Star Trek: Picard 3x01

© atrick Stewart, Jonathan Frakes und Jeri Ryan in der Serie Star Trek: Picard, (c) Paramount+
The Next Generation
„Die nächste Generation“ ist als Titel zum dritten Staffelauftakt wahrlich gut gewählt. Bereits im Vorfeld wurden verschiedene, altbekannte Darsteller aus Star Trek: The Next Generation aufgelistet und in verschiedenen Trailern gezeigt, womit das Trekkie-Herz höherschlägt und die Erwartungen an die dritte (und vermutlich letzte) Staffel von Star Trek: Picard natürlich enorm gesteigert wurden.
Aber... Moment, die ehemalige Crew der Enterprise D findet noch nicht so ganz zusammen und neben einigen bekannten Gesichtern gibt es auch neue zu vermelden, die der „nächsten Generation“ eine ganz andere Bedeutung verschaffen. Wie zum Beispiel Fähnrich Sidney La Forge (Ashlei Sharpe Chestnut), die an Bord der USS Titan dient oder die andere Figur (Ed Speleers) an Bord der Eleos, welche wir gegen Ende erblicken und als Dr. Beverly Crushers (Gates McFadden) Sohn offenbart wird.
Doch fangen wir lieber vorne an. Dr. Crusher befindet sich an Bord der Eleos und versucht panisch, den Warpantrieb wiederherzustellen, während Eindringlinge an Bord kommen und obendrein noch zwei Schiffe zum Angriff übergehen. Eine actionreiche Eröffnung, bei der Beverly verletzt wird und schließlich einen Notruf absetzt, um Jean-Luc (Patrick Stewart) auf ihre missliche Lage aufmerksam zu machen. Auch nach der Episode wissen wir noch nicht, mit wem Beverly sich herumschlägt, weshalb sie angegriffen wird oder weshalb Jean-Luc explizit nicht auf die Hilfe der Sternenflotte zurückgreifen soll. Dafür gibt es einen schmackhaften Cliffhanger, der die Bedrohung visuell veranschaulicht und mit Spannung auf die nächste Folge warten lässt.
Jean-Luc Picard genießt derweil den Ruhestand zusammen mit Laris (Orla Brady), wobei das Paar die Erde verlassen und nach Chaltok IV aufbrechen möchte. Der (verschlüsselte) Notruf von Beverly grätscht aber dazwischen und fordert die Aufmerksamkeit von Picard, der sich an seinen ehemaligen ersten Offizier William Riker (Jonathan Frakes) wendet. Gemeinsam brechen die beiden auf, um Beverly zu helfen - außerhalb des Föderationsraums.
Im zweiten Handlungsstrang wohnen wir derweil Raffi Musiker (Michelle Hurd) bei, die Deals mit einem zwielichtigen Orioner (Anthony Azizi) macht, um schließlich von einer „Red Lady“ zu erfahren. Raffis Situation gibt uns direkt einen Twist und später können wir mit eigenen Augen sehen, wie eine Waffe zum Einsatz kommt, die sehr zerstörerisch genutzt werden kann. Eine Verbindung zur Handlung um Picard und Crusher gibt es noch nicht, aber wir können sicher davon ausgehen, dass Raffi und Jean-Luc im Zuge des Abenteuers aufeinandertreffen werden.
Autor Terry Matalas, der seinen Namen recht offensichtlich für M'Talas Prime verwendet hat und in Sachen Star Trek kein Neuling ist (seine Frau Amy Earhart spricht übrigens den Eleos-Computer), gelingt hier ein Spagat zwischen altem und neuem. Denn wir wohnen ganz sicher einem neuen Abenteuer bei. Gleichzeitig deuten die vertrauten Gesichter und alten Geschichten der Figuren auf eine späte Fortsetzung mit der Crew hin, die wir über sieben Staffeln und vier Kinofilme hinweg begleiten durften. Okay, mit Star Trek: Picard haben wir in den ersten beiden Staffeln bereits mehrere Gastauftritte bekannter Figuren erhalten, aber mit Beverly Crusher im Zentrum und Will Riker als Picards Begleiter ist der Nostalgie-Faktor doch enorm hoch, da dürfen wir gespannt auf die weiteren Gastauftritte blicken, die bereits angekündigt wurden.
Dr. Beverly Crusher
Fangen wir mit der Eröffnung an. Die unbekannte Bedrohung macht direkt einen, nun ja, bedrohlichen Eindruck. Wie auch immer diese Spezies heißt, sie geht über Leichen und setzt alles daran, um die Eleos außer Gefecht zu setzen. Außerhalb des Föderationsraums, weshalb die Geschichte vielleicht noch sehr brisant wird, weil die Föderation ein Eindringling sein könnte.
