Star Trek: Picard 1x06

© zenenfoto aus der Episode The Impossible Box der US-Serie Star Trek: Picard (c) CBS All Access
In der Episode The Impossible Box der US-Serie Star Trek: Picard erweckt der Anblick des Borg-Kubus bei ihrer Ankunft im romulanischen Territorium traumatische Erinnerungen in Jean-Luc (Patrick Stewart). Nachdem Hugh (Jonathan Del Arco) ihn an Bord in Empfang nimmt und ihm die Einrichtung zeigt, wird ihm klar, dass Soji (Isa Briones) in unmittelbarer Gefahr steckt, während sie gemeinsam mit Narek (Harry Treadaway) ihrem Geheimnis näherkommt.
They don't change. They metastasize.
Mit offiziellen Dokumenten als Botschafter der Föderation in Bezug auf das Borg-Reclamation-Project ausgestattet, die er sich dank Raffis (Michelle Hurd) Überzeugungsarbeit aneignen konnte, beamt Jean-Luc sich an Bord des Kubus. Dort wird er direkt mit unangenehmen und traumatischen Erinnerungen an seine Zeit als Locutus konfrontiert, bevor Hugh ihn aus seinen panischen Gedanken herausreißen kann und ihm die Anlage präsentiert, was den immer noch unruhigen Picard ein wenig herunterkommen lässt.
Narek ist in der Zwischenzeit davon überzeugt, einen Weg gefunden zu haben, Soji die Informationen über ihren Herkunftsort zu entlocken, ohne dass sie Verdacht schöpft. Ihre Träume sollen ihn als Verknüpfung zu ihren Erinnerungen und ihrem Unterbewusstsein ans Ziel führen. Vom ihm gesäte Zweifel an ihrer Mutter lassen sie Nachforschungen anstellen, die sie völlig aus dem Gleichgewicht bringen, als sie entsetzt feststellt, dass alle Mementos, die sie mit sich führt, vor 37 Monaten fabriziert wurden.
Narek bringt sie mit dem Versprechen, die Antworten mit ihr zu finden, in eine Kammer, in welcher er sie durch ihren wiederkehrenden Traum geleitet. Dort findet er, sehr zur Freude seiner Schwester Narissa (Peyton List), welche das Spektakel beobachtet, einen sehr ergiebigen Hinweis auf ihren Herkunftsplaneten. Mit den Informationen versorgt, die er schon seit geraumer Zeit versucht hat zu erlangen, ist Narek nun offenbar mit ihr fertig, was sich darin äußert, dass sie sich, ohne es auf die Schnelle zu realisieren, in der verschlossenen Kammer wiederfindet, während er ein schädliches Gas einleitet.
Der lebensbedrohliche Moment aktiviert jedoch ihren Androidenmodus, was ihr es wiederum erlaubt, sich mit roher Zerstörungskraft den Weg durch den Boden der Kammer zu bahnen. Ein Stockwerk tiefer erreicht sie Picard und Hugh, die bereits auf dem Weg zu ihr waren, nachdem sie ihre zunächst versteckte Position anpeilen konnten. Nach kurzem Zögern entscheidet sie sich dazu, ihnen zu folgen, ehe die romulanischen Sicherheitskräfte auf sie einschwärmen können. Ihre Flucht führt sie in die ehemalige Kammer der Borg-Königin, in welcher ein Fluchttransporter für Notfälle installiert wurde, der sie auf einen nahegelegenen Planeten transportieren soll. Während Soji und Picard den Ausweg wahrnehmen, bleiben Hugh und der kurz zuvor eingetroffene Elnor (Evan Evagora) zurück, um den Rückzug der beiden zu sichern.
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Old memories and the truth
The Impossible Box genießt den Vorteil, dass die bisher separaten Storylines sich zunächst in unmittelbarer Nähe zueinander befinden und schließlich zusammengeführt werden. Wir bekommen, bevor es auf den Kubus geht, auch eine immer noch überschaubare, aber dennoch größere Dosis Charakterentwicklung serviert als zuvor. Während Jurati (Alison Pill) und Rios (Santiago Cabrera) aus unterschiedlichen Gründen Nähe zueinander suchen, bleibt mein Einwand aus der letzten Woche bestehen: Hat das EMH wirklich nichts zum Tod von Maddox zu melden? Ohne Auflösung wäre das schon ein nicht unerhebliches plot hole.
