Star Trek: Picard 1x08

Star Trek: Picard 1x08

Die Anwesenheit von Soji lockt längst verdrängte Erinnerungen in Rios hervor, während Jurati ihnen einige Antworten schuldet. Elnor sieht sich unterdessen auf dem Kubus in die Enge getrieben, bis die von ihm gerufene Hilfe auftaucht.

Szenenfoto aus der Episode Broken Pieces der US-Serie Star Trek: Picard (c) CBS All Access
Szenenfoto aus der Episode Broken Pieces der US-Serie Star Trek: Picard (c) CBS All Access
© zenenfoto aus der Episode Broken Pieces der US-Serie Star Trek: Picard (c) CBS All Access

In der Episode Broken Pieces der US-Serie Star Trek: Picard hat die Crew der La Sirena einiges an Gesprächsbedarf: Während Sojis (Isa Briones) Anwesenheit Rios (Santiago Cabrera) in eine persönliche Krise stürzt, hat Dr. Jurati (Alison Pill) einiges zu erklären. Fernab davon rücken die Romulaner Elnor (Evan Evagora) auf dem Borg-Kubus gefährlich nahe, doch Unterstützung ist bereits unterwegs.

The Grief World

Die Flashback-Sequenz, welche uns zum Anfang jeder Episode erwartet, dreht sich diesmal ganz um die Zhat Vash und ein Ritual auf dem Planeten Aia, auch „The Grief World“ genannt: Unter der Leitung von Oh (Tamlyn Tomita) erhält ein ausgewählter Kreis der Mitglieder Visionen der vergangenen Zerstörung und der Gefahr durch die Synths, welche die meisten von ihnen nicht verkraften. Die einzigen Überlebenden dieser Offenbarung sind zwei uns bekannte Gesichter: Narissa (Peyton List) und Ramdha (Rebecca Wisocky). Letztere wird daraufhin von Narissa als die Person angeführt, welche sich nach dem Tod ihrer Eltern um sie und ihren Bruder Narek kümmerte. Ebenso erfahren wir, dass die an die Synths gekoppelte Mars-Katastrophe von den Zhat Vash eingefädelt wurde.

An Bord des Kubus macht Narissa derweil in der Gegenwart Jagd auf Elnor, der nach seinem in der letzten Episode abgesetzten Signal gerade noch rechtzeitig Unterstützung von Seven of Nine (Jeri Ryan) erhält. Gemeinsam flüchten sie sich in die Kammer der Borg-Queen, in der sie Maßnahmen ergreifen wollen, die Kontrolle über den Kubus zu erlangen. Die Lösung ist für sie allerdings mit nicht unerheblichen Risiken verbunden: Seven muss sich als Queen einklinken, um das Kolletiv lokal wiederzuerwecken und damit die Romulaner zu vertreiben. Narissa sorgt dafür, dass dies nur mit Verlusten geschieht, da sie anordnet, die verbliebenen Drohnen aus der Luftschleuse zu werfen, bevor sie von einer reaktivierten Schar von ihnen eingekreist wird. Allerdings entkommt sie im letzten Moment, indem sie auf eines der romulanischen Schiffe gebeamt wird, welche mit Kurs auf Sojis Heimatwelt Reisaus nehmen. Seven wird daraufhin vom Kollektiv entlassen und hat nun die Möglichkeit, mit Elnor die Verfolgung aufzunehmen.

An Bord der La Sirena zieht sich ein deprimierter Rios in sein Quartier zurück, nachdem er Soji erblickt. Wie Raffi (Michelle Hurd) nach einiger Recherche, einer Hologramm-Beratung und einem Gespräch mit Rios herausfindet, ist Soji das Ebenbild einer Person, die vor langer Zeit von seinem damaligen Sternenflotten-Mentor aus heiterem Himmel liquidiert wurde, bevor dieser sich selbst richtete. Dies war auch der Grund, warum er kurz darauf den Dienst quittierte und der Sternenfotte den Rücken kehrte. Als die Crew sich anschließend zusammensetzt, um Puzzlestücke und Informationen gemeinsam zusammenzufügen, kommen sie mithilfe einer sich immer mehr erinnernden Soji zu dem Schluss, dass es gemeinsam mit einem Begleiter zwei Gesandte aus ihrer Heimatwelt waren, welche im Auftrag von Commodore Oh beseitigt wurden.