Bislang wissen wir aber nur, dass Jean-Luc die Sternenflotte nicht involvieren soll. Wer weiß, vielleicht gibt es dort hochrangige Offiziere (wäre nicht neu), die von dieser Bedrohung bereits wissen und die Mission der Eleos nicht gutheißen. Hier gilt es noch ein wenig abzuwarten, aber spannend gestaltet ist der Auftakt ohnehin.
Dr. Beverly Crusher mit Phaser-Gewehr und im Action-Modus? Das ist gewöhnungsbedürftig und verlangt nach einer Erklärung. Wir kennen sie nur als Schiffsarzt, weshalb ihre Rolle in der Eröffnung als eine Art John McClane nicht stimmig wirkt. Großes Gewicht würde ich auf diese Beobachtung allerdings nicht legen, denn wir wissen nicht, was mit ihr in den letzten 20 Jahren passiert ist. Genauer überlegt, war sie in den Kinofilmen nach der Serie auch nie sehr präsent. Klar, sie war dabei und hat die Abenteuer mitgemacht, aber die Rolle von Dr. Beverly Crusher war oft „nur“ am Rande vertreten. Dass sie hier nun im Mittelpunkt steht und eine Rettungsmission auslöst, ist daher unterm Strich sehr willkommen. Denn wir werden bestimmt noch weitere Einblicke erhalten, die hoffentlich ihre Lage und auch ihre Isolation von den anderen Crewmitgliedern der Enterprise D deutlich machen.
Dass Beverly und Jean-Luc eine etwas intimere Beziehung gehabt haben könnten, wird wohl kaum jemand in Frage stellen. Da war in der Serie immer etwas am Knistern. Vielleicht Treffen Riker und Picard hier auf das Resultat dieser Liebschaft, wenn sie die Eleos betreten? Auch hier wäre ich gespannt, denn falls der Sohn von Beverly auch der Sohn von Jean-Luc ist, wird das sicher sein Verhältnis zu Laris beeinflussen.
Was ich hingegen nicht verstehe, ist die Tatsache, dass Beverly alle Verbindungen vor 20 Jahren abgebrochen hat. Sie war nie die Außenseiterin in der Crew, sondern zählte zum Führungskreis und hat mitunter auch entsprechend agiert. Dass nun niemand für mehr als 20 Jahre nicht von ihr gehört hat, erscheint daher verwunderlich, auch wenn eine Schwangerschaft sicher gut in diesen Zeitraum passt. Aber hey, wenigstens Deanna Troi (Marina Sirtis) hätte sie doch sicher auf dem Laufenden gehalten, oder?
Picard
Die Ereignisse auf Chateau Picard mit Jean-Luc und Laris, die tatsächlich nach der zweiten Staffel zusammengefunden haben, sind durchweg köstlich. Romantik und Humor gehen Hand in Hand, womit der Notruf von Beverly schon fast als Störung daherkommt. Und vielleicht wird diese Störung noch deutlich störender, wenn meine Mutmaßungen bezüglich Beverly und ihrem Sohn wahr werden sollten, wer weiß?
Schade finde ich derweil, dass Laris ihren Jean-Luc nicht begleitet. Ob die beiden sich tatsächlich den Sonnenuntergang auf Chaltok IV ansehen werden? Keine Ahnung. Aber ich würde es als recht sicher betrachten, dass wir Laris vor der letzten Folge dieser Staffel nicht wiedersehen werden, und das ist in der Tat schade. Mir wäre es lieber gewesen, wenn sie Jean-Luc begleitet hätte und bei seiner neuesten Mission etwas kritischer vorgegangen wäre. Aber gut, man kann nicht alles haben.
Das Treffen zwischen Riker und Picard lässt die Herzen dafür wieder höherschlagen. Auch wegen des Treffpunkts und Rikers kurzer Auseinandersetzung mit der Barkeeperin. Fraglos wird Riker aber Picard bis zum Ende des Abenteuers begleiten, was im Folgenverlauf deutlich wird. Die beiden sind bereits im Staffel-Auftakt untrennbar und begeben sich nach mehreren Konflikten mit anderen gemeinsam auf die Eleos, wo sie nun zusammen mit Beverly und ihrem Sohn ums Überleben kämpfen werden.
