst gelungener Abschluss um die Belagerung der Titan. Die Episode vereint starke Charaktermomente, spannende Handlungsstränge und lässt dabei noch genug Platz für amüsante Szenen sowie eine große Portion Nostalgie. Von mir gibt es diese Woche viereinhalb von fünf Sternen. Und von Euch?

Verfasser: Christian Schäfer am Samstag, 8. April 2023
Episode
Staffel 3, Episode 8
(Star Trek: Picard 3x08)
Deutscher Titel der Episode
Unterwerfung
Titel der Episode im Original
Part Eight "Surrender"
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Donnerstag, 6. April 2023 (Paramount+)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Freitag, 7. April 2023
Erstausstrahlung der Episode in der Mediathek
Freitag, 7. April 2023
Erstausstrahlung der Episode in Österreich
Freitag, 7. April 2023
Erstausstrahlung der Episode in der Schweiz
Freitag, 7. April 2023
Autoren
Matthew Okumura, Akiva Goldsman, Michael Chabon
Regisseur
Deborah Kampmeier

Schauspieler in der Episode Star Trek: Picard 3x08

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