Star Trek: Picard 1x04

© zenenfoto aus der Episode Absolute Candor der US-Serie Star Trek: Picard (c) CBS All Access
In der Episode Absolute Candor der US-Serie Star Trek: Picard sind Jean-Luc (Patrick Stewart) und seine neue Crew auf dem Weg nach Freecloud. Auf ihrer Reise dorthin kommen sie an einem Planeten vorbei, auf dem der ehemalige Admiral einen Zwischenstopp einlegen möchte. Davon erhofft er sich, ein neues Mitglied rekrutieren zu können, welches ihre Mission unterstützen soll.
Erneute Konfrontation mit der Vergangenheit
Wir starten mit einem Flashback, in welchem Admiral Picard sich für die evakuierten Romulaner auf dem Planeten Vashti einsetzt. Ganz speziell widmet er sich einem Orden von Kriegernonnen, welche sich durch offenen Ausdruck ihrer Gefühle und ihrer Meinung sowie ihrer Abneigung gegen den Tal Shiar auszeichnen. Dabei kümmerte er sich bis zum plötzlichen Abzug der Föderation nach den Ereignissen auf dem Mars um einen Jungen namens Elnor, welchen er in die Obhut der Frauen gegeben hatte.
In der Gegenwart beamt er sich nach einer kurzen Diskussion mit Raffi (Michelle Hurd), welche sich gegen die Aktion ausspricht, alleine auf den Planeten runter, der wie das gesamte System mittlerweile einen angekratzten Ruf genießt. Dies bemerkt er schnell, als ihm von den Einwohnern dort eine dezente, aber doch spürbare Feindseligkeit entgegenschlägt. Anders sieht es jedoch beim Orden aus, in welchem er wesentlich freundlicher willkommen geheißen wird. Dort trägt er sein Anliegen vor, woraufhin die Anführerin Zani (Amirah Vann) ihm den mittlerweile erwachsenen Elnor vorschlägt, der zwar als Mann nicht verpflichtet ist, den für sie typischen Eid für eine würdige Sache abzulegen, dies zusammen mit seinem Schwert aber sicherlich für Picard anbieten würde. Dieser lehnt jedoch zunächst ab, weil er sich über die Jahre von Jean-Luc im Stich gelassen fühlt.
Zur selben Zeit auf dem Borg-Kubus schmeißt sich Narek (Harry Treadaway) weiterhin an Soji (Isa Briones) heran, ist aber mit seiner Methode, dabei gleichzeitig Informationen zu sammeln und Nachforschungen anzustellen, dieses Mal ein wenig zu offensichtlich und handelt sich von Soji zumindest eine temporäre Abfuhr ein, ehe beide sich gewahr werden, dass ihre Neugier über die vor ihnen versteckten Geheimnisse des Kubus enorm ist. Für seinen mangelnden Fortschritt handelt sich Narek allerdings im Anschluss einen Rüffel von seiner Schwester (Peyton List) samt Ultimatum ein.
Zurück auf Vashti brockt sich ein enttäuschter Picard Ärger mit einem Teil der übellaunigen romulanischen Bewohner ein, welche ihn für die Verfehlungen und gesprochenen Versprechen der Föderation repräsentativ verantwortlich machen. Als er zu einem Duell herausgefordert wird, greift jedoch Elnor (Casey King) ein, der es sich anders überlegt hat und sich mittlerweile samt Eid der Mission und dem Schutz Picards verschrieben hat. Nach einer kurzen und messerscharfen Auseinandersetzung beamen die beiden sich schließlich an Bord ihres Schiffs.
Das wird auch höchste Zeit, denn Rios muss sich sowohl der eingeschalteten planetaren Verteidigung als auch eines durch Picards Konflikt angelockten alten Bird of Prey erwehren. Dabei erhalten sie unerwartete Unterstützung eines kleinen Schiffs, welches allerdings während dieser Aktion fatalen Schaden erleidet. Als sie den Piloten der dem Untergang geweihten Maschine an Bord beamen, steht keine Geringere als Seven of Nine (Jeri Ryan) vor ihnen.
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Für Absolute Candor nahm der Serienveteran Jonathan Frakes im Regiestuhl Platz und widmete sich in dieser Episode weitestgehend der Gewinnung eines neuen Crewmitglieds. Doch auch Picards Schwierigkeiten der Vergangenheit, welche schon des Öfteren thematisiert wurden, holen ihn hier ebenfalls ein. Der ehemalige Admiral ist - so, wie es aussieht - wesentlich emotionaler geworden, was ihn hier auch gleich in Schwierigkeiten bringt. Denn, dass jedwede Art von Geste - sei sie auch noch so gerechtfertigt aus Sicht seines moralischen Bewusstseins -, wie zum Beispiel das Abmontieren des Schilds (und vor allem, sich mit den Füßen darauf zu stellen) als Provokation gewertet wird, hätte er anhand der allgemeinen Stimmung eigentlich einkalkulieren sollen.