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USS Titan
Der kleine Umweg über die USS Titan, die einst unter dem Kommando von Riker stand, ist mit Sicherheit ein kleines Highlight des Auftakts. Denn nachdem Riker und Picard herausgefunden haben, wo sie nach Beverly suchen müssen, stehen sie vor der Aufgabe, ihren Weg ins Ryton-System zu finden. Wie gesagt, offiziell dürfen sie ihre Mission nicht machen, denn Crusher hat explizit darauf bestanden, dass die Sternenflotte nicht involviert wird.
Eine Inspektion der Titan wird als Vorwand genommen, um einmal an Bord zu gelangen und der Plan sieht vor, dass das Schiff anschließend einen Abstecher ins Ryton-System macht. Der Empfang an Bord soll beiden auch gelingen, wobei es ein Wiedersehen mit Seven of Nine (Jeri Ryan) gibt, die hier die Rolle des ersten Offiziers innehat. Ist es ihr also doch gelungen, bei der Sternenflotte Karriere zu machen. Sehr schön, denn ihr Wiedersehen mit Picard ist gelungen und Riker, der erstmals auf sie trifft, kann auch direkt beeindruckt werden, wenn sie beiden ermöglicht, ihr Ziel zu erreichen. Denn an Bord gibt es ein ganz großes Problem für unser Duo, welches auf den Namen Captain Liam Shaw (Todd Stashwick) hört.
Mit Captain Shaw ist nicht gut Kirschen essen. Das wird bereits beim Empfang des (ehemaligen) Admirals mit Riker deutlich, wo der Captain der USS Titan fehlt und direkt durch Seven of Nine untermauert, die auf der Titan ihren Kindernamen Hansen verwenden muss. Was für ein harter Brocken der amtierende Captain der Titan ist, wird aber erst gewiss, als er Picard und Riker gegenübersitzt und ihnen einen Korb zur geplanten Mission überreicht. Aus Sicht von Shaw natürlich richtig, denn er wäre schon sehr dumm, wenn er ohne große Nachfragen auf die Reise eingehen würde. Aus unserer Sicht wiederum sehr amüsant zu betrachten, wenn Picard, Riker und auch Seven of Nine nicht dazu in der Lage sind, den Captain zu überzeugen. Picard und Riker in ihrer „Unterkunft“ zu sehen, war übrigens einer der lustigsten Momente der Episode und erinnerte mich sehr stark an Star Trek: Lower Decks (die Serie kann ich übrigens empfehlen).
Aber zurück zur Story. Seven of Nine ermöglicht unseren beiden abenteuerlustigen Kameraden doch noch die gewünschte Reise und setzt dafür ihre Karriere aufs Spiel. Captain Shaw soll den Braten zwar mit einem Blick aus dem Fenster riechen, aber da ist es bereits zu spät und ein Shuttle hat die Titan verlassen. Eine Meuterei mussten Admiral Picard und Captain Riker dafür zwar nicht anzetteln, aber unsere ehemalige Borg wird sicher Konsequenzen entgegenblicken. Es sei denn natürlich, Shaw und die Titan spielen noch eine größere Rolle in der Staffel, was nicht unwahrscheinlich ist. Schließlich benötigt die Eleos Hilfe und die Titan ist in Reichweite. Vielleicht steckt Shaw auch irgendwie in der Verschwörung mit drin und muss entlarvt werden, weshalb Beverly darauf bestanden hat, dass die Sternenflotte außen vor bleibt? Keine Ahnung. Aber ich wäre mir sicher, dass wir von der Titan noch nicht alles gesehen haben.
Raffi
Raffi Musiker begleitet uns durch den zweiten Handlungsstrang. Wir sehen sie, wie sie ihren Dealer kontaktiert und an Informationen gelangen will, die ihr offenbar wichtig sind. Weshalb und warum können wir zunächst nur erahnen, denn auf den ersten Blick sieht es danach aus, dass sie zurück in alte Gefilde gefallen ist, was einen sehr bitteren Werdegang nach der zweiten Staffel bedeuten würde.
Aber Moment, nachdem sie von ihrem Kontakt von der „Red Lady“ erfahren hat, kontaktiert sie eine unbekannte Person innerhalb der Sternenflotte und zeigt uns auf, dass sie Undercover unterwegs ist und für einen Geheimdienst der Sternenflotte arbeitet. Interessante Entwicklung für Raffi und tatsächlich nicht abwegig, denn es wäre doch äußerst schade gewesen, wenn sie dorthin zurückgegangen wäre, wo wir sie einst in der ersten Staffel vorgefunden haben.
