Star Trek: Picard 1x07

Star Trek: Picard 1x07

In Nepenthe flüchten sich Picard und Soji auf einen idyllischen Planeten, auf dem sie zwei alte Freunde erwarten. Dabei setzt man diese Episode dementsprechend auf eine kleine Atempause und eine ordentliche Portion Fanservice.

Szenenfoto aus der Episode Nepenthe der US-Serie Star Trek: Picard (c) CBS All Access
Szenenfoto aus der Episode Nepenthe der US-Serie Star Trek: Picard (c) CBS All Access
© zenenfoto aus der Episode Nepenthe der US-Serie Star Trek: Picard (c) CBS All Access

Die Episode Nepenthe der US-Serie Star Trek: Picard führt Jean-Luc (Patrick Stewart) mit Soji (Isa Briones) auf der Flucht vor ihren Verfolgern auf einen abgelegenen idyllischen Planeten. Dort werden sie von einem jungen Mädchen empfangen, das sie zu zwei alten Freuden führt, die ohne zu zögern bereit dazu sind, ihnen eine helfende Hand zu reichen.

Ruhe vor dem Sturm

Wie mittlerweile gewohnt, starten wir mit einem Flashback, in dem diesmal Dr. Jurati (Alison Pill) vor ihrem Beitritt als Crewmitglied gezeigt wird. Wir erleben eine Weiterführung der damals nur angeteaserten Konversation zwischen ihr und Commodore Oh (Tamlyn Tomita) und werden Zeuge, wie Oh letztendlich per Gedankenverschmelzung Agnes auf ihre Seite ziehen konnte: Visionen von Synths, die in einem mysteriösen Kreis Explosionen entfachen und der Tod von Oh selbst gehören zu der Vielzahl an Bildern, die in hohem Tempo über den Bildschirm und vor Juratis geistigem Auge flimmern.

Diese ist in der Gegenwart in keiner guten Verfassung, denn ihr Gemütszustand erscheint zunehmend labiler. Die Crew hat jedoch zunächst andere Sorgen, denn das Schiff steckt im Traktorstrahl des Kubus fest. Als sie zu ihrer Überraschung nach dessen Abschaltung kurz darauf die Gelegenheit erhalten, sich aus dem Staub zu machen, bleibt ihnen nichts anderes übrig, als Elnor (Evan Evagora) zurückzulassen. Dieser stellt sich an die Seite des erschütterten Hugh (Jonathan Del Arco), dessen zurückgeholte Borg-Kameraden von Rizzo (Peyton List) exekutiert wurden. Als einige Zeit später ein Kampf zwischen ihren Truppen und Elnor ausbricht, wird Hugh schließlich von Rizzo tödlich verwundet, während Elnor den Rückzug antreten muss. Von den Romulanern gejagt, setzt er schließlich in der Hoffnung auf Rettung ein Notsignal an die Fenris Ranger ab.

Picards Crew stellt unterdessen auf ihrem Weg zu Jean-Luc fest, dass ihnen jemand folgt. Tatsächlich ist ihnen Narek (Harry Treadaway) auf den Fersen, der darauf baut, dass sie ihn zu Picard und Soji führen. Ihre Versuche, ihn abzuschütteln, schlagen jedoch fehl, da er sie mittels eines Transponders anpeilt, den Jurati im Auftrag von Commodore Oh verschluckt hat. Dieser könnte jedoch der Auslöser für ihre auftretenden Magenbeschwerden sein, was sie unter Schmerzen dazu bringt, sich Noraniumhydrid zu injizieren, was den Tracker zwar zu neutralisieren scheint, sie aber gleichzeitig in ein Koma versetzt.

Währenddessen werden Picard und Soji auf Nepenthe von einem jungen Mädchen namens Kestra (Lulu Wilson) empfangen, die sich als die Tochter von zwei guten Freunden entpuppt, welche sie voller Freude in Empfang nehmen: die miteinander verheirateten Will Riker (Jonathan Frakes) und Deanna Troi (Marina Sirtis). Soji bleibt nach dem erlebten Verrat zunächst misstrauisch, lässt sich im Zuge ihres Aufenthalts jedoch Stück für Stück von Kestra überzeugen, dass ihre Gastgeber und Picard es aufrichtig mit ihr meinen. Natürlich empfängt dass Paar ihren alten Captain mit Herzlichkeit und lässt ihn für einige Zeit seine Sorgen vergessen, wobei sie ihm gleichzeitig mit Rat zur Seite stehen. Gestärkt beginnt er dort, seine nächsten Schritte zu planen, was ebenso beinhaltet, dass Soji sich allen gegenüber öffnet und ihnen vom Hinweis auf ihren Heimatplaneten erzählt, zu dem die Mitglieder von Zhat Vash bereits unterwegs sein könnten. Als Rios (Santiago Cabrera) mit seinem Schiff in den Orbit eintritt, ist schließlich die Zeit des Abschieds mit einem neuen Ziel vor Augen gekommen.

