Star Trek: Picard 1x05

© zenenfoto aus der Episode Stardust City Rag der US-Serie Star Trek: Picard (c) CBS All Access
In der Episode Stardust City Rag der US-Serie Star Trek: Picard kommen Picard (Patrick Stewart) und seine Crew mit Seven of Nine (Jeri Ryan) als Gast an Bord auf Freecloud an. Dort müssen sie allerdings ihre Pläne schnellstmöglich anpassen, da er sich in Gefangenschaft befindet und an den Tal Shiar verhökert werden soll. Raffi (Michelle Hurd) nutzt derweil die Gelegenheit, ihren Sohn zu besuchen.
Are we still pretending?
Zuerst sehen wir eine brachiale Flashbackszene, in der die ehemalige Borg-Drone und das Voyager-Mitglied Icheb (Casey King) im Auftrag von Unterweltboss Bjayzl (Necar Zadegan) aufgrund seiner implantierten Borgteile auseinandergenommen wird. Daher diskutieren Picard und Seven of Nine, die damals zu spät kam, um ihren Freund zu retten, wie sie an Bruce Maddox (John Ales) herankommen, der sich in der Gewalt der erwähnten Bjayzl befindet. Dabei kommt auch zur Sprache, dass Seven sich mittlerweile den Fenris Rangers angeschlossen hat, einer Organisation, die für ihre eigene Art der Gerechtigkeit in einem zunehmend gesetzloseren Teil der Galaxy sorgt.
Sie fassen gemeinsam den Plan, mit einer kleinen Scharade Bjayzls Sinn für lukrative Geschäfte auszunutzen, was beinhaltet, die Illusion zu kreieren, Seven gegen Maddox tauschen zu wollen. Rios (Santiago Cabrera) bekommt dabei die Aufgabe, diesen Deal einzufädeln, während Picard die Rolle des Geschäftsmannes übernimmt, in dessen Namen der Handel in einer Bar auf Freecloud stattfinden soll.
In der Zwischenzeit kontaktiert Raffi ihren Sohn (Mason Gooding), der auf dem Planeten lebt und mittlerweile im Begriff ist, Familienvater zu werden. Raffi spürt ihn in einer Klinik auf, in der dessen schwangere Frau sich gerade für eine Untersuchung befindet. Doch er will nichts von seiner Mutter wissen, die damals nach ihrer Entlassung aus der Sternenflotte sowohl mit ihrer Obsession in Bezug auf eine Verschwörung der Romulaner mit ihrem ehemaligen Arbeitgeber als auch mit Suchtproblemen zu kämpfen hatte.
Zurück in der Bar nimmt der Deal eine Wendung, als Seven offenbart, dass sie mit Bjayzl noch eine Rechnung offen hat und plant, diese auf endgültige Art und Weise zu begleichen, wogegen Picard Einspruch erhebt. Schließlich nutzen sie die gewonnene Oberhand über die Situation, um sich mit Maddox im Schlepptau wieder zurück aufs Schiff zu beamen. Seven kehrt danach allerdings ohne Picards Wissen noch einmal zurück, um die Sache zu Ende zu bringen und ihr Ziel und all ihre Beschützer zu desintegrieren, was ihr auch ohne Schwierigkeiten gelingt. Die Crew versucht gleichzeitig an Bord, Maddox ein paar Informationen zu entlocken, der sich nach den Strapazen in einem kritischen Zustand befindet. Dr. Jurati (Alison Pill), von der wir zuvor erfahren haben, dass sie Maddox sehr viel nähersteht als zunächst vermutet, offenbart jedoch, dass sie sich nicht auf der Seite von Picard befindet und sorgt kurzerhand heimlich für das vorzeitige Ableben von Maddox.
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What is the nature of your psychological emergency?
Stardust City Rag ist für alle, die sich noch nicht sicher waren, was sie von der Ausrichtung von Star Trek: Picard halten sollen, womöglich die Episode, bei der sie sich festlegen könnten, denn diese verspricht, zu spalten. Fangen wir einmal direkt mit der Flashbackszene an, die mehr denn je deutlich macht, dass „Picard“ keine Familienserie ist. Als Amazon Prime Video den 18er-PIN verlangte, war ich zunächst überrascht, den Jugendschutz zu erblicken, doch nach der Anfangssequenz wurde schnell klar, wieso das der Fall ist. Ob dieser Gewaltgrad letztlich in irgendeiner Form Mehrwert hatte, ist definitiv diskutabel, es unterstreicht aber in jedem Fall die Richtung, in welche die Serie seit Beginn steuerte: Die Welt ist in eine Dystopie abgedriftet, vorwiegend ausgelöst durch die Ereignisse rund um Romulus und den Mars, und die Stimmung wird zunehmend zynischer und düsterer. Icheb, bekannt aus Star Trek: Voyager, wurde im Grunde nur wieder vorgestellt, um sofort wieder getötet zu werden, wobei man mit Casey King auch einen neuen Schauspieler für die Rolle engagiert hatte. Abseits von Seven of Nine bekommen wir leider auch keine weiteren Informationen über die ehemaligen Crewmitglieder der Voyager.
Jonathan Frakes übernahm wie in der vorigen Episode auch hier wieder die Regie, weswegen es schon überraschend ist, dass sich auch diese Episode komplett in den neueren Stil und Zeitgeist einordnet. Dafür sind allein in der Werbung auf den Leuchtreklamen von Freecloud einige Referenzen unter anderem an Quark oder auch Mot untergebracht. Ebenso gefiel mir, dass man in dieser Episode Soji und Narek außen vor ließ und sich stattdessen auf einen Handlungsstrang, mit Ausnahme der sehr kleinen Nebenpassage von Raffi, konzentrierte.
Das hilft dabei, die Persönlichkeiten der Crew weiter zu definieren, denn neben einer chronisch angespannten Dr. Jurati (zu der wir natürlich gleich noch kommen) wird Elnor (Evan Evagora) zunehmend als „Fish out of Water“-Charakter etabliert, der durch seine mangelnde Erfahrung in der Welt und an sozialen Interaktionen wohl noch so manche seltsame Situation erzeugen wird. Dieser Art von Charakter ist in „Star Trek“ durchaus keine Seltenheit, so darf man Data beispielsweise ebenso in diese Kategorie einordnen, auch wenn sich seine Situation und seine Attribute anders gestalteten.