Ihre Mission ist es offenbar, eine gefährliche Waffe zu finden, deren Einsatz wir noch zu sehen bekommen sollen. Auf Unterstützung kann Raffi leider nicht setzen, denn ihr Kontakt blockt jedwede Mithilfe scheinbar ab. Insofern gibt es in diesem Handlungsstrang eher den Verdacht, dass innerhalb der Sternenflotte (mal wieder) etwas faul ist, als im Strang um Picard und Riker. Dennoch kann Raffi ausmachen, worum es sich bei der „Red Lady“ handelt, kommt aber zu spät zum entsprechenden Ort, wo sie nur zusehen kann, wie das Unglück seinen (visuell beeindruckenden) Lauf nimmt.
Ich bin wirklich gespannt, wohin die weiter Reise von Raffi geht und ob und wie sie auf Picard und Riker treffen wird. Außerdem natürlich, wie die anderen alten Recken in die Geschichte eingebunden werden und inwiefern diese Staffel tatsächlich eine Reunion von „TNG“ wird.
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Sonstiges
Über die Special Effects brauchen wir wohl kaum zu reden, die waren beeindruckend. Egal, ob es um Schiffe, Raumstationen, den Anschlag oder sonst was geht - das sah alles großartig aus. Auffällig waren aber die musikalischen Themen, die in der Episode zur Geltung kamen. Immer mit starker Nostalgie und doch mit einem Hauch neuem unterlegt, womit die Musik vermutlich gut zum Titel passt. Hat mir sehr gefallen.
Und natürlich gab es jede Menge Easter Eggs zu erblicken. Manche offensichtlich, andere etwas versteckter. In dieser Hinsicht hat mich dieser Auftakt ebenfalls an Star Trek: Lower Decks erinnert. Und das ist gut, denn diese animierte Serie greift gerne auf „TNG“ (und andere) zurück, oft humorvoll aber zuweilen auch sehr ernst und mit einer ähnlichen Blickrichtung wie einst „TNG“ auf die wöchentlichen Fälle. Sollte sich also bewahrheiten, dass wir jetzt doch noch eine Art späte Fortsetzung von „TNG“ erhalten und dazu noch in Form von live-action, dann nehme ich das gerne mit. Und Ihr?
Ein bisschen gefehlt haben mir diverse Darsteller/innen der ersten beiden Staffeln aber schon. Gerade mit Blick darauf, dass Staffel zwei und drei back-to-back gedreht wurden, ist es schade, dass Alison Pill, Santiago Cabrera oder auch Evan Evagora nicht mehr mit von der Partie sind.
For Annie
Jeder Serienjunkie hat sicher seine Favoriten unter den Stars. Also, Darsteller:innen, die er oder sie besonders gerne mag und immer sehen kann - sei es nun in einer Serie oder auf der großen Leinwand. Einige Gesichter sieht man besonders gerne und dazu gehörte für mich Annie Wersching, die dieses Jahr viel zu jung verstorben ist. Mir kamen jedenfalls direkt die Tränen, als ich „For Annie“ gelesen habe und direkt wusste, wer gemeint war.
Neben ihrer Rolle als Borg-Queen in der zweiten Staffel von Star Trek: Picard, die sie sehr gut gespielt hat (wie alle ihre Rollen), ist sie mir zuletzt in The Rookie als Serienkillerin begegnet. Und obwohl sie dort wie auch in „Star Trek: Picard“ eine Antagonistin spielte, brachte sie stets genug Charisma mit, um ihren Rollen gerecht zu werden und diese auch glaubwürdig zu gestalten. Ein schwerer Verlust, vor allem natürlich für ihre Familie und ihre Freunde. Ruhe in Frieden, Annie, wir werden dich vermissen.
Fazit
Ein gelungener Auftakt, der Lust und neugierig auf mehr macht. Für Fans der alten Serie ein Muss, wenngleich die „nächste Generation“ hier mehr als nur eine Bedeutung hat. Das neue Abenteuer mit den bekannten Gesichtern hat sicher etwas für sich, denn der Auftakt weiß an den richtigen Fäden zu ziehen, womit charakterlich, visuell und musikalisch auf jeden Fall abgeliefert wird, während es in Sachen Story noch abzuwarten gilt, wohin die Reise geht. Ich bin jedenfalls optimistisch gestimmt, weshalb es von mir viereinhalb von fünf Sternen gibt. Und von Euch?
Star Trek: Picard: 3. Serientrailer Staffel 3
Hier abschließend der passende Serientrailer zur dritten Staffel der Serie „Star Trek: Picard“:
Verfasser: Christian Schäfer am Samstag, 18. Februar 2023Star Trek: Picard 3x01 Trailer
(Star Trek: Picard 3x01)
Schauspieler in der Episode Star Trek: Picard 3x01
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