Jurati ist in der Zwischenzeit nach der geglückten Entfernung des Transponders wieder bei Bewusstsein und versucht, ihre nun offenliegenden Taten vor Picard zu rechtfertigen. Ihre Begegnung mit Soji lässt sie dabei angeblich ihre Meinung ändern und erneut die Seiten wechseln, wobei sie ebenfalls einsieht, dass sie sich auf der nächsten Raumstation aufgrund ihres Verbrechens stellen muss. Dazu kommt es jedoch nicht, da Soji sich darum bemüht, das Schiff zu kapern und auf ihre Heimatwelt zuzusteuern. Rios hat jedoch für diesen Fall vorgesorgt und kann dies verhindern, woraufhin die Crew aber gemeinsam und aus freien Stücken beschließt, ihren gesetzten Kurs weiter beizubehalten und sie ohne den vorherigen Umweg zu unterstützen.

Hier kannst Du „Star Trek - Picard: Staffel 1 (dt./OV)“ bei Amazon.de kaufen

Connecting is futile

Nach der eher ruhigen letzten Episode zieht Broken Pieces das Tempo wieder an. Man nutzt die letzte Gelegenheit vor dem Zweiteiler-Staffelfinale, um so viele Handlungsstränge zusammenzuführen und Erklärungen zu liefern wie nur irgendwie möglich. Ein großes Manko ist allerdings dabei, dass man dies viel zu krampfhaft bei zu vielen Storylines, bei welchen Verbindungen überhaupt nicht nötig wären, versucht.

Fangen wir einmal mit dem Flashback an: Die Aufklärung über das Ritual und ihre Beteiligten in Form von Oh (Tamlyn Tomita), Narissa (Peyton List) und Ramdha (Rebecca Wisocky) ist zwar durchaus in Ordnung, genau wie die Offenbarung, dass die Mars-Attacke auf den Zhat Vash zurückzuführen ist. Doch überraschend ist letzteres wiederum nicht sonderlich... Eine familiäre Verbindung zwischen Narissa und Ramdha herzustellen, wäre jetzt nicht wirklich nötig gewesen, stellt an sich aber kein Problem dar. Problematisch ist allerdings der stumpfe Infodump, den Narissa anschließend neben der bewusstlosen Ramdha herunterleiert. Man überlässt es nicht dem Zuschauer, hier Lücken selbst zu schließen oder zeigt ihre Verbindung durch Bilder. Nicht einmal ein Dialog wird einem hier vorgesetzt. Stattdessen lässt man Narissa alles in einem unnatürlich wirkenden Monolog lieblos neben Ramdha vor sich hin erzählen. Niemand würde sich neben das Bett setzen und dann „wie du weißt, liebe bewusstlose Tante, hast du mich damals großgezogen und später warst du ja noch auf dem Schiff, das assimiliert wurde...“ zum Besten geben. Mit schönem Gruß an meinen damaligen Professor kann ich bestätigen, dass Filmstudenten (vor allem denjenigen mit Fokus auf dem Erstellen von Drehbüchern), die diese Art von Exposition/Infodump benutzen, solche Skripte zu Recht um die Ohren gepfeffert werden.

Dadurch soll so etwas wie Empathie für Narissa erzeugt werden, was jedoch völlig flachfällt, wenn sie Sekunden später wieder in den Comicbuchschurken-Modus wechselt. Das ist jedoch nicht die einzige Szene mit ein wenig Optimierungsbedarf, denn wesentlich ärgerlicher ist eine andere Sache: Rios hat also damals miterlebt, wie zwei Synths (davon ein Soji-Ebenbild) von seinem Mentor für ihn aufgrund der Geheimhaltung scheinbar grundlos exekutiert wurden, was dann der Grund war, weshalb er desillusioniert die Sternenflotte verließ. Bitte was? Sollen wir jetzt ernsthaft an den Zufall exorbitanten Ausmaßes glauben, dass Picard ausgerechnet bei dem Schiffscaptain gelandet ist, der bei diesem Vorfall Zeuge war? Hier wurde versucht, mit der Brechstange eine Verbindung zu knüpfen, was definitiv das falsche Werkzeug für solch eine delikate Angelegenheit ist.

Santiago Cabrera durfte mit den Holo-Persönlichkeiten seinem Schauspielrepertoire Ausdruck verleihen und dabei auch demonstrieren, welche Akzente er draufhat (unter anderem irisch und schottisch). Seine Figur selbst hatte fernab ihrer Vergangenheit den besten Auftritt, als er seine Diebstahlsicherung präsentieren durfte. Es wurde aber auch Zeit, dass das Kapern von Schiffen sich selbst für Androiden als etwas schwieriger gestaltet. Und wie sieht es mit Jurati (Alison Pill) aus? Sie ermordet für ihre Mission ihren Geliebten und entfernt sich allem Anschein nach den Tracker - und das vielmehr wegen eines medizinischen Notfalls und nicht zwangsläufig aus Reue und Überzeugung, die Crew ihren Verfolger abhängen zu lassen. Aber ein Blick auf Soji reicht aus, um ihre Meinung umzukehren? Ganz egal, ob das nun der Wahrheit entspricht: Andere Crews hätten sie eher aus dem Airlock geworfen, als sie mit der Freundlichkeit zu behandeln, mit der es die meisten hier auf einmal wieder machen.

