Star Trek: Picard 2x10

© atrick Stewart in Star Trek: Picard, (c) Paramount+
Farewell
Mit Farewell erhalten wir ein Staffelfinale, welches ganz gut auf die Tränendrüse drückt und tatsächlich jeden Handlungsbogen - ob nun in The Star Gazer oder später eingeführt - zu einem Abschluss bringt. Naja, nicht ganz, denn die Anomalie aus dem Staffelauftakt wird relativ sicher noch in der dritten und letzten Staffel zum Thema werden.
Vorerst sind Jean-Luc Picard (Patrick Stewart), Seven (Jeri Ryan), Raffi (Michelle Hurd), Rios (Santiago Cabrera) und Tallinn (Orla Brady) damit beschäftigt, den Hinweis von Agnes (Alison Pill) zu deuten und zu gewährleisten, dass Renee Picard (Penelope Mitchell) ihre Mission antreten kann. Denn Adam Soong (Brent Spiner) zwirbelt gleich mehrfach seinen (imaginären) Bösewicht-Schnauzer, um sicherzustellen, dass die Zukunft die der Konföderation wird und für ihn Statuen errichtet werden.
Des Weiteren ist eine Erklärung für Qs (John de Lancie) Eingriffe von Nöten, die diese Woche tatsächlich erfolgt und äußerst sehenswert ist. Durch diese Auflösung werden auch direkt andere Probleme gelöst. Beispielsweise die Frage, wie unsere Crew ohne die La Sirena (und die Hilfe der Borg Queen (Annie Wersching)) wieder „nach Hause“ kommt, ob Elnor (Evan Evagoria) noch zurückkehrt und ob Rios sich dafür entscheidet, an der Seite von Teresa (Sol Rodriguez) und Ricardo (Steve Gutierrez) zu bleiben.
Und schließlich muss noch geklärt werden, wer in Zukunft hinter der Borg Queen steckt, ob Picard sich durch dieses Abenteuer und die Einblicke in seine Vergangenheit verändert hat und auf Laris zugeht und was es mit der Anomalie auf sich hat, die einst die Staffel lostrat. Außerdem gibt es noch einige Boni zu verzeichnen, insbesondere einen geheim gehaltenen Gastauftritt, der Kore (Isa Briones) anheuert und eine Akte in Soongs Schreibtisch, die einen bekannten Namen trägt.
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Europa Mission
Fangen wir mit der brennenden Frage danach an, ob die Europa-Mission gelingen wird. Tallinn erahnt, was mit dem Hinweis von letzter Woche gemeint ist, als Queen Jurati davon sprach, dass eine Renee sterben muss und eine andere überlebt. Picard erahnt wiederum, was Tallinn vorhat und begibt sich mit ihr zum Startpunkt der Mission, wo Soong bereits darauf lauert, Renee zu vergiften. Raffi, Seven und Rios reisen währenddessen ins Casa Soong, wo dessen Backup-Plan gerade dabei ist, sich zu aktivieren - vier Drohnen sollen dafür sorgen, dass die Europa Mission direkt nach dem Start in Flammen aufgeht.
Bereits im ersten Kapitel dieser Folge kommt Spannung auf, auch wenn sich spätestens nach dem Treffen von Renee und Tallinn erahnen lässt, wer Adam dort die vergiftete Hand schüttelt. Jean-Luc wollte das verhindern, muss aber einsehen, dass er nicht die Kontrolle über persönliche Entscheidungen hat, die mitunter den (freiwilligen) Tod von Tallinn beinhalten. Vielmehr wird ihm (erneut) suggeriert, sich auf eigene Entscheidungen zu fokussieren. Bis zum letzten Atemzug ist Tallinn jedenfalls voll in ihrer Rolle und schafft es, Jean-Luc in die entsprechende Richtung zu lenken, so schmerzlich es auch sein mag. Sie hat alles gegeben, um die Zukunft zu sichern und ist dabei über ihren eigenen Schatten gesprungen, was zu Beginn (und mit ihrem ersten Auftritt) noch nicht vorstellbar war.
Die Drohnen-Geschichte nimmt derweil einen weniger spannenden Punkt ein, auch wenn Raffi & Co. erstmal damit hadern, irgendwelche Kontrolle zu übernehmen. In der Tat darf Rios hier den Tag retten und Soongs Backup-Plan zerstören. Erneut keine Überraschung, aber doch ein wesentlicher Beitrag zum Verlauf, der Soongs Pläne zunichte macht. Womit wir zu Soong kommen…
Adam und Kore
Adam Soong muss einsehen, dass sein großer Plan gescheitert ist und reagiert entsprechend. Aber das ist noch nicht alles, denn Kore löscht seine Daten und wischt ihm damit erneut eins aus. Dabei sollte jeder, der digitale Daten hat, einen solchen Angriff mit einer Backup-Festplatte oder ähnlichem kontern können. Daran hat Adam wohl nicht gedacht, ebenso wenig wie an eine gut gesicherte Cloud, um die Daten zu behalten. Aber naja, es ist tatsächlich gut vorstellbar, dass ein Adam Soong nichts und niemandem vertraut, keine Backups macht und entsprechend alle Aufzeichnungen verliert. Überheblichkeit eben, die ihm diese Woche mehr oder weniger den verdienten Untergang beschert. Selbst die Akte über „Project Khan“ (datiert auf 1996) dürfte ihm kaum weiterhelfen.