Seven of Nine (Jeri Ryan), die wohl mittlerweile auf „Seven“ abgekürzt wird, (wobei zwischendurch sogar ihr menschlicher Name Annika fällt) zeigt sich stärker von Emotionen geleitet als jemals zuvor. Sie teilt sich gerade zum Schluss einen interessanten Moment mit Picard, in welchem beide darüber sinnieren, dass ihre Trennung vom Kollektiv selbst jetzt noch Spuren hinterlassen hat. Dass sie noch einmal zurückkehrt, um ihren Rachegelüsten freien Lauf zu lassen, wirkt im Kontext der Episode und der Ausrichtung der Serie konsequent. Das wirft aber auch ein schlechtes Licht auf die Security von Bjayzl (Necar Zadegan), welche in dieser, genau wie in der Situation zuvor, nicht ansatzweise so kompetent aussah wie eigentlich angekündigt. Denn selbst dem groß eingeführten Mr. Vup (Dominic Burgess) wurde zuvor ein relativ ruhmloser Abgang spendiert.
Die Verkleidungsfarce ist auch eine heikle Angelegenheit, denn sowohl die pompösen Klamotten als unter anderem auch Jean-Lucs aufgesetzter französischer Akzent schrammten sehr nahe daran vorbei, das Ganze ins Lächerliche zu ziehen. Ganz generell wirkte die Inszenierung rund um Freecloud so, als ob man ein bisschen „Bladerunner“ mit dem Charme einer Mission aus Firefly mischen wollte, ohne dass dies als eigener Mix so richtig aufging. Auch die Dialoge, gepaart mit dem Schauspiel, angefangen mit Sevens anfänglicher Unterhaltung mit Picard, fielen dieses Mal merklich ab.

Dafür blieb es am Ende spannend, denn Dr. Juratis Verrat lässt Raum für viele Spekulationen, nachdem Maddox zuvor noch einige Informationen, wie zum Beispiel Sojis Existenz, ihren Aufenthaltsort sowie die Bestätigung, dass ihre Mutter eine AI ist, ausspucken konnte. Ist Jurati nun eine Doppelagentin im Auftrag von Commodore Oh? Was hat sie so überzeugen können, dass sie ihre einstige Liebe zu Maddox dafür einfach aufgegeben hat? Und wird das EMH nicht ihre Manipulation und die Tötung von Maddox aufzeichnen? Sie dürfte eigentlich ja keinen Zugriff haben, um diese Daten löschen zu können.
Fazit
Stardust City Rag birgt das größte Spaltungspotential aller bisherigen „Picard“-Episoden, denn man setzt merklicher als zuvor auf ein zur Dystopie verändertes Bild der Galaxie, in der finstere Praktiken und rauere Sitten an der Tagesordnung stehen. Dabei ist es eine kluge Entscheidung, sich diesmal auf einen alleinigen Handlungsstrang zu fokussieren. Nur die Inszenierung lässt etwas zu wünschen übrig, da sich grobere Szenen und Gewaltspitzen mit zuweilen zu lockerem Kostümierungsspaß im Ton beißen. Ebenso hätten diverse Momentaufnahmen übertriebener Theatralik sowie so mancher Dialog noch einmal überdacht werden können. Der nun geleistete Aufbau für die kommenden Episoden verspricht dafür umso mehr Spannungspotential.
Hier abschließend noch der Trailer zur nächsten Episode der US-Serie Star Trek: Picard, The Impossible Box (1x06):
Verfasser: Tim Krüger am Freitag, 21. Februar 2020Star Trek: Picard 1x05 Trailer
(Star Trek: Picard 1x05)
Schauspieler in der Episode Star Trek: Picard 1x05
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