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Reunion

Nepenthe bietet Picard (Patrick Stewart) und Soji (Isa Briones) die Möglichkeit, innezuhalten und drosselt dementsprechend das Tempo der Episode in den Szenen auf dem ruhigen und abgeschiedenen Planeten. Das Wort Nepenthe stammt aus der griechischen Mythologie, genauer gesagt aus Homers Odyssee und betitelt einen Trank, der Sorgen durch Vergessen tilgen soll. Dies steht symbolisch für die Zeit, die Picard bei seinen alten Freunden, fernab von Chaos und Gefahr verbringt.

Nehmen wir uns jedoch zunächst der hektischeren Ereignisse an: Elnor (Evan Evagora) bleibt erneut auf dem Borg-Kubus zurück, da sie ihn entweder (wohl aufgrund der hochgefahrenen Schilde) überhaupt nicht zurück auf das Schiff beamen können oder einfach seine Entscheidung akzeptieren, sich an die Seite von Hugh (Jonathan Del Arco) zu stellen. Ehemalige Borg-Drohen haben es derweil wie zuvor in der Serie nicht gerade leicht, denn Rizzo schießt nicht nur eine Reihe von ihnen über den Haufen, zu denen Hugh eine starke emotionale Bindung aufgebaut hatte, es geht ihm danach auch noch selbst an den Kragen, als eine Art romulanischer Kunai, geworfen von Rizzo, in ihm landet. Dass er mit seinen letzten Worten verrät, dass Elnor die Romulaner vom Kubus werfen kann, sofern er eine ehemalige Drone findet, passt in Anbetracht dessen nun gleich auf doppelte Hinsicht mit dessen Hilferuf an Fenris zusammen. Wir können also mit ziemlicher Sicherheit davon ausgehen, dass wir Seven of Nine (Jeri Ryan) nächste Episode wiedersehen.

Schaut man auf Dr. Jurati, bekommen wir im Grunde durch die Flashbackszene lediglich die Bestätigung für den Zeitpunkt und die Umstände ihrer Rekrutierung durch die Synth-Gegner, was ohnehin sehr nahelag. Ergänzend dazu wird gleich die Begründung geliefert, wieso Narek (Harry Treadaway) sich in dieser Episode nicht von ihnen abschütteln lässt. Dass Rios (Santiago Cabrera) eher Raffi (Michelle Hurd) als ihm vertraute Person anstelle von Jurati als ihm Unbekannte verdächtigt, kann einen schon ein wenig mit den Augen rollen lassen und ist eine Idee, die man vom Fingerspitzengefühl her eher der Crew aus Another Life zugetraut hätte...

Zu Juratis Magenproblemen stellen sich mir gleich mehrere Fragen: Ist Raffi die Schuldige? Hat sie den Kuchen vergiftet, weil sie Agnes im Verdacht hat? Aber, falls sie auf einen Tracker als Grund für ihren hartnäckigen Verfolger spekulierte, woher will sie gewusst haben, dass sich dieser im Körper von Agnes befindet? Einfache Komplikationen mit dem Transponder im menschlichen Körper klingen in dieser technologisch fortgeschrittenen Zukunft aber auch wieder eher unwahrscheinlich.

Szenenfoto aus der Episode Nepenthe der US-Serie Star Trek: Picard
Szenenfoto aus der Episode Nepenthe der US-Serie Star Trek: Picard - © CBS All Access

Die Essenz der Episode war dafür eindeutig der Aufenthalt und die Entschleunigungsphase auf Nepenthe, um sich von den Strapazen zu erholen, was gleichzeitig an die Nostalgie und den Fanservice rund um die Cameo-Auftritte von Riker (Jonathan Frakes) und Troi (Marina Sirtis) geknüpft ist. Grundsätzlich sind diese Sequenzen äußerst gelungen, wobei mir etwas Technisches sauer aufgestoßen ist, von dem ich es so nicht erwartet habe: Die Handkamerabilder sollen dem Ganzen eine persönlichere und cineastischere Atmosphäre geben, doch diese ständigen Wackler in ruhigen Szenen sorgen bei mir (wohl ganz besonders subjektiv) für einen unruhigen Effekt, der dem eigentlichen Zweck zumindest ein wenig entgegenwirkt.