Kores Auftritt überrascht derweil, denn auch wenn sie Barfuß losging, um ihre Zukunft zu finden, hätte ich nicht mehr damit gerechnet, sie im Staffelfinale zu erblicken. Eine willkommene Überraschung, die ihrem „Vater“ die Daten löscht und von Wesley Crusher (Wil Wheaton) rekrutiert wird, um eine „Reisende“ zu werden. Und holla, nie und nimmer hätte ich damit gerechnet, Wesley Crusher wiederzusehen. Bereits damals ist an mir vorbeigegangen, weshalb er in die Ungnade der Zuschauer fiel. Von daher hat mich dieser Überraschungsauftritt sehr gefreut.
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Zeitschleife
Rios verzichtet darauf, in die Zukunft zurückzukehren. Er setzt auf ein Happy End mit Teresa und Ricardo im frühen 21. Jahrhundert, was sich vorhersehen ließ und später in der Zukunft bemerkt wird, wo er fehlt. Dieses kleine Opfer soll Elnor eine Rückkehr an Bord der Excelsior ermöglichen, ist aber an sich kein Opfer. Denn Rios folgt bloß seinem Herzen und hat erkannt, dass er in dieser Zeit und mit Teresa und Ricardo besser aufgehoben ist. Entsprechend gibt es später bei Guinan (Whoopi Goldberg) eine kurze Erläuterung zu seinem Lebenslauf und auch zu dem von Teresa und Ricardo. Letzterer wusste die Ergebnisse der Europa Mission passend einzusetzen, um einen eigenen Fußabdruck zu hinterlassen, was ohne Rios als neues Familienmitglied womöglich nicht passiert wäre. Zeitschleifen-Alarm!
Denn es ist nicht nur Ricardo, dessen späteres Werk womöglich erst durch Rios stattgefunden hat. Ohne die Reise in die Vergangenheit wäre Agnes nicht hinter der Borg-Maske des Staffelauftakts zum Vorschein gekommen, weil sie ja eben nicht in der Vergangenheit mit der Borg Queen verschmolzen wäre und anschließend die lange Reise mit der La Sirena angetreten hätte. Zeitschleifen sind deshalb interessant, weil sie gedankliche Konstrukte sind, bei denen Ursache und Wirkung durch Zeitreisen austauschbar werden, ohne zu einem Widerspruch wie dem Großvaterparadoxon zu führen. Und genau das passiert hier.
Aber Moment, hat Q nicht alles verursacht? Nein, hat er nicht. Bereits im Auftakt war Non, Je ne regrette rien von Edith Piaf zu hören. Ob das Bild von Teresa und Rios tatsächlich im Hintergrund von Guinans Bar zu finden war, müsste ich zwar noch nachschauen. Aber es wird tatsächlich deutlich, dass die Zeitreise von Jean-Luc & Co. eine Voraussetzung für die Ereignisse in der Zukunft ist und somit irgendwie schon immer stattgefunden haben muss. Derartige Gedankenverrenker kennt man aus Filmen wie „Twelve Monkeys“ (1995), „Timecrimes“ (2007) oder auch „Predestination“ (2014), wobei letzterer das Konzept auf die Spitze treibt, was sicher nicht jedermanns Fall ist. Showrunner Terry Matalas (der die „Twelve Monkeys“-Serienadaption betreute) darf an dieser Stelle aber einen Glückwunsch erhalten, weil sein Konzept aufgeht.
Happy Endings
In diese Kategorie fallen neben Rios, Teresa und Ricardo mitunter auch Raffi und Seven, die im Finale zueinander finden, was wenig überraschend sein dürfte. Elnors Rückkehr ist ein letztes Geschenk von Q und war somit nicht selbstverständlich, denn alle Figuren, die die Wirkung vom ersten Fingerschnips zu spüren bekamen, waren nicht sicher.

Das größte Happy End ist aber Q vorbehalten, der seine Intention gegenüber Picard in einem Gespräch unter vier Augen erläutern darf und später eine Umarmung erhält, womit er nicht allein stirbt. Großartig. Niemals hätte ich es für möglich gehalten, dass ich einmal mit Q mitfiebern oder gar seinen Abgang bereuen würde. Aber hier sind wir jetzt, erleben Qs letzten Akt, lauschen seiner Erklärung, weshalb er Picard immer gemocht hat und ihm einen Lebensabend mit Laris verschaffen möchte. Wer könnte da kein Herz für gottgleiche Wesen haben, die ihr Lieblingskind oder auch ihren Lieblingsgegner für eine bessere Zukunft vorbereiten?
Damit kommen wir auch schon zu Picard und Laris, die unser Admiral um eine zweite Chance bittet. Die Koffer mögen gepackt sein und Laris bereit zum Aufbruch. Aber Jean-Luc hat sein Trauma bewältigt (danke, Q!) und steht einer Beziehung nun offen gegenüber. Ob Laris zu den Watchern gehört, bleibt fraglich. Aber dieses Happy End ist durchaus herzlich und auch verdient.
Fazit
So schwankend diese Staffel auch war, ist das Ende doch sehr gelungen. Es gibt zwar mindestens zwei Verluste zu verbuchen und mehrere Werdegänge waren vorhersehbar. Aber dieses Staffelfinale weiß dennoch zu überzeugen und braucht sich nicht zu verstecken. Schöner Staffelabschluss mit Hintertür für Staffel drei. Von mir gibt es dafür viereinhalb von fünf Sternen. Und von Euch?
Star Trek: Picard: Serientrailer Staffel 3
Verfasser: Christian Schäfer am Samstag, 7. Mai 2022(Star Trek: Picard 2x10)
Schauspieler in der Episode Star Trek: Picard 2x10
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