Szenenfoto aus der Episode Broken Pieces der US-Serie Star Trek: Picard
Szenenfoto aus der Episode Broken Pieces der US-Serie Star Trek: Picard - © CBS All Access

Apropos Airlock: Die Handlung auf dem Kubus hatte für mich sowohl positive als auch negative Aspekte. Es war spannend, die Borg und all ihre schwer aufzuhaltenden Stärken einmal auf der richtigen Seite zu sehen und etwa davon Zeuge zu werden, wie sich der Würfel in Rekordgeschwindigkeit wieder beginnt, zusammenzusetzen. Das waren schon beeindruckende Momente. Allerdings schwingen auch hier einige Logikfragen mit: Offenbar wurde „Annika“ (Jeri Ryan) vom Kollektiv entlassen, was zweierlei Fragezeichen hinterlässt: Wurde zum einen überhaupt schon einmal erläutert, ob die Borg fähig dazu sind, ohne eine Queen, deren Funktion Seven ja de Facto übernommen hatte, zu überleben? Sie zu entlassen würde doch quasi den Suizid für das neu erschaffene Kollektiv bedeuten. Und auch wenn das nicht so wäre: Seven aus Großzügigkeit, Einsicht und Nettigkeit gehen zu lassen, nur „weil sie noch etwas vorhat“, anstelle sie weiterhin zu nutzen, widerspricht zum anderen allem, was ich jemals über die Borg und ihren Logik-Kodex zu wissen geglaubt habe. Die Zukunft der Borg bleibt dadurch aber so oder so interessant, falls das Ganze bald noch einmal aufgegriffen werden sollte.

Dass man nach Aussage der Romulaner nun auch die Ankunft eines neuen fürchterlichen Faktors, möglicherweise einer Spezies, ankündigt und die Bedrohung besteht, dass ein uralter Zerstörungszyklus sich wiederholen könnte, sobald eine bestimmte technologische Schwelle (die lebensechten Synths) überschritten wird, klingt im Grunde genommen wirklich spannend. Mir kommt diese Story gleichzeitig allerdings schon ein wenig bekannt vor (liebe Grüße an „Mass Effect“!). Davon abgesehen würde ich gerne erfahren, welche überzeugenden Beweise Picard (Patrick Stewart) Admiral Clancy (Ann Magnuson) eigentlich aus der Ferne konkret liefern konnte, um diese zu überzeugen. Da gibt es sicherlich mehrere potentielle Möglichkeiten, die Begründung wurde jedoch trotzdem einfach übersprungen.

Fazit

Broken Pieces verhebt sich daran, krampfhaft überall Verbindungen zwischen Storylines und Figuren knüpfen zu wollen. Diese sind nicht nur stellenweise unnötig, sondern auch noch teilweise sehr an den Zufall gehaftet, was man sich dann lieber gleich komplett schenken sollte. Atmosphärisch macht die Episode zwar durchaus etwas her, aber die Ungereimtheiten und die ungeschickte Wahl der Mittel, eine möglichst rund wirkende Geschichte zu erzählen, lenken einen davon an einigen Stellen ab. Der Weg vor dem Staffelfinale wurde nun also doch noch einmal holprig. Bei den qualitativen Schwankungen bleibt also nur zu hoffen, dass sich der Endspurt auf die gelungen Aspekte von Star Trek: Picard besinnt.

Hier abschließend noch der Trailer zur nächsten Episode der US-SerieStar Trek: Picard, Et in Arcadia Ego (1x09):

Verfasser: Tim Krüger am Freitag, 13. März 2020

Star Trek: Picard 1x08 Trailer

Episode
Staffel 1, Episode 8
(Star Trek: Picard 1x08)
Deutscher Titel der Episode
Bruchstücke
Titel der Episode im Original
Broken Pieces
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Donnerstag, 12. März 2020 (Paramount+)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Freitag, 13. März 2020
Autor
Michael Chabon
Regisseur
Maja Vrvilo

Schauspieler in der Episode Star Trek: Picard 1x08

Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?