Raffi wird uns diese Woche als funktionierende Alkoholikerin präsentiert, was sich verhältnismäßig als sperriger Kontrast zur sonstigen wesentlich schnittigeren Handlung entpuppt. Raffis Nebenhandlung war letzte Episode einfach zu gewöhnlich und uninteressant inszeniert, um hier irgendwelche Früchte zu tragen. Das waren - abgesehen davon, dass Narissa Lannister... ich meine natürlich Rizzo, immer noch so scharf auf ihren Bruder ist, dass es langsam schon unfreiwillig komisch ist - auch die wesentlichen Punkte, an denen die Episode angeeckt ist, denn der Großteil davon beweist, wie gut die Serie funktionieren kann, wenn sie ihre Stärken ausspielt.
Das äußert sich auch darin, dass Picard hier nicht wie ein austauschbarer Sternenflottencaptain wirkt, denn die Szenen innerhalb des Borg-Kubus funktionieren eben nur mit dem ehemaligen Locutus so effektiv wie hier. Auch sein Wandel hin zu einer emotionaleren Person wird hier in einen nachvollziehbaren Rahmen gerückt, denn während die PTSD-Momente schon früher bei ihm auftraten, so ist die immense, für Jean-Luc ungewohnte Nervosität, die Patrick Stewart mit seiner Körpersprache durch seine gesamte Haltung, Zittern der Hände sowie durch die unsichere Stimme gekonnt zum Ausdruck bringt, ein wesentlicher Part, der den Bruch seiner Contenance und seine Veränderung als Mensch anschaulich demonstriert. Hier präsentiert man uns während seiner halluzinierenden Momente auch, wie atmosphärisch dicht man Panik und Bodyhorror darstellen kann, ohne dass man wie in der letzten Episode auf Schockwerte und Gore setzen muss.

Der wesentliche Unterhaltungsgarant der Episode ist in erster Line der Spannungsbogen, der ab dem Aufenthalt an Bord des Kubus stetig steigt, ohne dabei einzuknicken. Auch in Bezug auf Soji (Isa Briones) liegt nach so vielen Episoden Stagnation endlich spürbar in der Luft, dass die wilde Fahrt für sie nun richtig losgeht, denn sie wird im Laufe der Folge immer näher an die Wahrheit geführt, bis es schließlich zur Klimax kommt, in deren Zügen Narek (Harry Treadaway) sein wahres Gesicht offenbart. Obwohl er letztendlich (davon ist durch die Freisetzung bei diesem Gas zumindest auszugehen) sich im Einklang seiner Mission dazu entscheidet, Soji zu töten, so scheint dies nicht ohne Reue vonstattenzugehen, weswegen die stets angedeutete Option, er könne früher oder später die Seiten wechseln, dennoch gewahrt ist.
Nachdem der romulanische Loverboy sie auf diese drastische Weise abservierte, fiel es Soji sicherlich leicht, dem freundlichen alten Mann zu folgen, der um ihr Vertrauen ringt. Nachdem sie sich durch den Boden ein Stockwerk tiefer klopft, ist jemand, der nicht zu den Romulanern gehört und ihr Antworten auf die vielen Fragen verspricht, die in ihrem (wahrscheinlich größtenteils positronischen) Gehirn herumschwirren, aber wohl dennoch ganz bestimmt die beste Wahl für den Moment. Zuletzt darf man sich aber fragen, ob es neben Hugh (Jonathan Del Arco) - der sich als echter Freund Picards erweist, vor allem, wenn man ihren holprigen Start in „TNG“ bedenkt - wirklich nötig war, dass Elnor (Evan Evagora) ebenfalls zurückbleiben musste. Auch Picard war über diese Entscheidung verständlicherweise mehr als nur pikiert. Aber auch wenn Elnor gern als naiver Jüngling dargestellt wird, muss man ihm immerhin lassen, dass seine kleine catchphrase („Please, my friends, choose to live.“) als Abschluss der Episode im Angesicht des Feindes schon ein wenig cool ist...
Fazit
The Impossible Box ist noch nicht frei von vergangenen Unzulänglichkeiten, doch nach dem starken Piloten ist es nun die erste Episode, die mich vollends überzeugen konnte. Mit ihrer Dynamik erweckt sie das Gefühl der „TNG“-Filme und sie sorgt nicht nur für stetige Unterhaltung, sondern ebenso das erste Mal seit geraumer Zeit auch für richtig Spannung. Hoffentlich haben sich nun die wichtigsten Teilchen zusammengefügt, um diese Steigerung auch aufrechtzuerhalten, denn wir scheinen nun endlich vom Impuls- in den Warpantrieb umgeschaltet zu haben.
Hier abschließend noch der Trailer zur nächsten Episode der US-Serie Star Trek: Picard, Nepenthe (1x07):
Verfasser: Tim Krüger am Freitag, 28. Februar 2020Star Trek: Picard 1x06 Trailer
(Star Trek: Picard 1x06)
Schauspieler in der Episode Star Trek: Picard 1x06
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?