Natürlich ist die ihm entgegnete Antipathie als augenscheinlicher Repräsentant der Föderation nicht wirklich fair, schließlich gehörte gerade er zu denjenigen, die sich für die Romulaner eingesetzt hatten. Vielleicht wäre allerdings auch jeder andere (ganz besonders mit roter Uniform) an seiner Stelle an Ort und Stelle sofort und ohne große Fragen aus den Schuhen gefeuert worden. Dass Elnor (Casey King) ablehnt, aber es sich dann natürlich noch einmal anders überlegt, war an dieser Stelle aber auch ein bisschen vorhersehbar. Immerhin durfte er ein paar lässige Sprüche im Einklang mit seiner nicht zu verachtenden Schwertkunst vom Stapel lassen. Es ist aber auch wichtig und richtig, dass Picard ihn anschließend vehement dafür zur Rechenschaft zieht, denn, wenn er einfach toleriert hätte, dass Elnor seinen Widersacher mal eben einen Kopf kürzer macht, wäre dies definitiv nicht der Picard, den wir kennen und lieben.

Die Storyline um Soji (Isa Briones) und Narek (Harry Treadaway) verläuft für mich dafür langsam ein wenig im Sand. Diese Woche zumindest war deren Interaktion im Grunde genommen belanglos und auch die Gespräche zwischen ihm und seiner Schwester (Peyton List), deren Geschwisterliebe ihrerseits weiterhin ein bisschen in die falsche Richtung zu gehen scheint, laufen wirklich immer wieder nach demselben Schema ab. Hier müssen die Autoren sobald wie möglich mehr Interesse wecken.
Während man zum Ende hin aufdreht, gönnt sich die Episode aber auch einige Pausen, in denen Luft geholt wird und die neue Crew erstmals miteinander interagiert. Rios ist dabei bisher der interessanteste Charakter, bei dem schon ein gewisses Charisma aufblitzt. Allerdings erinnert er mit seinem Schiff und seiner Art als Pilot in Aktion ein wenig mehr an jemanden wie Han Solo als an einen ehemaligen Sternenflottencaptain in „Star Trek“. Das soll nun keine Wertung, sondern lediglich eine Observation für die limitierten Szenen sein, die wir bisher mit ihm begutachten konnten. Dr. Jurati (Alison Pill) wird bisher als kleiner Konversationstollpatsch mit Fettnäpfchenpotential inszeniert, wobei sie aber auch nicht unsympathisch herüberkommt. Solange sie dabei nicht in die Tilly-Richtung abdriftet (bitte nicht!), funktioniert das für mich durchaus gut. Ist mal ganz nebenbei eigentlich bereits der Name des Schiffs gefallen? Und was haltet Ihr von dessen Design? Zum einen ist es sowohl in Bezug auf die Beleuchtung als auch von der Farbgebung her kein typisches Föderationsprodukt, wie wir es kennen, während die Größe verhältnismäßig fast in Richtung Shuttle zu gehen scheint. Aber vielleicht täuscht dieser Eindruck auch. Wendig ist es allemal.
You owe me a ship, Picard
Gerade am Ende baut die Episode spürbar einiges an Spannung und Dringlichkeit auf und dabei bemerkt man, dass sich die Weltraumscharmützel gemeinsam mit den Szenen an Bord wirklich sehen lassen können. Mit Seven of Nine (Jeri Ryan) hat man genau die richtige Figur gefunden, die sowohl charakterlich die Mischung der Crew bereichern dürfte als auch aufgrund ihrer Vergangenheit als ehemalige Borg bestens in die Geschichte passt.
Fazit
Ähnlich wie die Episoden zuvor - inklusive des Piloten - hat auch Absolute Candor kleinere Macken und Stärken. Im Gegensatz zu den letzten beiden Folgen hat mir aber ganz speziell im Einklang mit dem angezogenen Tempo der Cliffhanger gefallen, der in mir wesentlich mehr Vorfreude hervorrufen konnte und den Gesamteindruck aufwertet. Wenn nun der Soji/Narek-Storyline mehr Würze verliehen wird und alle Crewmitglieder für den Aufbau versammelt sind, sind wir hoffentlich aus der Expositionsphase heraus und können genießen, wie das Gefüge nun zusammenspielt.
Hier abschließend noch der Trailer zur nächsten Episode der US-Serie Star Trek: Picard, Stardust City Rag (1x05):
Verfasser: Tim Krüger am Freitag, 14. Februar 2020Star Trek: Picard 1x04 Trailer
(Star Trek: Picard 1x04)
Schauspieler in der Episode Star Trek: Picard 1x04
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