Dennoch kann man vor allem Jonathan Frakes anmerken, wie viel Spaß es ihm macht, noch einmal an der Seite von Patrick Stewart spielen zu dürfen, was der Vertrautheit und der Wiedersehensfreude die richtige Authentizität verleiht und auch die Tatsache, dass dieser seinen alten Captain wie ein Buch lesen kann, nachvollziehbar macht. Auch das aufrichtige Wohlgefühl, während gleichzeitig ein tragischer Unterton mitschwingt, über dessen Ursprung wir schließlich gemeinsam mit Jean-Luc aufgeklärt werden, wird gekonnt auf den Zuschauer übertragen. Trotz des Verlust eines Kindes, welcher die Familie immer noch prägt, haben sie sich an diesem Fleck ein Stückchen Glück aufgebaut und schöpfen trotz ihrer anhaltenden Trauer Mut aus dem Positiven in ihrem Leben. Das könnte möglicherweise auch eine der Aussagen reflektieren, welche die Macher auch im Hinblick auf ihre Neuakzentuierung des „Trek“-Universums treffen wollen: Die Welt mag ein rauer Ort geworden sein, doch trotz schwerer Zeiten gibt es noch genügend Hoffnung und Glück, um alles mit sich in Einklang zu bringen.

Es ist richtig, auch Sojis Misstrauen Ausdruck zu verleihen und ihr hier einen Ort zu etablieren, der ihr genügend Zeit liefert, sich ein wenig weiterzuentwickeln. Ein (etwas altkluges) Kind in Form von Kestra (Lulu Wilson) die Vertrauensbrücke zwischen ihr und den anderen schlagen zu lassen, funktioniert dabei durchaus, da man ihr eben nicht die Manipulationsversuche zu unterstellen vermag, wie es bei einem Erwachsenen der Fall sein könnte. Erstaunlich ist auch, dass sie nun bereits Datas Kopfneigung adaptiert hat, ohne ihn zu kennen, auch wenn dies wohl hauptsächlich eingefügt wurde, damit Riker sie als Androidin identifizieren kann. Ganz generell können die Gespräche untereinander von Angesicht zu Angesicht auf Nepenthe in dieser Episode überzeugen, was natürlich ebenso Deanna einschließt, die ihre Tochter offensichtlich nach ihrer verstorbenen Schwester benannt hat.

Fazit

Ob man es nun als Nostalgie oder auch Fanservice betiteln möchte, Nepenthe findet einen guten Weg, die Cameo-Auftritte von Riker und Troi in seine Geschichte zu integrieren, ohne es zu überreizen. Vielmehr fühlt sich der ruhigere Ansatz sinnvoll an, um den Figuren eine Verschnaufpause zu gönnen und ihnen Platz zu geben, sich weiterzuentwickeln und dies gleichzeitig mit etwas Vertrautem zu mischen. Außerdem möchte man, davon abgesehen, natürlich erfahren, wie es den alten Enterprise-Crewmitgliedern in der Zwischenzeit ergangen ist, solange diese die Story nicht beherrschen, was im Hinblick auf das bisher Gezeigte nicht der Fall ist. Die Rückkehr zu mehr Action wird es definitiv schon sehr bald geben, weswegen der Ansatz der Episode eine willkommene Abwechslung darstellt.

Hier abschließend noch der Trailer zur nächsten Episode der US-Serie Star Trek: Picard, Broken Pieces (1x08):

Verfasser: Tim Krüger am Freitag, 6. März 2020

Star Trek: Picard 1x07 Trailer

Episode
Staffel 1, Episode 7
(Star Trek: Picard 1x07)
Titel der Episode im Original
Nepenthe
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Donnerstag, 5. März 2020 (Paramount+)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Freitag, 6. März 2020
Autoren
Sam Humphrey, Michael Chabon
Regisseur
Douglas Aarniokoski

Schauspieler in der Episode Star Trek: Picard 1x07

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